Kehnert

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Dieser Artikel behandelt den Ortsteil der Stadt Tangerhütte in Sachsen-Anhalt. Zum preußischen Offizier und Minister siehe Friedrich Wilhelm von der Schulenburg-Kehnert.

52.3411.85305555555649Koordinaten: 52° 20′ 24″ N, 11° 51′ 11″ O

Kehnert
Wappen von Kehnert
Höhe: 49 m
Fläche: 9,3 km²
Einwohner: 371 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 31. Mai 2010
Postleitzahl: 39517
Vorwahl: 039366

Kehnert ist ein Ortsteil der Stadt Tangerhütte im äußersten Süden des Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort liegt am erhöhten linken Ufer der Elbe, die südlich und westlich zahlreiche Altarme hinterlassen hat. Die Städte Tangerhütte, Tangermünde und Stendal liegen nördlich von Kehnert. Das waldreiche Gebiet zwischen Elbe und Tanger ist überwiegend flach. Die Elbe bildet die Grenze zum Landkreis Jerichower Land, im Westen gehört ein rund fünf Quadratkilometer großes Gebiet eines verzweigten Elbe-Seitenarmes zum Ort. Es ist vom Landkreis Börde fast vollständig umgeben und grenzt elbseitig an den Landkreis Jerichower Land, die Exklave liegt also außerhalb des Landkreises Stendal.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Kehnert

1306 wurde der Ort als Konre in einem Landbuch erwähnt. Die Kirche entstand 1830 als Fachwerkbau und wurde 1886 erweitert.

Das Schloss in Kehnert wurde 1803 vom preußischen Minister Friedrich Wilhelm Graf von der Schulenburg nach Plänen von Carl Gotthard Langhans erbaut – heute befindet sich eine Pension mit Ferienwohnungen auf dem Gelände.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Kehnert zeitweise eine Porzellanfabrik, eine Ziegelei und eine Brennerei. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten viele Familien von der Fischerei und der Elbschifferei.

Zwischen Sandfurth und Kehnert wurden in der DDR-Zeit wegen der flachen, sandigen Uferbereiche zahlreiche militärische Übungen und Manöver durchgeführt (Unterwasserfahrten der Panzer, Durchquerungen der Schützenpanzerwagen, Brückenbau durch Pioniereinheiten). Die Natur hat sich seit dieser Zeit regeneriert und man kann inzwischen neben Weiß- und Schwarzstörchen auch Biber, Kraniche und Fischreiher beobachten.

Im Rahmen der Dorferneuerung wurden in den letzten Jahren die Straßen und Gehwege neu gebaut bzw. saniert. Durch Eigeninitiative konnte das Feuerwehrhaus um- und ausgebaut werden.

Am 31. Mai 2010 schloss sich Kehnert mit den übrigen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Tangerhütte-Land zur neuen Stadt Tangerhütte zusammen.[1]

Zu den Traditionen in Kehnert gehört das jährlich stattfindende Elbfest (mit Kleintraktorenumzug).

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Kehnert war Jürgen Schröder.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt von Silber über Blau; oben schwebend ein rundbogig geschwungenes rotes Gattertor zwischen zwei höheren spitzbedachten Pfeilern und zwei kleineren Rundbogentoren; unten ein gesenkter silberner Anker, beseitet von zwei zugewendeten silbernen Fischen.“[2]

Das Kehnerter Wappen berücksichtigt die Besonderheit dieses Dorfes, denn historisch gesehen, ist Kehnert kein Bauern-, sondern ein Schifferdorf. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten sich hier vorwiegend Binnenschiffer an, verbrachten in Kehnert den Winterstand oder lebten als Pensionäre. Es bestanden Anlegestellen an der Elbe, zu der auch eine gepflasterte Straße führte, während ein Weg zu den nächsten Orten führte. Neben der Schifffahrt und in geringem Maße der Fischerei war in Kehnert das alte Gut wesentlich. Viele Kehnerter arbeiteten für das Gut oder den damit verbundenen Unternehmen (zum Beispiel die Ziegelei und Gärtnerei).

Die Elbschifffahrt, die Fischerei und das Rittergut haben das Dorf über lange Zeit geprägt. Es war darum Beschluss des Gemeinderats von Kehnert, Symbole dieser Themen im Wappen zu führen. Dazu wurden von dem Kehnerter Malermeister Heinz Odemar mehrere Entwürfe gezeichnet und von dem Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch heraldisch bearbeitet, von denen am 8. Februar 2000 der Gemeinderat das hier dargestellte Wappen beschlossen hat.

Das Rittergut wird durch sein charakteristisches Tor im oberen Schildteil repräsentiert. Die Elbschifffahrt drückt sich im silbernen Anker auf blauem unteren Schildteil aus, während die beiden Fische Bezug auf die Fischerei und den bis heute ausgeprägten Angelsport nehmen.

Als Ortsfarben gelten Weiß-Blau.

Flagge[Bearbeiten]

Die Ortsteilflagge ist weiß - blau gestreift (Hissflagge: Streifen senkrecht verlaufend) mit dem aufgelegten Wappen der Gemeinde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • ehemaliges Schloss

Gedenkstätte[Bearbeiten]

  • Grabstätte auf dem Ortsfriedhof für sechs hier bestattete unbekannte KZ-Häftlinge eines Todesmarsches, die im April 1945 von SS-Männern ermordet wurden

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Kehnert sind zwei Handwerksbetriebe ansässig.

Verkehr[Bearbeiten]

Kehnert liegt am südlichen Ende der Elbuferstraße, die nach Norden über Tangermünde bis Arneburg verläuft. Des Weiteren bestehen Straßenverbindungen über Cobbel nach Tangerhütte und über Mahlwinkel zur Bundesstraße 189. Im acht Kilometer entfernten Mahlwinkel bestehen Bahnanschlüsse nach Magdeburg und Stendal. Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus.

Töchter und Söhne der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Otto Weckerling (1910–1977), Radrennfahrer und Sportlicher Leiter, nach 1945 Bürgermeister von Kehnert[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amtsblatt für den Landkreis Stendal vom 30. Mai 2010 (PDF; 2,0 MB)
  2. Hauptsatzung der ehemaligen Gemeinde § 2 Absatz 1 (PDF; 7 kB)
  3. Otto Weckerling auf uni-magdeburg.de