Katar

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Dieser Artikel behandelt den Staat Katar; zu dem gleichnamigen Messer siehe Katar (Dolch).
دولة قطر
Daulat Qatar
Staat Katar
Flagge Katars
Wappen Katars
Flagge Emblem
Amtssprache Arabisch
Hauptstadt Doha
Staatsform Erbmonarchie
Regierungssystem absolute Monarchie
Staatsoberhaupt Emir
Scheich Tamim bin Hamad Al Thani
Regierungschef Premierminister
Scheich Abdullah bin Nasser bin Chalifa Al Thani[1]
Fläche 11.606 km²
Einwohnerzahl 2.155.446 (2014)
Bevölkerungsdichte 146 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung +9,6 %[2] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2011
  • 173,8 Milliarden USD(53.)
  • 182,0 Milliarden USD(56.)
  • 98.329 USD(2.)
  • 102.943 USD(1.)
Human Development Index 0,851 (31.)[3]
Währung Katar-Riyal (QAR)
Unabhängigkeit 18. Dezember 1878
3. September 1971
(vom Vereinigten Königreich)
Nationalhymne as-Salam al-amiri
Zeitzone UTC+3
Kfz-Kennzeichen Q
ISO 3166 QA, QAT, 634
Internet-TLD .qa
Telefonvorwahl +974
Bahrain Katar Kuwait Saudi-Arabien Irak Iran Vereinigte Arabische Emirate Oman Jordanien Syrien Afghanistan Pakistan Sudan Ägypten Israel Libanon Indien JemenQatar in its region.svg
Über dieses Bild
Qatar rel95.jpg
Satellitenaufnahme von Katar
Wüstenlandschaft in Katar

Katar (arabisch ‏قطر‎ Qatar, DMG Qaṭar, englisch: Qatar) ist ein Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf. Das Land wird als absolute Monarchie regiert. Staatsreligion ist der Islam, und die Schari'a ist die Hauptquelle der Gesetzgebung.[4]

Der Staat Katar liegt auf einer Halbinsel und grenzt im Süden an Saudi-Arabien. Vor der Küste im Nordwesten liegt das Königreich Bahrain. Von Süden nach Norden dehnt sich das Land rund 180 km, von Westen nach Osten 80 km aus. Das Staatsgebiet schließt einige Inseln ein.

Geographie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geographie Katars

Salzsümpfe und Wüstenstreifen trennen Katar vom Rest der arabischen Halbinsel. Die Salzpfannen – sogenannte Sabkhas – auf Meeresniveau sind Relikte aus der Zeit, als Katar noch eine Insel war. Erst durch eine leichte Hebung des Landes entstand die Verbindung zum arabischen Festland. Aus diesen Sümpfen steigt nach Norden das sanft gewellte Hügelland empor, das für ganz Katar prägend ist. Der höchste Punkt Katars ist der Berg Qurain Abu l-Baul mit 103 m im Süden von Katar.[5] Nach Osten fällt das Land sanft zum Meer ab. Das überwiegend flache Land ist von Geröll- und Kieswüste geprägt. Sanddünen kommen nur vereinzelt vor, meist an der Küste im äußersten Südosten. Die Küste wird von mehreren langgestreckten Buchten gegliedert. Besonders an der Ostseite sind zahlreiche Korallenriffe vorgelagert.

Das Grundwasser hat einen hohen Salzgehalt; Trinkwasser wird in Meerwasserentsalzungs-Anlagen gewonnen. Im Südosten befindet sich die Meereslagune Chaur al-Udaid.

Klima[Bearbeiten]

Mit dem geringen Jahresniederschlag von unter 100 mm gehört Katar zu den trockensten Landschaften der Erde. Aufgrund der Nähe zum Persischen Golf ist das Klima ganzjährig schwül, subtropisch und heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 %. Im Sommer sind Temperaturen von 45 °C keine Seltenheit, im Winter sinken sie auf durchschnittlich 17 °C. Allerdings sind gerade in den letzten Wintern auch Temperaturen unter 10 Grad häufiger vorgekommen. Häufig weht der trocken-staubige Nordwestwind Schamal. Vom 26. November bis zum 7. Dezember 2012 fand die Weltklimakonferenz in Doha statt.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Katar ist vielerorts unfruchtbar und verödet, noch unwirtlicher als die anderen arabischen Wüstenstaaten. Nur im Norden, wo die Niederschläge noch etwas häufiger sind, wachsen Wüstenhyazinthen, Palmen und Dornbüsche. Nach dem seltenen Regen sprießen Gräser und Kräuter hervor, treiben Blüte und Frucht in sehr kurzer Zeit und verdorren sofort wieder. In den Salzpfannen wachsen spärliche salzliebende Gräser und Sträucher (Halophyten).

Nur wenige Tierarten – Wüstenspringmäuse, Igel, Geckos und Warane – können unter den extremen Lebensbedingungen der Wüste existieren. Zugvögel rasten im Winter an der nördlichen Küste. Es gibt etwa 30 einheimische Vogelarten. Für die gefährdeten Oryxantilopen wurde südlich von Doha ein Wildpark errichtet. Die Gewässer des Persischen Golfes sind sehr fischreich. Manchmal sind auch Pottwale, Delfine und die vergleichsweise seltenen Seekühe aufzufinden. An der Nordküste befinden sich westlich von Ras Laffan Eiablagestrände von Meeresschildkröten.

Im Wildpark al-Wabra befinden sich 50 der 80 in menschlicher Obhut lebenden Spix-Aras.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Mit rund 300.000 von über zwei Millionen Menschen ist nur jeder siebente Einwohner Katars Inländer. Fast jeder dritte ist indischer oder pakistanischer, jeder sechste nepalesischer Abstammung und etwa 7 % stammen aus anderen arabischen Ländern.[6] Das Bevölkerungswachstum lag zwischen 1994 und 2004 bei 4,2 %. Der Anteil der unter 15-Jährigen betrug 2004 22,3 %. Im selben Jahr lebten 92 % der Einwohner in Städten. Die Lebenserwartung lag bei 74 Jahren. Die meisten Inländer gehören dem sunnitischen Islam an; diese sind vor allem streng islamische Wahhabiten. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Unter den Ausländern herrschen Schiiten vor; ferner gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus, ungefähr 3.000 Juden, wobei die Anzahl auf bis zu 15.000 geschätzt wird, und 70.000[7] Christen in Katar. Amtssprache ist Arabisch, Handelssprachen sind Persisch und Englisch. Daneben werden Urdu und andere indoarische Sprachen gesprochen.

