Keimzeit
| Keimzeit im Jahr 2013 | ||
| Allgemeine Informationen | ||
| Genre(s) | Rock | |
|---|---|---|
| Gründung | 1980 als Gruppe Jogger 1982 Umbenennung in Keimzeit |
|
| Website | http://www.keimzeit.de/ | |
|
|
||
| Norbert Leisegang | ||
| Hartmut Leisegang | ||
| Roland Leisegang | ||
|
Gesang
|
Marion Leisegang (1980–1985, 1986–1989) | |
|
|
||
|
Gesang, Gitarre
|
Norbert Leisegang | |
|
Bass
|
Hartmut Leisegang | |
|
Gitarre, Gesang
|
Martin Weigel | |
| Andreas „Spatz“ Sperling (seit 1993) | ||
| Sebastian Piskorz | ||
|
|
||
|
Keyboard
|
Matthias Opitz (1989–1993) | |
|
Gitarre
|
Ulrich „Ulle“ Sende (1984–2003) | |
| Ralf Benschu (1990–2009) | ||
|
Gitarre
|
Rudi Feuerbach (2003–2011) | |
|
Schlagzeug
|
Roland Leisegang (1980–2012) | |
Keimzeit ist eine deutsche Rockmusikgruppe, die 1980 in Lütte unter dem Namen Jogger gegründet wurde.
Inhaltsverzeichnis |
Bandgeschichte [Bearbeiten]
Die frühen Jahre [Bearbeiten]
Ende der 1970er Jahre traten die vier Geschwister Norbert, Hartmut, Roland und Marion Leisegang aus dem Ort Lütte bei Bad Belzig bei Familienfeiern und in Kneipen auf. 1980 formierten sie sich unter dem Namen Jogger zu einer Band, die 1982 in Keimzeit umbenannt wurde.
Norbert Leisegang wurde zum Frontmann. Er begann zudem, Songs mit deutschen Texten zu schreiben. Das trug stark zum Erfolg der Band bei. 1984 kam Ulrich „Ulle“ Sende als Lead-Gitarrist hinzu. Marion Leisegang verließ die Band 1985 vorübergehend aufgrund der Geburt ihres ersten Kindes. 1989, nach der Geburt ihres zweiten Kindes, stieg sie endgültig aus. 1989 wurde Matthias Opitz (Piano, Keyboard, Orgel) festes Bandmitglied.
In den 1980er Jahren erspielte sich die Band auf tausenden Konzerten eine treue Fangemeinde, vor allem im jetzigen Bundesland Brandenburg. Konzerte mit mehr als fünf Stunden Spieldauer waren keine Seltenheit. Die Abende wurden – über den eigentlichen Auftritt hinaus – zu teilweise sehr alkohollastigen Partys. Die Auftritte wurden zudem meist abseits vom staatlich gelenkten Musikgeschäft der DDR organisiert, zum Beispiel in Dorfkneipen mit ihren alten Veranstaltungssälen. Ende der achtziger Jahre wurde der Band kurzzeitig die Spielerlaubnis durch die staatliche Künstlerorganisation entzogen. Texte der Titel Mama sag mir, warum und Frau aus Gold waren hier die Begründung. Stilistisch war die Musik der frühen Jahre typischer DDR-Bluesrock, der durch die teilweise sehr poetischen Texte seine spezielle Note erhielt. Aus dieser Zeit stammt auch ihr Hit Kling Klang, der erst 1993 auf einem Album erschien. Zum Repertoire gehörten auch Klassiker der internationalen Blues- und Rockmusik.
Die Wende-Zeit [Bearbeiten]
Erst 1988 erhielt Keimzeit beim Rundfunk der DDR die Gelegenheit, Lieder professionell aufzunehmen. Seitdem wurden sie auch im Radio gespielt – vor allem beim Jugendradio „DT64“. Die Aufnahmen wurden jedoch erst 1990 als Debüt-Album Irrenhaus bei der Hansa Berlin veröffentlicht. Ralf Benschu (Saxophon, Flöte, Klarinette) wurde im selben Jahr festes Bandmitglied; bereits seit 1986 war er als Gastmusiker dabei.
