Kaufland

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Kaufland Stiftung & Co. KG
Kaufland Logo.svg
Rechtsform Stiftung & Co. KG
Sitz Neckarsulm, Deutschland
Leitung Frank Lehmann (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 67.591 (2011/2012)[1]
Umsatz 5,520 Mrd. Euro (2011/2012)[1]
Gewinn 331 Mio. Euro (2011/2012)[1]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Bilanzsumme 7,412 Mrd. Euro (29. Februar 2012)[1]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Lebensmitteleinzelhandel
Website www.kaufland.de
Eingangsbereich und Parkplatz eines Kölner Kaufland-Marktes

Kaufland ist eine Lebensmittel-Einzelhandelskette der Schwarz Beteiligungs GmbH mit Sitz in Neckarsulm, die in Europa 1.153 SB-Warenhäuser, davon 636 in Deutschland, in verschiedenen Größen, Lagen und mit unterschiedlichen Sortimenten betreibt. Sie ist Bestandteil der Schwarz-Gruppe, zu der auch der Lebensmittel-Discounter Lidl gehört.

Allgemein[Bearbeiten]

Das Kaufland-Logo

Die Kaufland Stiftung & Co. KG ist Teil der komplexen Unternehmensstruktur der Schwarz-Beteiligungs-GmbH, die sich zu 99,9 % im Besitz von Dieter Schwarz bzw. der Dieter-Schwarz-Stiftung gGmbH befindet. Zu den verschiedenen Kaufland-Tochtergesellschaften gehören die Schwarz-Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG, die im Besitz der SB-Warenhäuser ist, und die Kaufland-Warenhandelsgesellschaft mbH als Betreiberin der SB-Märkte.

Derzeit unterhält der Konzern über 1000 Märkte in Deutschland sowie in Tschechien, Polen, Kroatien, Bulgarien, der Slowakei und in Rumänien. Die Geschäfte verfügen jeweils über eine Fläche zwischen 2.200 und 15.000 m². Einige Filialen nutzen die in vielen Bundesländern ausgeweiteten Ladenöffnungszeiten und sind deshalb von montags bis samstags von 6 bis 22 Uhr bzw. 24 Uhr und einige bis 2 Uhr nachts geöffnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Beteiligungen innerhalb der Schwarz-Gruppe
Kaufland in Prešov, Slowakei
Kaufland in Sofia

Die Anfänge von Kaufland reichen bis in das Jahr 1930 zurück. Zu diesem Zeitpunkt trat Josef Schwarz als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) in die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. in Heilbronn ein. Die Firma wurde in „Lidl & Schwarz KG“ umbenannt und zügig zu einem Großhandel für den gesamten Lebensmittelhandel ausgebaut.[2] Nachdem das Unternehmen 1944 zerstört worden war, gelang der Wiederaufbau innerhalb von zehn Jahren. Die Firma erhielt 1954 in Heilbronn erneut ein eigenes Domizil und trat im selben Jahr in die „A&O Handelskette“ ein. Mit der Handels- und Fruchthof Heilbronn GmbH wurde in Nordwürttemberg 1960 das erste Lager eröffnet. 1964 weitete die Firma ihr Angebot aus und richtete die erste Fleischabteilung ein. 1968 wurde in Backnang der erste Verbrauchermarkt unter dem Namen Handelshof eröffnet, 1977 am selben Ort das erste SB-Warenhaus unter demselben Namen.

Nachdem Josef Schwarz 1977 im Alter von 74 Jahren verstorben war, übernahm dessen Sohn Dieter Schwarz die Leitung des Unternehmens. 1984 eröffnete in Neckarsulm – seit 1972 Sitz der Unternehmenszentrale – das erste SB-Warenhaus unter dem Namen Kaufland.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands expandierte die Lebensmittel-Kette in die neuen Bundesländer und eröffnete dort zahlreiche Märkte. Das erste ostdeutsche Kaufland-Warenhaus wurde 1990 in Meißen eingerichtet. 1994 eröffnete in Zwickau der erste „Kaufmarkt SB Warenhaus“. 1998 eröffnete in Kladno in Tschechien die erste Kaufland-Filiale im Ausland. In den Folgejahren konnte die Firma in der Slowakei (seit 2000), Kroatien (2001), Polen (2001), Rumänien (2005) und in Bulgarien (2006) Fuß fassen. In Rumänien protestierten im Januar und März 2007 Kaufland-Angestellte und unabhängige Vereine in Bukarest gegen die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in den Filialen der Kette. Im Juni 2007 erschienen Artikel in der Wirtschaftswoche und im Spiegel über den illegalen Kauf und geplanten Abriss von Stadien durch Kaufland in den Städten Sighișoara (Schäßburg) und Arad in Siebenbürgen. Um den Abriss zu verhindern, haben lokale Umweltschutzvereine Klage beim Verwaltungsgericht in Târgu Mureș eingereicht.[3][4]

