Kaze Tachinu

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Kaze Tachinu
Originaltitel 風立ちぬ
Transkription Kaze Tachinu
Kaze tachinu title.jpg
Manga
Land JapanJapan Japan
Autor Hayao Miyazaki
Verlag Dainihon Kaiga
Magazin Model Graphix
Erstpublikation 25. Februar 2009 – 25. November 2009
Anime-Film
Titel Wie der Wind sich hebt
Produktionsland JapanJapan Japan
Originalsprache Japanisch
Erscheinungsjahr 2013
Studio Studio Ghibli
Länge 126 Minuten
Altersfreigabe FSK 6[1]
Regie Hayao Miyazaki
Drehbuch Hayao Miyazaki
Produktion Toshio Suzuki
Musik Joe Hisaishi
Synchronisation

Kaze Tachinu (jap. 風立ちぬ, dt. „der Wind hat sich erhoben“), international auch The Wind Rises, ist ein Manga von Hayao Miyazaki, der von dessen Studio Ghibli auch als Anime-Film, umgesetzt wurde und am 20. Juli 2013 in die japanischen sowie am 17. Juli 2014 als Wie der Wind sich hebt in die deutschen Kinos kam. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet und war in Japan auch kommerziell sehr erfolgreich. Film und Comic sind ein Porträt des Flugzeugkonstrukteurs Jirō Horikoshi – die Handlung ist jedoch weitgehend fiktiv.

Handlung[Bearbeiten]

Der Flugzeugkonstrukteur Jiro Horikoshi wuchs in den 1920er Jahren in Japan auf. Er erlebte das Kantō-Erdbeben 1923, die Wirtschaftskrise und den Aufstieg des Imperialismus im Kaiserreich Japan. Bereits in der Schulzeit interessierte sich Horikoshi für Flugzeuge. In Träumen wird ihm der italienische Flugzeugbauer Gianni Caproni zum Vorbild. Als er bei Mitsubishi zu arbeiten beginnt, wird der ältere Kurokawa sein Mentor. Horikoshi arbeitet sich nach oben. Zugleich freundete er sich mit Naoko Satomi an, die er beim Erdbeben kennenlernte. Schließlich heiraten beide, doch Naoko leidet an Tuberkulose. So lebt Horikoshi zwischen der Pflege seiner Frau und dem Entwurf von Kriegsflugzeugen. Seine bedeutendsten Konstruktionen werden die Mitsubishi A5M und Mitsubishi A6M, die – bekannt als „Zero“ – das leistungsfähigste japanische Jagdflugzeug seiner Zeit ist.[2][3]

Entstehung und Veröffentlichung des Mangas[Bearbeiten]

Der von Hayao Miyazaki gezeichnete Manga erschien beim Verlag Dainihon Kaiga in dessen Modellbau-Magazin Model Graphix von Ausgabe 4/2009 (25. Februar 2009) bis 1/2010 (25. November 2009), in dem bereits sein Manga Hikōtei Jidai, die Vorlage zu Porco Rosso, erschien. Das Werk besteht aus neun Kapiteln und basiert in Teilen auf Tatsuo Horis gleichnamiger Novelle. Eine Szene, in der Horikoshi vor den Eroberungsplänen Hitlers gewarnt wird, verweist auf Thomas Manns Der Zauberberg.[2]

Das Porträt eines Konstrukteurs von Kriegswaffen war nicht nur nach Veröffentlichung des Films umstritten, sondern auch Miyazaki selbst war sich zunächst unsicher. Als er jedoch hörte, dass Horikoshi gesagt haben soll, dass er nur etwas wunderschönes schaffen wollte, beschloss Miyazaki sein Leben zum Thema zu machen. Dabei sollte das Leben des Konstrukteurs nicht beurteilt werden, sondern sein Schaffen und seine Hingabe für die Technik gezeigt.[4] In einem Interview mit der Asahi Shimbun betonte Miyazaki, dass zwar der Krieg dumm gewesen sei, die „Zero“ aber zu den wenigen Leistungen aus dieser Zeit gehöre, auf die man stolz sein könne. Der Regisseur selbst ist seit seiner Kindheit begeistert von Kriegsflugzeugen.[5] Bereits im Film Porco Rosso, um einen italienischen Piloten und Luftpiraten, hatte Miyazaki seiner Begeisterung für Flugzeuge Ausdruck verliehen. Auch in Filmen wie Nausicaä aus dem Tal der Winde oder Kikis kleiner Lieferservice hat das Fliegen eine besondere Bedeutung.

