Keith R. Kernspecht

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Keith Ronald Kernspecht (* 1945) ist der Cheftrainer und Gründer der EWTO, eines kommerziellen Verbandes von Schulen der chinesischen Kampfkunst Wing Chun. Kernspecht verwendet dabei die von ihm in Europa rechtlich geschützte Marke Wing Tsun, die sein in Amerika tätiger Lehrer Leung Ting in den USA geschützt hatte. Zusammen bezeichnen sie sich als die „höchstgraduierten WT-Meister der Welt“. Sowohl Kernspecht als auch sein Lehrer Leung Ting sind innerhalb der Kampfkunstszene umstritten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Kernspecht machte das Abitur am Abendgymnasium und studierte, laut eigenen Aussagen, moderne und klassische Sprachen sowie Philosophie und Jura, wobei über einen Abschluss nichts bekannt ist. Er begann ab Ende der 1950er Jahre mit dem Studium von, laut eigenen Aussagen, insgesamt 13 verschiedenen westlichen und östlichen Kampfmethoden. Insbesondere bildete er sich im Leung Ting-Wing-Tsun-System weiter. Er trägt den 10. Grad (Großmeister) im Wing Tsun, den 5. Praktikergrad im Escrima, den 6. Dan Hapkido (Ehrenhalber), den 3. Dan Karate und den 2. Dan Judo. In seinen Lebensläufen werden Tätigkeiten als Kampfkünstler, Berufsringer, Polizeibeamter, Leibwächter bzw. Leiter einer Personenschutzagentur, Gastlehrer an internationalen Polizeiakademien, Gymnasiallehrer, Wirtschaftsoberschullehrer, Dolmetscher und Universitätsbeauftragter für Sprachen und Pädagogik angeführt.

In Anlehnung an die von seinem Lehrer Leung Ting gegründete International Wing Chun Association (IWTA) gründete Kernspecht im Jahre 1975 die (Europäische Wing Tsun Organisation EWTO), die mittlerweile mit über 2.000 Mitgliedsschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die vermutlich größte Wing Tsun-Organisation in Europa ist. Darüber hinaus spielte sie eine wesentliche Rolle bei der Kommerzialisierung des Wing Tsun in Europa.

Seit 1997 lehrt Kernspecht als Gastprofessor für Pädagogik und Sportwissenschaften an der bulgarischen Staatsuniversität, der Nationalen Sportakademie in Sofia. Für seine „Forschungs- und Lehrtätigkeit“ wurde er dort zum Ehrendoktor (Dr. h.c.) aufgrund seiner Verdienste für die Kampfkünste ernannt, 2006 zum Ehrenprofessor. 2009 wurde er mit der Arbeit „Strategie und Taktik der Kampfkunst Wing-Tsun als Mittel zur Selbstverteidigung“ zum „Doktor der Wissenschaften“ an der Nationalen Sportakademie in Sofia promoviert[1].

Kernspecht ist Geschäftsführer der in Kiel registrierten Unternehmensgruppe WingTsun GmbH & Co. KG. Zu der Gruppe gehört auch der Wu-Shu-Verlag in Burg auf Fehmarn, dieser publiziert verschiedene Bücher über das LeungTing-WingTsun und das Latosa-Escrima, sowie das Verbandsmagazin WingTsun-Welt (Auflage 2005 rund 50.000).

[Bearbeiten] Kontroverse

Kernspecht wurde in Kampfkunstkreisen aus verschiedenen Gründen sehr kontrovers diskutiert.

  1. Er hat eine im Westen bis dahin weitestgehend unbekannte Kampfkunst in Europa in bisher nicht gekanntem Ausmaß nach amerikanischem Vorbild kommerzialisiert (siehe EWTO) und damit maßgeblich die heutige Verbandsstruktur des Wing Tsun in Deutschland beeinflusst. Diese ist in einem Maße durch Konkurrenz und juristische Streitigkeiten geprägt, wie sie im Kampfsportumfeld in Deutschland ansonsten unbekannt ist.
  2. Ein nicht unwesentlicher Teil der von Kernspecht geschriebenen Literatur besteht aus Selbstdarstellung, Werbung für die EWTO und ihre angebotenen Produkte.[2]
  3. Er vertritt die Hypothese, dass die im Wing Tsun trainierten Reaktionen schneller seien als die anderer Kampfsportarten. Dies begründet er unter anderem mit der Überlegenheit propriozeptiver Reaktionen gegenüber visuellen.[3] Obwohl taktile Reaktionen tatsächlich geringfügig schneller sind, als Reaktionen auf andere Reize[4], wird in der Fachwelt bezweifelt, dass diese Tatsache im Kampf anwendbar ist.
  4. Auf Grund dieser These stellte er in seinen Veröffentlichungen regelmäßig die Effizienz von anderen Systemen wie Taekwondo, Jiu Jitsu oder Karate gegenüber Wing Chun in Frage. [5]
  5. Auf Grund der Art und Weise, mit der er innerhalb seines Verbandes dargestellt wird, wurden kritische Äußerungen um einen Personenkult laut, die in den nichtkommerzialisierten Kampfsportverbänden für Verstimmung sorgten.
  6. Einige seiner Veröffentlichungen, beispielsweise „Vom Zweikampf“ oder „Blitzdefence“ sind teilweise pseudowissenschaftlich, da wissenschaftliche Begriffe und Fakten teilweise unreflektiert oder falsch dargestellt werden[6].

[Bearbeiten] Literatur

  • Keith R. Kernspecht: "Vom Zweikampf : Strategie, Taktik, Physiologie, Psychologie, Philosophie und Geschichte der waffenlosen Selbstverteidigung", Wu Shu-Verlag Burg auf Fehmarn 2000, ISBN 3927553026
  • Keith R. Kernspecht: "Blitzdefence - Die Strategie gegen den Schläger", Wu Shu-Verlag Burg auf Fehmarn 2000, ISBN 3927553107
  • Keith R. Kernspecht: "Der Letzte wird der Erste sein : das Geheimnis effektiver Selbstverteidigung", Wu Shu-Verlag Burg auf Fehmarn 2005, ISBN 392755328-X
  • Keith R. Kernspecht, Andre Karkalis: "Verteidige Dich³ - Selbstverteidigung für Frauen", Wu Shu-Verlag Burg auf Fehmarn 2003, ISBN 3893659641

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Mitgliedermagazin der EWTO, Stand 10.07.2009.
  2. Wing Tsun Kuen
  3. Vom Zweikampf, S. 156ff
  4. Ars Martialis, Stand 27.2.2008.
  5. Vom Zweikampf, S. 14 "Reine Glückssache - Weshalb herkömmliche Selbstverteidigungsmethoden nicht funktionieren können"
  6. Vom Zweikampf, S. 16f - "Berechnung" von Verarbeitungszeiten

[Bearbeiten] Weblinks

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