Brigata di cavalleria “Pozzuolo del Friuli”

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Wappen der Brigade „Pozzuolo del Friuli“
Wappen 2. Kavallerieregiment
Wappen 4. Kavallerieregiment
Wappen 5. Kavallerieregiment
Wappen Artillerieregiment zu Pferde
Wappen 3. Pionierregiment

Die Kavalleriebrigade „Pozzuolo del Friuli“ ist eine mit gepanzerten Radfahrzeugen ausgerüstete Brigade des italienischen Heeres. Der Stab der Brigade befindet sich in Görz, die unterstellten Verbände sind hauptsächlich im Nordosten Italiens stationiert

Auftrag[Bearbeiten]

Die Brigade untersteht truppendienstlich dem Divisionskommando Friuli in Florenz. Sie übernimmt vorwiegend Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben bei multinationalen Friedenseinsätzen im Ausland oder bereitet sich dafür vor. Bei Bedarf führt die Brigade mit ihren sehr mobilen Verbänden Einsätze zur Raumsicherung oder Landesverteidigung auch in Süditalien oder in Auftrag der NATO auf deren Bündnisgebiet durch.

Gliederung[Bearbeiten]

Alle Regimenter der Brigade haben Bataillonsstärke. Da der Brigadestab aufgelöst werden soll, kommen die hier genannten Regimenter zu anderen Brigaden. Piemonte Cavalleria geht an die Alpini-Brigade Julia, die Lancieri di Novara an die Panzerbrigade Ariete, der Rest an die Luftbewegliche Brigade Friuli. Letztere soll auch Namen und Traditionen der Kavalleriebrigade Pozzuolo del Friuli übernehmen.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Die Kavallerieregimenter Genova, Piemonte und Novara verfügen über Radpanzer vom Typ Centauro, über Spähpanzer vom Typ Puma (4x4) und daneben u.a. über Motorräder der Marke Cagiva. Die Lagunari haben ebenfalls Panzerfahrzeuge (AFV) vom Typ Puma, jedoch in der Transportvariante 6x6, und darüber hinaus amphibische Panzer vom Typ AAV7. Als Mehrzweckfahrzeug dient der neue VTLM Lince. Das Artillerieregiment ist mit der Feldhaubitze FH-70 (155 mm) ausgerüstet.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Brigade wurde am 7. März 1835 als 2. Kavalleriebrigade im Königreich Sardinien-Piemont aufgestellt. Bis 1870 unterstanden ihr zu verschiedenen Zeiten fast alle Kavallerieregimenter des piemontesischen und italienischen Heeres. Während des Ersten Weltkriegs kämpften ihre Verbände als Teil der 1. Kavalleriedivision meist abgesessen. Nach dem deutsch-österreichisch-ungarischen Durchbruch in der Zwölften Isonzoschlacht opferte man die Brigade (bestehend aus den Regimentern Genova Cavalleria und Lancieri di Novara) am 29. und 30. Oktober 1917 bei Pozzuolo del Friuli im Friaul in einer sehr verlustreichen Kavallerieattacke, die zum geordneten Rückzug der 3. italienischen Armee vom Isonzo zum Piave beitrug. Nach ihrer Neuordnung wurde die Brigade im Juni 1918 in der Zweiten Piaveschlacht eingesetzt und schließlich Anfang November 1918 in Verfolgungskämpfen nach der Schlacht von Vittorio Veneto.

Ab 1930 bildete die 2. Kavalleriebrigade mit ihren drei Regimentern den Kern der teilweise motorisierten 2. schnellen Division (2ª Divisione celere), einer ehemaligen Kavalleriedivision des Ersten Weltkriegs. 1934 erhielt die Division und damit die 2. Brigade den Beinamen Emanuele Filiberto Testa di Ferro. 1938 entfiel die Brigadeebene, womit deren Traditionen und Regimenter von der Division übernommen wurden. 1940 bestand sie aus zwei Kavallerieregimentern, einem Bersaglieri- und aus einem Artillerieregiment und kleineren Verbänden und Einheiten. Im Zweiten Weltkrieg nahm die Division an dem von der deutschen Wehrmacht angeführten Jugoslawienfeldzug teil und diente danach in Jugoslawien und Südfrankreich als Besatzungstruppe. 1941 und 1942 musste die Division immer wieder Truppenteile an andere Verbände in Nordafrika und in der Sowjetunion abgeben. Im September 1943 machte sich die Division auf den Weg zurück nach Italien. Nach dem Waffenstillstand von Cassibile wurde sie am 12. September 1943 bei Cuneo aufgelöst.

Im Kalten Krieg[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1953 wurde in Rom die Panzerdivision Pozzuolo del Friuli aufgestellt. Nach der Ariete und der Centauro war es die dritte und letzte Neuaufstellung einer Division dieser Art. Bereits 1957 wurde die Division wieder aufgelöst und dafür am 1. April 1957 in Gradisca d’Isonzo eine neue gepanzerte Kavalleriebrigade des V. Korps aufgestellt, die Anfang 1959 den Namen Pozzuolo del Friuli erhielt und 1964 ihren Stab nach Görz verlegte, 1975 dann nach Palmanova. Nach der Heeresreform von 1975, mit der die Regimentsebene abgeschafft wurde, bestand die Panzerbrigade Pozzuolo del Friuli aus der mechanisierten 4. Kavallerie-Abteilung (Bataillon) Genova Cavalleria in Palmanova, aus den Panzerabteilungen 5. Lancieri di Novara in Codroipo und 28. Cavalleggeri di Treviso in Palmanova, aus der 120. Panzerartillerieabteilung (Bataillon) Po in Palmanova sowie aus einigen Unterstützungs- und Versorgungseinheiten. Ausgerüstet waren diese Verbände mit Kampfpanzern vom Typ Leopard 1, mit einer modifizierten Version des Transportpanzers M113 und mit M109-Panzerhaubitzen. Im Kalten Krieg hatte die Panzerbrigade die Aufgabe, bei einem eventuellen Angriff der Kräfte des Warschauer Pakts diese nach einem Durchbruch bei Görz oder Udine abzufangen und zu bremsen und sie in für die Verteidigung vorteilhafte Räume zu zwingen, wo sie von der Panzerdivision Ariete in einem Gegenangriff vernichtet oder zumindest so weit geschwächt werden sollten, dass sie am Piave zusammen mit Reservekräften definitiv zum Stehen gebracht werden konnten.

Radpanzer Centauro

Nach 1990[Bearbeiten]

Anfang der 1990er Jahre ersetzte die Brigade ihre Kettenfahrzeuge mit Radpanzern vom Typ Centauro und Puma und änderte bei dieser Gelegenheit ihre Bezeichnung von Panzerbrigade in Kavalleriebrigade. Die Abteilungen oder Bataillone nahmen aus Traditionsgründen wieder die Bezeichnung Regiment an. Die Brigade verlor das Regiment Cavalleggeri di Treviso und das genannte Artillerieregiment, erhielt aber dafür von der in Villa Opicina aufgelösten Panzerkavalleriebrigade Vittorio Veneto das traditionsreiche Kavallerieregiment Piemonte Cavalleria in Villa Opicina und das 8. Artillerieregiment Pasubio in Banne bei Triest. Im Jahr 2000 erhielt die Brigade das Lagunari-Regiment in Venedig als amphibische Komponente, 2005 dann das Artillerieregiment zu Pferde in Mailand. In der Zwischenzeit war der Brigadestab wieder nach Görz gezogen.

Von 1992 bis 1994 wurden Teile der Brigade auf Sizilien zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit eingesetzt. 1994 nahm eine Eskadron der Lancieri di Novara im Rahmen der Unified Task Force an einem Militäreinsatz in Somalia teil. In den Jahren danach operierte die Brigade oder einzelne unterstellte Verbände und Einheiten in Bosnien und Herzegowina (SFOR), in Albanien und im Kosovo (KFOR). Ab Mitte der 1990er Jahre war die Brigade auch als Panzeraufklärungskomponente des Allied Command Europe Rapid Reaction Corps (ARRC) eingeplant. 2004 operierte die Pozzuolo del Friuli als Leitverband für multinationale Verbände im Irak. Ab 2006 wurde sie im Rahmen der UNIFIL mehrmals im Libanon eingesetzt, zuletzt in der zweiten Hälfte des Jahres 2013.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paolo Gaspari: La battaglia dei gentiluomini. Pozzuolo e Mortegliano il 30 ottobre 1917. Gaspari Editore, Udine 2013.

Weblinks[Bearbeiten]