Kaspar von Roggendorf

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Kaspar I. von Roggendorf (auch: von Rogendorf oder Roggendorfer; * 15. Jahrhundert; † 1506) war Rat und Kämmerer Kaiser Friedrichs III. (reg. 1452–93) und diente ihm als Heerführer im Kampf gegen den ungarischen König Matthias Corvinus (reg. 1458–90). Aufgrund seiner Verdienste wurde er in den Freiherrenstand erhoben und war ab 1501 Mitglied des Regiments (= Regierung) der „niederösterreichischen“ Länder[1].

Leben[Bearbeiten]

Kaspar von Roggendorf entstammte der steirischen Ritterfamilie der Roggendorf, die seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in Österreich unter der Enns, wie Niederösterreich damals genannt wurde, ansässig war. Kaspar begann seinen Aufstieg als Kriegsmann Kaiser Friedrichs III. Er machte rasch Karriere und bekleidete zahlreiche Ämter, sodass er ausgedehnte Herrschaften erwerben und zu großem Reichtum gelangen konnte. Sein Geschlecht nahm im westlichen Waldviertel schon bald eine fast fürstliche Stellung ein, obwohl es lediglich in den Freiherrenstand erhoben worden war.

Seit etwa 1475 war Kaspar von Roggendorf Kämmerer, 1477 wurde er kaiserlicher Truchsess, 1479 Pfleger der landesfürstlichen Burg Werfenstein. Wohl schon 1475 hatte er die Herrschaft Rosenburg am Kamp erworben, 1478 war Pöggstall gefolgt, 1479 Ottenschlag und 1480, dem Jahr in dem er zusammen mit seinem Bruder Balthasar in den Freiherrenstand erhoben worden war, die Herrschaft Weitenegg.

1484 war Kaspar von Roggendorf einer der Armeeführer Kaiser Friedrichs III. in der Schlacht bei Leitzersdorf, die mit einer Niederlage der kaiserlichen Armee gegen die Truppen des Ungarnkönigs endete. Nachdem Friedrich III. gestorben war, diente Roggendorf auch dessen Sohn Maximilian I. (König seit 1486; Kaiser seit 1508). In den letzten fünf Jahren seines Lebens war er Mitglied des Regiments der „niederösterreichischen“ Ländergruppe.

Von Roggendorfs Söhnen Wilhelm (1481–1541), Georg und Wolfgang erlangte vor allem der erstgenannte als kaiserlicher Heerführer und – neben Niklas Graf Salm (1459–1530) – Verteidiger Wiens während der Türkenbelagerung von 1529 Bekanntheit.

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Im Zuge der Reichsreform unter Maximilian I. wurde aus Österreich unter der Enns, wie Niederösterreich damals bezeichnet wurde, Österreich ob der Enns, dem heutigen Oberösterreich, Steiermark, Kärnten und Krain die „niederösterreichische“ Ländergruppe gebildet, die wiederum dem Österreichischen Reichskreis angehörte. Vgl. dazu Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien und reichsunmittelbaren Geschlechter vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag C.H.Beck, 6., vollständig überarbeitete Aufl., München 1999, S. 431 und 462, ISBN 3406443338.