Katalanische Sprache

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Katalanisch (català)

Gesprochen in

Spanien (in Katalonien, Valencia, auf den Balearischen Inseln, in der Franja de Ponent und im Carxe), Andorra, Italien (in Alghero auf Sardinien), Frankreich (in Nordkatalonien)
Sprecher 7,2 Millionen[1]
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von SpanienSpanien Spanien

AndorraAndorra Andorra

Sprachcodes
ISO 639-1:

ca

ISO 639-2:

cat

ISO 639-3:

cat

Die katalanische Sprache (català: [kətəˈɫa] auf Ostkatalanisch, [kataˈla] auf Westkatalanisch) gehört zur Familie der romanischen Sprachen. Die aufgrund sprachlicher Verwandtschaft nächsten Beziehungen bestehen zum Okzitanischen in Südfrankreich. Die Verbindungen zum Spanischen, Französischen und Italienischen sind ebenso deutlich, sodass das Katalanische oft als Brückensprache (llengua-pont) zwischen Galloromanisch und Iberoromanisch bezeichnet wird. Entstanden ist es vor allem aus dem Umstand, dass der Herrschaftsbereich des iberischen Westgotenreiches bis nach Septimanien reichte (ein großer Teil der heutigen Provence); umgekehrt ging auch der fränkische Einfluss unter Karl dem Großen über die Pyrenäen bis in die Katalanischen Grafschaften.

Katalanisch ist Amtssprache in Andorra sowie, neben dem Spanischen, regionale Amtssprache in Katalonien, auf den Balearen, in einigen Gebieten von Aragon und in Valencia.

Verbreitung[Bearbeiten]

Sprachgebiet des Katalanischen
Dialekte der katalanischen Sprache

Die katalanische Sprache entstand zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert in den Grafschaften der Spanischen Mark, also dem Gebiet des karolingischen Reichs beiderseits der Pyrenäen. Während des 12. und 13. Jahrhunderts breitete sie sich im Zuge der territorialen Eroberungen der katalanisch-aragonesischen Krone nach Süden und Osten aus; die Sprachgrenze wurde trotzdem erst nach der Ausweisung der Morisken 1609–1611 und der nachfolgenden Wiederbevölkerung der von ihnen verlassenen Orte festgelegt.

Etwa 12,6 Millionen Menschen verstehen Katalanisch, vornehmlich in Spanien (in Katalonien, im größten Teil der Region Valencia – die dortige Variante des Katalanischen heißt auch Valencianisch (valencià) –, auf den Balearen, wo die Mallorquinisch (mallorquí), Menorquinisch (menorquí) und Ibizenkisch (eivissenc) genannten – zu Balearisch zusammengefassten – Dialekte gesprochen werden; außerdem in einem Gebietsstreifen im Osten Aragoniens), und in Südfrankreich (im Département Pyrénées-Orientales, das auch als „Nordkatalonien“ bezeichnet wird), in Italien (in der Stadt Alghero (katal. L'Alguer) auf Sardinien) und in Andorra. Diese Gebiete bezeichnet man zusammenfassend auch als Països Catalans (Katalanische Länder). An der nördlichen Sprachgrenze steht heute die Porta dels Països Catalans bei Salses-le-Château. Etwa 11,5 Millionen Menschen beherrschen Katalanisch auch aktiv. Im Dezember 2007 wurde im Département Pyrénées-Orientales eine Charta zur Förderung der katalanischen Sprache (franz.: Charte en faveur du Catalan) zum Schutz und zur Weiterentwicklung des Katalanischen in Nordkatalonien beschlossen.

