Kaukasus

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Kaukasus
Satellitenaufnahme des Kaukasus: im Norden Großer Kaukasus, im Süden Kleiner Kaukasus

Satellitenaufnahme des Kaukasus:
im Norden Großer Kaukasus, im Süden Kleiner Kaukasus

Höchster Gipfel Elbrus (5642 m)
Lage Aserbaidschan, Armenien, Georgien, Russland
Teil von alpidischer Gebirgsgürtel
Kaukasus (Europa)
Kaukasus
Koordinaten 43° N, 45° O42.5455642Koordinaten: 43° N, 45° O
Typ Faltengebirge mit Vulkankegeln
Fläche 400.000 km²

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Der Kaukasus (russisch Кавказ, Kawkas; georg. კავკასიონი, Kawkasioni, armenisch Կովկաս, Kowkas, aserb. Qafqaz, türk. Kafkas, von griechisch Καύκασος)[1] ist ein etwa 1100 Kilometer langes, von Westnordwest nach Ostsüdost verlaufendes Hochgebirge in Eurasien zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Das Gebirge, das aus den drei Gebirgsketten Großer Kaukasus, Kleiner Kaukasus und Talysh-Gebirge besteht, ragt bis zu einer Höhe von 5642 Metern über dem Meeresspiegel auf. Die mittlere Höhe beträgt 602 Meter.[2] Der Kaukasus befindet sich auf den Territorien Russlands, Georgiens, der Türkei, Armeniens und Aserbaidschans. Im Jahr 2000 lebten etwa 30,6 Millionen Menschen in diesem Gebirge.

Lage[Bearbeiten]

Hauptartikel: Großer Kaukasus, Kleiner Kaukasus

Der Kaukasus gliedert sich in die Ebenen des Nordkaukasus, den Großen Kaukasus, die Transkaukasische Senke, den Kleinen Kaukasus und das Talysh-Gebirge.[2] Die Entwässerung ist vorwiegend radial. Längstäler sind im Kaukasus selten. Eine der wenigen Ausnahmen stellt das Hochtal von Swanetien dar.

Der Große Kaukasus ist über 1100 Kilometer lang, bis 180 Kilometer breit und vielfach gegliedert. Ganz im Norden liegt die Kette der bewaldeten Schwarzen Berge (um 600 m). Südlich davon folgt der Weidekamm (1200 m bis 1500 m), dann der Felsenkamm (bis 3629 m). Südlich dieser Ketten unterteilt sich das Gebirge in vier Abschnitte: den westlichen Schwarzmeerkaukasus, auch Pontischer Kaukasus genannt (600 m bis 1200 m), den vergletscherten Hochgebirgs-Kaukasus mit den höchsten Gipfeln Elbrus, Schchara und Kasbek (bis 5642 m), in der Mitte das Suramigebirge (bis 1926 m) und im Osten den Kaspischen Kaukasus (500 m bis 1000 m). Die Hauptkette wird nur durch einen einzigen, ganzjährig befahrbaren Übergang, die Georgische Heerstraße in zwei Hälften geteilt.[3]

Rund 100 Kilometer südlich liegt der Kleine Kaukasus auf dem Territorium von Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Der Kleine Kaukasus ist kein eigenständiges Gebirge, sondern ein Abschnitt der nordanatolisch-nordiranischen Kettengebirge mit Deckenbau und jungen Vulkanen. Am Suramigebirge grenzt er unmittelbar an den Großen Kaukasus. Der höchste Berg des Kleinen Kaukasus ist der Aragaz (4090 m). Bedeutend als Referenzberg ist auch der Gjamysch (3724 m). Er ist mit Firn bedeckt, hat aber keine Gletscher.[2]

Geologie[Bearbeiten]

Gebirgsketten des Großen Kaukasus

Der Kaukasus ist ein Faltengebirge mit einigen Vulkankegeln, das wie die Alpen im Tertiär aufgefaltet wurde. Es besteht u. a. aus Graniten und Gneisen und enthält Erdöl- und Erdgaslagerstätten, deren Reserven auf bis zu 200 Milliarden Barrel Erdöl geschätzt werden. (Zum Vergleich: Für Saudi-Arabien – das Land mit den weltweit größten Erdölvorkommen – werden 260 Milliarden Barrel geschätzt.)

Geophysikalisch bildet der Kaukasus eine breite Zone der Verformung, die ein Teil des alpidischen Gebirgsgürtels, des Kollisionsgürtels der Kontinentalplatten von den Alpen bis zum Himalaya ist. Die Tektonik des Gebiets wird von einer Verschiebung der arabischen Platte um etwa 2,5 Zentimeter pro Jahr nach Norden gegen die eurasische Platte bestimmt.

Ende des 20. Jahrhunderts ereigneten sich im Kaukasus deshalb verschiedene große Erdbeben mit Magnituden von 6,5 bis 7, die katastrophale Konsequenzen für die Bevölkerung und die Wirtschaft in der Region hatten. Beim Erdbeben von Spitak, Armenien, am 7. Dezember 1988 starben mehr als 25.000 Menschen, rund 20.000 wurden verletzt und etwa 515.000 wurden obdachlos.

Klima[Bearbeiten]

Der Gebirgskamm des Großen Kaukasus ist die Grenze zwischen der gemäßigten und der subtropischen Klimazone.[4] Das Hochgebirgsklima des Kaukasus wird in drei Grundtypen unterschieden, in ein panhumides Klima, ein gemäßigt-feuchtes und ein gemäßigt-kontinentales Klima sowie in ein eher kontinentales und trockenes Klima. Die panhumide Klimazone ist für den Westen des Kaukasus charakteristisch. Der Jahresniederschlag liegt hier über 2000 Millimeter. Im Zentralkaukasus sowie in den Teilen des Ostkaukasus und im westlichen Teil des Kleinen Kaukasus herrscht ein gemäßigt-feuchtes Klima vor. Dagegen sind der innere Teil des Südkaukasischen Hochlandes (Armenien) und einige Regionen des Ostkaukasus von einem verhältnismäßig kontinentalen und trockenen Klima geprägt. Die jährlichen Niederschlagsmengen liegen hier bei 500 bis 600 Millimeter.[4]

Die Schneegrenze schwankt im Kaukasus zwischen 3000 und 3800 Höhenmetern. Am niedrigsten ist sie im Westen, wo sie ungefähr der Schneegrenze der Alpen entspricht. Die größte Höhe erreicht sie im Kleinen Kaukasus.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Vorgeschichte des Kaukasus reicht bis in das Paläolithikum. Um etwa 4000 v. Chr. entstand im nördlichen Kaukasus die Maikop-Kultur. Sie beeinflusste die kulturelle Entwicklung des gesamten Nordkaukasus und von Teilen Südrusslands. In Transkaukasien findet sich in dieser Zeit die Kura-Araxes-Kultur. Archäologische Ausgrabungen, insbesondere die Funde von Hunderten von Dolmen (Großsteingräber) im nordwestlichen Kaukasus, zeugen von einer Jahrtausende alten Kultur, die man jedoch keiner historischen Bevölkerungsgruppe zuweisen kann.

In der späten Bronzezeit war im nördlichen Kaukasus die Koban-Kultur verbreitet, die von E. I. Krupnov und V. I. Kozenkova in drei Stufen unterteilt wird.[5] Charakteristische Funde für deren Phase I lieferten die Gräberfelder von Tli, Styrfaz und Verchnjaja Rutcha (Gräber 10 und 16).[5] Die Phase II der Koban-Kultur beginnt um 1200 v. Chr. und zeigt eine deutliche Ausdehnung des Verbreitungsgebiets. Die Phase III oder klassische Kobankultur wird gewöhnlich zwischen 850 und 650 v. Chr. datiert.[6] Sie entspricht der Černogorovka-Kultur im östlichen Schwarzmeergebiet, die manchmal auch in die Kulturen von Černoles, Žabotin und Bondocharicha unterteilt wird.[7] Südlich des Kaukasus findet sich die Kolchis-Kultur.[8] Die frühe Eisenzeit wird durch die Novočerkassk-Kultur geprägt, die von dem russischen Forscher A. A. Iessen 1953 definiert wurde,[5] gefolgt von skythischen Fundkomplexen der späten Eisenzeit (Koban IV oder skythische Phase der Kobankultur).[6] Es wurde versucht, die Novočerkassk-Kultur mit den historischen Kimmerern gleichzusetzen (Terenoškin), dies erweist sich jedoch als zunehmend problematisch. Inzwischen wird auch die Einheitlichkeit der Kobankultur zunehmend angezweifelt.[7]

Spätantike bis zum Osmanischen Reich[Bearbeiten]

Das Gebiet war immer wieder Schauplatz ethnischer Auseinandersetzungen und Spielball der Großmächte. In der Spätantike war der Kaukasus ein Sperrgürtel Ostroms und Persiens gegen die Steppenvölker; in Verträgen wurde vereinbart, dass Rom Gelder an Persien zahlen sollte, wofür die Perser die Kaukasuspässe gegen Völker wie die Hunnen sperren sollten. Ab dem 1. Jh. sind Alanen im nördlichen Kaukasus nachgewiesen. Ende des 7. Jahrhunderts wurden einige südliche Gebiete von den Arabern erobert, weite Teile des Kaukasus blieben aber von Christen besiedelt. Es kam in der Folgezeit immer wieder zu Kämpfen zwischen Arabern bzw. Türken und Byzanz.

Anfang des 16. Jahrhunderts eroberten die Osmanen den Kaukasus. Im 19. Jahrhundert gelang es dem Russischen Reich in einem über sechzigjährigen Krieg gegen die Bergbewohner, den nördlichen Kaukasus zu erobern. Legendär ist der Widerstand in Tschetschenien unter Führung des Imam Schamil, der sich 1859 den Großrussen ergeben musste.

Eroberung durch Russland[Bearbeiten]

Um 1770 expandierte Russland in das Gebiet des Kaukasus. Der 1768 entbrannte 5. Russische Türkenkrieg brachte dem Russischen Reich durch den Frieden von Küçük Kaynarca (21. Juli 1774) in den Besitz der Linie zwischen Kuban und Terek. 1785 wurde aus den Gebieten Jekaterinograd, Mosdok, Alexandrow und Stawropol die kaukasische Statthalterschaft gebildet. Während der unter persischer Oberhoheit stehende christlich-georgische König Erekle II. bereits 1783 russischer Vasall geworden war, fiel nach dem Tod des Nachfolgers Giorgi XII. Georgien an Russland und wurde 1801 ein russisches Gouvernement. 1802 erwarb Russland Ossetien, 1803 Lesgien und in den anschließenden Kämpfen mit den Persern (1804 bis 1813) verloren diese im Frieden von Gulistan (24. Oktober 1813) den größten Teil ihrer kaukasischen Besitzungen. Die Khanate Gəncə (später Kreis Jelissawetpol), Schirwan (Schemacha), Talisch und Karabach (Schuscha). 1804 waren bereits das Fürstentum Mingrelien und 1810 das Königreich Imeretien unter russische Herrschaft gefallen.

Fast das gesamte Transkaukasien war nun russisches Gebiet geworden, noch nicht unterworfen waren jedoch die „Gorzen“, die das Gebirge bewohnenden Bergvölker (russ. Gorzy, dt.: „Bergbewohner“), mit denen der Kampf erst 1816 unter dem russischen General und Gouverneur Alexei Jermolow aufgenommen wurde. Dabei kam es den Russen darauf an, die Bergvölker abzuschließen. Deshalb legte man zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer eine Reihe von Kosaken bevölkerte Siedlungen an, die befestigt wurden. Die so genannte Tschernomorsche Linie (Schwarzmeer-Linie) verlief vom Schwarzen Meer zum Kuban und diesen entlang bis zur Labamündung. Die Kaukasische Linie zog sich von der Mündung der Laba über die Malka bis zum Terek und diesen abwärts bis Kisljar. 1817 wurden hier die Befestigungen Grosnaja, 1819 Wnesapnaja (beim Dorf Endirei bei Chassawjurt in Dagestan) und 1820 Burnaja (beim heutigen Machatschkala) errichtet. In der Folge besetzten die Russen das Gebiet der Schamchale und die Khanate Kurin und Kasikumuch, die Große Kabarda (inzwischen Teile Kabardino-Balkariens und nordöstlich davon) und die Kleine Kabarda (inzwischen Teile des Gebietes von Nordossetien bis Tschetschenien), Akuscha und verwüsteten Tschetschenien. Bis dahin bestand nur eine Verbindung zwischen Nord- und Transkaukasien über die Georgische Heerstraße, die mitten über das Gebiet führte. Damit erreichte man eine Teilung der Bergvölker.

1826 nahm Persien den Kampf um seine alten kaukasischen Besitzungen wieder auf, jedoch vergebens, denn es musste im Frieden von Turkmantschai (22. Februar 1828) die Khanate Eriwan und Nachitschewan an Russland abtreten. Nach dem Russisch-Türkischen Krieg 1828–1829 erwarb Russland im Frieden von Adrianopel (14. September 1829) den Kreis Achalziche, außerdem die Festungen an der Ostküste des Schwarzen Meeres zwischen Anapa und Poti.

Mit Mulla Mohammed entstand den Russen in dieser Zeit ein neuer Gegner. Er predigte die Lehre des Muridismus, zu dessen Anführer 1835 Imam Schamil gemacht wurde. Die Russen begannen erst 1839 ernsthaft gegen die Bergvölker vorzugehen. Sie formierten drei Armeen unter den Generalleutnants Rajewski, Golowin und Grabbe. Diese sollte von Wnesapnaja aus gegen den Norden Dagestans vorgehen, wo sich Schamil festgesetzt hatte. Am 5. Juni traf man auf Schamil, der etwa 5000 Streiter um sich versammelt hatte und schlug ihn bei dem Aul Burtunai. Schamil ging daraufhin nach Arghuan und stellte sich hier mit 6000 Lesgiern den Russen entgegen. Trotz der fast unzugänglichen Lage des Dorfes erstürmten die Russen diese Festung am 13. Juni. Schamil setzte sich nach seiner Felsenfestung Achulgo am Koi-su ab. Erst am 3. September konnten die Russen auch diese Festung erstürmen. Schamil entkam und flüchtete nach Wedeno, doch war damit der Muridismus noch nicht niedergeschlagen. Grabbe hatte seine Truppen nach Temir-Chan-Schura und Wnesapnaja zurückgeführt. Schon nach kurzer Zeit erhoben sich Bergvölker erneut, so dass die Russen mehrere Jahre über keine dauerhaften Erfolge erreichen konnten. 1843 eroberte Schamil Awarien und das Land am Koi-su nebst neun russischen Forts, so dass den Russen in Dagestan nur Nisowoje und Temir-Chan-Schura verblieben. Das kaukasische Korps erhielt 1844 durch Zuweisung des gesamten V. Armeekorps einen Zuwachs von 40.000 Mann. Dennoch verlor Fürst Woronzow 1844 mehrere feste Plätze an die Muriden und konnte den Sitz Schamils, die Feste Dargo, nicht einnehmen.

Krimkrieg[Bearbeiten]

Im Krimkrieg (1853 bis 1856) kam es zu Kampfhandlungen auf dem kaukasischen Kriegsschauplatz zwischen Russland und dem Osmanischen Reich. Für die Verteidigung des armenischen Hochlandes hatten die Osmanen die Armeekorps von Kleinasien, Mesopotamien und einen Teil des Korps von Syrien im Grenzgebiet konzentriert. Am 26. November 1853 schlug General Iwane Andronikaschwili mit 10.000 Mann das türkische Hauptkorps bei Suplis in die Flucht. General Bebutow siegte an der Spitze eines Korps der kaukasischen Armee am 1. Dezember 1853 bei Kadiklar über Abdi Pascha, wodurch die beabsichtigte Invasion der Türken in das russische Armenien vereitelt wurde. Der türkische Befehlshaber in Ostanatolien, Abdi Pascha, wurde daraufhin abgesetzt und vor ein Militärgericht gestellt. Sein Nachfolger wurde Achmet Pascha. Am 16. Juni 1854 war Andronikow gegen 30.000 Türken bei Osurgeti erneut erfolgreich und konnte Mingrelien für Russland sichern. Im Juli 1854 drang der russische General Wrangel ins türkische Armenien ein. Am 29. Juli schlug er eine türkische Division bei Doğubeyazıt. Der türkische Befehlshaber Zarif Mustapha Pascha griff im August mit mehr als 40.000 Mann die Russen an. Bei Kurukdere stieß er am 5. August 1854 auf Fürst Bebutow. In einer fünfstündigen Schlacht konnten die Russen die türkische Armee zwar schlagen, waren aber aufgrund ihrer eigenen hohen Verluste nicht in der Lage den Sieg auszunutzen und die wichtige Festung Kars einzunehmen. 1855 wurde General Nikolai Murawjow zum Oberbefehlshaber der kaukasischen Armee ernannt. Dieser marschierte im Juni 1855 im osmanischen Teil Armeniens ein und wurde dort von der Bevölkerung freundlich begrüßt. Mit 40.000 Mann erreichte er Kars im Nordosten Anatoliens. Die 30.000 Verteidiger, unter dem britischen Offizier William Fenwick Williams, konnten den Angriff der Russen abwehren. Deshalb belagerte Murawjow die Festung von Anfang Juni bis Ende November 1855. Omar Pascha, der in den Donau-Fürstentümern zuvor so erfolgreich war, informierte daraufhin am 11. Juli die Alliierten, dass er seine Truppen von der Krim nach Kleinasien verlegen würde. Die Alliierten waren gegen diese Entscheidung und stimmten dem Plan erst im September zu. Omar Paschas Ablenkungsangriff auf Kutaissi wurde schließlich durch General Bebutow vereitelt. Am 29. November musste die osmanische Besatzung schließlich aufgrund der schlechten Versorgungslage kapitulieren und Murawjew konnte die Stadt einnehmen. Dieser Erfolg gestattete Russland, trotz des Verlustes von Sewastopol, moderate Friedensverhandlungen zu führen.

