Katzenkralle

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Dieser Artikel behandelt die Art Uncaria tomentosa. Ebenfalls als Katzenkralle wird die Art Pithecellobium unguis-cati bezeichnet.
Katzenkralle
Miliusa tomentosa.jpg

Katzenkralle (Uncaria tomentosa)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Rötegewächse (Rubiaceae)
Gattung: Uncaria
Art: Katzenkralle
Wissenschaftlicher Name
Uncaria tomentosa
(Willd.) DC.

Katzenkralle (Uncaria tomentosa) ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) gehört. Sie ist besonders als Bestandteil in Medikamenten bekannt.

Die gebräuchlichsten Trivialnamen für Uncaria tomentosa in anderen Sprachen sind: Uña de Gato (lateinamerikanische Länder), Cat’s Claw (englischsprachige Länder), Griffe de Chat (französischsprachige Länder).

Beschreibung[Bearbeiten]

Uncaria tomentosa wächst bevorzugt auf feuchtem, schattigem Boden im natürlichen Regenwald, wo die Pflanzen einen Stammdurchmesser von bis zu 25 cm und eine Stammlänge von bis zu 100 Metern erreichen. Kultiviert bleiben die Pflanzen hingegen meist kleinwüchsig und buschig.

Die Wurzeln von Uncaria tomentosa wachsen horizontal an der Grenzschicht von Lehm und lockerem organischem Material, wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Oberirdisch bildet die Pflanze an ihren Haupttrieben, die ins Blätterdach ihrer Trägerbäume reichen, Kurztriebe mit ovalförmigen Blätterpaaren. In den Blattachseln befinden sich sichelförmig gekrümmte Halteorgane, die an die Form einer Katzenkralle erinnern. In der Blütezeit bilden sich an Stelle der Dornen rispige Blütenstände mit gelber Färbung.

Unterschiede zu anderer Art[Bearbeiten]

Verwechselt wird Uncaria tomentosa oft mit der zweiten Uncaria-Art in Südamerika Uncaria guianensis (Aubl.) Gmel. Diese unterscheidet sich von Uncaria tomentosa morphologisch unter anderem in ihrer Dornen- und Blattform sowie in Blütengröße und -farbe. Weitere Unterschiede zeigen sich in der Form der Samen und der Samenkapsel, aber auch der Triebspitzen und weiterer morphologischer Details. Ebenso zeigen karyosystematische Untersuchungen deutliche Unterschiede, die Ergebnisse dieser Untersuchungen lassen kein nahes Verwandtschaftsverhältnis zwischen Uncaria tomentosa und Uncaria guianensis vermuten. Weiterhin unterscheiden sich die beiden südamerikanischen Uncarien deutlich im Gehalt und der Verteilung ihrer pharmakologisch aktiven Inhaltsstoffe.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Uncaria tomentosa ist eine der beiden in Südamerika vorkommenden Uncaria-Arten. Ihr Vorkommen erstreckt sich über das gesamte Amazonasgebiet von Bolivien, Brasilien, Peru über Kolumbien, Ecuador, Surinam und Guayana bis Panama und Puerto Rico.

Systematik[Bearbeiten]

Synonyme für Uncaria tomentosa (Willd.) DC. sind Nauclea tomentosa Willd., Uncaria surinamensis Miq. oder Uruparia tomentosa (Willd.) O.Kuntze.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Die Wurzel von Uncaria tomentosa enthält 2–3 % Oxindolalkaloide. In Stamm und Wurzel von Uncaria tomentosa wurden Terpenoide, insbesondere Quinovinsäureglykoside, Urolsäurederivate und Sterole (insbesondere β-Sitosterol), und Flavonoide wie Procyanidine, (-)Epicatechin und Chinconaine nachgewiesen.

Die Verteilung und Zusammensetzung der Alkaloide in unterschiedlichen Pflanzenpopulationen ist nicht homogen. So wurden zwei Chemotypen gefunden, wovon ein Chemotyp 6 pentazyklische Oxindolalkaloide (Pteropodin, Isopteropodine, Speciophyllin, Uncarin F, Mitraphyllin, Isomitraphyllin), der andere 4 tetrazyklische Oxindolalkaloide (Rhynchophyllin, Isorhynchophyllin) enthält.[2]

Pharmakologie[Bearbeiten]

Die Hauptwirkung von Extrakten aus der Wurzel und dem Stamm von Uncaria tomentosa richtet sich auf das Immunsystem. Pentazyklische und tetrazyklische Oxindolalkaloide steigern die Phagozytoseleistung von Granulozyten und Makrophagen, wobei für Isopteropodin die ausgeprägteste phagozytosesteigernde Wirkung nachgewiesen wurde. Diese Untersuchungen erzielten Effekte vergleichbar mit anderen unspezifischen Immunstimulanzien.

Für die pentazyklischen Oxindolalkaloide (POA) wurde darüber hinaus eine regulatorische Wirkung auf die Lymphozytenproliferation nachgewiesen. POAs induzieren dabei die Freisetzung eines lymphozyten-wachstumsregulierenden Proteins aus Endothelzellen, welches die klonale Expansion hochaktivierter und transformierter Lymphozyten hemmt, gleichzeitig aber die Proliferation ruhender und schwach aktivierter Lymphozyten steigert. Diese Wirkung wird von tetrazyklischen Oxindolalkaloiden des zweiten Chemotyps von Uncaria tomentosa kompetitiv antagonistisch gehemmt.

Ein wässeriges Dekokt aus Uncaria tomentosa inhibiert in Makrophagen die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-KappaB, der für die Entstehung entzündlicher Prozesse mitverantwortlich ist. Darüber hinaus zeigten Procyanidine und Chinovinsäureglykoside in Modellversuchen entzündungshemmende Wirkung. In Tierversuchen wurde für Extrakte aus Uncaria tomentosa entzündungshemmende Eigenschaft nachgewiesen.

Eine ausgeprägte antileukämische Wirkung wurde für das pentazyklische Oxindolalkaloid Uncarine F festgestellt. Fraktionen wässeriger Extrakte aus der Stammrinde von Uncaria tomentosa zeigten eine ausgeprägte Wachstumshemmung auf humanen Brustzell-Line.

Sechs Quinovinsäureglycoside aus Uncaria tomentosa zeigten in-vitro antivirale Eigenschaften gegen zwei RNA-Virusinfektionen (Vesicular stomatitis virus und Rhinovirus 1B).

Die intramuskuläre Applikation von pentazyklischen Oxindolalkaloiden an Katzen mit retroviralen Infektionen, die unbehandelt in 90 % der Fälle tödlich endet, resultierte in einer Rückbildung der Krankheitssymptome bei 85 % der Versuchstiere; 44 % der Tiere waren nach fünf Beobachtungsmonaten virusfrei.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katzenkralle – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. Länger: Uncaria tomentosa (Willd.) DC., Katzenkralle: eine Südamerikanische Heilpflanze, wissenschaftlich erforscht. In: ÖAZ Aktuell, 4/2002.
  2. K. H. Reinhard: Uncaria tomentosa (Willd.) DC.: cat’s claw, una de gato, or saventaro. In: J. Altern. Complement. Med., 1999
  3. C. Jaenicke, J. Gruenwald, T. Brendler: Handbuch Phytotherapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2003