Kathedrale St. Florin (Vaduz)

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Die Kathedrale St. Florin

Die St. Florinskirche in Vaduz ist eine geostete neugotische dreischiffige Kirche mit Frontturm in Vaduz, Liechtenstein, die 1869 bis 1873 nach den Plänen von Friedrich von Schmidt unter Leitung des Architekten Ignaz von Banko errichtet wurde. Der Patron der Kirche ist St. Florin (Florinus), der im 7. Jahrhundert lebte und aus Matsch im Vinschgau stammte.

Geschichte[Bearbeiten]

Religiöses Zentrum im Oberland des heutige Fürstentums Liechtenstein war seit ältester Zeit die Nachbargemeinde Schaan mit der auf Grundmauern des römischen Kastells errichteten St.Peterskirche. Um 1250 wird erstmals ein Leutpriester für Vaduz genannt.
Nach Gründung der Grafschaft Vaduz (1342) wurde die Florinskapelle in Vaduz gräfliche Eigenkirche; die Patronatsrechte gingen 1712 mit dem Erwerb der Grafschaft an die Fürsten von und zu Liechtenstein über. Eine Kapelle kann schon im frühen Mittelalter entstanden sein; das Gotteshaus wird ab 1375 wiederholt erwähnt, in der Folge mehrfach renoviert und vergrössert. Zeitweilig war die Kapelle auch Grabstätte der Landesherren aus den Geschlechtern der Grafen von Werdenberg, Freiherren von Brandis, Grafen von Sulz und von Hohenems. 1602 erfolgte eine Neuweihe der Kapelle. 1842 lockerte sich das Verhältnis zur Mutterkirche in Schaan durch Errichtung einer selbständigen Kuratie (Untere Kaplanei). Seit 1844 ist der südöstlich der Kirche gelegene Gottesacker zum allgemeinen Gebrauch geöffnet; im 17. Jahrhundert war der Friedhof allein dem gräflichen Haus und seinen Bediensteten vorbehalten.

Die Kathedrale St. Florin: Sicht aus Süden

Baugeschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1868 wurde der Beschluss gefasst, einen Kirchneubau in Vaduz zu errichten, da die Florinskapelle den gestiegenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden konnte. Als Bauplatz wurde das Gebiet südlich der bis dahin noch bestehenden Florinskapelle ausgewählt. Die Kirche wurde nach den Plänen von Friedrich von Schmidt unter der Leitung des Architekten Ignaz von Banko erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 17. August 1869 und am 18. Juni 1870 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Weihe der drei Altäre folgte schliesslich im Oktober 1873. [1] Die Baukosten betrugen ohne Innenausstattung rund 205‘000 Gulden, wovon mehr als drei Viertel durch den Fürsten von Liechtenstein zugesteuert wurde. [2]

1872 wurden der Turm und die Sakristei der Florinskapelle abgebrochen, und schliesslich folgte im Jahr 1874 der Abriss der letzten Überreste des wohl aus dem letzten Drittel des ersten Jahrtausends stammenden Vorgängerbaus.

Eigene Pfarrei und Erhebung zur Kathedrale[Bearbeiten]

Die Pfarrei St. Florin umfasst das Gebiet der Gemeinde Vaduz, das eine Fläche von 17,284 km² hat, die 5.038 Einwohner beherbergt, von denen 3.616 Katholiken sind. Sie ist mit der Einweihung der Kirche St. Florin im Jahr 1873 aus dem Gebiet der Pfarrei Schaan hervorgegangen.

Papst Johannes Paul II. hat mit der Apostolischen Konstitution „Ad satius consulendum“ vom 2. Dezember 1997 das Gebiet des Fürstentums Liechtenstein aus dem Bistum Chur ausgegliedert und für dieses Gebiet das Erzbistum Vaduz neu errichtet. Erster Erzbischof wurde Wolfgang Haas. Die Pfarrkirche St. Florin wurde gleichzeitig zur Kathedrale erhoben.