Aufstände gegen Russlands Herrschaft[Bearbeiten]

Gouvernemente und Oblaste des Kaukasus im Russischen Reich

Nach Beendigung des Krimkriegs übernahm Fürst Alexander Barjatinski den Oberbefehl im Kaukasus. Im August 1856 wurden fünf Militärkommandos errichtet und die Hauptmacht der Russen kam in den östlichen Kaukasus. Von Süden und Osten her drangen russische Truppen unter General Nikolai Iwanowitsch Jewdokimow und Fürst Orbeliani ein, unterwarfen 1857 „Großtschetschenien“ (Bolschaja Tschetschnja) und Kachetien, nahmen 1858 den Pass Argun und erbauten dort, am Haupteingang des Gebirges, die Festung Argunskoje. Im Juni drangen drei russische Kolonnen weiter vor, während Schamil gegen Wladikawkas marschierte und den Aufstand in den Zentralkaukasus zu bringen versuchte. Doch wurde er von General Mischtschenko zurückgetrieben. General Jewdokimow eroberte währenddessen Warandi und Schatoi, woraufhin die Tschetschenen bis auf einen Stamm von Schamil abfielen. Anfang 1859 vereinigten sich drei russische Kolonnen unter Jewdokimow am Fluss Bass, erstürmten die feste Stellung bei Tausen und begannen am 29. März die Belagerung der von Schamils Sohn verteidigten Feste Wedeno, die am 13. April von General Jewdokimow im Sturm genommen wurde. Schamil war nun auf Dagestan beschränkt und stand in einer fast unangreifbaren Stellung am Fluss Koissu, wo er aber von Fürst Barjatinski geschlagen wurde. Die Hochebene bei Gunib war seine letzte Zufluchtsstätte, bevor er sich am 6. September ergab. Der Osten des Kaukasus war damit für die Russen gewonnen, man konnte sich nun nach Westen wenden. Die Operationen hier dauerten zwischen dem Frühjahr 1864 und 1865 und endeten mit der Unterwerfung der Tscherkessen.

Auch wenn die Russen in der Folge ihre Herrschaft befestigten, so brauchte es stets nur eines kleinen Anstoßes, um die alten Unabhängigkeitsbestrebungen der kaukasischen Völkerschaften wieder aufleben zu lassen. Einen solchen Anstoß bot der Russisch-Türkische Krieg 1877 bis 1878. Türkischen Aufwieglern war es ein leichtes, Unruhen unter den Tschetschenen, in Abchasien und in Dagestan anzuzetteln. Nur durch die Besetzung der Pässe, die aus Abchasien zu den Siedlungen der Tschetschenen führten gelang es den Russen, einen allgemeinen Aufstand der Bergvölker zu verhindern. Gegen die unter Taski Pascha eingedrungenen 14.000 Mann mussten die Russen Truppen aus dem Innern heranziehen. Am 27. Juni 1877 wurden die vereinigten Türken und Abchasen bei Aschanodschir geschlagen. Am 30. Juni nahmen die Russen den Hauptort der Aufständischen, das Dorf Assacho ein. Die Abchasen und Tschetschenen waren damit niedergeworfen, die flüchtigen Anführer zettelten aber neue Aufstände in Dagestan an, die erst nach Zersprengung einer Bande von 6.000 Mann und der Niederwerfung von 4.000 Mann am 30. September und 4. Oktober unterdrückt werden konnten.1882 wurde das Generalgouvernement Kaukasien eingerichtet, das die Militärverwaltung in einen festen administrativen Rahmen einband.

