Katharina Bagration

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Jean-Baptiste Isabey: Katharina Bagration-Skawronskaya, 1820

Gräfin Katharina Pawlowna Skawronskaja, besser bekannt als Fürstin Katharina Pawlowna Bagration russisch Екатерина Павловна Багратион (* 7. Februar 1783 im Russischen Kaiserreich; † 21. Mai 1857 in Venedig) war eine russische Aristokratin, die auf dem Wiener Kongress unter den diplomatischen Damen eine herausragende Rolle spielte.

Leben[Bearbeiten]

Katharina war die älteste Tochter des Diplomaten und Grafen Pawel Martinowitsch Skawronski (1757–1793) und seiner Ehefrau, der Hofdame Katharina Vassiliewna Engelhardt[1] (1761–1829), einer Tochter von Basil Andreiwitch Engelhardt, Graf von Smolensk, und der Helena Alexandrowna Potemkin. Mütterlicherseits war sie eine Großnichte des Feldmarschalls Grigori Alexandrowitsch Potjomkin und väterlicherseits die Großnichte der Zarin Katharina I. [2]

Nach dem frühen Tod ihres Vaters wuchs sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Maria, der späteren Gräfin von der Pahlen und Gräfin Ojarowski, in der Obhut der russischen Zarin Katharina II., die sie „Grand-mère“ nannten, in Sankt Petersburg auf. Die beiden Mädchen erhielten für die damalige Zeit eine umfassende Ausbildung und sprachen fließend Französisch, Deutsch, Englisch und Italienisch. Im Jahr 1798 heiratete ihre Mutter in zweiter Ehe den italienischen Botschafter des Malteserorden, Giulio Renato Litta Visconti Arese (1763–1839).

Fürst Pjotr Iwanowitsch Bagration

Am 2. September 1800 wurde sie in Gattschina mit dem um vieles älteren General Fürst Pjotr Iwanowitsch Bagration [3] (1765–1812), dem ältesten Sohn des Fürsten Iwane Bagration aus der königlichen Dynastie der georgischen Bagratiden, verheiratet. Die Ehe, die allen Berichten zufolge unglücklich verlief, blieb kinderlos. Im Jahr 1801 annektierte Zar Paul I. das Königreich Georgien, das unter König Herakleios II. aus dem Hause Bagration mit der Zarin Katharina II. einen Schutzvertrag geschlossen hatte. Eine Verschwörung gegen den Zaren, der sich mit Napoléon Bonaparte gegen Großbritannien verbünden wollte und an der ihr Ehemann beteiligt gewesen war, zwang das Ehepaar zur Flucht aus Russland.

Im März 1801 kehrte der Fürst – nach der Ermordung des Zaren – allein nach Sankt Petersburg zurück, da Katharina wegen einer Lungenentzündung in Dresden bleiben musste. Einige Wochen wohnte sie bei seinem Freund, dem Grafen Czartoryski und dessen Frau, der Schriftstellerin Izabella von Flemming.

Katharina Bagrations Grab in Venedig

Hier begegnete Fürstin Bagration dem österreichischen Gesandten und Diplomaten Graf Klemens Wenzel Lothar von Metternich (1773–1859) und stürzte sich bedenkenlos in eine Liebesaffäre. Aus der Dresdner Zeit stammt auch der Spitzname, den man der Fürstin ihrer stets gewagten Dekolletés wegen verlieh: Hinter vorgehaltener Hand nannte man sie den „Nackten Engel“. Die Beziehung endete, als Metternich nach Wien zurückgerufen wurde.

Nach Jahren der Trennung sahen die beiden einander in Paris bei der Krönung Napoléon Bonapartes wieder, später in Wien, wo Katharina für ihren Cousin, den Zaren Alexander I., als Agentin fungierte – offiziell vertrat sie die gesellschaftlichen Belange Russlands. Fürstin Bagration war zur Zeit des Wiener Kongresses schon Witwe. Ihr Mann, General Peter Bagration, war 1812 nach der Schlacht von Borodino seinen Verletzungen erlegen. Beim Wiener Kongress durchtanzte sie die Nächte an der Seite Zar Alexanders und bildete den strahlenden und umschwärmten Mittelpunkt rauschender Feste. Sie wurde von zahllosen Männern umworben, unter anderem von Kronprinz Wilhelm von Württemberg.

Nach dem Wiener Kongress lebte die Fürstin Bagration in Paris. In ihrem Haus in der Rue St. Honoré führte sie einen erfolgreichen Literarischen Salon, der von den literarischen und politischen Zelebritäten besucht wurde. In zweiter Ehe heiratete Fürstin Bagration am 11. Januar 1830 den britischen General und Diplomaten Sir John Hobart Caradoc, 2. Baron Howden of Howden and Grimston (1799–1875) – von dem sie sich jedoch bald wieder trennte – und starb 1856 auf einer Reise nach Italien.

Nachkommen[Bearbeiten]

Aus der Liaison mit dem Grafen Metternich ging eine Tochter, Marie-Clementine Bagration (* 10. November 1803 [4][5] in Dresden; † 26. Mai 1829 in Paris, Île de France), hervor. Clementine lebte ab 1814/15 bei der Familie Metternich, bis sie am 12. Juli 1828 einen Österreicher, Reichsgraf Otto von Blohme (1795–1884), heiratete. Sie starb ein Jahr darauf an den Folgen einer Fehlgeburt.

