Katharina Wasa (1539–1610)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
„Katharina von Ostfriesland, geborene Prinzessin von Schweden“. Tafelmalerei aus der Zeit um 1560.

Katharina Wasa (* 6. Juni 1539 in Stockholm; † 21. Dezember 1610 in Berum) war Prinzessin von Schweden und als Ehefrau von Edzard II. Gräfin von Ostfriesland. Sie war die erste Prinzessin aus dem Hause Wasa.

Leben[Bearbeiten]

Katharina Wasa als Gräfin von Ostfriesland.

Katharina wurde am 6. Juni 1539 auf Burg Tre Kronor, dem Vorgängerbau des heutigen Stockholmer Schlosses, als älteste Tochter von Gustav I. Wasa, König von Schweden, und seiner zweiten Ehefrau Margareta Eriksdotter Leijonhufvud geboren. Katharina war erst zwölf Jahre alt, als ihre Mutter verstarb. Wie all ihre Geschwister hatte sie eine sehr sorgfältige Erziehung genossen und war gründlich in die Grundlagen des christlichen Glaubens eingeführt worden.[1]

Hochzeitsanbahnung[Bearbeiten]

Katharinas Vater Gustav hatte Schweden 1523 von der dänischen Fremdherrschaft befreit und war seit dem 6. Juni 1523 König des Landes. Er war stets bemüht, dieses aus der äußeren Abhängigkeit von Dänemark zu lösen, das den Schweden weitgehend den Zugang zum Ozean verwehrte. Daher fiel sein Blick auf Ostfriesland. Gustav sah in der Grafschaft eine Art Außenbastion fern dem dänischen Einfluss. Vor allem die Hafenstadt Emden weckte sein Interesse. Er bot den dortigen Landesherren aus dem Hause Cirksena 1556 einen Handelsvertrag an. Um sein Angebot zu untermauern, regte er zudem die Hochzeit seiner Tochter mit Edzard II., dem künftigen Landesherren, an.[2] Edzard zog die Eheverhandlungen aber in die Länge und verschob die Heirat immer wieder. Das wiederum kränkte den schwedischen König, der daraufhin mehrere wütende Briefe an den Ostfriesen schrieb. Schließlich willigte Edzard in die Hochzeit ein.

Die Vadstena-Affäre[Bearbeiten]

Bei Katharinas Hochzeit mit Edzard II. kam es zu einem Skandal, der als Vadstena-Affäre in die Geschichte einging. Edzard war zu seiner Vermählung am 1. Oktober 1559 in Stockholm in Begleitung seines Bruders Johann II. angereist. Nach der Trauung blieben beide noch für einige Monate in Schweden. Weihnachten 1559 übernachteten sie im Schloss Vadstena. Dort ließ sich Johann auf eine Affäre mit der Prinzessin Cäcilie Wasa, der Schwester Katharinas, ein. Beauftragte ihres Halbbruders, des Kronprinzen Erik, erwischten das Paar im Schlafgemach Cäcilies in flagranti. Erik, der sich von seinem Vater unterdrückt fühlte, nutzte die Gelegenheit, um den König zu kränken. Er kümmerte sich nicht um Ruf und Ehre seiner Halbschwester und der Familie, sondern machte die Affäre offiziell bekannt. Mit der Inhaftierung Johanns war der Skandal perfekt, der nicht nur die schwedisch-ostfriesischen Beziehungen belastete, sondern in ganz Europa Aufsehen erregte. Denn Gustav war als Begründer einer neuen Königsdynastie sehr auf seine Ehre bedacht. Edzard stand in der Folge mehr oder weniger unter Hausarrest. Johann musste zur Strafe in den Kerker. Ihm drohte gar die Todesstrafe. Zahlreiche diplomatische Versuche der Gräfin Anna, ihre Söhne aus der Haft freizubekommen, blieben erfolglos. Letztlich rettete Johann nur die Fürsprache vieler Potentaten einschließlich der Königin Elisabeth I. von England das Leben.[3] Zeitgenössischen Berichten zufolge wurde Johann zur Strafe entmannt. Er blieb jedenfalls bis zu seinem Tode ehe- und kinderlos.

In Ostfriesland[Bearbeiten]

Katharinas Sarg im Mausoleum der Familie Cirksena

Edzard kehrte mit seiner jungen Frau erst 1561 nach Ostfriesland zurück. Dort kaufte Katharina im Jahre 1665 die Herrlichkeit Pewsum von 1565 Hoyko Manninga. Damit gelangte Katharina auch in den Besitz der Manningaburg sowie der Pewsumer Mühle. Den Kaufpreis zahlte Katharina aus ihrem Brautschatz.[4] Die neue Besitzerin ließ die Burg in der Folge prächtig erweitern. In Ostfriesland war Katharina vor allem im karitativen Bereich tätig. Sie ließ in Hage ein Krankenhaus errichten, sorgte für Medikamente und gab reichlich Almosen. Die Gräfin war eine tiefreligiöse Frau. Sie ließ zum Beispiel in Berum eine neue Kapelle bauen. Ihre Religiosität war jedoch ausgesprochen intolerant. Katharina machte sich als strenggläubige Lutheranerin dafür stark, dass vakante Pfarrstellen in Pewsum, Woquard und Loquard in der ansonsten mehrheitlich evangelisch-reformierten Krummhörn ausschließlich von Predigern der wittenbergischen Konfession besetzt wurden. Diese Entscheidung hat bis heute Auswirkungen, da die drei Orte immer noch Lutherische Inseln bilden. Katharina konnte sich nie damit abfinden, dass ihr Mann Edzard II. sich die Herrschaft mit seinem Bruder teilen musste. So mischte sie leidenschaftlich bei den großen politischen Konflikten in der Grafschaft mit.[5]