Kinofilm[Bearbeiten]

Produktion[Bearbeiten]

Der Film entstand unter der Regie und nach dem Drehbuch von Hayao Miyazaki. Der Oscar-Preisträger und Gründer des Studios Ghibli kündigte an, dass dieser Film nach über fünf Jahren Produktionszeit sein letztes Werk sein werde.

“My work is really about sitting at the desk and drawing. And at my age [72], you just reach a point when you have to put down the pencil a bit earlier each day and go home.”

„Meine Arbeit besteht im Prinzip darin am Tisch zu sitzen und zu zeichnen. In meinem Alter (72) erreicht man dann einen Punkt, wo man den Stift jeden Tag ein wenig früher niederlegen muss und nach Hause geht.“

Hayao Miyazaki[6]

Das Charakterdesign entwarf Kitaro Kōsaka und die künstlerische Leitung lag bei Yōji Takeshige. Als Produzent war Toshio Suzuki tätig. Die Musik komponierte, wie bei Studio Ghibli üblich, Joe Hisaishi. Neben Hisaishis Kompositionen wird das Lied Hikōki-gumo (ひこうき雲) von Yumi Matsutoya aus dem Jahr 1973 verwendet.

Synchronisation[Bearbeiten]

Rolle Japanische Stimme (Seiyū)
Jirō Horikoshi Hideaki Anno
Naoko Satomi Miori Takimoto
Honjō Hidetoshi Nishijima
Hattori Jun Kunimura
Jirōs Mutter Keiko Takeshita
Caproni Mansai Nomura
Kurokawa Masahiko Nishimura
Kayo Horikoshi Mirai Jita
Satomi Morio Kazama
Kurokawas Frau Shinobu Ōtake
Castorp Stephen Alpert

Veröffentlichung[Bearbeiten]

Der Film kam am 20. Juli 2013 in die japanischen Kinos. Es folgte im September die Premiere in Taiwan sowie die Vorführung bei den 70. Internationalen Filmfestspiele von Venedig und dem Toronto International Film Festival. Walt Disney hält die Veröffentlichungsrechte außerhalb Asiens und will den Film ab dem 21. Februar 2014 in größerem Umfang in Nordamerikanischen Kinos zeigen. Im November 2013 gab es bereits einige Vorführungen in Los Angeles, sodass Kaze Tachinu zur Oscarverleihung 2014 zugelassen war.[7]

Am 17. Juli 2014 wird der Film von Universum Anime unter dem Namen Wie der Wind sich hebt in den deutschen Kinos auf der Leinwand zu sehen sein.[8]

Rezeption[Bearbeiten]

Bis 11. September 2013 spielte der Film in Japan 10 Milliarden Yen (75 Mio. €) ein, was als letztem japanischen Film vor fünf Jahren Ponyo – Das große Abenteuer am Meer – ebenfalls von Hayao Miyazaki – gelang. Die Ticketverkäufe zogen dabei nach Miyazakis Bekanntgabe seines Rückzugs an.[9]

Kaze Tachinu gewann folgende Auszeichnungen:

Für diverse weitere Preise war oder ist der Film nominiert, darunter der Wettbewerb der 70. Internationalen Filmfestspiele von Venedig.

In Japan und Südkorea wurde der Inhalt des Films kontrovers diskutiert. So wird eine zu unkritische Darstellung der Hauptfigur und der Produktion der Kriegsflugzeuge kritisiert, bei der auch Zwangsarbeiter aus China und Korea eingesetzt wurden.[4] Miyazaki sagte dazu, dass Horikoshi selbst dem Militär nicht positiv gegenüberstand und es auch zurückwies. Er habe in dieser Zeit gelebt und wollte darin seine Träume verwirklichen, sei damit aber nicht für alles verantwortlich, was in dieser Zeit geschah. Zugleich wurde der Film von japanischen Nationalisten für die negative Darstellung des Krieges kritisiert. Ärzte protestierten außerdem dagegen, dass im Film häufig geraucht werde, selbst in Szenen, die die Krankheit von Horikoshis Frau behandeln.[5]

Die große handwerkliche Qualität des Films wurde von vielen Kommentatoren gelobt.[4] Lou Lumenick von der New York Post schreibt, der Film sei weniger an Kinder, als an ein erwachsenes Publikum gerichtet. Der prächtig umgesetzte Film biete eine gelungene Verbindung von realen Geschehnissen und Personen und einer im Wesentlichen fiktiven Handlung.[2] Mark Schilling von der Japan Times vergleicht den eher nostalgischen Film mit Porco Rosso. Die Grundzüge der Handlung, der Aufstieg eines talentierten und tüchtigen jungen Mannes und eine Liebe, die vom Schicksal getrennt wird, seien altbekannt, jedoch gut umgesetzt. Die Charakterisierung Horikoshis als schlauen, nerdigen Typ, der aber auch mutig und aufgeschlossen ist, wird positiv hervorgehoben. In seinem Aufstieg habe Horikoshi auch etwas von Miyazaki selbst. So bilde der Film schließlich ein gelungenes Ende der Karriere des Regisseurs.[3]

„Dass er sich mit einem imposanten, melancholischen Kunstwerk mit politischem Anspruch verabschiedet, unterstreicht einmal mehr, was für eine Leitfigur Miyazaki für den Animationsfilm ist - und es auch lange nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn bleiben wird.“

Moritz Piehler: Spiegel Online[13]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, 7. Juli 2014, abgerufen am 17. Juli 2014 (PDF, Prüf-Nr.: 145 759 K): „Freigegeben ab 6 Jahren“
  2. a b c Lou Lumenick: ‘The Wind Rises’ another stunning animated masterpiece. New York Post, 7. November 2013, abgerufen am 16. Dezember 2013.
  3. a b Mark Schilling: Kaze Tachinu (The Wind Rises). Ghibli's Miyazaki soars into different skies. Japan Times, 18. Juli 2013, abgerufen am 29. Mai 2014 (englisch).
  4. a b c Moeko Fujii: Miyazaki’s Film ‘The Wind Rises’ Spurring Mixed Emotions. Wall Street Journal Japan, 26. Juli 2013, abgerufen am 17. Juli 2014.
  5. a b Justin McCurry: Japanese animator under fire for film tribute to warplane designer. The Guardian, 23. August 2013, abgerufen am 17. Juli 2014.
  6. Joshua Hunt: Acclaimed Japanese Animation Director Puts Down Pencil. New York Times, 6. September 2013, abgerufen am 18. November 2013 (englisch).
  7. Rebecca Keegan: Miyazaki's 'The Wind Rises' to get Oscar-qualifying run in November. Los Angeles Times, 11. September 2013, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  8. Björn Becher: "Wie der Wind sich hebt": Der letzte Film von Anime-Meister Hayao Miyazaki kommt in die deutschen Kinos. filmstarts.de, 28. Mai 2014, abgerufen am 28. Mai 2014.
  9. The Wind Rises Is 1st Japanese Film to Top 10 Billion Yen Since Ponyo. In: Anime News Network. 12. September 2013, abgerufen am 7. Dezember 2013 (englisch).
  10. 2013 EDA Award Nominess. Alliance of Women Film Journalists, 11. Dezember 2013, abgerufen am 11. Dezember 2013.
  11. a b Miyazaki's The Wind Rises Wins Awards From 2 Critic Boards. In: Anime News Network. 5. Dezember 2013, abgerufen am 7. Dezember 2013 (englisch).
  12. Hayao Miyazaki Wins Annie Award for Writing The Wind Rises. In: Anime News Network. 2. Februar 2014, abgerufen am 6. Februar 2014 (englisch).
  13. Moritz Piehler: Wie der Wind sich hebt. Die Katastrophe wird kommen. In: Kultur. Spiegel Online, 16. Juli 2014, abgerufen am 17. Juli 2014.