Kastl (Lauterachtal)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Kastl
Kastl (Lauterachtal)
Deutschlandkarte, Position des Marktes Kastl hervorgehoben
49.37111111111111.681944444444475Koordinaten: 49° 22′ N, 11° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Amberg-Sulzbach
Höhe: 475 m ü. NHN
Fläche: 64,83 km²
Einwohner: 2395 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einwohner je km²
Postleitzahl: 92280
Vorwahl: 09625
Kfz-Kennzeichen: AS, BUL, ESB, NAB, SUL
Gemeindeschlüssel: 09 3 71 132
Marktgliederung: 37 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 1
92280 Kastl
Webpräsenz: www.kastl.de
Bürgermeister: Stefan Braun (CSU)
Lage des Marktes Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach
Auerbach in der Oberpfalz Königstein (Oberpfalz) Hirschbach (Oberpfalz) Etzelwang Weigendorf Birgland Kastl (Lauterachtal) Edelsfeld Edelsfeld Vilseck Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg Sulzbach-Rosenberg Eichen (gemeindefreies Gebiet) Naturpark Hirschwald Freihung Hirschau Gebenbach Schnaittenbach Hahnbach Illschwang Freudenberg (Oberpfalz) Ursensollen Ursensollen Ebermannsdorf Ensdorf (Oberpfalz) Ensdorf (Oberpfalz) Kümmersbruck Rieden (Oberpfalz) Hohenburg Schmidmühlen Poppenricht Ammerthal Amberg Landkreis Neustadt an der Waldnaab Weiden in der Oberpfalz Landkreis Schwandorf Landkreis Bayreuth Landkreis Nürnberger Land Landkreis Neumarkt in der OberpfalzKarte
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Kastl ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach, ca. 50 km östlich von Nürnberg und ca. 70 km nordwestlich von Regensburg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Markt Kastl liegt im östlichen Teil der Frankenalb an der Lauterach, einem Nebenfluss der Vils und in der Mitte zwischen Amberg und Neumarkt in der Oberpfalz, jeweils ziemlich genau 20 km entfernt. Im Ortsgebiet liegt der 587 Meter hohe Brennersberg.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Kastl hat 37 amtlich benannte Ortsteile[2]:

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Zu den Nachbargemeinden von Kastl zählen: Lauterhofen, Velburg, Hohenburg, Ursensollen und Birgland.

Geschichte[Bearbeiten]

Klosterberg Kastl

Über die Jahrhunderte gab es verschiedene Schreibweisen für den Ortsnamen, wie Castel oder Kastel. Der Ortsname bezieht sich auf eine frühmittelalterliche Burg, die zwischen 1098 und 1103 durch die Edelfreien Otto und Hermann von Kastl, Graf Berengar I. von Sulzbach und die diepoldingerische Markgräfin Luitgart in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde. Das Kloster ist das älteste Benediktinerkloster des Nordgaus und war bis 1188 Hauskloster der einflussreichen Grafen von Sulzbach. Es galt als eines der wichtigen Reformklöster der Hirsauer Reformbewegung in Süddeutschland während des 12. Jahrhunderts. Die kunsthistorisch und architekturgeschichtlich bedeutende Kirche ist dem hl. Petrus geweiht. Im Hochmittelalter kann das Kloster als eines der kulturellen Zentren der heutigen Oberpfalz gelten. Der Ort erhielt 1323 das Marktrecht mit wichtigen Eigenrechten von Ludwig dem Bayern, dessen Tochter Anna in Kastl im Kleinkindalter verstarb und - als Mumie erhalten - in der Klosterkirche besichtigt werden kann (2013 wurde der Leichnam gereinigt sowie ein halbes Jahr in einen stickstoffgefüllten Schrein umgebettet, um die Feuchtigkeit zu reduzieren). Das Kloster bestand bis zur Säkularisation 1803, gehörte während der Reformation den Jesuiten und nach Aufhebung des Jesuitenordens in Bayern 1782 dem Johanniter- und Malteserorden, an den es vom bayerischen Kurfürsten Karl Theodor übergeben worden war. Der Ort war Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene Hofmark, deren Sitz das Kloster war.

Kastl war bis 1929 Zentrum des Distrikts (Vorläufer der Landkreise) mit Landgericht und Finanzamt. Zuvor, spätestens mit der Diskussion zum Bau der Eisenbahnlinien, war Kastl ins Blickfeld der unterschiedlichen Interessen in Amberg und Neumarkt geraten.

