Kaukasische Rasse

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Blauer Bereich: Vorkommensraum der kaukasischen Rasse nach einer Ausgabe von Meyers Konversationslexikon von 1890.

Der Begriff Kaukasische Rasse (auch Kaukasoid) ist eine Sammelbezeichnung, die in etwa dem Konzept europide Rasse entspricht. Die Rassentheorie wird heute als veraltet angesehen und ist wissenschaftlich widerlegt. Heutzutage wird im englischen Sprachraum „caucasian“ als Synonym für Europäer im Sinne hellhäutiger Menschen verwendet.

Der Begriff geht auf Johann Friedrich Blumenbach zurück. Bereits in der ersten Auflage seines Handbuchs der Naturgeschichte von 1779 unterschied er fünf Varietäten („Raçe“), die er jedoch nur nummerierte.[1] In der 1795 erschienenen dritten überarbeiteten Auflage seiner Dissertationsschrift De generis humani varietate nativa (Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte) bezeichnete er sie als kaukasische, mongolische, äthiopische, amerikanische und malaiische Varietäten. Die kaukasische Varietät charakterisierte Blumenbach wie folgt:

„A) Kaukasische Varietät.
Von weißer Farbe, mit rothen Wangen (§.43.) schwärzlichem oder nußbraunem Haar (§.52.), gerundetem Köpf (§. 62.).
Mit ovalem regelmäßigerem Gesicht, in welchem die einzelnen Theile nicht zu stark ausgezeichnet, flacher Stirn, engerer, leicht gebogner Nase, kleinem Munde (§.56.).
Mit senkrecht unter einanderstehenden Vorderzähnen des obern und untern Kieferes (§.62.).
Mit sanft hervorstehenden Lippen (vorzüglich der Unterlippe), vollem runden Kinn (§.56.)
Überhaupt von jener, nach unsern Begriffen von Ebenmaas, reizenden und schönen Gesichtsform.
Zu dieser ersten Varietät gehören die Europäer (mit Ausnahme der Lappen und übrigen Finnen) die westlichern Asiaten bis zum Fluß Obi, dem kaspischen Meere und Ganges. Endlich die Einwohner des nördlichen Afrika.“

Johann Friedrich Blumenbach: Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte.[2]

Die kaukasische Varietät sah Blumenbach als die ursprünglichste an, aus der sich die anderen entwickelten. [3]

Es finden sich historisch auch Begriffe wie „Mittelländische Rasse“ oder „Indoatlantische Rasse“ und sie gliedert sich in Werken des späteren 19. Jahrhunderts als Großrasse in Arier bzw. Indogermanen, Semiten und Hamiten.[4] Gebraucht wurde sie im Folgenden vor allem in der US-amerikanischen Medizin zur Beschreibung der aus Europa, Nordafrika, dem Horn von Afrika sowie West- und Südasien stammenden Menschen. Insbesondere der Anthropologe Carleton Stevens Coon entwickelte eine Theorie, nach der die „Caucasoids“ eine eigene Subspezies („Rassen“) des Homo sapiens darstellen, die sich, wie vier weitere „Rassen“, aus unabhängigen geographischen Populationen des homo erectus entwickelt habe.[5] Diese heute als vollkommen falsch erwiesene Theorie hatte dennoch zeitweise erheblichen Einfluss auf das Rassendenken in den USA. In den angelsächsischen Ländern sind die entsprechenden Begriffe white oder caucasian auch in offiziellen Dokumenten wie zum Beispiel Formularen der Verwaltung, medizinischen Dokumentationen oder Volkszählungsunterlagen nach wie vor üblich.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Friedrich Blumenbach: Handbuch der Naturgeschichte. Mit Kupfern. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1779, S. 63, (online).
  2. Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte. Nach der dritten Ausgabe und den Erinnerungen des Verfassers übersetzt, und mit einigen Zusätzen und erläuternden Anmerkungen herausgegeben von Johann Gottfried Gruber. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1798, S. 205–206.
  3. Norbert Klatt: „Klytia und die »schöne Georgianerin« – Eine Anmerkung zu Blumenbachs Rassentypologie“. 2008, S. 71–73.
  4. Beschreibung im Brockhaus 1911
  5. Carleton S. Coon: The Orgins of Race. Alfred A. Knopf Inc., 1. Aufl. 1962, ISBN 0-394-30142-0.