Karsdorfer Störung

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Die Karsdorfer Störung (auch Karsdorfer Verwerfung) ist eine Nordwest-Südost-streichende, steil nach Nordost einfallende tektonische Verwerfung am Ostrand des Erzgebirges. Sie ist nach dem Ort Karsdorf bei Rabenau (Sachsen) am südöstlichen Rand des Döhlener Beckens benannt, der früher auch Wendischcarsdorf hieß, und wird daher in der historischen Literatur auch als Wendischcarsdorfer Störung oder Wendischcarsdorfer Verwerfung bezeichnet.

Die Karsdorfer Störung hat den Charakter einer Aufschiebung, wobei der nordöstliche Flügel angehoben wurde. Dieser Versatz, dessen Sprunghöhe in der geologischen Literatur nur vage mit „über 100 m“ bis „mindestens 300 m“ beziffert wird, äußert sich in der Landschaft u.a. in Gestalt eines markanten Höhenzuges, der zwischen den Tälern der Roten Weißeritz und des Lockwitzbaches die Nordostabdachung des Osterzgebirges quert und um etwa 80 bis 120 m überragt. Dagegen ist der Verlauf der eigentlichen Störungslinie, wenige 100 m südwestlich des Höhenrückens, im Gelände kaum wahrnehmbar.

Tektogenese und Abgrenzung[Bearbeiten]

Die Karsdorfer Störung wird in der Literatur mitunter als Abschnitt der sogenannten Mittelsächsischen Störung dargestellt, an welcher der südöstliche Teil der Elbezone nach Südwesten gegen das Osterzgebirge aufge- bzw. überschoben ist. Gewöhnlich werden unter dem Begriff „Mittelsächsische Störung“ jedoch diejenigen Störungen zusammengefasst, die u. a. das Osterzgebirgskristallin von den Einheiten des Elbtalschiefergebirges trennen und bereits in der späten Hochphase der Variszischen Orogenese aktiv waren, mutmaßlich im Zuge ausgedehnter rechtssinniger Scherbewegungen.[1] Hingegen verläuft die Karsdorfer Störung etwa zwei Kilometer südwestlich dieser Linie noch innerhalb des Osterzgebirgskristallins und ihre Entstehung wird frühestens in die Oberkreide datiert. Die Karsdorfer Störung gilt als Resultat einer Nordost-gerichteten Kompression der sächsisch-böhmischen Kruste infolge der Fernwirkung der Alpen-Entstehung.

Oberflächengeologie und Geomorphologie im Umfeld der Störung[Bearbeiten]

Auf dem südöstlichen Flügel der Karsdorfer Störung befinden sich mehrere inselartige, von Erzgebirgs-Kristallin umgebene und unterlagerte Reliktvorkommen kreidezeitlicher Sandsteine, die mehrere dutzend Meter mächtig sein können. Es handelt sich dabei um Äquivalente des Elbsandsteins. Die ältesten Schichten dieser Vorkommen gehören zu den ältesten Ablagerungen der Oberkreide im Raum Dresden (Niederschöna-Formation, Mittel- bis Obercenoman). Durch die Karsdorfer Störung bzw. das Döhlener Becken sind sie von der eigentlichen Elbtalkreide abgetrennt.[2]

Die bewaldeten „Sandsteininseln“ werden Dippoldiswalder Heide, Hirschbacher Heide und Reinhardtsgrimmaer Heide genannt und haben für den natürlichen Wasserhaushalt regionale Bedeutung. Das fast ebene Gebiet wird vom Oelsabach und vom Hirschbach bzw. dem Lockwitzbach entwässert.

Pleistozäner Lößlehm tritt fleckenhaft auf und ermöglicht zwischen Hermsdorf und Reinberg eine landwirtschaftliche Nutzung der Böden, die südlich der Karsdorfer Verwerfung ansonsten staunass und nährstoffarm sind.[3]

Wilisch vom Finckenfang aus gesehen

Die Gesteine des Döhlener Beckens, die der Aufarbeitung des „Ur-Erzgebirges“ im frühen Perm entstammen und der Rotliegend-Serie zugeordnet werden, stehen wenige hundert bis weniger als 100 Meter nordöstlich der Karsdorfer Störung an. Sie sind infolge der Aufschiebung des südöstlichen Randes der Elbe-Zone gegen das Osterzgebirge aus dem Untergrund herausgehoben worden. Die einst auch in diesem Gebiet vorhandenen Elbsandsteine sind infolge dessen vollständig abgetragen worden. Insbesondere die in den Rotliegend-Schichten vorkommenden Konglomerate sind relativ erosionsresistent und bilden daher am Südwestrand des Beckens einen Nordwest-Südost-streichenden Rücken, der aus folgenden Bergen besteht:

Dass der Wilisch mit 476 m der höchste Berg des Rückens ist, dürfte damit zusammenhängen, dass dort die Konglomerate zusätzlich durch einen Basalt­schlot „armiert“ sind. Der Basalt ist jedoch bedeutend jünger als die Rotliegend-Gesteine. Er geht auf eine vulkanischen Episode im Tertiär zurück.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietrich Franke: Regionalgeologie Ost., Geologisches Online-Lexikon für Ostdeutschland mit über 1500-seitigem Lexikonteil (PDF; 12,3 MB) und parallel downloadbaren Karten und Tabellen
  • W. Alexowsky, E. A. Koch, M. Kurze, J. W. Schneider, K.-A. Tröger, L. Wolf: Erläuterungen zu Blatt 5048 Kreischa. 3. Auflage, Freiberg 1999, in:
    • Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.): Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1:25000, Blatt 5048 Kreischa. 3. Auflage, Freiberg 1999
  • R. Beck: Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen. Nr. 82, Blatt Kreischa. Leipzig 1917 (Digitalisat), S. 87
    • P. Kossmat, K. Pietzsch: Geologische Spezialkarte des Königreiches Sachsen. Nr. 82 Blatt Kreischa. 2. Auflage, herausgegeben vom Königlichen Finanzministerium, Dresden 1912 (Digitalisat der Karte, kann als .jpg-Datei heruntergeladen werden. Anmerkung: Die Karte zeigt den südöstlichen Teil des Döhlener Beckens in Brauntönen. Die Karsdorfer Störung ist am bzw. nahe dem Südwestrand des Beckens, „Wendischcarsdorf“ tangierend, als etwas dickere schwarze Linie eingezeichnet.)
  • Kurt Pietzsch: Abriß der Geologie von Sachsen. 2. Auflage, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1956
  • Ulrich Sebastian: Die Geologie des Erzgebirges. Springer Spektrum, Berlin·Heidelberg 2013

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Berger, Manfred Felix, Sascha Görne, Erhard Koch, Ottomar Krentz, Andrea Förster, Hans-Jürgen Förster, Heinz Konietzky, Christian Lunow, Katrin Walter, Holger Schütz, Klaus Stanek, Steffen Wagner: Tiefengeothermie Sachsen. 1. Arbeitsetappe 09/2009 – 07/2010. Schriftenreihe des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Heft 9/2011, S. 67 f. (online)
  2. W. Pälchen, H. Walter (Hrsg.): Geologie von Sachsen. Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. Stuttgart 2008. S. 316-319 ISBN 978-3-510-65239-6
  3. Jens Weber, Christian Jentsch, Christian Zänker: Die Wendischcarsdorfer Verwerfung und der Wilisch. In: Grüne Liga Osterzgebirge (Hrsg:) Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 3: Naturkundliche Wanderziele. Sandstein Verlag, Dresden 2007, ISBN 978-3-942422-48-2, S. 345 (HTML-Version)