Im „Sprachengesetz von Aragón“ (Ley de Lenguas de Aragón), am 9. Mai 2013 durch das aragónesische Regionalparlament unter Führung der Partido Popular beschlossen[3], wird die Sprache für den eigenen Regierungsbereich mit dem Glottonym Lengua aragonesa propia del área oriental (LAPAO) bezeichnet.[4][5]

Das katalanische Sprachgebiet wird unterteilt in Ostkatalanisch, zu dem der östliche Teil Kataloniens, der katalanischsprachige Teil Frankreichs, die Balearen und Alguer gehören, und in die westkatalanischen Dialekte. Hauptkriterium für diese Einteilung ist die Aussprache der unbetonten Vokale o, e, und a. Während man sie im Bereich des Westkatalanischen wirklich stets auch so ausspricht, wie sie geschrieben werden, werden in der Aussprache des Ostkatalanischen in unbetonter Position o zu u, e und a zu einem „Schwa-Laut“ ([ə]), der sich ähnlich anhört wie dt. e in bitte.

Katalanisch wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben.

Im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Meinung ist Katalanisch kein Dialekt des Spanischen, sondern ein primärer Dialekt des Vulgärlateins. „Primäre Dialekte“ können die vor der Konstituierung einer Gemeinsprache schon existierenden Dialekte einer historischen Sprache genannt werden (im Falle des Spanischen: Asturleonesisch, Kastilisch, Navarroaragonesisch). Tatsächlich verstehen nichtkatalanische Spanier oder Lateinamerikaner Katalanisch etwa so gut oder schlecht wie Portugiesisch oder Italienisch.

Der Language Code ist ca beziehungsweise cat (nach ISO 639).

Geschichte[Bearbeiten]

Linguistic map Southwestern Europe.gif

Katalanisch ist die Weiterentwicklung des Vulgärlateins im Nordosten der Iberischen Halbinsel. Katalanische Wörter können bereits in lateinischen Texten des 9. Jahrhunderts nachgewiesen werden, erste vollständige schriftliche Zeugnisse entstammen dem 12. Jahrhundert. Der Schriftsteller und Philosoph Ramon Llull, der von 1235 bis 1315 lebte, galt als der „Dante der katalanischen Literatur“ und gab der Sprache Glanz und Ansehen. Im Mittelalter war das Sprachgebiet des Katalanischen noch recht einheitlich.

Les Homilies d'Organyà
Vocabolari: Wörterbuch Katalanisch – Deutsch von Joan Rosembach, 1502 Perpignan

Mit der Ausdehnung des Herrschaftsbereichs des Grafen von Barcelona und des nachfolgenden katalanisch-aragonesischen Staatenbunds in den Mittelmeerraum gewann auch die katalanische Sprache zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert an Bedeutung. So erschien als eines der ersten in katalanischer Sprache gedruckten Bücher 1502 in Perpignan ein zweisprachiges Wörterbuch, das Vocabolari molt profitos per apendre Lo Catalan Alamany y Lo Alamany Catalan („Ein gar nützliches Wörterbuch, wodurch Katalanen Deutsch und Deutsche Katalanisch lernen können“). Das Original dieses Wörterbuches bewahrt die Biblioteca de Catalunya in Barcelona auf. Der in Heidelberg geborene katalanische Buchdrucker Joan (Johann) Rosembach hatte es hergestellt.

Ende des 15. Jahrhunderts vereinigten sich die Kronen von Aragón und Kastilien durch die Heirat der Reyes Católicos, des Königs Ferdinand von Aragón und der Königin Isabella von Kastilien, wobei Kastilien von Anfang an die Oberhand hatte. Dadurch verdrängte die kastilische Sprache (Castellano oder „Spanisch“) das Katalanische als Literatursprache. Als Rechts-, Amts-, und Umgangssprache blieb das Katalanische zunächst jedoch noch relativ wenig bedrängt.

Nach Ende des spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) verlor Katalonien seine politische Eigenständigkeit, und die Bourbonen-Könige trieben die Entwicklung des spanischen Zentralstaats in seiner heutigen Form voran. Das kastilische Spanisch wurde als spanische Amtssprache durchgesetzt, und im Jahre 1716 wurde es per Gesetz als Unterrichtssprache verbindlich festgelegt. 1779 ging die Obrigkeit so weit, dass sie sogar Theaterstücke auf Katalanisch verbot.

Interdiction officielle de la langue catalana 2 avril 1700.jpg

Das 18. Jahrhundert gilt deshalb als der Tiefpunkt der katalanischen Sprache, als die Zeit der Decadència. Erst mit der Romantik erlebte das Katalanische im 19. Jahrhundert einen neuen Aufschwung. In der Wiedergeburt, der Renaixença, fand die Sprache wieder Unterstützung und wurde zum Gegenstand linguistischer Forschung. In den 1930er Jahren erlebte das Katalanische eine Blüte, die aber durch den Spanischen Bürgerkrieg und den Sieg der nationalistischen und zentralistischen Franco-Diktatur jäh zerstört wurde.

In den Anfangsjahren der Franco-Diktatur wurde das Katalanische unterdrückt. Viele Ortsnamen im katalanischen Sprachgebiet wurden hispanisiert. Teilweise wurden sogar Personennamen ins Spanische übersetzt. Erst mit Beginn der 1960er Jahre wurde der katalanischen Sprache sehr zögerlich zuerst im kirchlichen Bereich wieder etwas Raum gegeben. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Kloster Montserrat, wo auch während der Francodiktatur die Messen in der verbotenen katalanischen Sprache gefeiert wurden. Nach Francos Tod 1975 dauerte es noch drei Jahre, bis alle Beschränkungen aufgehoben wurden. In den Jahrzehnten der Unterdrückung hatte das Katalanische aber stark an Boden verloren. Zudem hatte die wohlhabende Region Katalonien viele Spanier aus anderen Teilen des Landes angezogen, die meist nicht oder nur sehr zögerlich Katalanisch lernten.

Dies ist einer der Hauptgründe, warum die katalanische Sprache von Seiten der Regionalregierung in den letzten 25 Jahren so stark gefördert wurde. Dieser normalització genannte Prozess verlief und verläuft nicht reibungslos, da viele der Zugewanderten und ein Teil des zentralistischen Großbürgertums das Katalanische ablehnen. Durch eine geschickte Politik ist es katalanischen Politikern aber gelungen, als unverzichtbare Koalitionspartner der Zentralregierung dieser weitere Zugeständnisse abzuringen und so die einstige Position des Katalanischen zumindest teilweise wiederherzustellen.

Dieser Prozess ist noch immer im Gange und soll nach dem Willen der Befürworter des Katalanischen erst abgeschlossen sein, wenn alle, die im ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Katalanischen leben, diese Sprache zumindest als Zweitsprache vollständig beherrschen. In den Schulen des Zentralbereichs der katalanischen Sprache wird mittlerweile fast ausschließlich Katalanisch gesprochen, ebenso in den Ämtern und in vielen Unternehmen in diesem Gebiet.

Die Hispanisierung von Personennamen wurde nach der Demokratisierung Spaniens rückgängig gemacht. Auch die ursprünglichen katalanischen Ortsnamen werden wieder offiziell verwendet.