Siehe auch[Bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Im Kaukasus leben etwa 50 Völker, die als Kaukasusvölker bezeichnet werden und kaukasische, indogermanische sowie altaische Sprachen sprechen. Ethnografisch und sprachwissenschaftlich zählt die Kaukasusregion zu den interessantesten Gebieten der Welt und wird daher als spezielles Kulturareal abgegrenzt. Die Siedlungsgebiete sind dabei häufig nicht scharf voneinander getrennt, was z. T. Ursache von Spannungen und kriegerischen Konflikten ist (z. B. Bergkarabach). Das Bild hat sich vor allem im 20. Jahrhundert erheblich gewandelt (Völkermord an den Armeniern unter osmanischer Herrschaft, Deportationen von Tschetschenen, Inguschen und anderen Ethnien in der Zeit des Stalinismus). Die Bewohner sind zum Teil Muslime, zum Teil Christen (russisch-, georgisch- oder armenisch-orthodox). Die armenische Kirche und georgische Kirche zählen zu den ältesten christlichen Kirchen der Welt. Beide Kirchen haben eine entscheidende Rolle als Träger und Bewahrer der nationalen Identität der beiden Völker unter jahrhundertelanger Fremdherrschaft (unter den Osmanen, Persern, Russen) gehabt.

Kontinentale Grenze[Bearbeiten]

In der Antike galt der Kaukasus als Grenze Europas. Inzwischen wird gemäß Philip Johan von Strahlenberg überwiegend die etwa 300 km nördlich vom Kaukasusgebirge gelegene Manytsch-Niederung als Grenze zwischen den Erdteilen betrachtet. Beide Festlegungen sind willkürlich und geographisch nicht fundiert.

Berge[Bearbeiten]

Der Elbrus von Osten
  1. Elbrus (5642 m), höchster Berg Russlands (Ostgipfel in Kabardino-Balkarien, höherer Westgipfel auf der Grenze Kabardino-Balkariens zur russischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien)
  2. Dychtau (5203 m), Russland (Kabardino-Balkarien)
  3. Schchara (5201 m), höchster Berg Georgiens (Swanetien)
  4. Koschtan Tau (5150 m), Russland (Kabardino-Balkarien)
  5. Pik Puschkin (5100 m), Russland (Kabardino-Balkarien)
  6. Dschangi (5058 m), Russland (Kabardino-Balkarien) Teile des Südhangs in Georgien
  7. Kasbek (5047 m), Georgien (Region Chewi), Westhang zum Teil in Russland (Nordossetien-Alanien)
  8. Mischirgi (5025 m), Russland (Kabardino-Balkarien)
  9. Katyn (4974 m), Russland (Kabardino-Balkarien)
  10. Schota Rustaveli (4960 m), Georgien (Swanetien), Grenze zu Russland (Kabardino-Balkarien)
  11. Kjukjurtlju, 4912 m, Russland, Dominanz-Referenzberg für den Mont Blanc
  12. Borowikow (4888 m), Russland (Kabardino-Balkarien)
  13. Gestola (4860 m), Georgien (Swanetien), Osthang in Russland (Kabardino-Balkarien)
  14. Tetnuldi (4858 m), Georgien (Swanetien)
  15. Uschba (4737 m), Georgien (Swanetien)
  16. Uilpata (4638 m), Russland (Nordossetien-Alanien)
  17. Tebulosmta (4493 m), Russland (Tschetschenien)
  18. Bazardüzü (4466 m), höchster Berg Aserbaidschans, an der Grenze zu Russland (Dagestan)
  19. Schachdagh (4243 m), Aserbaidschan
  20. Schalbusdag (4142 m), Russland (Dagestan)
  21. Aragaz (4090 m), höchster Berg Armeniens und höchster Berg des Kleinen Kaukasus
  22. Dombai (4046 m), Russland (Karatschai-Tscherkessien), an der Grenze zu Georgien (Abchasien)

Gewässer[Bearbeiten]

Die Entwässerung des Kaukasusgebirges ist vorwiegend radial. Die folgenden größeren Flüsse entspringen im Kaukasus:

Der Sewansee ist einer der größten Seen in der Region.

Fauna[Bearbeiten]

Der Kaukasus beherbergt eine reichhaltige Tierwelt. Zu den großen Säugetieren zählen Marale (eine Unterart des Rothirsches), Wildschweine, Gämsen und zwei endemischen Steinbock-Arten. Ebenfalls wild heimisch sind noch Bär, Wolf und Luchs. Extrem selten ist der Kaukasische Leopard (Panthera pardus ciscaucasica), der erst 2003 wiederentdeckt wurde. In historischer Zeit lebten hier auch Asiatische Löwen und Kaspische Tiger, diese wurden jedoch bereits kurz nach Christi Geburt ausgerottet. Eine Unterart des Europäischen Wisents, das Kaukasus-Wisent, starb 1927 aus. Wiedereingeführte Tiere, bei denen es sich allerdings um Hybriden mit Bisons handelt, leben im Kaukasus-Naturreservat im nordwestlichen Kaukasus. Das letzte Exemplar des Kaukasus-Elches wurde um 1810 getötet.

Neben den beiden erwähnten Steinböcken gibt es noch weitere Säugetiere die weitgehend oder vollständig auf diesen Gebirgskomplex beschränkt sind: Kaukasischer Maulwurf, Kolchisspitzmaus, Kaukasusspitzmaus, Kaukasische Zwergspitzmaus, Kaukasische Bachspitzmaus, Kaukasusmaus, Kaukasuskleinwühlmaus, Kaukasusziesel, Armenische-, Kasbek-, Westkaukasische- und Nordkaukasische Buschmaus. Die Mehrzahl dieser Arten ist sehr heimlich und unscheinbar. Abgesehen von den Buschmäusen haben sie alle nahe Verwandte in Europa und Asien von denen sie nur schwer zu unterscheiden sind. Eine ebenfalls kaum je sichtbare endemische Art ist die weitgehend unterirdisch lebende, sehr eigentümliche Prometheus-Maus. Sie ist mit den Schermäusen verwandt, bildet aber eine eigene Gattung. Das recht auffällige Kaukasische Eichhörnchen hat, entgegen seinen Namen, ein wesentlich weiteres Verbreitungsgebiet das auch den größten Teil der Türkei, die Levante und den nördlichen Irak und Iran umfasst.

Die beiden endemischen Vogelarten dieses Gebirges sind das Kaukasus-Birkhuhn und das Kaukasuskönigshuhn, wobei letzteres nur in den Hochlagen des Großen Kaukasus vorkommt. Im Kleinen Kaukasus und Talysh-Gebirge ist dagegen das auch noch weiter südlich verbreitete Kaspi-Königshuhn vertreten. Ob es berechtigt ist die Bergzilpzalpe dieser Region als eigene Art einzustufen, ist noch unklar. Zu den typischen Gebirgsvogelarten die in Europa recht weit verbreitet sind gehören unter anderem Alpendohle, Alpenkrähe, Schneesperling, Ringdrossel, Steinrötel, Alpenbraunelle, Alpensegler, Bergpieper und Mauerläufer. Besonders bemerkenswert sind Berggimpel und Riesenrotschwanz, die in den Gebirgen des zentralen und südlichen Asiens vorkommen und im Großen Kaukasus ihr weit entferntes westlichstes Brutvorkommen haben. Weitere hier bodenständige Vogelarten mit recht beschränkten und ungewöhnlichen Verbreitungsgebieten sind unter anderem Wacholderlaubsänger, Berghänfling und Rotstirngirlitz. Zu den großen Greifvögeln dieses Berglandes gehören Bart-, Gänse-, Schmutz- und Mönchsgeier, Stein-, Schrei-, Zwerg- und Schlangenadler.

Der Kaukasus ist sehr artenreich an wirbellosen Tieren, beispielsweise sind hier bisher rund 1000 Spinnenarten nachgewiesen.[9]

Flora[Bearbeiten]

Die unterschiedlichen physisch-geographischen und klimatischen Verhältnisse sowie die ausgeprägte Gliederung des Reliefs führt zu einem Reichtum an ökologischen Nischen. Im Bereich der oberen Waldgrenze findet man gewöhnliche Gebirgswiesenböden, Moorböden sowie Steppenlandschaften mit Schwarzerdeböden.[10] Im Kaukasus sind 6350 Blütenpflanzen-Arten heimisch, davon sind 1600 endemische Arten. Die endemischen Baum- und Straucharten sind in der Regel Tertiärrelikte eines feuchteren und wärmeren Klimas.[10] 17 Gattungen von Gebirgspflanzen sind nur hier vertreten:[4]

Gattungen, die im Kaukasus endemisch sind:

Der Riesen-Bärenklau, der in Europa als Neophyt der invasiven Art gilt, stammt aus dieser Region. Er wurde 1890 als Zierpflanze nach Europa importiert.

Die Biodiversität des Kaukasus schwindet mit alarmierender Beschleunigung. Die Gebirgsregion ist aus Sicht des Naturschutzes eine der 25 gefährdetsten der Erde.

Staaten und Verwaltungseinheiten[Bearbeiten]

Politische Situation in der Kaukasus-Region

Orte[Bearbeiten]

Städte im Kaukasus sind unter anderem:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Conradin Burga, Frank Klötzli und Georg Grabherr (Hrsg): Gebirge der Erde – Landschaft, Klima, Pflanzenwelt, Ulmer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4165-5
  • Bernhard Chiari (Hrsg.), Wegweiser zur Geschichte Kaukasus, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn u.a. 2008, PDF-Download 7 MB [1]
  • Zaur Gasimov: Kaukasus, Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz), 2011, Zugriff am: 22. Juni 2011.
  • Marie-Carin von Gumppenberg, Udo Steinbach: Der Kaukasus. Geschichte, Kultur, Politik, C.H. Beck, 2008, ISBN 978-3-406-56800-8
  • Olaf Haselhorst: Der Kaukasus als Objekt des russischen Kolonialismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Hamburg 1999
  • Horst-Günter Wagner: Erdöl und Erdgas in der Kaukasus-Kaspi-Region. In: Geographische Rundschau (Braunschweig, Westermann), Band 49, 1997, S. 355–361.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaukasus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kaukasus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexandar Loma: Zwischen Schnee und Adlern. Der Bergname Kaukasus und Dazugehöriges. In: Studia Etymologica Cracoviensia. Bd. 13 (PDF; 17,0 MB), Krakau 2008, S. 103–117
  2. a b c Conradin Burga, Frank Klötzli und Georg Grabherr (Hrsg): Gebirge der Erde – Landschaft, Klima, Pflanzenwelt, Ulmer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4165-5, S. 124
  3. Conradin Burga, Frank Klötzli und Georg Grabherr (Hrsg): Gebirge der Erde – Landschaft, Klima, Pflanzenwelt, Ulmer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4165-5, S. 126
  4. a b c d Conradin Burga, Frank Klötzli und Georg Grabherr (Hrsg): Gebirge der Erde – Landschaft, Klima, Pflanzenwelt, Ulmer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4165-5, S. 127
  5. a b c Sabine Reinhold: Die Spätbronze- und frühe Eisenzeit im Kaukasus. Bonn, Habelt 2007, S. 23
  6. a b Sabine Reinhold: Die Spätbronze- und frühe Eisenzeit im Kaukasus. Bonn, Habelt 2007, S. 24
  7. a b Sabine Reinhold: Die Spätbronze- und frühe Eisenzeit im Kaukasus. Bonn, Habelt 2007, S. 25
  8. Sabine Reinhold: Die Spätbronze- und frühe Eisenzeit im Kaukasus. Bonn, Habelt 2007, S. 330
  9. Caucasian Spiders » CHECKLISTS & MAPS
  10. a b Conradin Burga, Frank Klötzli und Georg Grabherr (Hrsg): Gebirge der Erde – Landschaft, Klima, Pflanzenwelt, Ulmer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4165-5, S. 125