Kathrine Switzer

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Kathrine Switzer beim Berlin-Marathon 2011

Kathrine Switzer (Kathrine Virginia „Kathy“ Switzer; * 5. Januar 1947 in Amberg) ist eine US-amerikanische Pionierin des Marathonlaufs für Frauen.

Als Tochter eines Majors der United States Army kam sie in Deutschland zur Welt. 1949 kehrte die Familie in die USA zurück.

Mit 12 Jahren begann sie damit, jeden Tag eine Meile zu laufen, um als Hockey-Spielerin fitter zu werden. Als Journalistik-Studentin an der Syracuse University trainierte sie mit dem männlichen Leichtathletik-Team. Der Betreuer des Crosslauf-Teams Arnie Briggs, der 15mal am Boston-Marathon teilgenommen hatte, brachte sie auf die Idee, an diesem Rennen 1967 teilzunehmen. Zu dieser Zeit waren Frauen offiziell nur zu Wettkämpfen bis 800 m zugelassen. Da sie sich als „K. V. Switzer“ zusammen mit Briggs und ihrem Freund, dem Hammerwerfer Tom Miller, anmeldete, schöpfte niemand in der Organisation des Rennens Verdacht.

Nach einigen Meilen entdeckte der Renndirektor Jock Semple, dass eine Frau eine offizielle Startnummer trug, und versuchte, Switzer die Nummer abzureißen. Jedoch kam Miller seiner Freundin zu Hilfe und stieß Semple zur Seite, so dass Switzer das Rennen fortsetzen konnte und nach vier Stunden und 20 Minuten das Ziel erreichte. Die Rangelei hatte sich direkt vor dem Pressebus abgespielt, und so gingen die Fotos von diesem Vorfall um die Welt und lösten heftige Diskussionen um den Frauensport aus.[1][2][3] Switzer wurde zwar zwei Tage nach dem Lauf aus der Amateur Athletic Union ausgeschlossen, lief aber weiter inoffiziell Rennen.

1972 wurden dann erstmals Frauen offiziell in Boston zugelassen. Switzer wurde Dritte in 3:29:51 h. Im selben Jahr rief sie mit Fred Lebow, dem Begründer des New-York-City-Marathons, den Crazylegs Mini Marathon (heute New York Mini 10K) ins Leben, den ersten Straßenlauf nur für Frauen. 1973 wurde sie Vierte in Boston, Zweite beim New-York-City-Marathon und gewann den Maryland-Marathon, 1974 wurde sie Fünfte in Boston und siegte sowohl in New York City wie auch in Maryland. 1975 wurde sie Zweite in Boston mit ihrer persönlichen Bestzeit von 2:51:37 h und Siebte in New York City.

1977 überzeugte sie die Kosmetikfirma Avon mit dem Konzept einer internationalen Frauenlaufserie. Der von 1978 bis 1984 jährlich ausgetragenen Avon-Marathon trug wesentlich dazu bei, dass der Frauenmarathon 1984 Teil der Olympischen Spiele wurde, wofür Switzer geworben hatte, seit sie 1972 als Journalistin bei den Olympischen Spielen von München akkreditiert war. 1987 heiratete sie den neuseeländischen Literaturprofessor und Läufer Roger Robinson. Neben ihrer Tätigkeit als Lauforganisatorin wirkt sie als Buchautorin und Fernsehkommentarin.

Anlässlich der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung ihrer Autobiografie lief sie 2011 beim Berlin-Marathon zum 39. Mal einen Wettkampf über die 42,195-km-Distanz.[4][5][6] Mit einer Zeit von 4:36:32 h belegte sie den 56. Platz in der Altersklasse W60.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Running and walking for women over 40. 1998
    • Laufen und walking. Das sanfte Programm für Frauen ab 40. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek 2000, ISBN 3-499-19488-0
  • mit Roger Robinson: 26.2 marathon stories. 2006
    • Faszination Marathon. Geschichten und Bilder rund um die magischen 42,195 Kilometer. Südwest, München 2006, ISBN 978-3-517-08235-6
  • Marathon Woman. 2007

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heiko Oldörp: Kathrine Switzer: Die Marathon-Pionierin im Interview. In: Runner’s World. 15. April 2007
  2. Friedhard Teuffel: Das Recht zu laufen. In: Der Tagesspiegel. 11. Mai 2007
  3. Susanne Decker: Wissensfrage: Welche Frau überlistete das Organisationskomitee des Boston Marathons? In: Planet Wissen. 1. Juni 2009
  4. Michaela Widder: Pionierin läuft mit ihren «Enkelinnen». In: Mitteldeutsche Zeitung. 23. September 2011
  5. Ursula Thomas-Stein: In Freiheit laufen. In: Der Tagesspiegel. 23. September 2011
  6. K. Bühler: Marathon-Pionierin Kathrine Switzer: „Ich wollte zeigen, dass Frauen das schaffen“. In: Frankfurter Rundschau. 24. September 2011