Mit dem Titelstück des Albums gelang der Band ein „Wendehit“: Textzeilen wie „… Irre ins Irrenhaus, die Schlauen ins Parlament. Selber schuld daran, wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt …“ sprachen vielen DDR-Bürgern aus dem Herzen. Elf 99, die Jugendsendung des DDR-Fernsehens, produzierte zudem ein Video zum Titel Flugzeuge, der die metaphorische Wirkung des Liedes in Bezug auf die Wendewirren noch unterstützte: Bei der Textzeile „… eingepudert und abgestellt: der Chef …“ sieht man beispielsweise ein scheinbar achtlos in die Ecke gestelltes Bild Erich Honeckers. Darüber hinaus tourte die Band weiter intensiv durch die (Noch-) DDR und trat mehrfach im Fernsehen und im Radio auf.
Nebenberuflich war Günter Baaske, der später als SPD-Politiker bekannt wurde, von 1989 bis 1999 als Manager der Band tätig (Spitzname „Hugo“).
1991 bis 1996 [Bearbeiten]
1991 erschien bei Hansa/BMG das zweite Album Kapitel Elf, das stilistisch dem Debüt-Album weitgehend folgte. Im Februar 1993 verließ Matthias Opitz die Band und wurde von Andreas „Spatz“ Sperling abgelöst. Im selben Jahr erschien das dritte Album Bunte Scherben (noch mit Opitz an den Tasteninstrumenten), auf dem die Band stilistische Ausflüge in südamerikanische Rhythmik unternahm. Auf diesem Album ist auch ihr bekanntestes Lied Kling Klang zu finden. Außerdem war die Band weiter ununterbrochen auf Tournee durch Ostdeutschland – und vermehrt wurden auch Auftrittsorte im Westen Deutschlands gefunden. 1995 erschien das vierte Album Primeln & Elefanten, welches zahlreiche Stilrichtungen bietet. Ein Jahr später veröffentlichte die Band eine Doppel-CD mit Live-Aufnahmen von sechs verschiedenen Konzerten unter dem Titel Nachtvorstellung. Nach dem Auftritt im Münchener Schlachthof am 3. November 1996 legte Keimzeit zum ersten Mal in der Bandgeschichte eine längere Konzertpause ein: Fast sechs Monate lang stand die Gruppe anschließend nicht gemeinsam auf einer Bühne. Der Grund war zunehmende Unzufriedenheit der Musiker mit der fehlenden musikalischen Weiterentwicklung.
1997 bis 2007 [Bearbeiten]
Das Jahr 1997 nutzte die Band für eine kreative Pause und die (zunächst ergebnislose) Suche nach einem geeigneten Produzenten für ihr fünftes Studioalbum. Anfang 1998 konnte man Franz Plasa gewinnen und gestaltete mit ihm Im elektromagnetischen Feld. Das Album stellt in der Diskographie der Band den Beginn einer neuen Epoche dar: Man verließ ganz bewusst die Pfade des „Müsli-Chanson-Rock-’n’-Roll“ (Norbert Leisegang) und ließ sich von Plasa einen zeitgemäßen Rocksound verpassen. Stilistisch ähnlich wurden die nachfolgenden Studioalben 1000 Leute wie ich (2002) und Privates Kino (2005) produziert. Durch den neuen Sound verlor die Band jedoch viele Fans – besonders aus den Reihen der DDR-Bluesrock-Liebhaber und Ost-Nostalgiker – die bisher einen Großteil des Publikums ausgemacht hatten. Bereits 2003 hatte Ulrich Sende die Band verlassen – nicht zuletzt wegen des neuen Produktions- und Musikstils. Er wurde durch Rudi Feuerbach ersetzt. Auch die Bandmitgliedschaft von Ralf Benschu stand aus denselben Gründen häufig auf der Kippe. Fast alle Musiker verfolgen seit dieser Zeit auch Soloprojekte (siehe Hauptartikel zu den einzelnen Musikern).
Im März 2007 tourte die Band wieder durch Deutschland, im Juni und Juli fanden – anlässlich des 25-jährigen Bestehens von Keimzeit – sechs Openair-Konzerte in den größeren Städten des Ostens statt. Am 20. Juni 2007 spielte Keimzeit mit sämtlichen ehemaligen Bandmitgliedern vor 5000 Zuschauern im Hof der Berliner Kulturbrauerei.
2008 bis 2010 [Bearbeiten]
2008 machte die Band eine Konzertpause, um sich auf Soloprojekte zu konzentrieren und um im Oktober und November in Andalusien ein neues Album aufzunehmen. Anfang 2009 verließ Ralf Benschu die Band aufgrund musikalischer und persönlicher Differenzen. Auf dem neuen Album Stabile Währung Liebe, das am 24. April 2009 erschien, befinden sich elf Lieder; einige zum Teil mit komplettem Bläsersatz und Mariachis. Am 29. April 2009 ging Keimzeit in Rostock wieder auf Tournee und spielte am 11. Juli 2009 beim Citadel Music Festival in Berlin. Die Tournee 2010/2011 begann am 1. Januar 2010 mit einem Auftritt vor über 80.000 Besuchern bei Leuchtturm in Flammen in Warnemünde und wurde unter die Überschrift Land in Sicht gestellt. Am 19. November 2010 veröffentlichte die Band eine gleichnamige Werkschau in Form einer Doppel-CD sowie Neuauflagen aller Alben seit 2002 auf dem eigenen Label Comic Helden. 2010 spielte Keimzeit insgesamt über 50 Konzerte, darunter zwei in der Schweiz.
2011 bis heute [Bearbeiten]
Für 2011 stand neben einer Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg die Aufnahme eines neuen Studioalbums auf dem Plan. Dazu ging die Band abermals nach Spanien. Nach Beendigung der Aufnahmen verließ Gitarrist Rudi Feuerbach aus persönlichen Gründen die Band. Den Gitarrenpart teilten sich daraufhin Lars Kutschke und Martin Weigel. Neben Martin Weigel als Gitarrist wurde Jazztrompeter Sebastian Piskorz festes Bandmitglied. Mit Beginn des Jahres 2012 läutete die Band das 30-jährige Bühnenjubiläum mit über 50 Konzerten ein. Am 27. April 2012 wurde das zehnte Studioalbum Kolumbus veröffentlicht. Anfang des Jahres 2013 trennten sich Schlagzeuger Roland Leisegang und Keimzeit. Die Konzerte in 2013 stehen unter dem Motto Kolumbus' Insel.
Diskografie [Bearbeiten]
Alben [Bearbeiten]
- Irrenhaus (1990)
- Kapitel Elf (1991)
- Bunte Scherben (1993)
- Primeln & Elefanten (1995)
- Nachtvorstellung Live (2 CD) (1996, 1999 als zwei einzelne CDs erneut veröffentlicht: Nachtvorstellung – die Hits live, Vol 1 und Nachtvorstellung – die Hits live, Vol 2)
- Im elektromagnetischen Feld (1998)
- Smart und gelassen warten (2000)
- Das Beste bis jetzt (2002)
- 1000 Leute wie ich (2002)
- Das Weihnachtsfest der Rockmusik (zusammen mit der Band City) (2003)
- Privates Kino (2004)
- Mensch Meier Live 2006 (2006)
- Stabile Währung Liebe (2009)
- Land in Sicht (2 CD) (2010)
- Kolumbus (2012)
- Midtsommer, Keimzeit Akustik Quintett (2013)