Kassam-Rakete

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Überreste verschiedener Kassam-Raketen, die vom Gaza-Streifen auf Israel gefeuert wurden
Überreste einer explodierten Kassam-Rakete. Gut zu erkennen: die einfachen Schweißpunkte.
Überreste verschiedener Kassam-Raketen
Reichweiten von Raketen aus dem Gazastreifen
Graph des Kassam-Raketenbeschusses nach Zahl und Zeitraum (2002–2007)

Die Kassam-Rakete oder Qassam-Rakete (arabisch ‏صاروخ القسام‎, DMG Ṣārūḫ al-Qassām) ist eine von der palästinensischen Hamas entwickelte Boden-Boden-Rakete. Sie ist nach Scheich Izz ad-Din al-Qassam (18821935, ‏عزّ الدين القسّام‎), einem radikal-islamischen Geistlichen und arabischen Partisanen, der bereits gegen die Franzosen und Briten kämpfte, benannt. Auch der Name des militärisch-terroristischen Flügels von Hamas – die Kassam-Brigaden – bezieht sich auf ihn.

Entwicklung[Bearbeiten]

Nach Angaben der Hamas soll die erste Kassam-Rakete von Nidal Fathi Rabah Farahat entwickelt und unter der Leitung von Adnan al-Ghul hergestellt worden sein. Dieser gilt als „Vater der Kassam“ und wurde im Oktober 2004 bei einem Angriff des israelischen Militärs gezielt getötet.

Die ersten Kassam-Flugkörper wurden im Januar 2001 gegen Israelis in Gaza abgefeuert [1] . Am 16. April 2001 wurde der erste Einschlag auf dem Territorium des Staates Israel verzeichnet.[2]

Technik[Bearbeiten]

Alle vier bisherigen Modelle sind einfache, mit Sprengköpfen versehene Stahlkonstruktionen ohne aktives Leitsystem. Die Herstellung erfolgt in einfacher Handarbeit, die an Präzision dabei deutlich hinter der industriell gefertigter Typen zurückbleibt (siehe Fotos oben), inzwischen aber in einigen Details deutlich verbessert wurde. Die Treffgenauigkeit, Zuverlässigkeit und Wirkung ist dennoch vergleichsweise gering.

Der Feststoffantrieb wird trotz seines hohen Gefahrenpotentials mit einfachen Geräten in Kellern, Baracken und diversen Werkstätten hergestellt. Die Antriebszelle aus Stahlrohr wird mit den Stabilisierungsflossen zusammengeschweißt, Gefechtskopf und Aufschlagzünder werden jeweils aufgeschraubt. Die Treibstoffmischung aus Zuckerlösung und Kaliumnitrat (wie z. B. Kunstdünger) wird u. a. auch von Amateurraketenbauern in verschiedenen Ländern eingesetzt. Das Gemisch ist hygroskopisch, weswegen die Düsen luftdicht verschlossen werden müssen.

Der Sprengkopf enthält je nach Variante 5 bis 12 kg TNT, das in fester Form über verschiedene Schmuggelrouten, z. B. durch Tunnel unter der Grenze zu Ägypten oder auf dem Seeweg, in Umgehung der ägyptischen Blockade, importiert wird. Der Aufbau des Sprengkopfs entspricht im Wesentlichen einer Splitterbombe, wodurch er auch zur Personenbekämpfung eingesetzt werden kann.

Als Abschussvorrichtung dient eine zusammenklappbare Lafette, die leicht zu transportieren ist und am Startplatz schnell auf- und abgebaut werden kann. Sie wird in verschiedenen Größen passend zu den Raketen hergestellt. Die Einstellung der Ballistik erfolgt mit Kompass und Neigungsmesser.

