Kathedrale von Ani

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kirche der Mutter Gottes
Սուրբ Աստուածածին Եկեղեցի
Ruine der Kathedrale von Ani 40 km östlich von Kars

Ruine der Kathedrale von Ani 40 km östlich von Kars

Daten
Ort Ani, Türkei
Baumeister Trdat
Baustil Armenische Architektur
Baujahr 1001
Grundfläche 30,5 × 19,8 m²
Koordinaten 40° 30′ 22″ N, 43° 34′ 23″ O40.50620643.572969Koordinaten: 40° 30′ 22″ N, 43° 34′ 23″ O
Kirche der Mutter GottesՍուրբ Աստուածածին Եկեղեցի (Türkei)
Kirche der Mutter GottesՍուրբ Աստուածածին Եկեղեցի
Besonderheiten
Armenische Apostolische Kirche, 989 Beginn des Baus der gewölbten Basilika
Diese Photographie zweier Personen innerhalb der Kathedrale dient zur Demonstration der Größe des Gebäudes
Eine Fernansicht der Kathedrale

Die Kathedrale von Ani (armenisch Սուրբ Աստուածածին Եկեղեցի, oder Kathedrale der heiligen Jungfrau; oder auch arm: Մայր Եկեղեցի, bzw. Kirche der Mutter) ist eine armenische Kirche,[1] welche 1001 (oder möglicherweise 1010) durch den Architekten Trdat in der heute ruinierten ehemaligen armenischen Hauptstadt Ani fertiggestellt wurde.[2]

Sie liegt an der östlichsten Spitze der Türkei an der Grenze zum modernen Armenien. Sie stellt ein Beispiel für eine Kreuzkuppelkirche innerhalb eines rechteckigen Grundrisses dar. Sowohl die Kuppel, als auch der sie unterstützende Tambour, sind jedoch in einem Erdbeben 1319 zusammengestürzt. Ein weiteres Erdbeben im Jahre 1988 führte zum Einbruch der nordwestlichen Ecke und schwächte die gesamte westliche Seite.[3]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Kathedrale von Ani ist mit einer Länge von rund 30 Metern und einer Breite von 20 Metern[4] ungewöhnlich groß für armenische Standards. Sie ist eine ummantelte Kreuzkuppelkirche mit vier frei stehenden Mittelpfeilern, auf denen die Zentralkuppel ruhte. Hohe blinde Bodengänge schmücken die äußeren Wände, sowie den zerstörten Tambour. Einige Fenster sind mit Reliefs verziert. Es gibt drei Eingänge: einen für den Prinzen (südlich), den Patriarchen (nördlich) und das Volk (westlich); jeder Eingang besaß ursprünglich ein Vordach.[3] Am östlichen äußeren Ende befindet sich eine flache Wand mit zwei triangulären Nischen. An der Innenseite kann hingegen eine große zentrale Apsis gefunden werden, welche mit zwei Kammern über zwei Etagen flankiert wird. Diese Kammern können ebenerdig über schmale Gänge, bzw. die oberen Etagen über enge Treppen erreicht werden. Bevor Licht durch die fehlende Kuppel in die Kathedrale eindringen konnte, stellten die wenigen, kleinen unteren Fenster, inklusive der runden "Bullaugen"-förmigen, die einzige Quelle für Tageslicht dar. Nikolai Marr, der erste Archäologe, welcher das Gebäude studierte, und andere glaubten, dass der Originalbau im 13. Jahrhundert wesentlich verändert worden sei. Die Interpretation der zahlreichen Inschriften widerspricht jedoch dieser Theorie.[3]

Josef Strzygowski,[5] glaubte, dass die Volumenzusammensetzung der Elemente innerhalb der Kathedrale die Entwicklung der europäisch-gotischen Architektur des 12. bis 14. Jahrhunderts beeinflusst habe.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Von 992 bis 1058 wurde das jetzige armenische Patriarchat oder das Katholikat von Kilikien in das Umland von Ani, den Arnika Bezirk, in welchem sich die Kathedrale befindet, umgesiedelt. Im Jahre 1001 oder 1010, je nachdem, wie die Inschrift der östlichen Fassade interpretiert wird,[3] stellte der führende Architekt Trdat den Palast des Katholikos und die Kathedrale der Mutter von Ani fertig. Der Bau begann im Jahre 989 auf Befehl des Königs Smbat II und wurde "auf Befehl meines Gemahls" unter der Herrschaft von Königin Katranide, der Gemahlin von König Gagik I, fertiggestellt. Die Kathedrale wurde der heiligen Jungfrau Maria gewidmet und stellt eines der architektonischen Meisterstücke von Armenien dar.

Den Siegen der türkischen Seldschuken im östlichen Anatolien folgend, nahm Sultan Alp Arslan im Jahre 1064 die Kreuze von der Kathedrale herunter, nachdem er die Stadt besetzt hatte; 1071 wurde sie in eine Moschee umgewandelt.[7]

Am 19. September 2010 besuchte das erste Mal seit 95 Jahren ein Gruppe Christen die Kirche zum Heiligen Kreuz. Eine Gruppe türkischer Nationalisten reagierte darauf, indem sie sich am 1. Oktober 2010 an der Kathedrale von Ani trafen, um muslimische Gebete zu sprechen, geführt von Devlet Bahçeli, dem Vorsitzenden der Partei der Nationalistischen Bewegung.[8]

Gemeinsam mit der nahe gelegenen Erlöserkirche ist die Kathedrale derzeit im Fokus einer Gesprächsrunde geführt durch das türkische Ministerium für Kultur, sowie dem World Monuments Fund (WMF).[9]

Galerie[Bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cathedral of Ani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

3-dimensionale Modelle[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  New international encyclopedia: Volume 2. Dodd, Mead and Company, Amerika, S. 139.
  2.  Christina Maranci: The Architect Trdat: Building Practices and Cross-Cultural Exchange in Byzantium and Armenia. In: Journal of the Society of Architectural Historians. Vol. 62, Nr. 3, 2003-09, S. 294–305.
  3. a b c d Armenian Architecture - VirtualAni.org: the Ani cathedral. Abgerufen am 21. Januar 2013.
  4.  Ernest H. Short: History of Religious Architecture. Kessinger Publishing Co, 2003, ISBN 978-0-7661-3573-4, S. 71.
  5.  Josef Strzygowski, Thoros Thoramanian, Heinrich Glück, Leon Lissitzian: Die Baukunst der Armenier und Europa; Ergebnisse einer vom Kunsthistorischen Institute der Universität Wien 1913 durchgeführten Forschungsreise (1918) - Volume 2. A. Schroll & Co., G.m.b.H., Wien 1918, ISBN 9785882340444.
  6. Armenian Studies program. Abgerufen am 24. September 2013.
  7.  Adrian Fortescue: Lesser Eastern Churches. Gorgias Press, 2001, ISBN 0-9715986-2-2, S. 387.
  8. Turkish nationalists rally in Armenian holy site at Ani. In: BBC News Online, 1. Oktober 2010. Abgerufen am 24. September 2013. 
  9. Ani Cathedral project profile on World Monuments Fund's website. Abgerufen am 21. Januar 2013.