KdF-Wagen

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Porsche Typ 60 von 1936 - Prototyp V3 des KdF-Wagens. Rekonstruktion im ZeitHaus der Autostadt Wolfsburg.
„Erholung am Flussufer“ - Familie mit KdF-Wagen und tragbarem Radio, (um 1940)
KdF-Wagen auf einer Autobahn, Januar 1943

Der als Volkswagen im Wortsinne geplante KdF-Wagen war eines der wichtigsten Projekte der nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF). Das Auto sollte mit 990 Reichsmark (entspricht heute 3.970 EUR)[1] für jedermann erschwinglich sein. Als Urheber des VW-Käfer-Vorläufers gilt Ferdinand Porsche. Seine Konstruktion basierte maßgeblich auf Entwürfen des V 570 von Tatra und des österreichischen Autokonstrukteurs Béla Barényi.[2][3]

Am 1. August 1938 wurde von Reichsleiter Robert Ley in Leverkusen verkündet, dass Interessierte wöchentlich Sparmarken für den KdF-Wagen im Wert von fünf Mark erwerben können, nach Erreichen der Kaufsumme sollten sie ein Fahrzeug erhalten.[4] Es wurden Sparkarten ausgegeben, die anfänglich gelb (mit roten Marken) und ab Ende 1941 blau (mit grünen Marken) waren.[5] Die „KdF-Sparer“ erhielten zusätzlich einen Prospekt.

Zur Herstellung des Wagens wurde am 26. Mai 1938 nahe Fallersleben mit dem Bau des Volkswagen-Werks begonnen und am 1. Juli 1938 eine neue Stadt mit Namen Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben - das spätere Wolfsburg - gegründet.[6][7]

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Fertigung des KdF-Wagens als ziviler Pkw jedoch zugunsten von Rüstungsgütern wie dem „KübelwagenTyp 82, dem „Kommandeurwagen" Typ 87 mit Allradantrieb oder dem „Schwimmwagen" Typ 166, die allesamt auf dem KdF-Wagen basierten, zurückgestellt. Der Kommandeurwagen wurde 1940 in nur vier Exemplaren gefertigt. Er hatte einen Vierzylinder-Boxermotor mit 1131 cm³ Hubraum und 24,5 PS. Er war 10 cm breiter als der normale VW. Mit einem dieser Wagen war Generalfeldmarschall Erwin Rommel in Afrika unterwegs. Ein Exemplar steht im Porschemuseum Helmut Pfeifhofer in Gmünd in Kärnten.

Keiner der „KdF-Sparer“ erhielt ein privates Fahrzeug; die 630 gebauten Wagen wurden an das Deutsche Afrikakorps, die Luftwaffe, zivile Dienststellen sowie später auch an die britische Besatzungsmacht abgegeben.[8]

Nach dem Krieg verloren die Anrechtsscheine im Wert von über 280 Millionen Reichsmark, die von etwa 340.000 Personen (davon 70.000 nach 1939) erworben worden waren, ihren Wert.[9] Viele Sparer versuchten ab 1948, ihre Ansprüche mit juristischen Mitteln durchzusetzen. Da das Volkswagenwerk aber nie in Besitz der Gelder gelangte, die auf einem Sperrkonto der Bank der Deutschen Arbeit verbucht waren, endeten die Prozesse 1961 unter Ausschluss eines Rechtsanspruches mit dem Angebot der Volkswagenwerk AG, den „KdF-Sparern“ einen Rabatt von 600 DM (entspricht heute 1.290 EUR) beim Kauf eines Fahrzeugs zu gewähren, was knapp einem Sechstel des Neupreises entsprach. Wer sich keinen neuen Wagen kaufen wollte oder konnte, erhielt 100 DM ausbezahlt.

Am 15. Juli 1945 wurde die Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben in Wolfsburg umbenannt und das Volkswagenwerk begann (zunächst unter Leitung der britischen Besatzungsmacht) mit der Serienproduktion des nun Volkswagen genannten KdF-Wagens, des späteren VW Käfer.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Der KdF-Wagen von A bis Z. Ein Handbuch vom KDF-Wagen. 1. Auflage, Reprint der Originalausgabe Breidenstein, Frankfurt am Main 1941, Delius Klasing, Bielefeld 2006, ISBN 978-3-7688-1831-5.
  • Paul Schilperoord: Die wahre Geschichte des VW-Käfers. Wie die Nazis Josef Ganz die VW-Patente stahlen (Originaltitel (niederländisch): Het ware verhaal van de Kever, 2009, Veen Magazines), Orell Füssli, Zürich 2011, ISBN 978-3-7193-1565-8.
  • Horst Mönnich: DIE AUTOSTADT. Roman des Volkswagens. Vollständig überarbeitete Neuausgabe, München 2011. ISBN 978-3-939569-05-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 10 Euro gerundet und bezieht sich auf den vergangenen Januar.
  2. Handelsblatt: Béla Barényi war der geistige Vater des VW-Käfers, 1. März 2007
  3.  Béla Barényi,. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1997 (9. Juni 1997, online).
  4. Bericht in der Freiburger Zeitung vom 1. August 1938
  5. KdF-Wagen - Sparkarten
  6. Walter Krämer, Götz Trenkler und Denis Krämer: Das neue Lexikon der populären Irrtümer, Frankfurt am Main, Eichborn, 1998, S. 365.
  7. Chronik der Stadt unter www.wolfsburg.de
  8. Hans Mommsen und Manfred Grieger: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, ECON Verlag, Düsseldorf 1996, ISBN 3-430-16785-X, S.1032, Tabelle 11
  9. Hans Mommsen, Manfred Grieger: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, ECON Verlag, Düsseldorf 1996, ISBN 3-430-16785-X, S. 198.