Kathedrale von León

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Fassade mit Dreiportalanlage

Die gotische Kathedrale Santa María de Regla von León ist die Bischofskirche des Bistums León und befindet sich im Nordwesten Spaniens am Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Hauptbauzeit liegt zwischen 1255 (oder kurz vor 1255) und 1302 (oder 1303; fast vollendet, aber ohne Türme). Seitdem 1254 Martín Fernandez zum Bischof ernannt wurde, ist in den schriftlichen Quellen häufiger von einer neuen Kirche die Rede. Die Bauarbeiten begannen 1255.

Erster Baumeister war offenbar der „Meister Enrique“, der zuvor zwischen 1243 und 1260 das Querschiff und das Langhaus der Kathedrale von Burgos erbaut hatte (auch ein Spanier namens Juan Pérez wird erwähnt). Er hatte von 1255 bis 1277 die Bauleitung inne. Er orientierte sich aber nicht – wie Burgos und Toledo – an der Kathedrale von Bourges sondern an der Kathedrale von Reims. Die Erfahrungen, die „Meister Enrique“ in Burgos gemacht hatte, ermutigten ihn offensichtlich zu einem Wagemut, der sich Jahrhunderte später sehr rächte. „Er verfeinerte und reduzierte das Profil der Pfeiler und schuf ein verglastes Triforium“ (Swaan, S. 272). Später mussten viele Öffnungen zugemauert werden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts stand das Bauwerk kurz vor dem Einsturz und musste vollständig restauriert werden. Der Neubau zog sich hin von 1859 bis 1901.

Drei Jahre nach Baubeginn war 1258 der Kapellenkranz im Bau. 1302 wurden die Arbeiten offenbar erst einmal eingestellt, wahrscheinlich wegen finanzieller Probleme. Hier mag auch der Grund liegen für das vergleichsweise kurze Langhaus von lediglich fünf Jochen, für die Turmlosigkeit des Querhauses und für die eigenartige Fassadenkonstruktion. Die oberen Teile der Kathedrale wurden erst 1439 fertiggestellt. Die technische Qualität des Bauwerkes war eher bescheiden, deswegen wurde im 19. Jahrhundert eine gründliche Restaurierung notwendig.

Die Kathedrale ist ca. 90 m lang und 30 m breit.

Architektur[Bearbeiten]

Der Grundriss lässt die deutliche Orientierung an der Kathedrale von Reims erkennen. Das dreischiffige Langhaus geht über ein dreischiffiges Querhaus in einen fünfschiffigen Chor über, bzw. in einen Chor mit Umgang und Kapellenkranz, bestehend aus fünf identischen Kapellen. Die Einheitlichkeit der Choranlage wird durch die gleichen Gewölbe unterstrichen. León wird als die am stärksten französische aller spanischen Kathedralen bezeichnet (Wilckens, S. 120). Das zeigt sich an den hohen Proportionen des Innenraums, an der weitgehenden Auflösung der Wände mit verglastem Triforium und in den reichen sechsbahnigen Maßwerkfenstern.

Das gilt allerdings nicht für die Fassade. Die beiden mächtigen 90 Meter hohen Ecktürme sind nur im Erdgeschoss durch die Portalanlage mit dem Langhaus verbunden. Die oberen Geschosse haben zu ihm keine Verbindung. Außerdem stehen die Türme nicht in der Verlängerung der Seitenschiffe, sondern neben ihnen.

„Der Bau macht den Eindruck, als folge der Außenbau einem ersten, unmittelbar von Reims angeregten Plan, während sich das Mittelschiff an jüngere Vorstellungen der Ile-de-France anschließt.“ (Erlande-Brandenburg, S. 544) Im Gegensatz zu Toledo hatte León keine Auswirkungen auf die weitere Architekturgeschichte des Landes.

Berühmt sind die Glasfenster der Kirche, die vom 16. bis zum 20. Jahrhundert von unbekannten Meistern geschaffen wurden (nach anderen Angaben bereits ab 1263). Die 125 Fenster sind teils 12 Meter hoch und bedecken eine Fläche von 1800 m². Daneben gibt es 57 Öffnungen und Rosen und drei große Rosettenfenster.

Portalanlage der Fassade[Bearbeiten]

Die fünfteilige Vorhalle der Westfassade wurde von der Mitte bis zum Ende des 13. Jahrhunderts errichtet. Man orientierte sich bei der Gestaltung dieser anspruchsvollen Dreiportalanlage an dem damals bedeutendsten Vorbild, den Querhausportalen von Chartres. Das Hauptportal, die „Portada de le Virgén Blanca“ zeigt am Trumeaupfeiler die Muttergottes, geschaffen von dem Meister, der (um 1255–1260) auch die Coronería in Burgos geschaffen hat. Die heutige Figur ist eine Kopie. Das Original befindet sich in der Zentralkapelle des Umgangschors. Das Tympanon zeigt im Zentrum Christus als Richter des Jüngsten Gerichts. Es sind sehr tiefenräumliche Reliefs, die Figuren können sich dreidimensional bewegen. Das Tympanon hat eine Höhe von 5,20 m bei einer Breite von 4,60 m. Es wird datiert auf 1270/80. Wie in Chartres sind die Figuren unter einem Vorbau geschützt, was ihren hervorragenden Erhaltungszustand erklärt. Der Türsturz zeigt in einer sehr verfeinerten Darstellung links die Glückseligkeit der Auserwählten im Sinne der kultivierten höfischen Gesellschaft.

An den Gewändefiguren zeigt sich die spanische Freude an starker Dekoration vor allem in der reichen Fältelung der Kleidung.

Portalanlage des nördlichen Querschiffs[Bearbeiten]

Nordseite mit Portal vom Kreuzgang aus betrachtet

Errichtet um 1300. Das Tympanon zeigt die Himmelfahrt Christi. Die Figur des Christus in der Mandorla erreicht hier eine neue Monumentalität durch eine vereinfachte Stilisierung. Im Gewände stehen die Figuren der Verkündigung und der Heiligen Apostel Jakobus d. Ä., Petrus und Paulus.

Orgel[Bearbeiten]

Die große Orgel wurde von der Orgelbaufirma Johannes Klais (Bonn) gebaut und am 21. September 2013 eingeweiht.[1]. Die Konzeption und Disposition stammen von dem französischen Komponisten und Organisten Jean Guillou, die Gehäuse- und Prospektgestaltung stammen von dem spanischen Künstler Paco Chamorro Pascual. Das Gesamtinstrument ist im Chorraum platziert, und zwar auf beiden Seiten des Chorraumes in den Seitennischen: Auf der Ostseite des Chores die Manualwerke I und II, jeweils nebeneinander, auf der Westseite die Sektionen des Schwellwerkes (die vom dritten Manual aus spielbar sind), jeweils nebeneinander, und davor jeweils nebeneinander das vierte und fünfte Manualwerk. Das Pedalwerk ist auf beiden Seiten untergebracht. Die Orgel hat insgesamt 64 Register (darunter 11 transmittierte Register) auf fünf Manualen (sechs Einzelwerke) und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektrisch.[2]

I. Manual C–c4
1. Doppelflöte 8′
2. Waldflöte 2′
3. Larigot 11/3
4. Cymbal II 1′
5. Aliquot II 11/7
6. Dulcian (horizontal) 16′
7. Cromorne 8′
Tremulant


II. Manual C–c4
8. Principal 16′
9. Principal 8′
10. Große Flöte 8′
11. Octave 4′
12. Großnasard 51/3
13. Große Terz 31/5
14. Doublette 2′
15. Cornet III-V 22/3
16. Grosse Fourniture III 4′
17. Plein jeu III-V 22/3
18. Fagott 16′
19. Trompete 8′
20. Oboe (horizontal) 8′
III Schwellwerk C–c4
Sektion A
21. Salicional 8′
22. Unda maris 8′
23. Flûte octaviante 2′
24. Larigot 11/3
25. Rauschpfeife IV 2′
26. Basson 16′
27. Hautbois 8′
28. Voix humaine 8′
Tremulant

Sektion B
29. Principal 8′
30. Nachthorn 8′
31. Flûte conique 4′
32. Carillon II-III 13/5
33. Trompete 8′
IV. Manual C–c4
34. Flûte majeure 16′
35. Prinzipal 8′
36. Flûte harmonique 8′
37. Flûte octaviante 4′
38. Nazard harmonique 22/3
39. Nachthorn 2′
40. Tierce harmonique 13/5
41. Piccolo 1′
42. Théorbe III 31/5
43. Bombarde 16′
44. Trompette en chamade 8′


V. Manual C–c4
45. Principal 8′
46. Rohrflöte 8′
47. Blockflöte 4′
48. Sesquialtera II 22/3
49. Piccolo 1′
50. Mixture III 11/3
51. Ranquette 16′
52. Dulzaina (horizontal) 8′
Tremulant
Pedal C–f1
53. Principal 16′
54. Flöte 16′
55. Quinte 102/3
56. Flöte 8′
57. Flöte 4′
58. Nachthorn 2′
59. Théorbe III 62/5
60. Hintersatz III 51/3
61. Bombarde 16′
62. Fagott 16′
63. Fagott 8′
64. Schalmey 4′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: I/II, III/I, III/II, IV/I, IV/II, IV/III, V/II, V/III, V/IV, I/P, II/P, III/P, IV/P, V/P
    • Suboktavkoppeln: I/II, III/II, III/III, V/II, V/P

Literatur[Bearbeiten]

  • Alain Erlande-Brandenburg: Gotische Kunst. Herder, Freiburg u. a. 1984, ISBN 3-451-19403-1, (Ars Antiqua Serie 3, 3), S. 68, 81, 543.
  •  Natascha Kubisch: Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Unterwegs zu Kunst und Kultur des Mittelalters. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002, ISBN 3-8062-1675-4, S. 112–116.
  • Otto von Simson: Das Mittelalter II. Das hohe Mittelalter. Propyläen Verlag, Berlin u. a. [1972] 1990, ISBN 3-549-05046-1, (Propyläen-Kunstgeschichte 6).
  •  Wim Swaan: Die großen Kathedralen. DuMont Buchverlag, Köln 1969, ISBN 3-7701-3817-1, S. 272–274.
  • Leonie von Wilckens: Grundriss der abendländischen Kunstgeschichte. Unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1967. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-37301-7, (Kröners Taschenausgabe 373), S. 120, 148.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. die Informationen auf der Website der Erbauerfirma
  2. Nähere Informationen zur Orgel auf der Website der Kathedrale (spanisch); zur Disposition

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kathedrale von León – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

42.599444444444-5.5666666666667Koordinaten: 42° 35′ 58″ N, 5° 34′ 0″ W