Als Staat mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt besitzt Katar ein sehr gutes soziales Fürsorgesystem, Hilfsbedürftige erhalten feste monatliche Bezüge. Die medizinische Versorgung ist gut und steht kostenlos zur Verfügung. Es gibt eine allgemeine Schulpflicht, der schulische Unterricht ist auf allen Ausbildungsstufen in den katarischen Regelschulen kostenlos, in den zahlreichen Privatschulen jedoch kostenpflichtig. Die Analphabetenrate betrug 2004 11 %. Seit 1973 besitzt Katar eine eigene Universität, die Universität von Katar. Die größten Städte sind gemäß Volkszählung vom April 2010: Doha mit 521.283 Einwohnern, ar-Rayyan mit 392.428 Einwohnern, ar-Rayyan Industrial Area mit 260.726 Einwohnern, adh-Dhachira mit 128.574 Einwohnern, Al Khor mit 80.220 Einwohnern, al-Wakra mit 79.457 Einwohnern, Umm Salal mit 60.509 Einwohnern, Ash-Shaḥānīyah mit 35.393 Einwohnern und Musay'īd mit 35.150 Einwohnern.

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
1950 47.000
1960 59.000
1970 111.000
1978 201.000
1986 369.000
1996 658.000
2004 744.000
2005 863.051
2008 928.635
2010 1.699.435
2013 2.100.000

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Katars

siehe auch: Liste der Emire von Katar

Katar auf der Karte von Adolf Stieler (1891)

Das Gebiet des heutigen Emirats Katar wies in früheren Jahrtausenden noch eine reichhaltige Vegetation auf und war bereits in der Steinzeit besiedelt. Im 5. Jahrtausend v. Chr. erlebte Katar eine Blütezeit. Klimaveränderungen führten zum Entstehen der heutigen Wüstenlandschaft und zu einer Abwanderung der Bevölkerung. In den folgenden Jahrtausenden wurde Katar nur sporadisch besiedelt. Im 5. Jahrhundert n. Chr. hatte das Christentum Einzug in die Region gehalten. Mit Ankunft des Islams verschwand es aber zwei Jahrhunderte später fast völlig von der arabischen Halbinsel.[7] 628 n. Chr. schlossen sich die Bewohner Katars dem Propheten Mohammed an und traten zum Islam über. Aber auch in der Folgezeit hatte das Land wegen des fehlenden Wassers kaum eine Bedeutung. Von sporadischen Handelssiedlungen an der Küste abgesehen war das Land nur von Beduinen bewohnt. Um 1760 zogen nomadisierende Beduinenstämme von ihren angestammten Weidegebieten im Inneren der arabischen Halbinsel in das Gebiet des heutigen Katar. Zu diesen Beduinen gehörte auch die Sippe Al Thani, die das Dorf al-Bid gründete, das heutige Doha. Scheich Muhammad Al Thani gewann allmählich die Macht über die Wüstenhalbinsel und wurde zum Begründer der heutigen Dynastie. Die folgenden 100 Jahre waren durch Machtkämpfe mit der Sippe der Al Chalifa gekennzeichnet, die aus dem heutigen Kuwait auf die Halbinsel drang und die Siedlung az-Zubara gründete. 1783 gelang den Al Chalifa die Eroberung von Bahrain, worauf sich ein Großteil des Stammes auf der Insel niederließ.

Ende des 18. Jahrhunderts fielen saudische Wahhabiten, Anhänger einer streng orthodoxen islamischen Sekte, auf der Halbinsel ein und eroberten zeitweilig al-Bid. Seit dieser Zeit bestehen enge Bindungen zu Saudi-Arabien. Bis weit in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts war die Küste von Katar wie die der heutigen Vereinigten Arabischen Emirate als „Piratenküste“ berüchtigt. Erst das Eingreifen der britischen Ostindien-Kompanie, die ihre Handelswege nach Indien bedroht sah, bereitete der Seeräuberei ein Ende. 1867 kam es zwischen den Al Thani und den Al Chalifa von Bahrain erneut zu einem heftigen Kampf um die Herrschaft in Katar. Das Vereinigte Königreich intervenierte und erzwang einen Frieden. Im folgenden Jahr wurde ein Schutzvertrag zwischen Katar und Großbritannien abgeschlossen, wodurch das Land unter britischen Einfluss geriet. Diese Anerkennung der Al Thani führte zu einer endgültigen Trennung von Katar und der Insel Bahrain (18. Dezember 1878, Nationalfeiertag). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchten die Osmanen ihre Ansprüche auf Katar verstärkt durchzusetzen. So wurden Teile des Landes besetzt. Daraufhin wandte sich Qasim Al Thani mit einem Ansuchen um Hilfe an die Wahhabiten. Im Jahre 1913 schritt das Vereinigte Königreich erneut ein, um den osmanischen Einfluss und den der Wahabiten auszuschalten. 1915 mussten die letzten osmanischen Truppen das Land verlassen. In der Folgezeit setzte Großbritannien seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss verstärkt durch.

Die ersten Erdölvorkommen wurden 1939 entdeckt, wodurch die Ölförderung bald das neue wirtschaftliche Standbein Katars wurde. In der Folgezeit ging mit dem wachsenden Reichtum eine tiefgreifende Modernisierung in Staat und Wirtschaft vor sich. Als Ende der 1960er Jahre die Briten den Abzug der Truppen „östlich von Sues“ für 1971 ankündigten, proklamierte Katar am 3. September 1971 (Nationalfeiertag)[8] seine Unabhängigkeit und lehnte damit, wie Bahrain, einen Anschluss an die Vereinigten Arabischen Emirate ab. Gleichwohl kam ein Freundschaftsvertrag mit dem Vereinigten Königreich zustande. Auch nahmen die Scheichs von Katar nun den Titel eines Emirs an. Im selben Jahr wurde mit dem Nord-Feld das größte Erdgasfeld der Welt entdeckt. 1972 wurde Emir Ahmad ibn Ali von Chalifa ibn Hamad (1972–1995) gestürzt, der sich in der Folgezeit verstärkt um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Ansiedlung von Industrie bemühte. Die absolute Herrschaft der Dynastie blieb aber weiter bestehen. 1974 wurden alle Erdöl- und Erdgasgesellschaften verstaatlicht. 1981 wurde mit Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait der Golf-Kooperationsrat gegründet. 1995 wurde Chalifa ibn Hamad von seinem Sohn Hamad ibn Chalifa (seit 1995) gestürzt, der mit der Einleitung von Reformen begann. Seit 1998 ist Katar der Sitz des Hauptquartiers der US-Truppen im Nahen Osten und war auch Kommandozentrale im Krieg der USA gegen den Irak im März 2003. Seit dem 25. Juni 2013 ist Tamim bin Hamad Al Thani Emir von Katar.