Ehemaliges Bahnhofsgebäude von Kastl

So hatte es Überlegungen gegeben, die Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg über Kastl zu führen. Sie wurde schließlich über Neumarkt realisiert. Im Gegenzug sollte eine Bahnverbindung Amberg-Neumarkt entstehen. Gebaut wurde schließlich (Einweihung 1903) nur von Amberg bis Lauterhofen, eine Lokalbahn (Stich- oder Saugbahn). Mit dem Bau der ersten Autobahnen sollte Kastl nochmals berücksichtigt werden, bei der Verbindung von Nürnberg nach Regensburg. Sie wurde wegen des 2. Weltkrieges nicht fertiggestellt. Die Quader für Brückenbauwerke waren bereits im Hainthal gelagert (Reste davon heute beim Freibadparkplatz) und die Humushalten auf den Hochflächen über der Klosterburg. Einige Jahrzehnte später wurde die Autobahn über Neumarkt geleitet.[3]

Tafel an der Außenmauer der Klosterburg

Die Landkreisfunktion gab man mit der Verwaltungsreform 1929 nach Neumarkt i.d.OPf. ab, die Finanzamtsfunktion nach Amberg. „Am 31.12.1930 wird das Amtsgericht aufgelöst, ein schier nicht zu verkraftender Aderlass. Öd und verlassen stand nun unsere imposante Klosterburg auf der Jurahöhe auf neue Aufgabe wartend. Man bemühte sich wieder eine Ordensgemeinschaft zur Ansiedlung zu gewinnen. Auch das gelang nicht. So errichtete die Stadt Regensburg ein Schullandheim für ihre Schuljugend“. 1935 gesellte sich ein weiblicher Arbeitsdienst dazu. „Ca. 50 Mädchen mußten ihren halbjährigen Arbeitsdienst ableisten, wo sie bei kinderreichen Familien und bäuerlichen Betrieben zum Einsatz kamen. Die geschlossene Unterkunft sorgte für nationalsozialistische Erziehung“ (vgl. Mosners Heimatbücherl). Im August und September 1942 wurden von den nationalsozialistischen Machthabern, so die Recherchen der zuletzt aktiven Verantwortlichen des Ungarischen Gymnasiums, in der Burg "verschleppte Kinder slowenischer Widerstandskämpfer Partisanen untergebracht, die als Vergeltungsmaßnahme unter Zwang von ihren Familien getrennt wurden". "Mit Kriegsende wurden beide Einrichtungen aufgelöst. Die Vertreibung der Deutschen aus Gebieten des Ostens machte nun die Errichtung eines Flüchtlingslagers innerhalb der historischen Mauern erforderlich. Sechs - bis Achthundert und mehr Heimatvertriebene fanden vorübergehende Notaufnahme" (ebd). Von 1958 bis 2006 befand sich in den historischen Räumen des Klosters das Europäisch-Ungarische Gymnasium mit angeschlossenem Internat.

Mit der Gebietsreform wurde der Markt Kastl am 1. Juli 1972 dem vergrößerten Landkreis Amberg, der am 1. Mai 1973 den Namen Landkreis Amberg-Sulzbach erhielt, zugeordnet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde Kastl um Teile der Gemeinden Brunn, Hausen, Winkl und Wolfsfeld vergrößert.[4] Pfaffenhofen und Utzenhofen kamen am 1. Mai 1978 hinzu.[5]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Nach der letzten Kommunalwahl am 16. März 2014 hat der Gemeinderat 14 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 71,7 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

  CSU     8 Sitze  (56,5 %)
  SPD 1 Sitze (10,4 %)
  GRÜNE/Grüne Bürgernahe Liste 2 Sitze (12,4 %)
  Freie Wählerschaft 3 Sitze (20,8 %)

Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist Stefan Braun von der CSU.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Kastl (Lauterachtal)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Kastl setzt seit den 1950er Jahren auf Tourismus. Deshalb ersann man in den frühen 1950er Jahren das Schweppermannspiel, ein Laienschauspiel zur Erinnerung an Seyfried Schweppermann. Unter starker Beteiligung von Kastlern wurde die Werbegemeinschaft Amberg-Vils-Lauterachtal gegründet. Seit Dezember 2006 existiert der Naturpark Hirschwald, zu dem die Landschaftsschutzgebiete von Kastl gehören. In Kastl gibt es ein Freibad, ein Altenheim des BRK, einige mittelständische Firmen, unter anderem einen weltweit tätigen Hersteller für Automaten zur Bestückung von Leiterplatten, zahlreiche Handwerksbetriebe und seit kurzem eine Rapsölpresse.

Energie[Bearbeiten]

Auf dem 587 Meter hohen Brennersberg ging im Januar 2012 eine Windkraftanlage vom Typ Vestas V112 mit 3 MW Leistung, 140 m Nabenhöhe und 112 m Rotordurchmesser in Betrieb, die bei der Fertigstellung die höchste Windkraftanlage in Bayern war.[6][7]

Bildung[Bearbeiten]

Im Februar 2008 hat ein privater Investor die Räume der Klosterburg vom Freistaat Bayern angemietet, um ein College zur Vorbereitung auf ein Studium an internationalen Universitäten einzurichten. Direkt neben dem Klostergebäude befindet sich die 1962 gebaute Volksschule (Grund- und Hauptschule).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heribert Batzl: Geschichte der Marktgemeinde Kastl. Hrsg. Marktgemeinde Kastl, 1984
  • Xaver Mosners Kastler Heimatbücherl Auszüge

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Beölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111105/200343&attr=OBJ&val=893
  3. Geschichte der Autobahn A3
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 533.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 640.
  6. Schweppermannsbote der Marktgemeinde Kastl (PDF; 3,4 MB). Abgerufen am 20. März 2012.
  7. Große Erwartungen in die Windkraft. In: Nordbayern.de, 30. Januar 2012. Abgerufen am 20. März 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kastl (Lauterachtal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien