Kaspar Maria von Sternberg

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Kaspar Graf Sternberg (auch: Caspar Graf Sternberg, tschechisch: hrabě Kašpar Maria Šternberk), * 6. Januar 1761 in Prag; † 20. Dezember 1838 in Brzezina bei Rokitzan) war Theologe, Politiker, Mineraloge und Botaniker. Er gilt als Begründer der modernen Paläobotanik. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Sternb.“.

Kaspar Graf Sternberg mit einer versteinerten Pflanze

Sternberg gründete das Vaterländische Museum des Königreichs Böhmen in Prag (heute: Nationalmuseum). Ab 1820 pflegte er Freundschaft mit Johann Wolfgang von Goethe.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Kaspar Sternberg wurde als jüngster von drei Söhnen des Grafen Johann von Sternberg und der Gräfin Anna Josefa, geb. Kolowrat Krakowský geboren.

Bereits mit elf Jahren wurde er für die geistliche Laufbahn bestimmt und begann 1778 mit der priesterlichen Ausbildung im Collegium Germanicum in Rom, genoss nach dessen Abschluss noch ein weiteres Jahr in Rom und Neapel, um schließlich 1783 nach Regensburg zu ziehen und dort seine geistliche Berufslaufbahn zu beginnen.

Regensburg[Bearbeiten]

Caspar Graf Sternberg

Hier wurde er 1785 Domkapitular und trat als 24-Jähriger zum ersten Mal mit der Freimaurerloge in Kontakt, der er beitrat und die wohl auch seine aufgeklärte Gesinnungsart prägte, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte.

Die Französische Revolution und die anschließenden Kämpfe der Franzosen gegen Deutschland beeinträchtigten das Lebensgefühl Sternbergs erheblich.

1800 wurde Sternberg unter dem aufgeklärten Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg zum Domherrn in Regensburg ernannt, und 1802 erklomm er als Stellvertreter des Fürsten Thurn und Taxis die Spitze der dortigen politischen Verwaltung, des Landesdirektoriums. Diesem Amt stand er während vier Jahren vor. Während dieser Zeit war er Gesandter am Immerwährenden Reichstag und Vertreter des Hochstifts Freising beim Reichsdeputationshauptschluss.

Kurz darauf begannen aber die politischen Verhältnisse unter den Napoleonischen Kriegen in Deutschland sein Einvernehmen mit Dalberg, das bislang freundschaftlich war, zu trüben. Dalberg war ein überzeugter Befürworter Napoleons, während Sternberg in der Verteidigung eines vereinten Großdeutschlands gegen den Herrscher Frankreichs das Gebot der Stunde sah.

Das Jahr 1804 brachte Sternberg als einer der Begleiter Dalbergs nach Paris, wo er anlässlich der Krönung Napoleons zur Stärkung der Position Regensburgs mit Talleyrand in Verhandlungen trat und die Vereinigung der Bistümer Mainz und Regensburg zu einem Metropolitankapitel erreichte, doch zog sich im Übrigen in dieser politisch bewegten und ungewissen Zeit der inzwischen sowohl in Böhmen als auch in Deutschland Beheimatete von den öffentlichen geistlichen Geschäften mehr und mehr zurück, um sich schließlich ganz der Naturwissenschaft zuzuwenden.

Mit ihnen hatte ihn schon in der Jugend sein Bruder Joachim vertraut gemacht. In den 1790er Jahren hatte er begonnen, sich intensiver mit der Botanik zu befassen, war 1799 der von David Heinrich Hoppe 1790 gegründeten Botanischen Gesellschaft in Regensburg beigetreten, richtete 1804 einen dazugehörenden botanischen Garten ein und gründete schließlich 1806 die Regensburger Akademie der Naturwissenschaften, der er als Präsident vorstand.

Mit dem Tod seines zweiten Bruders Joachim 1808 auf dessen Gut in Brzezina (bei Radnitz im Pilsner Kreis) und mit der Zerschlagung seiner Hoffnungen auf die Position des Koadjutors an der Seite Dalbergs – Napoleon hatte Dalberg zur Annahme seines Stiefonkels, Kardinal Joseph Fesch, verpflichtet – sah sich Sternberg vor die Wahl gestellt, die Aufsplitterung des deutschen Reiches in viele kleinere Lande an Ort und Stelle mitzuerleben und zu erleiden oder seine geistliche Karriere abzubrechen und das böhmische Gut seiner Familie als einziger Hinterbliebener weiterzuführen. Als 1810 Regensburg an Bayern überging, entschloss er sich endgültig, seine Lebensinteressen nach Böhmen zu verlegen, seine Güter in Liblín und Radnitz zu verwalten und damit das Patronat über zwölf Dörfer mit insgesamt 3000 Einwohnern zu übernehmen, die zum Großteil als Landwirte beschäftigt waren, in der Minderheit jedoch in der Sternbergschen Eisenhütte, in dem Schwarzkohlebecken und in der Forstwirtschaft ihren Unterhalt erwarben.

In der Hingabe an seine naturwissenschaftlichen Interessen wusste er die Wartung des Gutshofes in Brzezina glücklich zu verbinden mit der Erforschung und Nutzbarmachung belebter und unbelebter Natur. Hiermit legte Sternberg den Grundstein zu seinem letzten Lebensabschnitt.