Bildungswesen[Bearbeiten]

Die 1973 gegründete Qatar University in Doha folgt angelsächsischen Mustern: In sechs Colleges können Bachelor- und Mastergrade erworben werden. Eine Besonderheit ist, dass nebeneinander sowohl das westliche Rechtswesen als auch das islamische Recht wie unter anderem die Scharia sowie die historischen islamischen Studien betrieben werden können. Unter den 7660 Studierenden im Wintersemester 2005/2006 hatte die Universität mit ca. 70 % einen vergleichsweise hohen Frauenanteil; im Studienjahr 2013/14 hatte die Universität ca. 15.000 Studierende. Mit dem Projekt Education City hat Katar sechs „Ableger“ namhafter amerikanischer Universitäten gegründet und seit dem Jahr 2002 betrieben.

Politik[Bearbeiten]

Politisches System[Bearbeiten]

Am 29. April 2003 stimmten die Bürger Katars der ersten Verfassung seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich mit einer Zustimmung von 98,39 Prozent zu, die 2005 in Kraft trat.[9][10]

Laut Verfassung ist Katar ein Emirat, also eine absolute Monarchie. Staatsreligion ist der Islam und laut Artikel 1 ist die Schari'a die Hauptquelle der Gesetzgebung.[4] Der Emir ist zugleich Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der exekutiven und legislativen Gewalt; auch die Regierung ist ihm allein verantwortlich. Ein Parlament oder politische Parteien existieren nicht. Der Emir ernennt lediglich die 35 Mitglieder der Beratenden Versammlung (Madschlis asch-Schura). Das Land gliedert sich in fünf Regionen. Fünf Gerichte urteilen „im Namen des Emirs“, daneben gibt es Gerichte für religiöse Fragen.

Die Gründung der Education City und die Fortentwicklung der Qatar University in Kooperation mit verschiedenen internationalen Universitäten werden von Beobachtern teils als aussichtsreicher Weg gesehen.

Nach seiner Abdankung am 25. Juni 2013 übertrug Scheich Hamad bin Chalifa die Amtsgeschäfte an seinen Sohn Tamim bin Hamad. Hamad bin Chalifa wurde damit der erste Regent eines arabischen Landes in der Golfregion, der die Macht freiwillig, ohne Blutvergießen „und bei klarem Bewusstsein“ abgab.[11]

Außenpolitik[Bearbeiten]

Katar ist Mitglied der UN, der Arabischen Liga, der OAPEC, der OPEC und des Golf-Kooperationsrats.

Die Taliban haben am 3. Januar 2012 die Absicht bekundet, in Katar ein Büro einzurichten.[12] Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete im Oktober 2012, dass sowohl die islamistische Hamas als auch die Taliban aus Afghanistan eigene diplomatische Vertretungen in Katar haben und das Land selbst ein diplomatisches Vertretungsbüro in Gaza unterhält.[13]

Im Jahr 2012 stieg Katar an die Spitze der finanziellen Unterstützer des Gazastreifens auf, noch vor den USA und der Europäischen Union. Mit einer halben Milliarde US-Dollar sollen die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut und eine ganze Stadt errichtet werden. Das Emirat Katar finanziert außerdem Rebellen in anderen Mittelmeerländern, derzeit in Syrien und früher in Libyen.[13]

Die zunehmend einflussreichere Rolle, die Katar mit seiner ehrgeizigen Außenpolitik unter den arabischen Staaten im Mittelmeerraum einnehmen will, wirft bei den Beobachtern Fragen über Ziele und Wege dieser Einflussnahme auf, derzeit vor allem im Hinblick auf die Entwicklung Libyens und Syriens sowie überhaupt des Islamismus.[14] Vor allem tunesische Analytiker kritisieren den zunehmenden Einfluss Katars auf die tunesische Politik.[15] Katar ist ein Land, das weltweit als Finanzier von Salafisten und Extremisten Sorgen macht.[16] Es ist das einzige Land, das im islamistisch beherrschten Norden Malis derzeit (2013) offiziell mit einer NGO permanent vertreten ist. Im malischen Fernsehen sagte Mohammed Diko vom Hohen Islamischen Rat des Landes: „Wir müssen unser Verhältnis zu Katar völlig überdenken.“[17] Außerdem wurde dem Land von Seiten des Verbündeten USA vorgeworfen, die Al-Shabaab-Milizen in Somalia finanziell zu unterstützen.[18] Da Katar vorgeworfen wird, die islamistische Muslimbruderschaft zu unterstützen, zogen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain ihre Botschafter aus dem Land ab.[19] Katars Unterstützung extremistischer salafistischer Gruppen in anderen Staaten führte zu massiven öffentlichen Protesten in Ägypten[20] und Libyen[21], bei denen auch katarische Flaggen verbrannt wurden.

Katar wird auch vorgeworfen, einer der wichtigsten Finanziers der Terrormiliz Islamischer Staat zu sein. Deutschlands Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) nannte in einem ZDF-Interview im Zusammenhang mit der IS-Finanzierung das „Stichwort Katar“, in einem darauffolgenden Interview distanzierte sich Angela Merkel indirekt von diesem Vorwurf. Der CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl stellte indirekt die Eignung Katars als Großinvestor in Deutschland infrage. Katars Distanzierung von diesem Vorwurf wird allgemein für unglaubwürdig gehalten. Die grüne Abgeordnete Katja Keul verwies darauf, dass Katar in Ägypten, Mali, Syrien, Irak und Libyen islamistische und terroristische Organisationen fördert. Katar weigere sich insbesondere, die Beteiligung eigener Staatsangehöriger an Kämpfen im Ausland sowie den Aufruf zur Teilnahme an solchen Kämpfen unter Strafe zu stellen und damit der UNO-Resolution 2170 nachzukommen. Anders als in Saudi-Arabien sei die Werbung für IS, die Rekrutierung von Kämpfern und die Unterstützung durch Spenden für Kataris bis heute ohne jede Konsequenz möglich. Auch der SPD-Vizevorsitzende Ralf Stegner nannte Katars Einfluss auf die Konflikte in der Region „nicht eben krisenentschärfend“.[22]

Menschenrechte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Menschenrechte in Katar

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, die im Berichtsjahr in Katar begangen wurden. Freedom House schätzt die Lage in Katar grundsätzlich als nicht frei ein. Frauen erführen oft weiterhin Benachteiligungen, obwohl sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert habe. Blasphemie in der Öffentlichkeit kann Haftstrafen von bis zu sieben Jahren zur Folge haben.

