Katharina Reiß

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Katharina Reiß (* 17. April 1923 in Rheinhausen) ist eine deutsche Übersetzerin und Übersetzungswissenschaftlerin, die mit ihren Arbeiten zur Skopostheorie sowie zu Texttypen und Übersetzungsmethoden Pionierarbeit auf dem Gebiet der Übersetzungswissenschaft geleistet hat.

Leben[Bearbeiten]

Katharina Reiß lehrte von 1944 bis 1970 am Dolmetscher-Institut der Universität Heidelberg. 1954 promovierte sie mit einer Arbeit über den spanischen Schriftsteller und Journalisten Clarín. Ab 1965 übernahm sie die Funktion der Akademischen Rätin und der Leiterin der Spanischen Abteilung des Dolmetscher-Instituts. 1970 wechselte sie als Akademische Oberrätin und später als Akademische Direktorin an das Romanische Seminar der Universität Würzburg. Ihre Habilitation erhielt sie dann an der Universität Mainz mit ihren Untersuchungen zum operativen Texttyp. Ein Jahr später übernahm sie einen Lehrauftrag am Auslands- und Dolmetscherinstitut in Germersheim. Als Gastprofessorin hielt sie im Wintersemester 1994/1995 eine Reihe von Vorträgen am Institut für Übersetzer- und Dolmetscherausbildung der Universität Wien.

Leistungen[Bearbeiten]

Mit beinahe 90 Publikationen und Gastvorträgen in über 20 Ländern ist Katharina Reiß eine bedeutende Vertreterin der modernen Übersetzungswissenschaft.[1] Gemeinsam mit Hans J. Vermeer gilt sie als Begründerin der Skopostheorie.[2] Zur Vereinheitlichung der Terminologie in der Übersetzungswissenschaft schlägt sie in ihrer Habitilationsschrift Texttyp und Übersetzungsmethode. Der operative Text. eine Einteilung der Texte in vier Texttypen vor. Auf Grundlage des Organon-Modells von Karl Bühler werden die Texte nach ihrer jeweiligen Funktion unterschieden. Somit ergibt sich die Einteilung in informative, expressive oder operative Texte. Als vierten Texttyp schlägt Reiß den audio-medialen Texttyp vor. Hierzu zählen sämtliche Texte, die sich zusätzlich zur Sprache noch anderer Mittel zur Kommunikation bedienen, z. B. technische, akustische oder graphische Mittel.[3]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Zur Übersetzung von Kinder-und Jugendbüchern. Theorie und Praxis. In: Lebende Sprachen Jg. 27, Nr. 1, 1982, S. 7-13.
  • Texttyp und Übersetzungsmethode. Der operative Text. Groos, Heidelberg 1983, ISBN 3-87276-509-4.
  • Zusammen mit Hans J. Vermeer: Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie. Niemeyer, Tübingen 1984, ISBN 978-3484301474.
  • Methodische Fragen der übersetzungsrelevanten Textanalyse. Die Reichweite der Lasswell-Formel In: Lebende Sprachen Jg.29, Nr.1, 1984, S. 7-10.
  • Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzungskritik : Kategorien und Kriterien für eine sachgerechte Beurteilung von Übersetzungen. Hueber, München 1986, ISBN 9783190067176.
  • Der Text und der Übersetzer. In: Textlinguistik und Fachsprache, 1988, S. 67-75.
  • Spanische Sprachlehre : Methode Gaspey-Otto-Sauer. 29. Auflage. Groos, Heidelberg 1990, ISBN 978-3872760319.
  • Mira Kadric, Mary Snell-Hornby (Hrsg.) Grundfragen der Übersetzungswissenschaft: Wiener Vorlesungen. WUV-Universitätsverlag, Wien 1995, ISBN 978-3-85114-232-7.

Literatur[Bearbeiten]

  • Justa Holz-Mänttäri, Christiane Nord (Hrsg.): Traducere Navem: Festschrift Für Katharina Reiss Zum 70. Geburtstag. Universitätsverlag, Tampere 1993, ISBN 951-44-3262-2.
  • Mira Kadric, Mary Snell-Hornby (Hrsg.): Grundfragen der Übersetzungswissenschaft : Wiener Vorlesungen. WUV-Universitätsverlag, Wien 1995, ISBN 978-3-85114-232-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Justa Holz-Mänttari, Christiane Nord (Hrsg.): Traducere Navem: Festschrift Für Katharina Reiss Zum 70. Geburtstag. Universitätsverlag, Tampere 1993, ISBN 951-44-3262-2
  2. Die Skopostheorie. Webseite des Seminars für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Heidelberg. (Abgerufen am 23. September 2013)
  3. Evemarie Draganovici: Zur Klassifikation der Texttypen in der Translatologie (PDF; 154 kB). Webseite der Universität Russe. (Abgerufen am 23. September 2013)