Die heutige Diglossiesituation unterscheidet sich daher deutlich von der Situation unter Franco: Zwar können mehr als 95 % der in Katalonien Lebenden (also auch der Anteil mit katalanischer Muttersprache) Spanisch (Castellano) schreiben, gerade einmal 60 % der Bevölkerung beherrscht aber auch das schriftliche Katalanisch.[6] Das betrifft vor allem Zuwandererfamilien und die ältere Generation der Katalanischsprachigen, die aufgrund der Schul-, Medien- und Sprachpolitik Francos die Schriftform ihrer eigenen Muttersprache – im Gegensatz zum vom zentralistischen System favorisierten Spanisch – nie erlernen konnten. In fast allen offiziellen Bereichen der Gesellschaft hat sich aber das Katalanische durch die normalització durchgesetzt; eine sehr breite Mehrheit innerhalb der Bevölkerung, auch unter den Castellano-Sprachigen, befürwortet die katalanische Sprachenpolitik[7]: 90 % des Schulunterrichts wird auf Katalanisch abgehalten, ein Großteil der Vorlesungen in den Universitäten ist auf Katalanisch, und für den kompletten öffentlichen Dienst müssen Katalanischkenntnisse nachgewiesen werden. In den letzten Jahren hat sich deshalb ein regelrechter Boom in Sprachschulen, die Katalanischzertifikate ausstellen, ergeben. Im alltäglichen Sprachgebrauch neigen Sprecher mit katalanischer Muttersprache zumeist dazu, sich der jeweiligen Muttersprache des Gesprächspartners zu bedienen. Castellano-Sprecher hingegen bleiben auch gegenüber Katalanischsprachigen tendenziell bei ihrer eigenen Sprache. Dies führt zu einer in Verhältnis zur demographischen Verteilung stark überproportionalen Präsenz des Castellano. Es kommt aber durchaus auch vor, dass eine Konversation zweisprachig geführt wird und sich die Gesprächsteilnehmer ihrer jeweiligen Muttersprache bedienen.

Heutige Institutionen[Bearbeiten]

Logotip de Plataforma per la Llengua

La Plataforma per la Llengua ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, für die mehrere katalanische Intellektuelle und bekannte Persönlichkeiten bürgen. Sie vereinigt in sich eine große Anzahl an Körperschaften und Personen, die sich für die Anerkennung und Verbreitung der katalanischen Sprache einsetzen. Zu ihren Hauptaktivitäten zählen das Erstellen von soziolinguistischen Studien und eine kontinuierliche Überwachung der politischen und gesellschaftlichen Stellung des Katalanischen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit anderen Körperschaften, Stiftungen und öffentlichen Behörden. Seit mehr als 15 Jahren haben ihre Aktivitäten mehrere Auszeichnungen erhalten – wie etwa im Jahr 2008 den „Premi Nacional de Cultura“ (Kulturpreis) der katalanischen Landesregierung für ihr Engagement für die Verbreitung der katalanischen Sprache.

Grammatik und Wortschatz[Bearbeiten]

Alphabet und Aussprache[Bearbeiten]