2006 und 2007 folgten weitere Filialeröffnungen in Deutschland, außerdem übernahm Kaufland Filialen von Konkurrenzunternehmen. Gegenwärtig (Stand: Februar 2009) hat Kaufland nach eigenen Angaben über 73.000 Mitarbeiter.[5]

Am 9. Dezember 2009 erklärte die Karl Lupus GmbH & Co. KG in einer Pressemitteilung die Absicht, ihre bisherigen zwölf Warenhäuser der famila Handels-Betriebe GmbH & Co. KG Rhein-Neckar und den Cash-&-Carry-Markt Lupus Food Service mit 1400 Mitarbeitern an Kaufland zu veräußern. Vorbehaltlich der Genehmigung durch das Kartellamt soll die Übergabe am 1. Februar 2010 erfolgen.[6]

Am 1. Januar 2010 hat Kaufland vier SB-Warenhäuser von Schlecker (Schleckerland) in Ehingen, Geislingen an der Steige, Göppingen und Schwäbisch Gmünd übernommen, umgebaut und auf das Kaufland-Konzept umgestellt.[7][8]

Am 26. April 2010 wurde die Umstellung der Kaufmarkt-Filialen in Kaufland vollzogen.

Im November 2010 führte die Kaufland-Gruppe für ihre Mitarbeiter einen Mindestlohn von 8,50 Euro ein. Seit dem 1. März 2011 gilt dieser Mindestlohn auch für alle Beschäftigten von externen Dienstleistern, die bei Kaufland auf Basis eines Werkvertrags oder im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung tätig sind. Ab 1. März 2012 wurde der Mindestlohn auf 9,00 Euro angehoben.

Ende März 2011 wurden die bisherigen RATIO-Märkte in Osnabrück und Stadthagen übernommen.

Im Oktober 2011 wurden alle Handelshof-Märkte im Großraum Heilbronn in Kaufland umbenannt. Einhergehend mit dem Namenwechsel, waren Umbau und Sortimentserweiterungen. Die komplette Umstellung aller bundesdeutschen Handelshof-Filialen wurde bis Ende 2011 abgeschlossen.

Am 1. März 2013 wurde im Gewerbegebiet an der A 38 bei Heiligenstadt in Thüringen ein neues Fleischwerk für 90 Millionen Euro eingeweiht. Rund 600 Mitarbeiter vor Ort verarbeiten dort Fleisch zu 250 Artikeln, die in die etwa 620 deutschen Kaufland-Filialen geliefert werden.[9][10]

Sortiment[Bearbeiten]

Kaufland vertreibt neben Herstellermarken auch zahlreiche preisgünstigere Handelsmarken.

Bäckereien[Bearbeiten]

Seit 1994 unterhält Kaufland eigene Bäckereien. Das in Dessau, Leipzig und Chemnitz gestartete Projekt soll das Angebot von verpackten Backwaren in den Regalen ergänzen.

Cultura Vini[Bearbeiten]

Mit „Cultura Vini“ (bedeutet übersetzt „Kultur des Weines“) bietet Kaufland seit 2009 ein eigenes Weinsortiment mit speziellem Signet an. Die Weine kommen aus Anbaugebieten in Deutschland, Frankreich, Italien und aus den USA (Kalifornien).

K-Bio[Bearbeiten]

Seit 2009 bietet Kaufland über 100 Produkte der Eigenmarke „K-Bio“ mit Bio-Siegel an, die der EG-Öko-Verordnung entsprechen.

K-Classic[Bearbeiten]

Im Oktober 2003 führte Kaufland in seinen Warenhäusern die Discountmarke „K-Classic“ ein. Die Einführung dieser Marke soll Kunden langfristig an das Unternehmen binden, da eine Art Corporate Identity geschaffen wird. Des Weiteren erleichtert dieses Vorgehen die interne Auflistung aller Artikel durch kürzere EAN-Codes und einheitliche Verpackungsmaße. Auf diese Weise kann das Unternehmen die Platzierung seiner Produkte optimieren.

K-Classic WellYou[Bearbeiten]

Seit 2008 bietet Kaufland unter der Marke K-Classic WellYou eine eigene Produktschiene mit Produkten für gesundheitsbewusste Ernährung an, die zudem keine Konservierungsstoffe, Süßstoffe und den Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat enthalten.

K-Classic CONCEPT+[Bearbeiten]

Ende 2009 ergänzte Kaufland sein Sortiment um frei verkäufliche Arzneimittel mit eigenem Logo.

Purland / K-Purland[Bearbeiten]

Purland ist seit 1985 die eigene Fleischmarke der Kaufland-Gruppe. Im August 2011 wurde der Markenname für eine bessere Identifikation mit der Kaufland-Unternehmensgruppe zu K-Purland umgeändert. Ein unternehmenseigenes Fleischwerk in Möckmühl beschäftigt rund 600 Mitarbeiter.[11] Ein weiteres Fleischwerk besteht in Osterfeld und in Heilbronn produziert Kaufland mit rund 500 Mitarbeitern Wurst und Kasseler.[12][13] Ein weiteres Fleischwerk in Heiligenstadt beschäftigt seit 2013 weitere 400 Mitarbeiter.[14] Der Fleisch- und Wurstverkauf in den Warenhäusern gliedert sich in SB-Fleisch- und Wurstregale und in Fleisch- und Wurst-Bedienungstheken (zum größten Teil reine Wurst-Bedienungstheken).