In Katar besteht die Todesstrafe weiterhin. Im Oktober 2002 wurde ein jordanischer Journalist von einem Gericht in Doha zum Tode verurteilt. Es wurde ihm vorgeworfen, für den jordanischen Geheimdienst gezielte Spionage in Katar betrieben zu haben.[23] Am 17. März 2003 wurde er allerdings durch den Emir Hamad bin Chalifa Al Thani begnadigt und auf freien Fuß gesetzt.[24]

Die Arbeits- und Lebenssituation von Arbeitsmigranten in Katar sind teilweise menschenunwürdig. Die Vereinten Nationen forderten Katar im November 2013 mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 auf, die Lage der Arbeitsmigranten zu verbessern. „Bei vielen Einwanderern werden an ihren Arbeitsplätzen die Menschenrechte verletzt, manche erhalten ihren Lohn nicht, oder ihnen wird weniger gezahlt als vereinbart“, sagte der UN-Sonderberichterstatter für die Rechte von Migranten, François Crépeau.[25][26]

Umweltschutz[Bearbeiten]

Die Weltbank weist das Erdöl-Emirat Katar derzeit als das Land mit dem weltweit mit Abstand höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf der Bevölkerung aus.[27] Im Durchschnitt verursacht jeder Einwohner Katars pro Jahr 31 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2). Im Vergleich dazu kommt ein Bürger der USA im Durchschnitt auf 17,3 Tonnen, ein Bürger Chinas auf 7,2 Tonnen und ein Bürger Deutschlands auf 9,9 Tonnen CO2 pro Jahr; der Gesamtausstoß Katars entspricht demzufolge in etwa dem Ausstoß von Berlin und Hamburg zusammen.[28] Das Emirat von Katar verfügt über reiche Vorkommen an Erdöl, dessen weltweite Verbrennung vor allem in den Industrieländern für den Klimawandel mitverantwortlich gemacht wird. In Doha fand die UN-Klimakonferenz 2012 statt.[29] Die UN-Klimakonferenz 2012 im Land mit dem weltweit höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf illustriert augenscheinlich das erneute[30][31] Scheitern der weltweiten Klimaschutz-Politik laut dem „Emissions Gap Report 2012“ des UNO-Umweltschutzprogramms UNEP.[32]

Militär[Bearbeiten]

Hauptartikel: Streitkräfte Katars

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Karte der Gemeinden in Katar

Die Verwaltungsgliederung Katars besteht seit 2004 aus sieben Gemeinden (arab. baladiyya):

  1. Doha
  2. al-Chaur
  3. al-Wakra
  4. ar-Rayyan
  5. asch-Schamal
  6. Umm Salal
  7. ad-Daʿayan

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die wichtigsten Erwerbsquellen sind Erdöl, vor allem aber Erdgas, Düngemittel sowie die bezahlte Bereitstellung von Truppenlagerplätzen und Ruhezonen für die US-Armee. 2004 ist das Bruttoinlandsprodukt um 20 % gewachsen. 0,2 % davon werden in der Landwirtschaft, 62,2 % in der Industrie und 37,6 % im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. 2001 waren 2 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 60 % im Dienstleistungssektor beschäftigt. Die Inflation lag 2005 im Durchschnitt bei 4,5 %. Katar ist das reichste Land der Welt.[33]

Qatar Investment Authority[Bearbeiten]

Auch Katar ist bestrebt, die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft diversifiziert in internationalen Beteiligungen anzulegen. Hierfür wurde in der staatlichen „Qatar Investment Authority“ (QIA) ein Qatar Fund gegründet, dessen Kapitalstock bereits mehrere hundert Milliarden US-Dollar umfasst. Anfang Juni 2009 wurden z. B. Gespräche geführt, die zu einer Kapitalbeteiligung des Fonds an der Porsche AG geführt haben.

Anfang Dezember 2010 wurde bekannt, dass sich die QIA um eine Beteiligung an der Essener Hochtief AG bemüht, was der drohenden Übernahme durch den spanischen Baukonzern Grupo ACS entgegenwirken würde. Solche Beteiligungen sind sehr erwünscht, weil diese Fonds in der Regel nicht beabsichtigen, auf die operative Geschäftstätigkeit einzuwirken, sondern lediglich eine langfristige Kapitalanlage suchen. Ein Beispiel für eine solche Kapitalanlage ist eine fünfprozentige Beteiligung der QIA am französischen Umweltdienstleister Veolia Environnement.[34] Die Beteiligung ist im April 2010 zustande gekommen und sollte sich über drei Jahre erstrecken.[35]

Die zum Unternehmen gehörende Qatar Holding LLC hält 10 % der Stammaktien der Porsche SE. Vertreten wird die Gesellschaft im Aufsichtsrat durch Scheich Jassim Adulaziz Bin Jassim Al-Thani. Er ist Vorstandsmitglied der Qatar National Bank und verschiedener Investmentfonds.

Am 8./9. Juni 2011 vereinbarte Katar mit Luxemburg eine strategische Partnerschaft, die sich als erstes auf die Sektoren Luftfahrt (Cargolux), Satellitendienstleistungen (SES Astra) und Banken richten sollte.[36] Im Zuge der Umsetzung dieser Vereinbarung kaufte die Precision Capital S. A.,[37] in deren Verwaltungsrat Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie sitzen, von der belgischen KBC Bankengruppe die Luxemburger Privatbankfiliale KBL European Private Bankers für 1,05 Milliarden Euro.[38] Dieselbe Finanzgruppe übernahm die Luxemburger Dexia-Tochter Dexia-BIL, die zum Zeitpunkt der Transaktion mit 730 Millionen Euro bewertet wurde, wobei sich der Luxemburger Staat in Höhe von 10 % am Kapital beteiligte.[39]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Die Landwirtschaft kann trotz ehrgeiziger Regierungsprojekte die Inlandsnachfrage nur zu einem geringen Prozentsatz decken. Nur 0,3 % des Staatsgebiets sind als Ackerland ausgewiesen, das zudem künstlich bewässert werden muss. Hauptanbauprodukte sind Tomaten, Kürbisse, Getreide, Datteln, Gemüse und Zitrusfrüchte. Die einst rein nomadische Viehwirtschaft wurde durch den Aufbau von Viehfarmen umstrukturiert. Der Fischfang wird weiter ausgebaut.

2011 wurden 90 % der in Katar verzehrten Nahrungsmittel eingeführt.[40] Das Qatar National Food Security Programme (QNFSP) unter Direktor Fahad al-Attaiyah soll die Versorgung sicherstellen. Mit einem Erlass des Thronfolgers Scheich Tamim bin Hamad Al Thani (Emiri Directive Nr. 45 von 2011) wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die für die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung zuständig ist. Bis 2013 sollte ein Plan zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung erstellt werden, der zwischen 2013 und 2023 umgesetzt werden soll. Der Export von Nahrungsmitteln soll unterbunden werden.[40]

Perlen[Bearbeiten]

Der Perlenhandel war seit der Dilmunkultur 3200 v. Chr., die auf Bahrain beheimatet war und Handelsbeziehungen bis nach Indien aufwies, die wichtigste Einnahmequelle Katars, bevor die Naturperlen durch billigere Zuchtperlen ersetzt wurden und viele Menschen dadurch ihre Existenzgrundlage verloren. Nach 1930 brach die Hochkonjunktur des Perlenhandels im Golf durch das Aufkommen japanischer Zuchtperlen weitgehend zusammen. Dies führte zu einer schweren Wirtschaftskrise, die viele Katarer zur Auswanderung zwang.

Bodenschätze[Bearbeiten]

Katar hat nach Russland und Iran mit einem Anteil von 14 % die weltweit drittgrößten konventionellen Erdgasreserven.[41] Etwa 60 % des Bruttoinlandsprodukts werden heute noch mit den fossilen Naturschätzen Gas und Erdöl erwirtschaftet. Daneben verfügt Katar über abbauwürdige Kalkstein-, Kies-, Ton- und Gipsvorkommen.

Erdöl[Bearbeiten]

Als 1938 erstmals Öl am Jabal Dhukan gefunden wurde, bot sich Katar die Chance einer neuen Einnahmequelle, um die Verluste durch den zusammengebrochenen Perlenhandel auszugleichen. Bereits ein Jahr danach begann die kommerzielle Förderung, aufgrund des Zweiten Weltkrieges verließ jedoch erst 1949 katarisches Öl das Land. In der Folge kam es zu einem Ölboom. 1961 trat Katar der OPEC bei. Katar wurde stark modernisiert und gleichsam aus dem Mittelalter direkt in die Neuzeit katapultiert, was mit einem gesellschaftlichen Umbruch einherging. Gastarbeiter kamen vor allem aus Pakistan, Sri Lanka, Nepal sowie von den Philippinen ins Land, bis heute insgesamt etwa 600.000 Menschen. Die Bevölkerung wuchs dadurch gewaltig und mittlerweile übersteigt die Zahl der Ausländer im Land die der Einheimischen bei weitem. 1972 übernahm der Staat die Ölgesellschaften. Katar war somit das erste kleine Erdölförderland am Golf, das über hundert Prozent seiner Vorkommen selbst verfügte. Steigende Ölpreise ließen auch Katar immer reicher werden und sorgten für ein sehr hohes Pro-Kopf-Einkommen. Die Gesamtölreserven werden auf mehr als 25 Milliarden Barrel geschätzt.[42] Katar ist eines der Länder, die in der sogenannten strategischen Ellipse liegen.

Erdgas[Bearbeiten]

Der größte Reichtum Katars liegt im Erdgassektor. Unter dem Meeresgrund liegt das North Gas Field, das mit 381.000 Milliarden Kubikfußreserven das größte Erdgasfeld der Erde ist. Katar besitzt laut Angaben von QP (QatarPetrol) ungefähr 25,5 Billionen Kubikmeter Erdgas. Katar hat sich in den letzten Jahren eine weltweit führende Rolle in der Gasverarbeitung erarbeitet. Das Zentrum der Gasindustrie ist die im Norden gelegene Ras Laffan Industrial City. Dabei gibt es zwei Betriebe, die im Gasgeschäft vertreten sind. Durch die Inbetriebnahme einer Erdgasverflüssigungsanlage wird der wirtschaftliche Abtransport des Flüssigerdgases (LNG) ermöglicht. Die Hauptabnehmer sind die GCC-Staaten. Wegen steigender Nachfrage exportiert Katar zunehmend Flüssiggas. Bereits 2006 war das kleine Emirat weltgrößter Flüssiggasexporteur.

Industrie[Bearbeiten]

Zu den Industriebetrieben zählen ein Stahlwerk, eine Düngemittelfabrik, eine petrochemische Anlage, eine Getreidemühle und Meerwasserentsalzungsanlagen, deren wichtigste Standorte Mesaid und Ras Laffan sind. In Qatar befindet sich eines der größten Werke für Primäraluminium weltweit, das Qatalum, ein Joint Venture von Norsk Hydro und Qatar Petroleum. Die Jahresproduktionsmenge beträgt derzeit 585.000 Tonnen. Katar plant eine eigene Solarzellenindustrie aufzubauen.[43]

Außenhandel[Bearbeiten]

2008 importierte Katar Güter im Wert von 25,11 Mrd. US-Dollar, und zwar zu 12 % aus den USA, 8,9 % aus Deutschland, 8,8 % aus Italien, 7,9 % aus Japan, 7,4 % aus Südkorea und 6,2 % aus Frankreich.

Das Land exportierte 2008 Güter im Wert von 55,73 Mrd. US-Dollar. Hauptabnehmer waren Japan (38,3 %), Südkorea (20,8 %) und Singapur (11,1 %).

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 28,5 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 32,1 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsüberschuss in Höhe von 3,8 % des Bruttoinlandsproduktes.[44]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 6,6 Mrd. US-Dollar oder 7,1 % des BIP.[44]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Das gut ausgebaute Straßennetz umfasst etwa 1.300 km. Es bestehen Straßenverbindungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Die bedeutendsten Häfen sind Ras Laffan, wo neben Stückgut und Containern im Wesentlichen Gas verladen wird, und Umm Sa’id, wo Massengut und Stückgut sowie Öl umgeschlagen werden. Der Hafen der Hauptstadt Doha wird hauptsächlich von Dhaus angelaufen, die auf den traditionellen Routen des Persischen Golfes, jedoch auch bis Südindien verkehren. Eine neue kleine Hafenanlage in der Bucht von Doha ermöglicht auch hier den Umschlag von Stückgut und Containern. Die Häfen von al-Chaur (nördlich von Doha) und al-Wakra (südlich von Doha) sind im Wesentlichen Fischereihäfen mit geringem Küstenschifffahrtsverkehr. Ar-Ruwais an der Nordküste ist ein reiner Fischereihafen. Der internationale Flughafen von Doha wird täglich von mehreren europäischen Hauptstädten aus angeflogen und beherbergt die Fluggesellschaft Qatar Airways. Der Tourismus ist volkswirtschaftlich bedeutungslos.

Zurzeit entstehen mehrere spektakuläre Bauprojekte, zum Beispiel eine 400 Hektar große künstliche Insel namens „The Pearl“. Diese künstliche Insel befindet sich 20 km nördlich des neuen internationalen Flughafens, des Hamad International Airport. Dieser im Frühjahr 2014 eröffnete Flughafen ist für die Landung der Airbus A380 ausgelegt und dient u. a. dazu, die Funktion Dohas als Drehscheibe internationaler Fluglinien weiter auszubauen.

Zwei Brückenbauwerke sollen die Abhängigkeit von Saudi-Arabien reduzieren. Die Freundschaftsbrücke mit einer Länge von 45 km wird Katar mit Bahrain verbinden, das bereits mit dem saudi-arabischen Festland verbunden ist. Die zweite Brücke soll eine Verbindung zu den Vereinigten Arabischen Emiraten herstellen.

In einem Joint Venture zwischen der Deutschen Bahn und dem katarischen Staat entwickelt Qatar Railways ein kombiniertes Bahn/Metro-System innerhalb der katarischen Halbinsel.

Elektrizitäts- und Wasserversorgung[Bearbeiten]

Strom und Wasser sind für katarische Staatsangehörige kostenlos. Für Industriekunden liegt der Strompreis bei 19 US-Dollar je MWh, für alle übrigen bei 30 US-Dollar je MWh.[A 1] Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Elektrizität ist in Katar einer der höchsten der Welt. Bis 2014 dürfte Katar diesbezüglich hinter Island und Norwegen an dritter Stelle in der Welt liegen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich der Stromverbrauch in Katar von 21 Mrd. kWh im Jahre 2009 auf 47 Mrd. kWh im Jahre 2014 mehr als verdoppeln wird.[46]

Das im Jahre 2000 gegründete staatliche Monopolunternehmen Qatar General Electricity & Water Corporation (KAHRAMAA) betreibt die Übertragungs- und Verteilnetze für Strom und Wasser. Die Produktion von Elektrizität und Wasser wurde im Zuge der Privatisierung 2002 an die Qatar Electricity & Water Company (QEWC) übertragen. Mit Stand 2014 beträgt der Anteil von QEWC an der gesamten Erzeugungskapazität in Katar bei Elektrizität 62 % und bei Wasser 79 %.[47]

Vision 2030[Bearbeiten]

Katar hat 2008 ein mittelfristiges Entwicklungsprogramm für eine leistungsfähige Infrastruktur unter dem Motto Qatar National Vision 2030 aufgelegt. Mit einem geschätzten Aufwand von 50 Milliarden US-Dollar soll der Wüstenstaat zu einem der modernsten der Welt entwickelt werden. Planerisch konkretisiert wurden bereits folgende Projekte:

Ende 2009 hat die Deutsche Bahn den Auftrag erhalten, in Katar ein 325 Kilometer umfassendes Schienenverkehrsnetz für den Personen- und Güterverkehr aufzubauen. Dazu gehört eine für 350 km/h Höchstgeschwindigkeit trassierte 180 Kilometer lange Schnellfahrstrecke, die den Flughafen über Doha mit dem Nachbarland Bahrain verbindet, eine 100 Kilometer lange Verbindungsstrecke nach Saudi-Arabien, die eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erlauben wird und der Aufbau eines 300 Kilometer langen regionalen Stadtbahnnetzes, unter anderem mit vier Linien in Doha, die Doha Metro.[48]

Kultur[Bearbeiten]

Die Gesellschaft Katars ist streng islamisch geprägt. Der Islam ist Staatsreligion. Die einheimische Bevölkerung hängt dem orthodoxen sunnitisch-wahhabitischen Islam an. Nach außen hin gibt sich das Land liberal, Homosexualität ist in Katar allerdings verboten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Museum für Islamische Kunst sowie das Arabische Museum für moderne Kunst, eröffnet im Dezember 2010, befinden sich in der Hauptstadt Doha. Diese zwei Museen zeigen Teile der internationalen Kunstsammlungen des Herrscherhauses.

Medien[Bearbeiten]

Der Nachrichtensender Al Jazeera hat seinen Sitz in Katar. An englischsprachigen Zeitungen werden The Peninsula, die Gulf Times, Qatar Tribune und die Khaleej Times aus Dubai gelesen. Zunehmend sind auch sozialkritische Artikel zu lesen, die insbesondere die Lage der nicht-katarischen Arbeiter behandeln.

Ende 2005 wurde berichtet,[49] dass die monopolistische Qatar Telecom (Qtel, 2013 umbenannt in Ooredoo) im eigenen Datennetz Audio- und Videokommunikationsdienste wie MSN Messenger, Yahoo Messenger oder Google Talk sperrt, was von einer Sprecherin des Unternehmens auch bestätigt wurde. Besonders brisant ist dieses Vorgehen, da etwa 80 % der Einwohner Katars Ausländer sind (Gastarbeiter, etc.), für welche diese Art der Kommunikation als einzige bezahlbare gilt. Dies scheint jedoch teilweise wieder gelockert bzw. aufgehoben worden sein, da man zumindest über Skype ohne Einschränkung telefonieren und chatten kann.

Einige Internetseiten unterliegen der Zensur. Beim Aufruf mancher Seiten wird der Nutzer auf eine Seite der Qatar Telecom weitergeleitet. Dort findet man den Hinweis: „This Site has been blocked by Internet Qatar as the content contains materials which are prohibited in the State of Qatar.“[50] (Die Seite wurde von Internet Qatar blockiert, da der Inhalt Material umfasst, das im Staat Katar verboten ist.) Dies erfolgt unter anderem beim Aufruf von Seiten mit pornographischen bzw. sexuellen Inhalten, allerdings beispielsweise auch bei dem Aufruf der Yahoo-Groups und ähnlicher Communities.

Der Press Freedom Index von Reporter ohne Grenzen hat Katar 2011 an Position 94 von 178 eingestuft.[51] Es ist die Rede von massiver Zensur, insbesondere bei systemkritischen Veröffentlichungen. Das 1979 verabschiedete Presserecht ist nie reformiert worden und derart flexibel gestaltet, dass die Regierung jederzeit die Verbote erweitern kann. Journalisten fehlt in Katar jedwede Gewerkschaft oder Interessenvertretung zur Unterstützung der Journalisten bei Streitigkeiten mit der Regierung.