Buchstabe Variationen Ostkatalanisch Westkatalanisch Bemerkung
A, a À, à [a], [ə] [a] Im Ostkatalanischen: betont [a], unbetont [ə], wobei zu [ɐ] tendierend
B, b [β], [b] [b] Im Ostkatalanischen: Nur im absoluten Anlaut [b]
C, c [k] [k]
C, c (vor e und i) [s] [s]
Ç, ç (nur vor a, o, u) [s] [s]
D, d [ð], [d] [ð], [d] Nur im absoluten Anlaut [d]
E, e É, é; È, è [e], [ɛ], [ə] [e], [ɛ] Als é [e], als è [ɛ], im Ostkatalanischen unbetont [ə], wobei zu [ɐ] tendierend
F, f [f] [f]
G, g [ɣ], [g] [ɣ], [g] Nur im absoluten Anlaut [g], als ig [t͡ʃ] ausgesprochen
G, g (vor e und i) [ʒ] [d͡ʒ] tg (vor e und i) immer [d͡ʒ]
H, h Das h wird nicht gesprochen
I, i Í, í; Ï, ï [i], [j] [i], [j] In Vokalnähe nur als ï und í nicht [j]
J, j [ʒ] [d͡ʒ] Als tj immer [d͡ʒ] ausgesprochen
K, k [k] [k] Nur in Fremdwörtern
L, l ŀl [ɫ] [l], [ɫ] Als ll [ʎ] ausgesprochen (auf den Balearen [j]), ŀl wird [ɫː] bzw. [] ausgesprochen
M, m [m] [m]
N, n [n], [m], [ɲ], [ŋ] [n], [m], [ɲ], [ŋ] Vor /b/, /p/, /f/, /v/ [m], vor /g/ und /k/ [ŋ], als ny [ɲ]
O, o Ó, ó; Ò, ò [o], [ɔ], [u] [o], [ɔ] Als ó [o], als ò [ɔ], im Ostkatalanischen unbetont [u]
P, p [p] [p]
Qu, qu Qü, qü [k], [k͜w] [k], [k͜w] Vor a, o, u [k͜w], vor e, i nur als /qü/ als [k͜w]
R, r [r], [ɾ] [r], [ɾ] Am Wortanfang und als rr immer [r], in einigen Regionen am Wortende verstummt
S, s [s], [z] [s], [z] Am Wortanfang und als ss immer [s], zwischen Vokalen [z]
T, t [t] [t] Dient vor l, ll, m, n zur Längung, also tl = [ɫː] bzw. [], tll = [ʎː], tm = [] und tn = [], nach Konsonanten häufig am Wortende verstummt
U, u Ú, ú; Ü, ü [u], [w] [u], [w] In Vokalnähe nur als ü und ú nicht [w]
V, v [β], [b] [v] Im Ostkatalanischen wie b
W, w [w], [β], [b] [w], [v] Nur in Fremdwörtern
X, x [ʃ], [k͡s] [t͡ʃ], [ʃ], [k͡s] Ostkatalanisch: Am Wortanfang, zwischen Konsonant und Vokal, als ix [ʃ], zwischen Vokalen [k͡s]

Westkatalanisch: Am Wortanfang, zwischen Konsonant und Vokal [t͡ʃ], als ix [], zwischen Vokalen [k͡s]

Y, y Kommt nur als ny vor, und wird dann [ɲ] ausgesprochen
Z, z [z] [z] Als tz [d͡z] ausgesprochen

Orthografische Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Die katalanische Schriftsprache bedient sich, ebenso wie die spanische, des Tremas, um die Aussprache des Phonems /u/ deutlich zu machen, wenn dieses zwischen g oder q und e bzw. i steht.
Bsp.: llengües (dt.: Sprachen)
Bsp.: qüestió (dt.: Frage)
  • Außerdem verwendet das Katalanische zwischen zwei „l“ einen sog. punt volat (dt.: Mittelpunkt, wörtlich: „geflogener Punkt“), wenn die Aussprache [l] beibehalten werden soll.
Bsp.: col·lecció (dt.: Sammlung), Aussprache [l]
im Gegensatz zu castellà (dt.: kastilische Sprache), Aussprache [ʎ]

Die Verwendung dieses Mittelpunktes ist in ihrer Bedeutung linguistisch gesehen einzigartig. Vergleichbar sind allenfalls die Verwendung des Bindestrichs zur Trennung von „s“ und „ch“ im Engadinischen, des punt interior (dt.: Mittelpunkt) im Gaskognischen oder des punt volat im Franko-Provenzalischen.

Morphologie und Syntax[Bearbeiten]

Die katalanische Grammatik weist eine Reihe von Ähnlichkeiten zur spanischen und französischen Grammatik auf, aber auch einige Besonderheiten. — Im Bereich der Nomina existiert, wie allgemein in den romanischen Sprachen, auch im Katalanischen eine Unterscheidung zwischen Feminina und Maskulina, Kasusformen bilden nur unselbständige Pronomina (klitische Pronomina), die bei der dritten Person auch noch zwischen direktem und indirektem Objekt unterscheiden.[8] Katalanisch ist ebenso wie Spanisch, aber anders als Französisch, eine Pro-Drop-Sprache, d.h. erlaubt die Weglassung von pronominalen Subjekten und benutzt selbständige Pronomina daher vor allem kontrastiv.