Kaufland Reisen[Bearbeiten]

Seit Ende 2010 werden in Kooperation mit den Touristikunternehmen BigXtra Touristik GmbH (München), FTS Fly & Travel Service GmbH (Essen), Hermes Touristik GmbH & Co. KG (Hamburg) und Mediplus Reisen GmbH (Bonn) auch Pauschalreisen, Flugreisen und Kreuzfahrten angeboten.

Werbung[Bearbeiten]

Mit dem TIP-Werbeverlag, der seinen Sitz im angrenzenden Heilbronn hat, unterhält Kaufland einen eigenen Werbeverlag, der die Broschüren TOP aktuell und TIP der Woche herausgibt. Dort wird über aktuelle Angebote und Produkte regionaler Anbieter informiert. Das kostenlose Werbeblatt finanziert sich durch Anzeigen. Nach eigenen Angaben werden 400 verschiedene Regionalausgaben in einer Auflage von 17,8 Millionen Exemplaren herausgegeben. Am Abend des 29. September 2013 wurde im Rahmen der neu gestarteten Fernseh-Werbekampagne erstmals Werbung von Kaufland im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.

Im September 2014 teilte der TIP-Werbeverlag mit, dass er die Zustellung durch eigene Mitarbeiter beendet und ab 1. November 2014 vollständig an Fremdfirmen vergibt, wie es bereits bisher für 40 % der Auflage der Fall ist.[15] Rund 55.000 Mitarbeiter, meist Minijobber verlieren dadurch nach Angaben des Verlags ihre Anstellung und müssen sich neu bei den externen Zustell-Dienstleistern bewerben. Die Gewerkschaft ver.di kritisierte dies als „die wahrscheinlich größte Massenentlassung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.[16]

Logistik[Bearbeiten]

Kaufland betreibt in Deutschland derzeit sieben Logistikzentren mit insgesamt 2700 Mitarbeitern:

Food, Tiefkühlkost, Obst & Gemüse, Pflanzen
Non-Food

Die Belieferung mit Fleisch- und Wurstspezialitäten der Eigenmarke K-Purland (eigene Produktion[17]) erfolgt direkt durch die Fleischbetriebe in Heilbronn, Möckmühl, Osterfeld und Heiligenstadt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Kaufland Stiftung & Co. KG Neckarsulm: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. März 2011 bis zum 29. Februar 2012
  2. http://www.kaufland.de/Home/05_Unternehmen/007_Chronik/index.jsp
  3. Ralf Streck: Der erste Schritt zu einer internationalen Gewerkschaft? Telepolis, 21. Juni 2007
  4. Kaufland hat Ärger in Transsilvanien. Wirtschaftswoche vom 7. Juni 2007
  5. a b Kaufland investiert in Logistiknetz. kaufland.de, Februar 2009
  6. http://www.pz-news.de/Home/Nachrichten/Kaufland-uebernimmt-LupusFamila-mit-1400-Mitarbeitern-_arid,163596_puid,1_pageid,7.html
  7. Schleckerland macht zu In: Schwäbische Zeitung vom 25. November 2009
  8. Neu-Ulmer Schleckerland öffnet wieder In: Schwäbische Zeitung vom 4. Januar 2010
  9. Pünktlich am 1. März startet im Kaufland-Fleischwerk in Heiligenstadt die Produktion Thüringische Landesleitung (abgerufen am 12. Mai 2014)
  10. Kaufland-Fleischbetrieb in Heiligenstadt startet Produktion (abgerufen am 12. Mai 2014)
  11.  Heiko Fritze: Kaufland investiert 38 Millionen Euro. In: Heilbronner Stimme. 24. Dezember 2008, S. 35 (bei stimme.de, abgerufen am 27. Dezember 2008).
  12. Wir über uns: Die FRISCHE-Metzgerei von K-Purland bei kaufland.de (abgerufen am 26. November 2012)
  13.  Manfred Stockburger: Leiharbeiter: Vorreiter Kaufland. In: Heilbronner Stimme. 20. November 2010, S. 35 (bei stimme.de, abgerufen am 27. April 2011).
  14. Bernd Jentsch: Fleischfabrik schafft mindestens 400 Jobs im Eichsfeld. thueringer-allgemeine.de, 18. Dezember 2009 (abgerufen am 27. April 2011)
  15. [1]
  16. Kaufland entlässt 55.000 Minijobber
  17. http://www.kaufland.de/Home/02_Sortiment/K-Purland/index.jsp

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaufland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien