Katholische Ostkirchen

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Die Sankt-Georgs-Kathedrale in Lemberg ist Sitz eines griechisch-katholischen Erzbischofs

Als katholische Ostkirchen (auch unierte Kirchen beziehungsweise mit Rom unierte Kirchen) werden jene Ostkirchen bezeichnet, die als Teilkirchen eigenen Rechts in der römisch-katholischen Kirche unter dem Papst (Bischof von Rom) uniert (geeint) sind und untereinander sowie mit der lateinischen Kirche in Glaubens-, Gebets- und Sakramentengemeinschaft stehen. Sie feiern den Gottesdienst nach verschiedenen östlichen Riten und stehen in ihrer Tradition und hierarchischen Verfasstheit den anderen Ostkirchen nahe, erkennen jedoch den Papst als Oberhaupt der Weltkirche an.

Von beinahe allen Ostkirchen gibt es unierte Zweige. In der Regel sind sie gegenüber ihren jeweiligen orthodoxen bzw. altorientalischen Pendants mehr oder weniger stark in der Minderheit. Einen Sonderfall bildet die syrisch-maronitische Kirche, die seit 1182 zur Gänze mit Rom uniert ist. Die chaldäisch-katholische Kirche zählt inzwischen deutlich mehr Mitglieder als ihr autokephales (eigenständiges) Gegenüber, die Assyrische Kirche des Ostens. Unter den Thomaschristen steht der katholischen syro-malabarischen Kirche nur eine kleine Gruppe von Nichtkatholiken gleicher ostsyrischer Tradition gegenüber. Die italo-albanische Kirche ging nicht aus einer Union hervor, sondern war seit ihrem Bestehen immer mit Rom verbunden.

Die katholischen Ostkirchen unterliegen im Gegensatz zur westlichen Lateinischen Kirche nicht dem Kirchenrecht des Codex Iuris Canonici, sondern dem Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium.

Geschichte[Bearbeiten]

„Union“ bedeutet ursprünglich die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit nach einer Kirchenspaltung, und zwar entweder als Gesamtunion, das heißt unter voller Beseitigung der Trennung, oder als Teilunion, somit allein mit einer einigungswilligen Partei.

Die katholischen Ostkirchen entstanden zu einem kleinen Teil während der Kreuzzüge, zum anderen im Gefolge der auf die Reformation antwortenden katholischen Reform nach dem Konzil von Trient. Auf das Große Ost-West-Schisma (1054) folgten verschiedene Bemühungen, den Bruch zwischen der westlichen (römisch-katholischen) und der östlichen (griechisch-orthodoxen) Kirche im Rahmen einer Gesamtunion zu heilen, die jedoch sämtlich, zuletzt im Konzil von Florenz, ohne dauerhaften Erfolg blieben. Während der Zeit der Kreuzzüge kam es zu Gesamtunionen dauerhaft mit den Maroniten und zeitweise mit den Armeniern in Kilikien (Königreich Kleinarmenien). In der Folgezeit bemühte sich Rom weiterhin um Gesamtunionen, etwa durch Gewinnung des jeweiligen Kirchenoberhaupts, zum Beispiel eines Patriarchen, oder der Mehrheit des Episkopats einer Regionalkirche für den Katholizismus. Allerdings nahm sie nunmehr auch Teilunionen in Kauf oder führte solche gezielt herbei, jeweils um den Preis einer Spaltung der Mutterkirche. Dieses Verfahren wurde bis in das 20. Jahrhundert hinein angewandt. Erst nach dem Zweiten Vatikanum verzichtete der Vatikan offiziell auf den sogenannten Uniatismus, so mit der Deklaration von Balamand.

Ein ähnliches Vorgehen erfolgt jedoch seit 2009, indem die römisch-katholische Kirche gemäß der Apostolischen Konstitution Anglicanorum coetibus versucht, Gläubige und Geistliche der anglikanischen Kirche mit der Westkirche und dem Papst zu vereinen.

Kennzeichen[Bearbeiten]

Das Innere der barocken Wiederauferstehungs-Kathedrale in Stanislau (Ukraine) zeigt typische Merkmale einer orthodoxen sowie einer römisch-katholischen Kirche ihrer Zeit

Von den meisten östlichen Kirchen haben sich so im Lauf der Jahrhunderte Teilkirchen abgespalten und mit Rom verbunden, unter Beibehaltung ihrer eigenen Liturgie und unter Anerkennung des päpstlichen Primats. Sie haben die volle Glaubens- und Sakramentengemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche aufgenommen, zugleich oder später jedoch die sakramentale Gemeinschaft mit ihrer vormaligen Kirche abgebrochen. Die Zölibatsverpflichtung gilt (mit wenigen Ausnahmen) in diesen Kirchen – wie in den anderen Ostkirchen – nur für Bischöfe, Mönche und für bei der Diakonenweihe noch ledige Priesteramtsanwärter. Eine Heirat nach der Weihe ist immer ausgeschlossen, weil das „unauslöschliche Merkmal“ des sakramentalen Priestertums eine Eheschließung verhindert. Bereits verheiratete Priesteramtsanwärter können die Weihe erhalten, ähnlich wie heute Diakone in der lateinischen Kirche.

Der Namensbestandteil katholisch deutet bei den meisten der im folgenden aufgeführten Kirchen auf eine solche Union hin und grenzt im Gebiet der Ostkirchen die dortigen katholischen Kirchen von den meist wesentlich mitgliederstärkeren orthodoxen Kirchen ab, die parallel bestehen. Von diesen werden sie als ein Haupthindernis für die Ökumene angesehen (siehe Uniatismus). Der manchmal vorkommende Namensbestandteil griechisch weist in Abgrenzung zu römisch(-katholisch) auf die Ritusfamilie hin, der die betreffende Kirche angehört.