Im März 2014 wurde bekannt,[52] dass 2016 der katarische Satellit Es'HailSat-2 eine Amateurfunk-Relaisstation auf eine geostationäre Position bringen soll, ein gemeinsames Projekt der katarischen Amateurfunkvereinigung QARS, der Qatar Satellite Company und der deutschen Amateurfunksatellitenvereinigung AMSAT-DL. Zwei Transponder sollen ermöglichen, dass Funkamateure von Brasilien über Europa bis nach Indien miteinander Funkverbindungen aufbauen können. Der Satellit Es'HailSat-2 soll Ende 2016 startbereit sein und auf 25,5 Grad Ost positioniert werden. Der Uplink wird im Bereich 2,400 bis 2,450 GHz und der Downlink im Bereich 10,450 bis 10,500 GHz innerhalb der jeweiligen Amateurfunkzuweisungen liegen.

Sport[Bearbeiten]

Sport spielt generell eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben von Katar. Mit dem Bau der Aspire Sports Academy im Jahre 2004 entstand in Doha eine der weltweit größten Trainings- und Wettkampfstätten für Spitzensportler. Die nationale Fußballliga, die Qatar Stars League, wird seit 1963 ausgespielt. Ausländische Stars wie Mario Basler, Gabriel Batistuta, Marcel Desailly, Fernando Hierro und Hakan Yakin wurden mit lukrativen Verträgen verpflichtet und spielten in der Liga.

Seit 2004 finden auf dem Losail International Circuit bei Doha Läufe zur Motorrad-Weltmeisterschaft sowie zur Superbike-Weltmeisterschaft statt. 2008 wurde dort in der Motorrad-WM das erste Nachtrennen ausgetragen.

2005 fanden die Westasienspiele in verschiedenen Sportstätten statt. 2006 wurden die Asienspiele in Katar veranstaltet. Motorrad-Weltmeisterschaftsrennen werden im neugebauten Motodrom nördlich Doha veranstaltet. In Doha findet alljährlich Anfang Januar ein Tennisturnier der Männer statt. Von 2008 bis 2010 fanden in Doha auch die WTA Tour Championships statt. Zudem bewarb sich Doha um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2016, schied jedoch in der Vorausscheidung aus.

Im Radsport bildet die Katar-Rundfahrt (Tour of Qatar) mit dem Auftaktrennen Doha International GP Ende Januar eine wichtige Station beim Aufgalopp der Rad-Profis, Stars wie Erik Zabel nutzen dieses Rennen gern. Im Januar 2007 lieferten sich die Sprintasse Tom Boonen (Vorjahressieger und Sieger der Straßen-Radweltmeisterschaften 2005, Quick Step-Innergetic) und Alessandro Petacchi (Team Milram) die ersten Duelle der Saison.

Im Squash war Doha bereits viermal Austragungsort der Weltmeisterschaft der Herren sowie einmal bei den Damen. Mit dem Qatar Classic findet außerdem jährlich ein Turnier der PSA World Series in Doha statt.

Vom 12. bis 14. März 2010 fanden im Aspire Dome in Doha die Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaften statt.

Vom 7. bis 29. Januar 2011 fand die Fußball-Asienmeisterschaft 2011 in Katar statt.

Am 2. Dezember 2010 gab die FIFA bekannt, dass Katar die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausrichten wird. Das Emirat setzte sich dabei gegen die Bewerbungen von Australien, Japan, Südkorea und den USA durch. Der die wahlberechtigten FIFA-Funktionäre überzeugende Masterplan für dieses Großereignis stammt vom Frankfurter Planungsbüro AS&P des Architekten Albert Speer junior.[53] Gegen den Zuschlag Katars wurden Bedenken u. a. das Klima betreffend geäußert, die im Verlauf der Zeit so massiv wurden, dass inzwischen sogar FIFA-Präsident Joseph Blatter vorschlägt, die WM im Winter stattfinden zu lassen, was eine Premiere wäre und den gesamten Spielplan aller nationalen und internationalen Vereinsligen stark beeinflussen würde.[54]

Ende September 2013 berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter Bezugnahme auf den britischen „Guardian“ über eine hohe Todesfallrate unter zumeist nepalesischen Gastarbeitern, die unter teilweise sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen bei der Errichtung der Austragungsstätten für die Fußball-WM beschäftigt sind: „Wir mussten mit leerem Magen 24 Stunden durcharbeiten – zwölf Stunden Arbeit und dann kein Essen die ganze Nacht“, wird ein Arbeiter zitiert. Es könnte schlimmstenfalls bis zu 600 Todesfälle im Jahr geben, falls die Regierung nicht umgehend handle, heißt es in einem Bericht des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB). „Der IGB spricht von harten, gefährlichen Bedingungen und einer slum-ähnlichen Unterbringung. Krankheiten und Hunger seien an der Tagesordnung“, so die „Süddeutsche Zeitung“ am 26. September 2013.[55] Inzwischen wurden Zweifel an dem Bericht des „Guardian“ und der „Süddeutsche Zeitung“ erhoben. Am 3. Oktober 2013 berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf ein mit der Bauaufsicht beauftragtes deutsches Unternehmen: „Auf den Baustellen in Lusail City ist in den vergangenen zwei Jahren kein einziger Arbeiter gestorben“.[56]

Ende 2014 werden die Kurzbahnweltmeisterschaften im Schwimmen ausgerichtet.

Im Jahr 2015 wird in Katar die Weltmeisterschaft im Männerhandball ausgetragen. Katar wurde Frankreich, Polen, Dänemark und Norwegen vorgezogen.