Ausstattung[Bearbeiten]

  • Um 1520 entstand das 47 cm hohe Büstenreliquiar des St. Florin als Halbfigur mit Birett und Kelch. Eine Brustnische in der Figur war zur Aufnahme einer Reliquie vorbereitet.
  • Um 1550 entstand vermutlich in Vorarlberg als Teil einer Darstellung der Krönung Mariens die erhaltene 77 cm hohe Holzplastik Gottvater. (Weitere Figuren sollen in verschiedenen Bildstöcken im Ortsbereich stehen, so z. B. am Haus Verling im Mitteldorf)
  • Um 1670 entstanden die barocken Wandfiguren, wohl für die ehemalige Florinskapelle: Apostel Petrus und Paulus neben dem Hochaltar, und in der Seitenkapelle Christus als Weltenherrscher, Maria unter dem Kreuz und Evangelist Johannes.
  • Der Hochaltar mit Statuen der vier Evangelisten wurde 1873 von Josef Leimer in Wien geschaffen.
  • Unter dem Altar liegt eine gotische Holzplastik Grabchristus, die vermutlich aus Kärnten stammt.
  • 1873 wurden von Grassmayer in Feldkirch die Glocken geliefert: Johannes-Glocke (2442 kg), Muttergottes-Glocke (1288 kg), Lucius-Glocke (734 kg) und Florinsglocke (302 kg).
  • 1961 entstanden durch den Bildhauer Hans von Matt aus Stans die Bronzefiguren Weihnacht und Pietà beim Treppenaufgang zur Kirche.
  • 1965 wurde der Pfarrkirche bei der Renovierung eine 125 cm hohe gotische Holzplastik Madonna mit Kind (um 1480 in einer niederbayerischen Werkstatt geschaffen) gestiftet.
  • 1965 schuf der Bildhauer Emil Gehrer aus Bregenz den Kreuzweg der Pfarrkirche.
  • 1965 lieferte Firma Eschmann aus Wil zwei weitere Glocken: Dreifaltigkeitsglocke (6190 kg) und Engel-Glocke (736 kg).
  • Die Glasgemälde sind Werke des Künstlers Martin Häusle († 1966) aus Feldkirch: Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen (nach Dan 3, 51–90), Der Geist Gottes über der Urflut, Der Durchgang durch das Rote Meer und Der Ostermorgen.

Rheinberger-Orgel[Bearbeiten]

Die große Orgel wurde in den Jahren 1872 bis 1874 nach Plänen des Komponisten Josef Gabriel Rheinberger (1839–1901) von der Orgelbaufirma Steinmeyer erbaut. Das Instrument wurde 1947 umgebaut und erweitert, und 1979 durch Orgelbau Mathis erneut renoviert. Im Jahre 2013 wurde die Orgel im Zuge eines restaurativen Neubaus durch Hermann Eule Orgelbau Bautzen in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Das Instrument hat 48 Register auf drei Manualwerken und Pedal.[3]

I Hauptwerk C–g3
1. Bordun 16'
2. Principal 8'
3. Tibia 8'
4. Viola di Gamba 8'
5. Gedackt 8'
6. Quintflöte 51/3'
7. Octave 4'
8. Gemshorn 4'
9. Quinte (aus Nr. 11) 22/3'
10. Octave 2'
11. Mixtur V 22/3'
12. Trompete 8'


