Kassandra (Mythologie)

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Kassandra (Mitte) zieht mit der rechten Hand Lose und sagt den Fall von Troja voraus.
(Fresko aus Pompeji, Archäologisches Nationalmuseum Neapel)

Kassandra (altgriechisch Κασσάνδρα „die, die Männer umwickelt“,[1] lat. Cassandra) ist in der griechischen Mythologie die Tochter des trojanischen Königs Priamos und der Hekabe, damit Schwester von Hektor, Polyxena, Paris und Troilos sowie Zwillingsschwester von Helenos.

Der Gott Apollon gab ihr wegen ihrer Schönheit die Gabe der Weissagung. Als sie jedoch seine Verführungsversuche zurückwies, verfluchte er sie und ihre Nachkommenschaft, auf dass niemand ihren Weissagungen Glauben schenken würde. Daher gilt sie in der antiken Mythologie als tragische Figur, die immer das Unheil voraussah, aber niemals Gehör fand.

Mythos[Bearbeiten]

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Ajax der Lokrer vergeht sich an Kassandra, die Zuflucht beim Palladion sucht.
(Rotfigurige Schale aus Attika, um 440 v. Chr., Louvre in Paris)

Der Gott Apollon verliebte sich in sie und schenkte ihr die Gabe der Vorhersehung, um seinem Werben Nachdruck zu verleihen. Kassandra, deren Schönheit Homer mit jener der Aphrodite verglich,[2] verschmähte ihn dennoch. Daraufhin verfluchte Apollon Kassandras Gabe der Vorhersehung, weil er sie ihr nicht wieder wegnehmen konnte. Er fügte hinzu, dass niemand ihren Vorhersagen Glauben schenken werde.

So warnte Kassandra vergebens gegen Ende des Trojanischen Krieges (wie auch der Priester Laokoon) die Trojaner vor dem Trojanischen Pferd und der Hinterlist der Griechen, so dass Troja unterging.

Nach der Eroberung Trojas wurde Kassandra von Ajax dem Lokrer im Tempel der Athene vergewaltigt, in den sie sich geflüchtet hatte. Agamemnon beanspruchte Kassandra als Sklavin und nahm sie mit nach Mykene. Er wurde aber nach seiner Ankunft in Mykene von seiner Frau Klytaimnestra und ihrem Geliebten Aigisthos im Bad erdolcht. Kassandra, die auf Grund ihrer seherischen Gabe um dieses Schicksal wusste und es auch vorhergesagt hatte, wurde von Klytaimnestra ebenfalls erdolcht.

Darstellungen in der Antike[Bearbeiten]

In der Nähe von Mykene gibt es ein Grabmal, welches der Kassandra zugeschrieben wurde. Ursprünglich war es jedoch wahrscheinlich einer lokalen Gottheit geweiht.

Kassandras Insignie auf antiken Bilddarstellungen ist die Doppelaxt des phrygischen Apollon.[3]

In der Ilias, der Beschreibung des Krieges um Troja des griechischen Dichters Homer, findet man Kassandra als die Tochter des Priamos und der Hekabe, sie ist dort jedoch noch nicht als warnende Seherin beschrieben.[4] Diese traditionelle Darstellung der Kassandra als warnende Stimme vor dem Untergang scheint sich dann später zu entwickeln. Bei Pindar und anderen griechischen Autoren (wie Aischylos in seinem Werk Agamemnon und Euripides in Die Troerinnen) wird die Gabe der Prophetie der Kassandra fast als bekannt vorausgesetzt.

Als einziges antikes Werk stellt die Dichtung Alexandra aus der Zeit um 190 v. Chr. die Figur der Kassandra in den Mittelpunkt. Weshalb der Autor Lykophron den Namen Alexandra wählte, ist nicht bekannt.

