Kart

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Dieser Artikel behandelt das Fahrzeug namens Kart; für den türkischen Fußballspieler siehe Özgür Kart.
Kart
Kart-Rennen der 150-ccm-Klasse in der DDR, Juni 1990 in Cottbus
Karts auf einer Outdoor-Kartsportanlage

Das Kart ist ein einsitziges, offenes, mit einem Verbrennungs- oder Elektromotor ausgerüstetes Fahrzeug, das in seiner Bauweise an Tretautos angelehnt ist.

Das erste Kart wurde 1956 vom US-amerikanischen Ingenieur Art Ingels gebaut – ausgerüstet mit einem Rasenmähermotor, der über eine Fahrradkette ein Hinterrad antrieb.[1] Ingels, der zuvor bei Kurtis Kraft Rennwagen baute, stieß mit seiner Erfindung auf großes Interesse. Schnell fanden sich Nachahmer des simplen Konzepts und auf Parkplätzen wurden erste Rennen ausgetragen. Bereits 1959 wurden Karts auf der Pariser Automobilausstellung gezeigt und fanden so ihren Weg nach Europa.

Im Kartsport, der in diversen nationalen und internationalen Rennserien ausgetragen wird, erreichen Karts je nach Motorisierung Geschwindigkeiten von 60 km/h [2] bis zu 75 km/h.[3] Besonders leistungsstarke Karts, die sogenannten Superkarts, erreichen Höchstgeschwindigkeiten von etwa 280 km/h.[4]

Leistungsschwächere Varianten bieten aber auch Laien und insbesondere Kindern die Möglichkeit, an den Sport herangeführt zu werden. Daher war und ist der Kartsport für viele Rennfahrer der Einstieg in den Motorsport, unter anderem begannen Michael Schumacher, Ayrton Senna, Alain Prost und Sebastian Vettel ihre Rennsport-Karrieren auf der Kartbahn.

Insbesondere nach den Erfolgen von Schumacher in der Formel 1 erfreuten sich Karts auch als Freizeitsport großer Beliebtheit. Es gibt zahlreiche Kartbahnen (häufig auch in Hallen), die auch Nicht-Rennsportlern das Kartfahren ermöglichen. Aufgrund der wenigen Sicherheitsvorkehrungen am Kart – nur wenig Verkleidungen, meist kein Überrollbügel oder Gurt – ist auch dort in der Regel ein Helm Pflicht. Professionelle Kartsportler tragen darüber hinaus die typische Rennfahrer-Kleidung bestehend aus Overall, Schuhen und Handschuhen.

Aufbau[Bearbeiten]

Rahmen (auch Chassis)[Bearbeiten]

Das Chassis eines Karts besteht aus einem Rund- oder Ovalrohrrahmen aus Stahl. An der Front und an den Seiten sind Kunststoffverkleidungen angebracht, am Heck ist in den meisten Rennserien ein HAS (Heckauffahrschutz) vorgeschrieben. Bei leistungsstarken Karts kann ein Heckflügel angebaut werden. Da Karts keine Federung besitzen, muss der Rahmen Stöße aufnehmen können, ohne dabei zu brechen bzw. allzu stark nachzugeben. Die Steifigkeit des Chassis kann durch den Einbau zusätzlicher Stabilisatoren an die Streckenbedingungen angepasst werden.

Typischerweise sitzt der Fahrer mittig, in Spezialausführungen für Ovalkurse auch versetzt. Sehr selten sind zweisitzige Karts. Bei Offroad-Karts (Kartbuggy) kommen Überrollbügel zum Einsatz, im Kartsport wird aber weitgehend darauf verzichtet. Bei Bambini Karts (8-12 Jahre) sind jedoch Sitze mit Überrollschutz vorgeschrieben.

Motor[Bearbeiten]

Der Kart-Motor befindet sich vor der Hinterachse (Mittelmotor), meist leicht versetzt schräg hinter dem Fahrer. Ursprünglich wurden in Karts hauptsächlich Ein-Zylinder-Zweitaktmotoren aus Motorrädern verwendet, entsprechend schreiben auch die meisten Rennserien diese Motoren vor. Insbesondere im Hobbysport kommen aber mittlerweile auch Viertakt-, Wankel- oder Elektromotoren zum Einsatz, darunter Exoten wie Motoren aus Ultraleichtflugzeugen mit über 600 cm³.