Die Verbformen umfassen synthetisch (durch Endungen) gebildete Formen für Subjunktiv, Konditional, Präteritum und Futur (das auch hier, wie z.B. im Französischen, auf der Basis der Infinitivformen gebildet wird). Es gibt hinsichtlich der Infinitivformen drei Gruppen von Verben, eine erste Gruppe mit der Endung auf -ar, eine zweite Gruppe mit den Endungen auf -er und -re, und eine dritte mit der Endung auf -ir. Auffällig dabei ist aber, dass nicht alle Verben mit derselben Endung gleich konjugiert werden, es gibt eine große Zahl von Ausnahmen. Els verbs conjugats von Joan Baptista Xuriguera zählt 120 Konjugationstabellen auf.

Bei den zusammengesetzten Verbformen gibt es auch im Katalanischen die häufig anzutreffenden Passivformen mit einer Form des Verbs "sein" plus der Partizipform des Verbs und Perfektformen mit dem Hilfsverb "haben". Daneben besitzt das Katalanische auch noch eine weitere und sehr ungewöhnliche zusammengesetzte Vergangenheitsform (genannt Pretèrit perfet perifràstic), die mit einem Hilfsverb anar ("gehen") gebildet wird, dessen finite Formen vom Lateinischen vadere herrühren: (vaig, vas, va, vam/vàrem, vau/vàreu, van/varen) und dem Infinitiv. Beispiel:[9]

El  teu   germà   va   venir   anit
Der dein Bruder "geht" kommen letzte-Nacht (bzw. heute-Nacht)
= "Dein Bruder kam gestern Nacht"

Man vergleiche die ganz ähnliche französische Konstruktion "Il va venir", die jedoch die Bedeutung eines Futurs hat (sic!). Das Katalanische ist die einzige romanische Sprache (und vielleicht auch die einzige überhaupt), bei der das Hilfsverb "gehen" eine Vergangenheitsform bezeichnet.

Besonderheiten finden sich auch in der Wortstellung. Meistens wird die Wortstellung im Satz des Katalanischen (wie bei den anderen romanischen Sprachen) als "Subjekt - Verb - Objekt" (SVO) angegeben.[10] Bei näherem Hinsehen findet sich jedoch, dass vor allem die Stellung des Subjekts maßgeblich je nach der Informationsgliederung variiert: Wenn das Subjekt einem Topik entspricht, d.h. bekannte Information aufnimmt, steht es vor dem Verb, wenn es jedoch neuer Information entspricht, muss es am Satzende stehen. Man sieht dies am Verhalten im Kontext von Fragen:[11]

Què va portar en Joan?  -  En Joan va portar el llibre.
'Was brachte Joan?      -   Joan brachte DAS BUCH."
Qui va portar el llibre?  - El llibre el va portar en Joan.
"Wer brachte das Buch?     - Das Buch (pron) brachte JOAN."

Dieses Verhalten unterscheidet sich von dem in strikten SVO-Sprachen wie dem Englischen: "What did John bring? — John brought the BOOK." und ebenso "Who brought the book? -- JOHN brought the book.

Weiterhin findet man bei intransitiven Verben, dass es generell "schwer festzustellen ist, ob die Stellung des Subjekts vor oder nach dem Verb neutraler wirkt".[12] Diese und andere Eigenschaften nachgestellter Subjekte haben dazu geführt, dass einige Linguisten die Stellung des Subjekts am Satzende (also "VOS") für die Grundstellung halten.[13] [14][15] Die Möglichkeit eines nachgestellten Subjekts besteht in anderen romanischen Sprachen ebenfalls (z.B. Italienisch), diese Konstruktion scheint demgegenüber im Katalanischen aber in ihrer Funktion ausgedehnt worden zu sein.