Östliches Europa[Bearbeiten]

Die größte heute bestehende mit Rom unierte Kirche ist die Ukrainische griechisch-katholische Kirche in der Ukraine. Sie ging wie die unierten Gemeinschaften in Russland und Weißrussland aus der Kirchenunion von Brest im Jahr 1596 hervor. Zu dieser Union kam es, als weite Gebiete der genannten Staaten politisch zum katholischen Polen-Litauen gehörten.

Ihre Blütezeit hatte diese unierte Kirche auf dem Territorium des Russischen Reiches bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Seit 1859 wurden die in Weißrussland weit verbreiteten Unierten zum größten Teil mit der russisch-orthodoxen Kirche zwangsvereinigt.

In Polen, Weißrussland und der Ukraine werden dem Ritus entsprechend Kirchengebäude unierter Kirchen ebenso wie solche der autokephalen orthodoxen Kirchen Cerkiew genannt (weißruss. царква; ukr.: церква), im Gegensatz zu Kościół (weißruss. касцёл; ukr. костел), der Bezeichnung für Kirchengebäude des lateinischen Ritus.

Auf dem Gebiet des damaligen Österreich-Ungarn, vor allem in Galizien, in der Bukowina und Siebenbürgen, sowie in Teilen Oberungarns (Karpatenukraine) konnten sich die unierten Kirchen frei entfalten und haben zahlreiche Mitglieder und ein reiches kirchliches Leben gehabt. Dieser Zustand blieb in der Zwischenkriegszeit (1918–1939) erhalten, als Galizien zu Polen und die Karpato-Ukraine zur Tschechoslowakei gehörte. Die größte unierte Kirche dieses Raumes hatten die Ruthenen, wie die Ukrainer in der Habsburgermonarchie genannt wurden.

Als die vornehmlich ukrainisch besiedelten Gebiete im Karpatenbogen 1944/45 an die Sowjetunion fielen, setzte sofort eine scharfe Unterdrückung der unierten Katholiken ein. Ihre Bischöfe und Priester wurden verhaftet und das Kirchengut beschlagnahmt. Anschließend wurden die Unierten zwangsweise der russisch-orthodoxen Kirche unterstellt. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist die Ukrainische griechisch-katholische Kirche wieder unabhängig. Heute zählt diese unierte Kirche immer noch rund 5,2 Millionen Mitglieder in der Ukraine und in der weltweiten Diaspora. Ihr Oberhaupt ist der griechisch-katholische Großerzbischof von Kiew.

Die nach der Abtrennung Galiziens 1945 in den heutigen Grenzen Polens lebenden unierten Katholiken, die häufig aus ruthenischen oder ukrainischen Familien stammen, haben ihre eigenen griechisch-katholischen Bistümer.

Einer anderen Union, der von Uschhorod 1646, entstammt die Ruthenische griechisch-katholische Kirche in Transkarpatien (Eparchie Mukatschewe, südwestliche Ukraine), der Slowakei (Eparchie Prešov/Preschau und Exarchat Košice/Kaschau) und Ungarns (Exarchat Miskolc).

Die rumänisch-orthodoxe Kirche aus Siebenbürgen vereinte sich durch den Beschluss des Metropoliten Atanasie Anghel und der Provinzialsynode von 1698 mit Rom. Neben dem Bistum Alba Iulia-Făgăraş wurde 1777 ein neues uniertes Bistum in Oradea gegründet. Im Jahr 1853 wurden zwei weitere rumänisch-unierte Bistümer gegründet, das Bistum Gherla (das heutige Bistum Cluj-Gherla) und das Bistum Lugoj. Hinzu kam im 20. Jahrhundert das Bistum Maramureș, das 1930 mit dem Sitz in Baia Mare gegründet wurde. Die Rumänische griechisch-katholische Kirche wird seit 2005 durch einen Großerzbischof geleitet.

Übrige Welt[Bearbeiten]

Die unierten Kirchen und Gemeinschaften im Orient, auf dem Balkan und anderswo gingen aus anderen Unionsbewegungen hervor, die jeweils eigene historische Hintergründe haben (Türkengefahr, theologische oder kirchenpolitische Differenzen innerhalb der betroffenen Ostkirchen, europäischer Kolonialismus u. a.). In den meisten Fällen mit Ausnahme der Maroniten schloss sich nur eine Minderheit der orthodoxen Christen der Union an.

Bei manchen der heute bestehenden mit Rom unierten Gemeinschaften verlagerte sich der Schwerpunkt in die Neue Welt. So hatte zum Beispiel die Ruthenische Kirche zwischenzeitlich nur noch in Amerika Bistümer. Von ihren Schwesterkirchen im ursprünglichen Siedlungsgebiet der Ruthenen war sie organisatorisch vollständig selbständig.

Teilkirchen[Bearbeiten]

Byzantinischer Ritus[Bearbeiten]

Die unierten Kirchen des byzantinischen Ritus werden zusammenfassend oft als „griechisch-katholische Kirchen“ bezeichnet.

Mit eigener Hierarchie
Ohne eigene Hierarchie

Alexandrinischer Ritus[Bearbeiten]

Westsyrischer (oder antiochenischer) Ritus[Bearbeiten]

Ostsyrischer (oder chaldäischer) Ritus[Bearbeiten]

Armenischer Ritus[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Oeldemann: Die Kirchen des christlichen Ostens. Orthodoxe, orientalische und mit Rom unierte Ostkirchen. Regensburg 2006, ISBN 3-7867-8577-5.
  • Julius Aßfalg: Kleines Wörterbuch des christlichen Orients. Wiesbaden 1975
  • Alfred Schlicht: Frankreich und die syrischen Christen 1799–1861. Berlin 1981

Weblinks[Bearbeiten]