Im Kartsport werden in der Regel Motoren mit 60 bis 250 cm³ Hubraum eingesetzt. Deren Leistung reicht von 4 PS [3] (gedrosselt, „Bambini“) bis rund 100 PS bei Superkarts.[4] Die damit erreichbaren Geschwindigkeiten hängen stark vom gewählten Übersetzungsverhältnis ab. Geschwindigkeiten um 280 km/h erreichen nur Superkarts, wenn auf dem jeweiligen Kurs diese Geschwindigkeit auch erzielbar ist.[4] Die von normalen Rennkarts erzielten Werte bewegen sich von 100 bis 150 km/h. Gedrosselte Karts (Leihkarts, Bambini) sind für 65 oder 35 bis hinab zu 20 km/h ausgelegt.[3]

Alternativer Elektroantrieb[Bearbeiten]

Zahlreiche Hersteller für Renn- oder Leihkarts stehen im Wettbewerb um den technologischen Fortschritt. Inzwischen ist der seit Jahren entwickelte Elektroantrieb eine ausgereifte alternative Lösung für das Problem der immer strengeren Umweltschutzauflagen bei Lärm- und Abgasemissionen.[5]

Zu Beginn mit Bleiakkumulatoren und Bürstenmotoren ausgestattet, werden die Fahrzeuge heute mit temperaturüberwachten Lithium-Eisenphosphat-Akkumulatoren ausgestattet. Zur heutigen Serienreife gehören u.a. ein- und zweimotorige Lösungen mit Untersetzungsgetriebe, Differenzial und elektronisch überwachten Batteriemanagementsystemen, Bremslichtern, Scheinwerfern und teilweise drehzahlgebundenen Soundgeneratoren.

Kraftübertragung[Bearbeiten]

Seilzugbetätigte Scheibenbremse eines Karts

Die Kraftübertragung erfolgt vom Motor über eine Kette an die Hinterachse. Durch Auswechseln der Zahnräder an der Achse und am Motor lässt sich die Übersetzung an die Streckenverhältnisse anpassen, bei leistungsstarken Karts kommen drei- bis sechsgängige sequentielle Schaltgetriebe zum Einsatz. In modernen Karts sorgt eine Fliehkraftkupplung dafür, dass der Motor bei langsamer Fahrt oder im Stand nicht ausgeht.

Da Karts kein Differentialgetriebe haben, muss bei Kurvenfahrt ein Hinterrad rutschen. Um die dadurch entstehende Bremswirkung und die Belastung des rutschenden Reifens zu verringern, ist das Chassis so konstruiert, dass das kurveninnere Hinterrad leicht abhebt und so die Bodenhaftung verliert.

Gebremst wird über eine seilzugbetätigte oder hydraulische Scheibenbremse an der Hinterachse. Auch zusätzliche Front-Scheibenbremsen werden eingesetzt, sind aber nur bei Schaltkarts (KZ2, KZ1) und Seniorkarts (KF2, KF1, IAME X30, ect.) erlaubt. Betätigt wird die Bremse mit dem linken Pedal (rechts befindet sich das Gaspedal).

Kartreifen – in der Regel schlauchlose, luftgefüllte Gummireifen – sind deutlich kleiner als normale Reifen, die Felgen haben meist einen Durchmesser von 5 bis 6 Zoll. Wie in anderen Motorsportarten auch gibt es Slicks, Regenreifen und Intermediates. Wobei bei Rennen nur Slicks und Regenreifen erlaubt sind.

Straßenkarts[Bearbeiten]

F-Kart Straßenkarts

Obwohl eigentlich für die Rennstrecke entwickelt, gibt es auch Karts mit Straßenzulassung (auch „Streetkarts“). Nach einer Richtlinie der Europäischen Union (2002/24/EG: Typgenehmigung für zweirädrige oder dreirädrige und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge) gelten diese Karts als motorisierte Kleinstfahrzeuge und können demzufolge für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen werden.[6] Da Karts ohne weiteres Höchstgeschwindigkeiten über 60 km/h erreichen, dürfen sie entsprechend auch auf Autobahnen fahren. Bei einer Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h können Straßenkarts als Leichtfahrzeug zugelassen werden (Fahrerlaubnis-Klasse S).

Da Karts aufgrund ihrer geringen Höhe für andere Verkehrsteilnehmer schlecht zu sehen sind und kaum passive Sicherheit gewährleisten, ist diese Regelung umstritten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Huppertz: Zulassung von Fahrzeugen - Rechtliche Einordnung. Schwerpunkte. Fallbeispiele. Richard Boorberg Verlag, 2. Auflage von 2007, ISBN 3-415-03847-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vintagekarts – Internetseite: Ingels Kart – Kart #1. Auf: www.vintagekarts.com, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  2. Funkarting – Internetseite: Funkarting – Die Karts. Auf: www.funkarting.de, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  3. a b c Coolrunning – Internetseite: Unsere Kartklassen mit technischen Informationen. Auf: www.coolrunning.de, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  4. a b c Autobild – Internetseite: David gegen Goliath. Auf: www.autobild.de, 1. März 2010, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  5. Sodikart – Internetseite: Sodi GTX. Auf: www.sodikart.com, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  6. Bernd Huppertz: Zulassung von Fahrzeugen - Rechtliche Einordnung. Schwerpunkte. Fallbeispiele.