Wortschatz im Vergleich zu anderen romanischen Sprachen[Bearbeiten]

Im Gegensatz zum Spanischen ist es beim Katalanischen nicht zu einer umfangreichen Diphtongierung (von /o/ zu /ue/ und von /i/ zu /ie/) gekommen. Auch gab es die Entwicklung, mit /f-/ anlautende Wörter zu /h-/ (heute stimmlos) entwickeln, nicht:

Katalanisch Spanisch Französisch Italienisch Portugiesisch Deutsch
bo bueno bon buono bom gut
corda cuerda cordeau corda corda Schnur
farina harina farine farina farinha Mehl
fill hijo fils figlio filho Sohn

Es dienen für das Galloromanische auch andere Etyma als Grundlage als im Iberoromanischen. Auch hier wird die Stellung des Katalanischen als llengua-pont (Brückensprache) deutlich:

Katalanisch Spanisch Französisch Italienisch Portugiesisch Deutsch
demà mañana demain domani amanhã morgen
papallona mariposa papillon farfalla borboleta/mariposa Schmetterling
formatge queso fromage formaggio queijo Käse

Andere Wörter wiederum deuten auf keine Verwandtschaft mit dem Spanischen oder Französischen:

Katalanisch Spanisch Französisch Italienisch Portugiesisch Deutsch
groc amarillo jaune giallo amarelo gelb
gos/ca perro chien cane cachorro/cão Hund

Eine Besonderheit des Katalanischen ist, dass das finale /-n/ bei vielen Wörtern verloren gegangen ist. Bei der Pluralbildung wird dieses jedoch wieder beachtet:

Katalanisch Spanisch Französisch Italienisch Portugiesisch Deutsch
capità capitán capitaine capitano capitão Kapitän
capitans capitanes capitaines capitani capitães Kapitäne
informació información information informazione informação Information
informacions informaciones informations informazioni informações Informationen

Das katalanische Lexikon weist auch germanischstämmige Wörter auf, die in der Zeit der Völkerwanderung ihren Weg in die Sprache gefunden haben. Allerdings machen sie nur einen kleinen Teil des Wortschatzes aus:

Katalanisch Spanisch Französisch Italienisch Portugiesisch Deutsch
blau azul bleu azzurro/blu azul blau

Sprachbeispiel[Bearbeiten]

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1:

„Tots els éssers humans neixen lliures i iguals en dignitat i en drets. Són dotats de raó i de consciència, i han de comportar-se fraternalment els uns amb els altres.“

Deutsch: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Katalonien – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Katalonien

Literatur[Bearbeiten]

Wörterbücher[Bearbeiten]

Bilingual[Bearbeiten]

  • Lluís C. Batlle / Günter Haensch / Tilbert D. Stegmann / Gabriele Woith: Diccionari Català – Alemany / Katalanisch – Deutsches Wörterbuch, 1060 Seiten, Barcelona 1991 (Enciclopèdia Catalana), ISBN 84-7739-259-5
    • 2. erweiterte und aktualisierte Auflage, 1072 Seiten, Barcelona 2005, ISBN 84-412-1399-2
  • Lluís C. Batlle / Günter Haensch / Eckhard Kockers (ab 3. Aufl.) / Tilbert D. Stegmann (ab 3. Aufl.) : Diccionari Alemany – Català / Deutsch – Katalanisches Wörterbuch, 659 Seiten, Barcelona 1993 (Enciclopèdia Catalana), ISBN 84-85194-18-7
  • Diccionari Català – Alemany / Deutsch – Katalanisches Wörterbuch (bearbeitet von der Redaktion der Enciclopèdia Catalana, Leitung: Marc Sagristà i Artigas), 551 Seiten (Kleinwörterbuch), Barcelona 1996 (Enciclopèdia Catalana), ISBN 84-412-2574-5 (Obsolet. 1998 ersetzt durch Diccionari Bàsic Català–Alemany, Alemany–Català. Neueste Auflage 2008.)
  • Andrea Rienitz: Diccionari Català – Alemany / Alemany – Català (Diccionaris Arimany), 187 Seiten (Kleinwörterbuch), Barcelona 1991, ISBN 84-404-6197-6
  • Langenscheidts Universal-Wörterbuch Katalanisch (Katalanisch – Deutsch / Deutsch – Katalanisch) (bearbeitet von der Redaktion der Enciclopèdia Catalana, Leitung: Marc Sagristà i Artigas), Berlin/München/Barcelona 1996 und 2000 (Langenscheidt / Enciclopèdia Catalana), 553 Seiten (Kleinwörterbuch), ISBN 3-468-18394-1 (vergriffen, keine Neuauflage)