I Begleitwerk C–g3
13. Rohrflöte 8'
14. Canora 4'
II Seitenwerk C–g3
15. Salicional (= Nr. 25) 16'
16. Principalflöte 8'
17. Liebl. Gedackt 8'
18. Aeoline 8'
19. Fugara 4'
20. Flöte 4'
21. Nasard (aus Nr. 23) 22/3'
22. Flageolet 2'
23. Cornett III–V 22/3'
24. Fagott-Clarinette 8'
III Schwellwerk C–g3
25. Salicional 16'
26. Geigenprincipal 8'
27. Wienerflöte 8'
28. Dolce 8'
29. Salicional 8'
30. Vox coelestis 8'
31. Geigenoctav (aus Nr. 35) 4'
32. Viola 4'
33. Flöte travers 4'
34. Flautino 2'
35. Progressio III–IV 4'
36. Trompete harm. 8'
37. Oboe 8'
38. Physharmonika 1'
Tremulant
Pedalwerk C–f1
39. Principalbass 16'
40. Violon 16'
41. Subbass 16'
42. Salicetbass (= Nr. 25) 16'
43. Quintbass 102/3'
44. Octavbass 8'
45. Violoncello 8'
46. Dolcebass (= Nr. 28) 8'
47. Flötbass 4'
48. Posaune 16'

Fürstliche Gruft[Bearbeiten]

Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich die traditionelle Grablege des Hauses Liechtenstein in Vranov u Brna (Mähren). Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie mussten die liechtensteinischen Fürsten ihre südmährischen Schlösser in Lednice (Eisgrub) und Valtice (Feldsberg) verlassen. Nachdem Österreich im März 1938 an das Deutsche Reich angeschlossenen wurde, entschied sich der neu regierende Fürst Franz Josef II als erster Fürst Liechtensteins – aufgrund der Ablehnung des Nationalsozialismus, – seinen Wohnsitz nach Liechtenstein auf Schloss Vaduz zu verlegen.[4] Dadurch wurde es auch notwendig, eine neue Familiengrablege zu errichten. 1960 wurde die Fürstliche Gruft bei St. Florin vollendet.
Sie befindet sich südlich anschliessend an die Kathedrale und ist nur einmal im Jahr, zu Allerheiligen (1. November), für die Öffentlichkeit zugänglich.

Folgende Mitglieder der liechtensteinischen Fürstenfamilie wurden hier beigesetzt:

  1. Maria Elisabeth von Leutzendorff, Prinzessin von und zu Liechtenstein (23. Mai 1921 – 10. September 1944) – (Gemahlin von Prinz Constantin)
  2. Elsa von Gutmann, Fürstin von und zu Liechtenstein (6. Januar 1875 – 28. September 1947) – (Gemahlin von Fürst Franz I.)
  3. Prinz Eduard von und zu Liechtenstein (2. September 1872 – 8. Mai 1951)
  4. Prinz Alois von und zu Liechtenstein (17. Juni 1869 – 16. März 1955)
  5. Prinz Karl Aloys von und zu Liechtenstein (16. September 1878 – 20. Juni 1955)
  6. Prinz Johannes von und zu Liechtenstein (6. Januar 1873 - 3. September 1959)
  7. Elisabeth Erzherzogin von Österreich, Prinzessin von und zu Liechtenstein (7. Juli 1878 – 13. März 1960) – (Gemahlin von Prinz Alois)
  8. Maria Annunziata Erzherzogin von Österreich (31. Juli 1876 – 7. April 1961) – (Schwester von Prinzessin Elisabeth)
  9. Prinzessin Marizza von und zu Liechtenstein, Gräfin Andrassy (7. Dezember 1886 – 14. Dezember 1961)
  10. Elisabeth von Urach, Prinzessin von und zu Liechtenstein (23. August 1894 – 13. Oktober 1962) – (Gemahlin von Prinz Alois)
  11. Prinzessin Maria Therese von und zu Liechtenstein (9. September 1871 – 9. April 1964)
  12. Olga Pückler zu Limburg, Prinzessin von und zu Liechtenstein (11. April 1873 – 14. Februar 1966) – (Gemahlin von Prinz Eduard)
  13. Prinz Alois von und zu Liechtenstein (20. Dezember 1917 – 14. Februar 1967)
  14. Therese Maria zu Oettingen-Oettingen, Prinzessin von und zu Liechtenstein (1. Juli 1887 – 29. März 1971) – (Gemahlin von Prinz Alfred)
  15. Prinz Ulrich von und zu Liechtenstein (29. August 1913 – 12. Oktober 1978)
  16. Prinz Johannes von und zu Liechtenstein (18. Oktober 1899 – 5. November 1979)
  17. Prinz Ferdinand von und zu Liechtenstein (18. Januar 1901 – 6. Februar 1981)
  18. Emma von Hohenau von Gutmannsthal-Benvenuti (14. Mai 1926 – 31. August 1984) – (Gemahlin von Graf Wilhelm von Hohenau)
  19. Georgina von Wilczek, Fürstin von und zu Liechtenstein (24. Oktober 1921 – 18. Oktober 1989) – (Gemahlin von Fürst Franz Josef II.)
  20. Franz Josef II., Fürst von und zu Liechtenstein (16. August 1906 – 13. November 1989)
  21. Prinz Wenzel von und zu Liechtenstein (19. November 1962 – 28. Februar 1991)
  22. Prinz Heinrich von und zu Liechtenstein (21. Oktober 1920 – 29. November 1993)
  23. Prinz Georg von und zu Liechtenstein (11. November 1911 – 18. Januar 1998)
  24. Prinz Constantin von und zu Liechtenstein (23. Dezember 1911 – 28. März 2001)
  25. Prinz Hans Moritz von und zu Liechtenstein (6. März 1914 – 3. Februar 2004)
  26. Prinzessin Jean von und zu Liechtenstein, geb. French (12. Oktober 1917 - 28. Juli 2005)
  27. Wilhelm, Graf von Hohenau (29. Mai 1922 – 27. November 2006)
  28. Prinz Vincenz von und zu Liechtenstein (30. Juli 1950 – 14. Januar 2008)
  29. Prinzessin Eleonore von und zu Liechtenstein (28. Mai 1920 – 30. Mai 2008)
  30. Prinzessin Clothilde von und zu Liechtenstein (30. November 1922 – 1. September 2009)
  31. Prinz Dominik von und zu Liechtenstein (20. Juni 1950 – 20. September 2009)