Erwähnenswertes[Bearbeiten]

Delegierte des Wiener Kongresses in einem zeitgenössischen Kupferstich (koloriert) von Jean Godefroy nach dem Gemälde von Jean-Baptiste Isabey

Eine Zusammenkunft so vieler bedeutender und eigenwilliger Persönlichkeiten wie der Wiener Kongress konnte nicht ohne Spannungen politischer Natur, aber auch nicht ohne Skandale und Affären ablaufen. Allein die politischen Spannungen zwischen Fürst Metternich und Zar Alexander boten mit ihren Auswirkungen auf das Privatleben Stoff genug, um die Cronique scandaleuse zu füllen. Beide machten einander die schönsten Frauen streitig; nach dem Urteil vieler Zeitgenossen vergeudeten sie ihre Zeit mit Frauenaffären. Karl Freiherr vom Stein schreibt über Metternich: „Er beschäftigte sich mit Anordnungen der Hoffèten, Tableaus usw. bis ins kleinste Detail, sah dem Tanz seiner Tochter zu, während Humboldt und Castlereagh zu einer Konferenz auf ihn warteten, legte den Damen, die bei den Tableaus erscheinen mussten, Rot auf.“ Metternich wusste sich allerdings sehr geschickt der Hilfe der Damen zur Betreibung seiner politischen Pläne zu bedienen. Das frivole Spiel mit dem Tratsch lag ihm sichtlich. So berichtete Gräfin Elise von Bernstorff, dass er Friedrich von Gentz, dem Protokollführer des Kongresses, einen tödlichen Schrecken einjagte, als er ihm ein gefälschtes Manifest Napoleons zuspielte, laut welchem dieser für die Auslieferung von Gentz, tot oder lebendig, eine hohe Belohnung versprach.

Balthasar Wigand: Das Wasserglacis in Wien, Aquarell/Gouache auf Papier, um 1815

Peinliche Affären ereigneten sich des Öfteren. So lieferte sich Lord Charles William Stewart, der britische Botschafter in Wien, einen heftigen Boxkampf mit einem Kutscher und wurde beinahe von der Polizei ins Gefängnis gesteckt. Glücklicherweise wurde er erkannt, und als man ihn fragte, ob er eine Bestrafung des Kutschers wünsche, lehnte er ab, weil dieser nicht gut boxte. Für die Wiener sind diese amoureusen Affären des Wiener Kongresses interessanter als seine politischen Ergebnisse. Bei der Promenade am Graben ging es in erster Linie um die neuesten Liebeleien.[6]

Noch nie haben bei einer internationalen Konferenz, die sich mit einer großen Neuordnung so vieler Staaten beschäftigte, schöne und berühmte Frauen eine so nachhaltige Rolle gespielt.[7] Neben Wilhelmine von Sagan[8] spielte Katharina eine wichtige Rolle in der europäischen Diplomatie. Ihre jüngere Schwester, Dorothea war mit Alexandre Edmond de Talleyrand-Périgord verheiratet, lebte aber von ihrem Mann getrennt. Nach Wien kam sie in Begleitung ihres Oheims, des französischen Außenministers Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, mit dem sie zarte Bande verband. Während des Kongresses hatte sie eine kurze, aber leidenschaftliche Affäre mit Fürst Metternich. Gräfin Laura Fuchs-Gallenberg führte eines der ersten Häuser in Wien, und Gräfin Ludovica (Lou) Thürheim gehörte der ersten Wiener Gesellschaft an. In ihren Erinnerungen beschrieb sie später teils boshaft, teils sentimental den Kongress. Gabrielle Fürstin Auersperg-Lobkowitz war eine der wahren Schönheiten und ihr besonderer Verehrer war Zar Alexander. Von ihr sagte Kaiser Franz II., sie sei die Schönheit, die wahre Gefühle erwecke. Auch die Ballett-Tänzerin Émilie Bigottini konnte eine große Anzahl von Verehrern um sich scharen. Ihr Favorit, Franz Graf Pálffy, war auch der Vater ihres Kindes.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. 1000 Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1963, S. 39.
  • Erwin Angermayer (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. 1000 Biographien in Wort und Bild. Verlag Kaiser, Klagenfurt 1998, ISBN 3-7043-3064-7 (Nachdr. d. Ausg. Wiesbaden 1976).
  • Egon Caesar Conte Corti: Metternich und die Frauen. Europa Verlag, Wien 1948/49
  1. Von der Französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß. 1789-1815''. 1948.
  2. Vom Sturz Napoleons bis zu des Kanzlers Lebensende. 1815-1859. 1949.
  • Stella K. Hershan: Der nackte Engel („The naked angel“). Gryphon-Verlag, München 2004, ISBN 3-935192-81-9 (Nachdr. d. Ausg. München 1972).
  • Lada Nikolenko: Die schönen Russinnen. Illustrierte Biographien berühmter Schönheiten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Mir e.V., das Zentrum Russischer Kultur in München, München 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katharina Bagration – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kimbell Art Museum Exhibition Catalog: Catherine Vassilievna Engelhardt, 1982.
  2. The Peerage.com: Ekaterina I Skavronska, Tsarina of Russia
  3. The Napoleon Series.org: Peter Bagration: The Best Georgian General of the Napoleonic Wars
  4. Stella K. Hershan: Der nackte Engel, Fritz Molden Verlag, München (1972) ISBN 3-217-00327-6.
  5. genealogy.euweb.cz: Online Gotha: Metternich
  6. a b Bodo Harenberg (Hrsg.): Chronik der Frauen, Chronik-Verlag, Dortmund (1988) ISBN 3-611-00064-7.
  7. pagesperso-orange.fr: Les Femmes au congrès de Vienne 1814/15
  8. Burg Posterstein.de: Wilhelmine von Sagan (1781–1839)