Einsatz[Bearbeiten]

Die Raketen werden für terroristische Angriffe gegen israelische Städte und Siedlungen eingesetzt. Die meisten Abschüsse erfolgten von der Stadt Bait Hanun im Gazastreifen aus. Ziele waren meist Sderot, Aschkelon, Netiwot und die umliegenden Kibbuzim. Am 28. Juni 2003 gab es die ersten zwei israelischen Todesopfer, bis Mai 2008 stieg die Zahl der durch Kassam-Raketen getöteten Israelis auf 15.[3] Bis November 2008 trafen über 3700 Raketen israelisches Territorium.[4]

Gegenmaßnahmen[Bearbeiten]

Trotz der extrem einfachen Bauweise der Kassam-Raketen ist deren Abwehr mit aktuell verfügbaren Systemen nur mit hohem Aufwand möglich. Hauptprobleme sind vor allem die geringe Größe und die kurze Flugzeit der Raketen, was einen hochmodernen und damit teuren Abwehrkomplex erfordert.

Aktuell ist lediglich ein Frühwarnsystem namens Red Color (ursprünglich Red Dawn) verfügbar,[5] welches in den meisten Städten im Süden Israels installiert wurde. In Sderot ergibt sich dadurch eine Vorwarnzeit von etwa 15 Sekunden.[6] Ein Prototyp eines Laser-basierten Systems Tactical High Energy Laser wurde von den USA und Israel als Abwehr gegen die Katjuscha-Raketen der Hisbollah und andere Projektile entwickelt, aber nach 10 Jahren Entwicklungszeit trotz einiger positiver, insgesamt aber unbefriedigender Testergebnisse wieder aufgegeben. Israel hat sich für die Entwicklung eines Abwehrsystems auf der Basis von Anti-Raketen-Raketen entschieden. Es firmiert unter dem Namen Iron Dome (dt. „eiserne Kuppel“) und hat eine Reichweite von ca. 7 km. Am 19. Juli 2010 meldeten die israelischen Streitkräfte das System als einsatzbereit, die ersten beiden Batterien sollten im November 2010 bei Sderot an der Grenze zum Gazastreifen stationiert werden.[7] Seit Juli 2014 stehen neun Systeme im Einsatz, ein schrittweiser Ausbau auf insgesamt 15 Abwehrstellungen soll in den nächsten Jahren erfolgen.

Varianten[Bearbeiten]

Kassam 1 Kassam 2 Kassam 3 Kassam 4
Länge (cm) 120 180 220 260
Durchmesser (cm) 11,5 15 17 17
Masse (kg) 25 32 60 80
Sprengstoffladung (kg) 5 8 12 15
Reichweite (km) 6 12 18 24

Andere Quellen[8] berichten, dass neuere Kassam-Raketen eine höhere Reichweite von 16,5 km bis zu 40 km haben. Fast alle Typen werden inzwischen in einer Kurz- und Langstreckenversion gebaut, wodurch Abmessungen, Gewicht und Reichweite stark variieren können. Im November 2012 bezeichnete die Hamas die Fadschr-5 mit einer Reichweite bis 75 km als die verbesserte Kassam-Rakete M-75 und setzte diese gegen Tel Aviv ein.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kassam-Raketen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Liste der Kassamraketen-Attacken in der Englischen Wikipedia
  2. Israel (Außenministerium): „The Hamas terror war against Israel“ (engl: Der Hamasterrorkrieg gegen Israel), 30. November 2008, gesehen 3. Januar 2009.
  3. Victims of Palestinian Violence and Terrorism since September 2000, Zugriff am 29. Dezember 2008
  4. The Hamas terror war against Israel, Zugriff am 29. Dezember 2008
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPalestinian Weapons Production and Smuggling: Red Dawn (Shachar Adom). In: weaponsurvey.com. Archiviert vom Original am 23. Mai 2009, abgerufen am 9. Januar 2009 (englisch).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLiving at Gaza's edge grows perilous, again. In: Christian Science Monitor. 15. Juni 2006, abgerufen am 9. Januar 2009 (englisch).
  7. Jerusalem Post: Iron Dome system passes final tests Zugriff am 21. Januar 2011
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPalestinian Weapons Production and Smuggling: Missiles, Rockets & Mortars. In: weaponsurvey.com. Archiviert vom Original am 18. März 2009, abgerufen am 9. Januar 2009 (englisch).