Mit ihrem Mann führte sie eine glückliche Ehe, in der sie als die willensstärkere den Ton angab. Insgesamt gebar sie sechs Söhne und fünf Töchter.[5]

Katharina galt als herrschsüchtig. Als sie nach dem Tode ihres Mannes die Ämter Norden und Berum als ihr Wittum übernahm, forderte sie von ihrem Sohn und Nachfolger Edzard II., Enno III. die Gerichtsbarkeit und die Landesherrschaft über die beiden Ämter, aus denen ihr laut Heiratsvertrag lediglich alle Einkünfte zustanden. Mehrfach weigerte sie sich, Abgaben an Ihren Sohn oder die Staände abzuführen. Erst als der Graf 200 Soldaten von Emden nach Berum verlegte, lenkte Katharina schließlich ein.[5]

Im Jahre 1610 verstarb Katharina im Alter von 71 Jahren auf Burg Berum.

Nachkommen[Bearbeiten]

Aus der Ehe Katharinas und Edzards II. gingen zehn Kinder hervor:

  • Margarete, * 22. November 1560, † 8. September 1588,
  • Anna, * 26. Juni 1562 in Aurich, † 21. April 1621 in Neuhaus (Böhmen)
  • Enno III. Graf von Ostfriesland (1599-1625), * 30. September 1563, † Leerort 19. August 1625;
    • 1. Ehe: 29. Januar 1581 Walburga Gräfin von Rietberg, eine Tochter von Graf Johann II. Herr zu Esens, Stedesdorf und Wittmund und Agnes Gräfin von Bentheim-Steinfurt (* ca. 1556, † 20. Mai 1586);
    • 2. Ehe: Esens, 28. Januar 1598 Anna von Holstein-Gottorp (* 27. Februar 1575, † 24. April 1625), Tochter von Adolf I.
  • Johann III., * 1566, † 29. September 1625; heiratete am 4. März 1601 seine Nichte Gräfin Sabina Katharina von Rietberg (* 1582, † 31. Mai 1618),
  • Christoph, *1569, † 1636; heiratete am 13. August 1613 Lambertine de Ligne (* 22. Juni 1593, † 14. Februar 1651),
  • Edzard, * ca. 1571, † 1572,
  • Elisabeth, * ca. 1572, † 1573,
  • Sophie, * 5. Juni 1574, † 20. März 1630,
  • Karl Otto, * 1577, † 28. Februar 1603,
  • Maria, * 1. Mai 1582, † 9. Juli 1616 in Dannenberg ; heiratete in Dannenberg am 1. September 1614 Herzog Julius Ernst von Braunschweig-Dannenberg (* 11. März 1571, † 26. Oktober 1636).

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Hahn: Hochzeit in Stockholm: Die Eheschliessung Graf Edzards II. von Ostfriesland mit Prinzessin Katharina von Schweden im Jahre 1559 und die Vadstena-Affäre. Neubauer Verlag. Lüneburg 1991 ISBN 3-929058-74-X
  • Gustav Engelkes: Katharina von Schwedens Tod in Berum, in: Der Deichwart; 1960, S. 301.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Hahn: Hochzeit in Stockholm: Die Eheschliessung Graf Edzards II. von Ostfriesland mit Prinzessin Katharina von Schweden im Jahre 1559 und die Vadstena-Affäre. Neubauer Verlag. Lüneburg 1991 ISBN 3-929058-74-X. S. 79.
  2. Heinrich Schmidt: Politische Geschichte Ostfrieslands. Rautenberg, Leer 1975 (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Bd. 5), ohne ISBN. S. 188.
  3. Walter Deeters: Johann (d.M.) <Graf von Ostfriesland> (PDF; 34 kB). In: Martin Tielke (Hrsg.): Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Ostfries. Landschaftliche Verl.- u. Vertriebsges. Aurich, Bd. 2 ISBN 3-932206-00-2 (1997). S. 192
  4. Manninga-Burg.de: Die Geschichte der Manninga-Burg (Teil 1). Eingesehen am 11 April 2013.
  5. a b c Georg Hahn: Hochzeit in Stockholm: Die Eheschliessung Graf Edzards II. von Ostfriesland mit Prinzessin Katharina von Schweden im Jahre 1559 und die Vadstena-Affäre. Neubauer Verlag. Lüneburg 1991 ISBN 3-929058-74-X. S. 80f.