Catharina Elisabeth Goethe

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Catharina Elisabeth Goethe
Porträt von Georg Oswald May (1776)
Familie Goethe in Schäfertracht. Catharina Elisabeth ganz links. (Johann Conrad Seekatz 1762)
Denkmal für C. E. Goethe im Frankfurter Palmengarten
Grab an der Peterskirche

Catharina Elisabeth Goethe (* 19. Februar 1731 in Frankfurt am Main; † 13. September 1808 ebenda; gebürtige Textor) war die Mutter von Johann Wolfgang Goethe. Ihr Spitzname war Frau Aja.

Leben[Bearbeiten]

Sie war die älteste Tochter von Johann Wolfgang Textor (1693–1771) und seiner Frau Anna Margaretha Lindheimer (1711–1783). Die Textors (latinisiert aus Weber) stammten aus dem Hohenloher Land und waren seit zwei Generationen in Frankfurt ansässig. Sie waren erfolgreiche Juristen; Johann Wolfgang Textor hatte, obwohl er nicht zu den eingesessenen Patrizierfamilien gehörte, Karriere als Ratsherr, Schöffe und Bürgermeister gemacht. 1743 zum wirklichen kaiserlichen Rat ernannt, wurde er 1747 Reichs-, Stadt- und Gerichtsschultheiß. Dies war der höchste Beamtenposten, den die Stadt zu vergeben hatte. Der Stadtschultheiß war Leiter des Justizwesens der Stadt auf Lebenszeit.

Seine Tochter erhielt, wie es damals üblich war, keine umfassende Ausbildung, sondern wurde frühzeitig standesgemäß verheiratet. Am 20. August 1748 heiratete Catharina Elisabeth 17-jährig in der Katharinenkirche – getraut von Johann Philipp Fresenius – den damals 38-jährigen wirklichen kaiserlichen Rath Johann Caspar Goethe. Der älteste Sohn, Johann Wolfgang, den sie ihren Hätschelhans nannte, wurde am 28. August 1749 geboren. In der Korrespondenz mit Goethes Mutter hatte die Herzogin Anna Amalia diese Bezeichnung ständig adaptiert. [1][2] Ihm folgten fünf weitere Kinder, von denen nur die 1750 geborene Cornelia das Erwachsenenalter erreichte.

Catharina Elisabeth Goethe wird als eine geistreiche und warmherzige Frau beschrieben. In ihren über 400 erhaltenen Briefen zeigte sie sich witzig und selbstbewusst. Sie pflegte zahlreiche Freundschaften, so zu Bettina von Arnim, und war der Mittelpunkt eines gastfreundlichen Haushaltes. Die Grafen Friedrich und Leopold zu Stolberg nannten sie die Frau Aja oder Mutter Aja, nach der Mutter der vier Haimonskinder aus dem gleichnamigen Volksbuch. Dieser Spitzname blieb ihr zeitlebens erhalten.

Alle Quellen heben besonders ihre Fähigkeit hervor, dem Leben stets das Beste abzugewinnen. Johann Wolfgang Goethe schrieb über seine Mutter:

Vom Vater hab ich die Statur,
Des Lebens ernstes Führen,
Vom Mütterchen die Frohnatur
Und Lust zu fabulieren.

Sie selbst schrieb 1785 an ihre Freundin Charlotte von Stein: „Zwar habe ich die Gnade von Gott, daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von mir weggegangen ist – weß Standes, alters und Geschlecht sie auch geweßen ist – Ich habe die Menschen sehr lieb.“

Von ihrem Tod ist überliefert, dass sie sich noch auf dem Totenbett um jedes Detail für ihren eigenen Leichenschmaus kümmerte. Einem Dienstmädchen, das die Einladung zu einer Gesellschaft überbrachte, antwortete sie: „Richten Sie nur aus, die Rätin kann nicht kommen, sie muß alleweil sterben!“.

Doch auch die Einsamkeit der Catharina Elisabeth ist überliefert, und manifestiert sich in ihrem berühmten Brief vom 28. August 1808 an die junge Freundin Bettina Brentano[3]. In den Briefen an die eigene Familie erscheint sie dagegen als „...rollenhaft immer gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter,...“[4].

Sie wurde auf dem Peterskirchhof im Familiengrab der Textors beigesetzt. Ihr Grab befindet sich heute auf dem Schulhof der Liebfrauenschule. Zu ihrem 100. Todestag stifteten Frankfurter Frauen ein marmornes Denkmal im Palmengarten, das sie in idealisierter Form als liebevolle Mutter mit ihrem kleinen Sohn Johann Wolfgang, dem Hätschelhans, zeigt.

1876 wurde ihr zu Ehren Frankfurts erste höhere Schule für Mädchen Elisabethenschule genannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Beutler: Goethe - Briefe aus dem Elternhaus. Frankfurt am Main. Insel Verlag, 1960 (1999 neu herausgegeben in erweiterter Form)
  • Eva Demski: Vergnügt wie eine Göttin – Die Frau Rat Goethe, in: H. Sarkowicz (Hrg.): Die großen Frankfurter. Frankfurt am Main, Insel Verlag. 1994.
  • Jürgen Fackert (Hrsg.): Catharina Elisabetha Goethe: Briefe an ihren Sohn Johann Wolfgang, an Christiane und August von Goethe. Reclam, Stuttgart 1971 (RUB 2786), ISBN 3-15-002786-1
  • Wilhelm Flitner: Goethe, Catharina Elisabeth, geborene Textor. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 545 f. (Digitalisat).
  • Richard Friedenthal: Goethe – sein Leben und seine Zeit. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1980
  • Dagmar von Gersdorff: Goethes Mutter. Insel Verlag, 2008, ISBN 3-458-17134-7
  • Doris Hopp, Wolfgang Bunzel: Catharina Elisabeth Goethe. Mit einem Beitrag von Ulrike Prokop. Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum, Frankfurt/Main 2008
  • Ulrike Prokop: Die Freundschaft zwischen Katharina Elisabeth Goethe und Bettina Brentano - Aspekte weiblicher Tradition. In: Vorträge aus der Frankfurter Frauenschule. Facetten feministischer Theoriebildung. Materialband 2. Selbstverlag, Frankfurt/Main 1987

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Catharina Elisabeth Goethe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://ia600307.us.archive.org/22/items/goethevongeorgbr00branuoft/goethevongeorgbr00branuoft.pdf S. 180
  2. Sabina Appel: Johann Wolfgang von Goethe: ein Porträt. Köln-Weimar-Wien 2009, S. 134 (Auszug bei Google Books)
  3. Ulrike Prokop: Die Illusion vom Großen Paar Band 1, Fischer-Verlag, Frankfurt/Main 1991 S. 261, „Wir spüren beim Lesen von Catharinas Brief die Einsamkeit. Die Einsamkeit ist unverkennbar, ebenso wie der Anflug von Angst, vergessen zu werden.“
  4. Ulrike Prokop: Die Illusion vom Großen Paar Band 1, Fischer-Verlag, Frankfurt/Main 1991 S. 261/262