In der Aeneis des römischen Dichters Vergil wird Kassandra ebenfalls als Seherin erwähnt, hier jedoch hat sie eine positive Vision von der Zukunft Roms.[5]

Psychologische Deutung bei Aischylos[Bearbeiten]

Bevor in der Orestie von Aischylos Agamemnon seinem Tod entgegengeht und nachdem die Ode der Vorahnung geendet hat, wird die Wahnsinnsszene der Kassandra eingeschoben, die sich losgelöst von der eigentlichen Handlung abspielt: Still steht Kassandra auf der Bühne, unbeachtet von allen anderen Darstellern. Dann jedoch bricht ihre Verrücktheit durch, welche sich allerdings nicht wie zum Beispiel in Euripides’ Ajax als physisch gewalttätiger Amoklauf manifestiert; indessen spricht sie zusammenhangslos und abgehoben, als hätte Apollon von ihrer Psyche Besitz ergriffen, über Verflossenes und Zukünftiges. Damit ruft sie beim Publikum jene Scheu, jenes Grauen und Erbarmen hervor, wie dies heftig Verzweifelte tun, die oft eine Mischung tiefgreifender Erkenntnis gepaart mit totaler Hilflosigkeit ausstrahlen.[6]

Moderne Darstellungen[Bearbeiten]

Evelyn de Morgan Die verzweifelte Cassandra vor der brennenden Stadt Troja 1898, London De Morgan Centre

Friedrich Schiller schrieb 1802 das Gedicht Kassandra, das die antike Sage zur Vorlage hat.[7]

Literarische Bearbeitungen des Themas lieferten die Erzählungen Die Seherin von Erika Mitterer und Kassandra von Christa Wolf.

Auch Marion Zimmer Bradley stellt in ihrem Buch Die Feuer von Troja Kassandra in den Mittelpunkt und erzählt die Geschichte des Untergangs aus der Sicht der Priesterin Kassandra, die gleichzeitig Priamos’ Tochter, Priesterin Apollos und Priesterin der Großen Mutter war. Allerdings wird die Geschichte hier als phantasievoller Roman mit Kassandra als Urmutter Alexanders des Großen dargestellt, was mit der Überlieferung, unter anderem durch Homer, so gut wie nichts gemein hat.

In Disneys Hercules, einer Fernsehserie nach dem gleichnamigen Film, wird Kassandra dargestellt als zynischer Teenager mit einem aufdringlichen, aber liebenswürdigen Verehrer in der Gestalt ihres Mitschülers Ikaros.

Kassandrarufe[Bearbeiten]

Solomon Joseph Solomon Ajax raubt Cassandra 1886

Zutreffende, aber vergebens vor einer drohenden Gefahr warnende Rufe werden als „Kassandrarufe“ bezeichnet. Kassandra selbst warnte vergeblich vor Paris und Helena und vor dem Hölzernen Pferd.[8] Historisch bekannte Warnungen dieser Art sind jene des deutschen Botschafters in London, Karl Max Fürst Lichnowsky, vor einer kriegerischen Verwicklung mit Großbritannien (1914), Lenins Politisches Testament von 1922-23 mit seiner expliziten Warnung vor Josef Stalin sowie die zahlreichen publizierten und nicht publizierten Warnungen „Hitler bedeutet Krieg“ (und unvermeidliche deutsche Niederlage). Charakteristisch für solche Kassandrarufe ist die Tatsache, dass sie von Personen stammen, die über Insiderkenntnisse und realitätsgerechtes Urteil verfügen, aber nicht (oder nicht mehr) über entsprechende Durchsetzungskraft.

Literaturverweise[Bearbeiten]

  • Matthias Falke (Hrsg.): Mythos Kassandra. Texte von Aischylos bis Christa Wolf. Reclam, Leipzig 2006, ISBN 3-379-20114-6. Inhaltsverzeichnis
  • Thomas Epple: Der Aufstieg der Untergangsseherin Kassandra: Zum Wandel ihrer Interpretation vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Königshausen & Neumann, Würzburg 1993, ISBN 3-88479-760-3.

Belletristik (Auswahl)[Bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten]

  • Christa Wolf: Kassandra. Aus der Reihe Starke Stimmen, gelesen von Corinna Harfouch. Brigitte Hörbuch-Edition

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Graves, Etymologie
  2. Homer, Ilias
  3. Petronius: Satyricon 89. S. 20ff
  4. Homer: Ilias 24. S. 697-706
  5. Vergil: Aeneis 2. S. 246ff
  6. Seth L. Schein: The Cassandra Scene in Aeschylus' 'Agamemnon. In: Greece & Rome. Zweite Serie, Band 29, April 1982, S. 11–16.
  7. Andrea Bartl: „Nur der Irrthum ist das Leben, Und das Wissen ist der Tod.“ Schillers Kassandra und die Krisensignatur einer Epochenschwelle. Goethezeit-Portal, 3. Dezember 2009, abgerufen am 19. April 2013 (PDF; 198 kB).
  8. Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bänden. Neunter Band. 1970

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kassandra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien