Kathedrale von Nantes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Hauptfassade
Blick durch das Mittelschiff

Die Kathedrale von Nantes ist den Heiligen Peter und Paul geweiht. Sie ist Kathedralkirche des Bischofs von Nantes.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kathedrale von Nantes gehört nicht zu den bekanntesten ihrer Bauart in Frankreich. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass sie deutlich außerhalb des klassischen Kathedralen-Gebietes liegt (Île de France, Picardie, Champagne), und zum zweiten daran, dass sie in einer Zeit entstanden ist, welche auch innerhalb der Kunstgeschichte wenig beachtet wird, der französischen Spätgotik, dem Flamboyant-Stil. Dennoch ist das Bauwerk in mehrerer Hinsicht beachtenswert und zählt zu den besten Werken dieser Zeit. Die Kathedrale von Nantes besitzt das nach den Kathedralen von Amiens, der Kathedrale von Beauvais und der Kathedrale von Metz höchste Gewölbe in Frankreich. Es ist über 38 m hoch.

Der erste echte Kathedralenbau in Nantes entstand ab dem Jahr 527, vollendet wurde er 549. Dieser Bau wurde bei mehreren Einfällen der Normannen, die vom Atlantik aus die Loire hinauf fuhren, zwischen 843 und 919 so stark beschädigt, dass 940, als die Bretagne von den Normannen befreit wurde, nur noch Ruinen vorhanden waren. Unter Bischof Benedikt von Cornouailles (1079–1112) wurde ein Neubau ausgeführt, der die typischen Merkmale der Romanik Westfrankreichs aufwies (Kuppeln im Mittelschiff, Tonnengewölbe in den Seitenschiffen).

Mit dem Bau der gotischen Kathedrale wurde am 14. April 1434 begonnen und nicht zuletzt dadurch ermöglicht, dass der bretonische Herzog Johannes V. sich im Hundertjährigen Krieg relativ neutral halten konnte. Er war es auch, der den Grundstein legte. Der Name des ersten Baumeisters ist ebenfalls bekannt: Wilhelm von Dommartin-sur-Yèvre. Anders als üblich, wurde in Nantes der Bau der Kathedrale mit der Westfassade begonnen. Die beiden quadratischen Türme öffnen sich mit großen Doppelportalen auch zu den Flanken (Norden und Süden) hin. Gegen Ende des Jahrhunderts dürfte die Fassade weitgehend fertiggestellt gewesen sein, allerdings wurden, wie fast an allen gotischen Kathedralen Frankreichs, die Türme nicht vollendet (Glocken 1506). Gleichzeitig arbeitete man bereits an den Langhauskapellen und den Seitenschiffen, geweiht wurde das gotische Langhaus aber erst 1577, allerdings noch ohne Gewölbe. (Zum Vergleich: Bereits 1564 war Michelangelo gestorben, der Schöpfer z. B. der Kuppel der römischen Peterskirche, welche schon die Hochrenaissance überschritten hat.)

1627 wurden die Bauarbeiten nach längerer Unterbrechung wieder aufgenommen. Die Einwölbung des Langhaus-Mittelschiffs dauerte von 1627 bis 1629, das südliche Querhaus wurde 1631 bis 1637 vollendet und der Bau der südlichen Chor-Seitenschiffe ging 1650 bis 1668 vonstatten. In diesem Zustand und mit dem nach wie vor vorhandenen romanischen Chor (dieser wurde 1615–1618 durch eine Art Triumphbogen in barocken Formen mit dem Langhaus verbunden) blieb die Architektur weitgehend unverändert bis in 19. Jahrhundert hinein.

Das Schicksal der Kathedrale in der Französischen Revolution war typisch für die Zeit. Große Teile der Ausstattung und Glasfenster wurden zerstört, das Gebäude wurde als Pferdestall und Magazin verwendet. Als Kirche wieder in Benutzung genommen wurde das Bauwerk nach dem Konkordat Napoleons vom August 1800, was es vor dem Verfall bewahrte, da damit die Unterhaltung durch den Staat gewährleistet war. Seit 1834 gab es Bestrebungen, das noch immer romanische nördliche Querhaus durch eine Nachahmung des südlichen zu ersetzen. Die damit verbundenen Überlegungen führten schließlich dazu, eine völlige Vollendung im gotischen Stil in Angriff zu nehmen. In diesem Zug wurden 1840 bis 1849 das nördliche Querhaus umgestaltet, 1845 bis 1865 wurde eine neuen Krypta um die romanische herumgebaut und der Chor mit Umgang und Kapellenkranz (5 Kapellen) wurde in Angriff genommen. Bis 1891 schließlich wurden der Chor und die Vierung vollendet.

Am ersten Weihnachtstag 1891 weihte Bischof Le Coq die vollendete Kathedrale von Nantes. Am 15. Juni 1944 zerstörten Bomben Teile des Chores und die Sakristei. Die Wiederherstellung schleppte sich wegen ungeklärter Finanzierungsfragen die nächsten Jahrzehnte dahin und wurde nicht zu einem wirklichen Abschluss gebracht: Am 28. Januar 1972 brach ein durch Reparaturarbeiten verursachter Brand aus und vernichtete den hölzernen Dachstuhl. Seinem Zusammenbruch hielt das Gewölbe aber stand. Im Zuge der Wiederherstellung, die sich bis 1985 hinzog und als die kompletteste Restaurierung einer französischen Kathedralen gelten kann, verschwanden auch die letzten Kriegsschäden.

Formales[Bearbeiten]

Der Grundriss der Kathedrale

Formal greift die Architektur der Kathedrale Makroformen der klassischen Gotik der Île de France auf, führt sie aber in Formen der Spätgotik aus. Die stark profilierten Dienste gehen nahtlos, d. h. ohne Kapitell, in die sehr tiefen Gewölberippen über; an den mehrfach geschwungenen Sockeln münden sie in ein komplexes System von einzelnen und hierarchisch gegliederten Basen. Zahlreiche Schlusssteine sind kompliziert in Maßwerk und Skulptur des Flamboyant aufgelöst. Die in der Nachgotik (16. und 17. Jahrhundert) entstandenen Teile ordnen sich der gotischen Makrostruktur unter, ohne sich ihr genau anzupassen (dies sieht man insbesondere an den Südfassaden-Fenstern). Insgesamt ist der gewaltige Innenraum der Kathedrale ein sehr gutes Ensemble spät- und nachgotischer Architektur in Frankreich, insbesondere seit der ambitionierten Vollendung im 19. Jahrhundert und der grundlegenden Restaurierung in den siebziger und achtziger Jahren, die den Raum groß, harmonisch proportioniert und licht erscheinen lässt. Die Kathedrale von Nantes mit ihrer Baugeschichte relativiert außerdem (z. B. neben der von Orléans) die gängige Unterscheidung zwischen richtiger Gotik und falscher Neugotik.

Außergewöhnlich an der Fassade ist die Außenkanzel, die zur Predigt zu einer auf dem Vorplatz versammelten Menge angebracht wurde.

Ausstattung[Bearbeiten]

Die Prudentia vom Grabmal Franz II. und seiner Frau
  • Hochaltar (ca. 1733) mit Marmorengeln von Sébastien Leysner von 1779
  • Renaissance-Grabmal des Herzogs Franz II. und seiner Gemahlin Margarethe von Foix im südlichen Seitenschiff (bis zur Revolution in der dann abgerissenen Karmeliterkirche). Schwarzer und weißer Marmor, qualitätvolle Skulpturen der vier Tugenden, davon Prudentia janusköpfig.
  • Grabmal Lamoricières von 1878 im nördlichen Seitenschiff

Orgeln[Bearbeiten]

Maße[Bearbeiten]

  • Außenlänge: 110 m
  • Innenlänge: 102 m
  • Lichte Weite des Mittelschiffs: 15 m
  • Lichte Weite des Langhauses insgesamt: 39 m
  • Höhe des Mittelschiff innen: 38 m
  • Turmhöhe: 63 m
  • Breite des Westfassade: 43 m

Literatur[Bearbeiten]

  • Bottineau, Yves: Die Kathedrale von Nantes zum Heiligen Peter und Paul. Lyon 1991
  • Leniaud, Jean-Michel et al.: Nantes. La Cathédrale. Loire-Atlantique. Nantes 1991

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kathedrale von Nantes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.218055555556-1.5508333333333Koordinaten: 47° 13′ 5″ N, 1° 33′ 3″ W