Außerdem finden die UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2016, die Turn-Weltmeisterschaften 2018 und die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 in Katar statt.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Katar – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Katar

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Katar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Katar – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Katar – Reiseführer

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die Preise liegen damit bei 1,9 bzw. 3 US-cent je kWh (Stand: Oktober 2011).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BBC: Qatar's new Emir Sheikh Tamim unveils new cabinet.
  2. Google Public Data Explorer – Weltbank, abgerufen am 28. April 2012
  3. Human Development Report Office: Qatar – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 26. Oktober 2014
  4. a b A. Nizar Hamzeh: Qatar: The Duality of the Legal System. Abgerufen am 3. Dezember 2010.
  5. Central Intelligence Agency (CIA) World Factbook, aufgerufen am 10. März 2012.
  6. Population of Qatar. Abgerufen am 28. Juli 2014.
  7. a b Radio Vatikan: Katar: Neue Kirche in der Wüste. (Version vom 12. Oktober 2007 im Internet Archive) 30. März 2007.
  8. Botschaft des Staates Katar. Abgefragt am 3. September 2009.
  9. IFES Election Guide: Katar Referendum 2003
  10. Verfassung Katar: Qatar Constitution
  11. Christoph Sydow: Machtwechsel in Katar: Gernegroß II. In: Spiegel Online, 25. Juni 2013. Abgerufen am 25. Juni 2013.
  12. Matthew Rosenberg: Taliban Opening Qatar Office, and Maybe Door to Talks. The New York Times, 3. Januar 2012.
  13. a b Katar finanziert Gaza. In: Der Spiegel. 41/2012. Abgerufen am 27. November 2012., S. 92.
  14. Anthony Shadid: Qatar Wields an Outsize Influence in Arab Politics. In: nytimes.com. 14. November 2011.
  15. Ghassan Abid: Ungeduld, Unruhe, Unterwanderung. In: theeuropean.de. 2. Februar 2012.
  16. Vgl. Oliver Borszik, GIGA-Institut für Nahoststudien: „Diese Tendenz lasse sich durchaus beobachten.“ Zitiert in: Zwielichtige Regionalmacht am Golf. Das Emirat Katar nach dem Herrscherwechsel – eine Hundert-Tage-Bilanz. DLF, Sendung vom 1. Oktober 2013.
  17. Alfred Hackensberger: Für Frauen war die Scharia eine Katastrophe. In: welt.de. 27. Januar 2013.
  18. Ali Abunimah: US accused Qatar of funding Somalia’s Al Shabab militia, Wikileaks reveals. In: electronicintifada.net. 27. August 2011.
  19. Streit um Muslimbrüder: Drei Golfstaaten ziehen Botschafter aus Katar ab. Auf: spiegel.de. 5. März 2014.
  20. Protesters burn Qatari flag over perceived interference in Egypt’s affairs. Auf: ahram.org.eg. 20. April 2013.
  21. Qatar’s Geopolitical Gamble: How the Gulf State May Have Overreached. Auf: time.com. 23. Juli 2013.
  22. Dietmar Neuerer, Daniel Delhaes: Golfstaat Katar in der Terror-Falle. Auf: handelsblatt.com. 25. August 2014.
  23. Amnesty International: Qatar: Death Penalty, Firas Nassuh Salim Al-Majali.
  24. Amnesty International: Jahresbericht 2004 Katar.
  25. UN kritisieren Lage in Katar. In: Tagesschau.de.
  26. Hausangestellte in Katar. Private Sklavenhaltung. Auf: taz.de.
  27. CO2 emissions (metric tons per capita). In: The World Bank. Abgerufen am 27. November 2012.
  28. Angelika Hillmer: Im Land mit der höchsten CO2-Emission der Welt. In: Die Welt, 26. Abgerufen am 27. November 2012. 
  29. Andrea Rönsberg: Die Welt zu Gast beim Klimasünder. In: tagesschau.de, 26. November 2012. Abgerufen am 27. November 2012. 
  30. Ulli Kulke: Klima-Kritiker sind öffentlich so gut wie mundtot. In: Die Welt, 28. November 2011. Abgerufen am 27. November 2012. 
  31. Ulli Kulke: Klima-Einigung wahrt nur den schönen Schein. In: Die Welt, 11. Dezember 2011. Abgerufen am 27. November 2012. 
  32. The Emissions Gap Report 2012 – A UNEP Synthesis Report. United Nations Environment Programme UNEP. Abgerufen am 27. November 2012.
  33. Die 15 reichsten Länder der Welt – Schweiz auf Platz 9. fORBES, abgerufen am 18. November 2013 (deutsch).
  34. Veolia Environnement filed by Qatari Diar Real Estate Investment Co. Information to be included in statements filed pursuant to § 240.13d-1(b), (c), and (d) and amendments thereto filed. In: Schedule 13G. Bank of New York, 23. April 2010, S. 10, archiviert vom Original am 7. Februar 2011, abgerufen am 7. Februar 2011 (XBRL, englisch).
  35. Tara Patel: Qatari Diar Acquires 5 % Stake in Veolia, Gets Seat on Board. In: Bloomberg Businessweek. Capital IQ, 16. April 2010, archiviert vom Original am 7. Februar 2011, abgerufen am 7. Februar 2011 (englisch).
  36. Visite officielle du Cheikh Hamad bin Jassem bin Jabor Al-Thani, Premier ministre et ministre des Affaires étrangères de l'État du Qatar. Mitteilung der luxemburgischen Regierung, 9. Juni 2011.
  37. Handelsregisterauszug, Luxemburg
  38. Michèle Sinner: Geplant, geplant, geplant. In: D’Lëtzebuerger Land. 14. Oktober 2011. S. 13.
  39. Luc Frieden salue l’accord sur l’acquisition de la Dexia BIL. Mitteilung der luxemburgischen Regierung, 20. Dezember 2011.
  40. a b Gulf Times, 2. August 2011.
  41. Die Geschichte des Erdgases. Auf: steckdose.de. Aufgerufen am 27. September 2011.
  42. CIA World Factbook: Qatar (Englisch).
  43. Qatar Solar Technologies to meet Qatar’s 2014 Solar Energy Target. 21. Oktober 2012, Zugriff am 5. Dezember 2012.
  44. a b c d The World Factbook
  45. Der Fischer Weltalmanach 2010. Zahlen Daten Fakten. Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4.
  46. Qatar Electric & Water Co. (PDF, 366 kB) S. 18.
  47. About us.
  48. Vgl. „Bahn exklusiver Partner bei Milliardenprojekt in Katar“. Deutsche Bahn, 22. November 2009, abgerufen am 22. November 2009.
  49. Qatar Telecom zensiert Chat und VoIP. Auf: heise.de. 13. November 2006
  50. Zensur-Seite
  51. Reporters without borders.
  52. Katarischer Kommunikationssatellit startet mit AMSAT-DL-Transpondern. Auf: darc.de. 24. März 2014.
  53. Fifa setzt WM in den Sand. Auf: zenithonline.de.
  54. Nun also doch: Blatter will Winter-WM in Katar. Video bei: spiegel.de.
  55. Gewerkschaft berichtet von Hunderten Toten bei WM-Vorbereitungen in Katar. „Süddeutsche Zeitung“, 26. September 2013.
  56. Deutscher Bauaufseher dementiert Todesopfer. Handelsblatt, 3. Oktober 2013, abgerufen am 7. November 2013.

25.26944444444451.212777777778Koordinaten: 25° N, 51° O