Monolingual[Bearbeiten]

  • Institut d'Estudis Catalans: Diccionari de la Llengua Catalana. Erste Edition (DIEC): 1908 Seiten, Barcelona / Palma / València 1995, ISBN 84-412-2477-3. Zweite Edition (DIEC2): 1762 Seiten, 2007, ISBN 978-84-297-5977-8. Dieses rein katalanischsprachige Werk hat normative Kraft und stellt gewissermaßen das Gegenstück zum deutschen Duden dar.
  • Gran Enciclopèdia Catalana: Gran Diccionari de la Llengua Catalana (GDLC). 1824 Seiten, ISBN 978-84-412-2790-3. Dieses Werk ist das umfangreichste Wörterbuch der katalanischen Sprache. Es enthält unter anderem alle Einträge des DIEC.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

(Die Kurzverweise beziehen sich auf die Werke in der obenstehenden Literaturliste)

  1. http://www.ethnologue.com/language/cat
  2. In ihrem Werk Lexikon der Sprachwissenschaft erwähnt Bußmann, dass man Katalanisch als eine „Übergangszone“ zwischen den Galloromanischen und Iberoromanischen Sprachen sehen kann. Hadumod Bußmann:Lexikon der Sprachwissenschaft. Kröner, Stuttgart 1990, ISBN 3-520-45202-2.
  3. Artículo 5b de la Ley de uso, protección y promoción de las lenguas y modalidades lingüísticas propias de Aragón. Abgerufen am 3. Juni 2013 (spanisch).
  4. El 'lapao' y el 'lapapyp', las nuevas lenguas oficiales de Aragón. Antena 3.com, abgerufen am 3. Mai 2013 (spanisch).
  5. Aragó aprova la llei segons la qual català i aragonès deixen de dir-se així. europapress.cat, 9. Mai 2013, abgerufen am 19. Mai 2013 (katalanisch).
  6. Institut d´Estadística de Catalunya, Enquesta d´usos lingüístics de la població 2008 (Katalanisch) (PDF; 7,0 MB)
  7. http://www.lavanguardia.com/politica/20121015/54352578982/rechazo-generalizado-espanolizacion-wert.html
  8. Wheeler (1988), S. 178
  9. aus Wheeler 1988: 305
  10. z.B. Wheeler 1988, S. 197; Hualde 2005, S.96
  11. Daten von Hualde 2005, S. 97-98
  12. Hualde 2005, S.96, aus dem Englischen übersetzt
  13. RosseIló, J. (1986): Gramàtica, configuracions i referència: per una alternativa del pro-drop romànic. Dissertation, Universitat de Barcelona.
  14. Contreras, H. (1991) 'On the Position of Subjects' in S.D. Rothstein (ed.): Perspectives on Phrase Structure: Heads and Licensing (=Syntax and Semantics, 25), Academic Press, New York.
  15. Vallduvì, E. (1993): "Catalan as VOS: evidence from information packaging. In: Perissinotto, G., et al. (eds): Linguistic Perspectives on the Romance Languages. John Benjamins, Amsterdam/Philadelphia. pp. 335–350.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Wörterbuch Katalanisch–Deutsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Wörterbücher der katalanischen Sprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: Katalanisch – Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: Katalanische Sprache – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien