Kartonmöbel

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Tisch/Stuhl: Falt- und Steckprinzip
Fauteuil: Falt- und Steckprinzip
Regal: Falt- und Steckprinzip
Stuhl: Falt- und Steckprinzip
Kommode aus Karton/ Steckprinzip

Kartonmöbel oder Pappmöbel sind Möbelstücke aus Karton oder Wellpappe. Oft lassen sie sich mit wenigen Handgriffen auseinanderfalten und zusammenstecken.

Geschichte[Bearbeiten]

In vorangegangenen Jahrhunderten waren Papiermachémöbel durchaus geläufige Objekte. Bereits im 18. Jahrhundert arbeiteten die Manufaktur Stobwasser und die Pappmachédynastie Adt mit diesem Material. Während damals versucht wurde, die gängigen Formen und Materialien zu imitieren, indem der Karton gepresst, mit Leinöl getränkt und anschließend unter Hitzeeinwirkung gehärtet wurde, setzen die Hersteller heute bewußt auf den Pappkarton als Stilmittel, der seine Identität nicht verbergen braucht; die Haltbarkeit und Formstabilität wird durch entsprechende Falttechniken erzielt. Seit dem letzten Jahrhundert schaffen Designer massengefertigte Kartonmöbelkollektionen. Peter Raacke stellte schon im Jahre 1966 eine Kollektion derartiger Möbel vor.

Breitere Bekanntheit erhielten die Kartonmöbel Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts, als der amerikanische Architekt Frank Gehry systematische Experimente mit Karton im Zusammenhang mit der Möbelproduktion durchführte. Als erste Produktentwicklung gingen siebzehn Entwürfe der so genannten "Easy-Edges-Linie" in den Handel. In Gestalt gegossen anmutender Plastiken wurden diese zunächst als Schaufensterdekoration entwickelt, jedoch nachfolgend auch kommerziell erfolgreich vertrieben. Jahre später entwickelte Gehry die so genannten "Experimental-Edges", welche jedoch, nicht zuletzt auf Grund der Einzelanfertigung und des Preises, eher als Kunstgegenstände denn Gebrauchsmöbel einzustufen sind.

Heutige Produkte[Bearbeiten]

Auf dem freien Markt sind heutzutage vor allem Möbelteile wie Kartonschubfächer und -laden erhältlich. Diese sind oftmals bedruckt oder mit anderen Materialien im Verbund verarbeitet, da die Kartonoberfläche in ihrer Sichtbarkeit nur eingeschränkte Akzeptanz erfährt.

Prinzipien[Bearbeiten]

Sechs grundlegende Prinzipien (nach Martens/Tschuppik) gestalterischer bzw. konstruktiver Beschaffenheit bzw. deren Mischformen können unterschieden werden:

  • Schichtprinzip

Hierbei wird eine Vielzahl flacher Kartonscheiben mittels vollflächiger Klebung aneinandergefügt, sodass ein monolithisch erscheinender tragfähiger Korpus entsteht.

  • Faltprinzip

Aufgrund der Faltung einzelner Kartonbögen werden räumlich steife Körper ausgebildet, welche trotz geringen Gewichtes erhebliche Tragfähigkeit entwickeln.

  • Steckprinzip

Durch schnitttechnische Ausnehmungen werden Verzahnungen zweier oder mehrerer in der Regel scheibenförmiger Kartonelemente erzielt, welche schlussendlich einen skeletthaft anmutenden Möbelkorpus herausbilden.

  • Brettprinzip

Analog zum Schichtprinzip werden einzelne scheibenförmige Kartonelemente zu "brettähnlichen" Elementen verklebt, welche ihrerseits Tragfähigkeit und Stabilität aufweisen können.

  • Röhrenprinzip

Im Handel erhältliche und/oder selbstgefertigte Kartonröhren werden zur Entwicklung einer tragfähigen und/oder gestaltbildenden Struktur herangezogen.

  • Sandwichprinzip

Dem Prinzip so genannter "Sandwichplatten" folgend wird eine drei- oder mehrschichtige "Bauplatte" aus Karton hergestellt, innerhalb derer eine oder mehrere faltwerkartige Bahnen eingeklebt werden.

Patentschriften und Gebrauchsmuster[Bearbeiten]

  • Günther Reinstein (Hannover): Möbel aus Pappe / Österreichische Patentschrift 46100 (Anmeldetag: 30. Oktober 1909)
  • Allo Assmann (Enger): Stuhl und Hocker aus Wellpappe / Gebrauchsmuster DE 1997033 (Anmeldetag: 31. Juli 1968)
  • Papierfabrik Ludwig Osthushenrich KG (Herzberg/Harz): Stuhl, insbesondere Kinderstuhl, aus Pappe / Patent DE 6810768 (Anme1detag: 10. Dezember 1968)
  • Smeets und Schippers Int. (Frankfurt): In einen Verkaufsständer umwandelbarer Sessel aus Wellpappe / Gebrauchsmuster DE 7042529 (Anmeldetag: 17. November 1970)
  • Frank O. Gehry (Santa Monica): Möbelstück od. dgl. / Patent US 2259968.4 (Anmeldetag: 7. Dezember 1972)
  • Co-Pak Verpackung GmbH (Nieder-Roden): Kinderstuhl aus Wellpappe / Gebrauchsmuster 7533423 (Anmeldetag: 18. Oktober 1975)
  • Thimm KG (Northeim): Zusammensteckbares Möbelstück aus mehreren Zuschnittsteilen aus Wellpappe, Vollpappe o. dgl. / Gebrauchsmuster G83164545 (Anmeldetag: 4. Juni 1983)
  • Europa Karton AG (Hamburg): Insbesondere Ablagezwecken dienendes tragfähiges und standfestes, insbesondere vertikal belastbares Möbelstück aus faltbarem Material, insbesondere Wellpappe / Patent EP 0222130 (Anmeldetag: 30. September 1986)
  • Bruno Rousseaux (Paris): Cardboard furniture constructable by children - is made from parallel sheets with tongues engaging in slots in end panels joined by transversal sections / Gebrauchsmuster FR 2645040 (Anmeldetag: 3. April 1989)
  • Rodger A. McCuliough (Convington): Child's Furniture and Method of Making / Patent US 5263766 (Anmeldetag: 23. November 1993)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dry, Graham. "Hans Günther Reinstein und seine Möbel aus Pappe". In: Kunst in Hessen und am Mittelrhein (1982) 22, S. 131 ff.
  • Martens, Bob. Das Kartonmöbel. Wien: Technische Universität Wien, 1995 [ISBN 3-901153-03-9]
  • Minke, Gemot. "Bauen mit Pappe". In: DBZ (1977) 11, S. 1497-1500.
  • Schreibmayer, Peter. "Cardboards. Bauen mit Pappe." In: Architektur Aktuell (1991) 146, S. 20-21.