Böhmen[Bearbeiten]

Sternberg erfasste im wissenschaftlichen Geschehen seiner Zeit die Notwendigkeit eines intensiven Gedankenaustausches, der über die Landesgrenzen hinausgehen sollte. So wurde er eifriger Mitwirker an den von Lorenz Oken in den 1822 ins Leben gerufenen wissenschaftlichen Kongressen im Rahmen der Versammlungen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte.

Um aber außerdem auch Böhmen zu einiger wissenschaftlicher und kultureller Geltung zu erheben, gründete er 1818 zusammen mit seinem Vetter Franz Graf Sternberg-Manderscheid, Franz Graf Klebelsberg-Thumburg und dem Oberstburggrafen Franz Anton von Kolowrat-Liebsteinsky das Vaterländische Museum in Böhmen, ebenso eine zugehörige Gesellschaft in Prag, die unter Franz Sternberg-Manderscheid einen historisch-künstlerisch-literarischen und unter Kaspar Sternberg einen naturgeschichtlichen Zweig verwaltete.

Fossile Schachtelhalmgewächse

Hier waren die wissenschaftlichen Bereiche vielfältig: Das Museum verfügte in seinem naturgeschichtlichen Teil schon bald über botanische, mineralogische und geognostische Sammlungen. Diese entsprachen auch den von Sternberg ausgeübten Wissenschaften. Meteorologische Untersuchungen, die er unter anderem auch in Brzezina durchführte, kamen noch hinzu. Die vier genannten naturwissenschaftlichen Bereiche beinhalten zu einem erheblichen Anteil auch den 1820 begonnenen Briefwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe.

Die Gründung der Monatschrift der Gesellschaft des vaterländischen Museums 1827 besiegelte die Verbreitung der wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklung Böhmens auch im Ausland. Ihre Aufgabe sah sie darin, das „Einheimische, Bodenwüchsige, Eigenständige auf allen Gebieten zu pflegen, in Geschichte und Naturwissenschaft, in Kunst und Dichtung“.

Die Familie Sternberg war schon länger bekannt gewesen für ihr stetes Bemühen um das Wohl des Landes. In dieser Gesinnung übernahm Sternberg ab 1826 auch den Vorsitz über die Patriotisch-ökonomische Gesellschaft in Böhmen, einen bereits von Maria Theresia ins Leben gerufenen Verein zur Förderung der böhmischen Wirtschaft, und verwendete sich ab 1827 für die Errichtung eines Eisenbahnverkehrs von Prag nach Pilsen und 1836 für den Bau einer Kettenbrücke über die Moldau, die die durch den Fluss getrennten Teile Prags verkehrstechnisch verbinden und dadurch eine Transportmöglichkeit von und zu dem auf der Prager Kleinseite (Prag-Smíchov) aufblühenden Industriezentrum schaffen sollte.

Alter[Bearbeiten]

Sternberg im Profil

Die persönlichen Kontakte, die Sternberg nicht nur innerhalb der Monarchie, sondern im ganzen deutschsprachigen Raum unterhielt – auch nach Regensburg fand er immer wieder – pflegte der Alternde unermüdlich fort; die Jahre 1824, 1827 und 1830 führten ihn auch nach Weimar, da Goethe nach 1823 nicht mehr nach Böhmen kehrte.

Anfang Januar 1838 erlag Sternberg, der in den letzten Jahren fast erblindet und immer einsamer geworden, auf seinem Gut in Brzezina einem Schlaganfall.

Seine Familiengruft befindet sich auf dem Friedhof Horní Stupno bei Břasy im Pilsner Kreis.

Werk[Bearbeiten]

Sternbergs Hauptwerk: „Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt“

Sternbergs wissenschaftliches Werk umfasst über 70 Publikationen, vornehmlich aus dem Bereich der Botanik, Paläobotanik und Geognosie, aber auch zur Kommerzialisierung und Nutzbarmachung der böhmischen Bodenerzeugnisse.

Sein Hauptwerk bestand in der Herausgabe eines Versuch[s] einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt (1820–1838), das zu seiner Zeit als Standardwerk galt und in seiner wissenschaftlichen Bedeutung an die Seite des Werks von Ernst Friedrich von Schlotheim und Adolphe Brongniart zu stellen ist. Sternberg verfolgte und erreichte darin das Ziel, die vorzeitlichen pflanzlichen Zeugen nach Linnés System rezenter Pflanzen zu bestimmen und systematisch einzugliedern – erkennend, dass auch fossile Arten unter spezifischen ökologischen Bedingungen und in biotopisch bestimmten Gemeinschaften lebten. Er distanzierte sich damit auch von der biblischen Vorstellung eines vorsintflutlichen Lebens seiner Vorgänger des 18. Jahrhunderts. Die Pflanzengattung Sternbergia Waldst. et Kit. aus der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) ist nach ihm benannt worden.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaspar Maria von Sternberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Robert Zander, Fritz Encke, Günther Buchheim, Siegmund Seybold (Hrsg.): Handwörterbuch der Pflanzennamen. 13. Auflage. Ulmer Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-8001-5042-5.