In der Fürstlichen Gruft herrscht ein Verbot für Ton- und Bildaufnahmen. siehe auch: Grabstätten europäischer Monarchen

Postwertzeichen[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche von Vaduz ist zusammen mit dem Regierungsgebäude erstmals 1925 Motiv einer Postwertzeichenausgabe des Fürstentums (Wertstufe 1 ½ Franken) [1].

1930 zeigt die Bildseite einer Ganzsache (Wertstufe 20 Rappen) eine Ansicht von Vaduz mit Schloss, Kirche und Umland.

Am 6. Dezember 1966 würdigt eine vierteilige Ausgabeserie die Restaurierung der Pfarrkirche mit Seitenansicht (Wertstufe 5 Rappen) und Figurendetails St.Florin (Wertsufe 10 Rappen), Madonna (Wertstufe 30 Rappen) und Thronender Gottvater (Wertsufe 170 Rappen) [2].

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Schlunegger: Motivhandbuch Liechtenstein. Basel 1984, ISBN 3-907034-21-X. (= Schriftenreihe des Schweizerischen Motivsammler-Vereins, Nr. 21)
  • Ludwig Schnüriger und Franz Näscher: Die Pfarrkirche Vaduz. Vaduz 1995.
  • Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Das Oberland. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Bern 2007, ISBN 978-3-906131-85-6.
  • Klaus Biedermann (Red.): Kirche und Orgel zu St. Florin in Vaduz. Herausgegeben von der Gemeinde Vaduz. Vaduz 2013, ISBN 978-3-905833072

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 233.
  2. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 233–234.
  3. Rheinberger-Orgel auf der Website der Dompfarrei St. Florin Vaduz, abgerufen am 2. Januar 2014.
  4. Paul Vogt: Brücken zur Vergangenheit. 1990, S. 52.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kathedrale St. Florin (Vaduz) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

47.1362069.522716Koordinaten: 47° 8′ 10″ N, 9° 31′ 22″ O; CH1903: 758087 / 222680