Keitum

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Friesenhaus von 1784 mit Friesenwall

Keitum (dänisch: Kejtum, friesisch: Kairem) ist ein Ortsteil der Gemeinde Sylt auf der Insel Sylt im Landkreis Nordfriesland. Die Gemarkung hat eine Fläche von 10,43 km². Der Ort wurde im Jahr 1216 erstmals urkundlich erwähnt und gilt heute auf Grund seiner zahlreichen Alleen und des alten Baumbestandes als der grüne Ort der Insel.

Das Megalithgrab Harhoog[Bearbeiten]

Das Megalithgrab Harhoog in Keitum stammt aus der Kupfersteinzeit und wurde um 2.500 v. Chr. gebaut.
Hauptartikel: Harhoog

Das Megalithgrab Harhoog in Keitum ist ein rechteckiges Hünengrab, in ostwestlicher Richtung ausgerichtet, mit einem "erweiterten Dolmen" oder Rechteckdolmen mit halbhohem Eintrittsstein als Zugang. Es besteht aus einer Grabkammer mit rechteckiger Einfassung, ein sogenanntes Langbett, und wurde wohl um 3000 v. Chr. in der Kupfersteinzeit von Angehörigen der Trichterbecherkultur errichtet.

Es liegt in der Nähe des Freibads am Rande des Watts, es befindet sich dort aber nicht mehr am Originalstandort. Es befand sich ursprünglich in der "Weenk" genannten Anhöhe östlich des Wäldchens zwischen Keitum und Tinnum. Es wurde erstmals bei der Ausbeutung einer großen Sandgrube für den Bau des Hindenburgdammes 1925 freigelegt und nach weiteren Sandentnahmen für den Bau des Nössekoogdeiches 1936 wissenschaftlich untersucht. Die Steinkammer des Riesenbettes musste im Juni 1954 verlegt werden, weil das Gelände für die Erweiterung des Sylter Flughafens abgetragen wurde.

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Die alte Windmühle von Keitum

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts galt Keitum als Hauptort der Insel Sylt. Hier praktizierte der einzige Arzt der Insel und es gab die einzige Apotheke, auch war es Verwaltungssitz für die nicht zur dänischen Krone zählenden Ländereien auf Sylt, und noch bis zum 31. Dezember 2008 befand sich dort der Sitz des Amtes Landschaft Sylt. In Keitum siedelten sich im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche wohlhabende Kapitäne an, so dass der Ort als einziger der sonst armen Insel gewissen Wohlstand aufwies. Ein Beispiel hierfür ist der Mühlenhof Keitum. Erst mit dem Einsetzen des Fremdenverkehrs wuchs die Bedeutung des Seebades Westerland. Mit dem Bau des Hindenburgdammes erhielt Keitum durch seinen Bahnhof im Südwesten des Ortes Anschluss an das Netz der Reichsbahn. Der Ort beeindruckt besonders durch seine vielen, teils sehr alten Friesenhäuser, die oft von Steinmauern (Friesenwällen) umgeben sind.

In Keitum wurde Uwe Jens Lornsen, Vorkämpfer eines geeinten, von Dänemark unabhängigen Schleswig-Holsteins geboren. Das Heimatmuseum, Am Kliff 19, widmet seinem Leben und Werk eine eigene Abteilung. Das Haus des 1879 verstorbenen Inselchronisten Christian Peter Hansen, das Altfriesische Haus ist heute ein Museum. Der Autor Boy Lornsen, Verfasser u. a. des Kinderbuches Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt und der frühere Intendant der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin, Boleslaw Barlog, lebten in Keitum.

Keitum existierte bis zur Bildung der Gemeinde Sylt-Ost 1970 als selbständige Gemeinde. Munkmarsch war ein Ortsteil von Keitum. Kleinere Ortsteile waren Kaamp (östlich von Keitum) sowie Jückersmarsch und Klentertal (nördlich von Keitum an der Straße nach Munkmarsch).

Kirche[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kirche St. Severin

St. Severin in Keitum

Die St.-Severin-Kirche wurde bereits um 1216 erbaut und war ursprünglich den Heiligen Knut und Ketel geweiht. In ihrem Inneren sind viele Feldsteine verbaut und in der Mitte der Westwand befinden sich zwei spiegelbildlich angebrachte Natursteine, die der Sage nach von den Nonnen Ing und Dung gestiftet wurden und auch ihr Abbild darstellen.

Friedhof[Bearbeiten]

Auf dem Friedhof der St.-Severin-Kirche haben neben alten Sylter Familien, darunter namhafte Kapitänsfamilien, auch mehrere bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden. Neben Rudolf Augstein, dem langjährigen CDU-Bundesminister Gerhard Schröder, dem Bühnen- und Filmschauspieler Uwe Dallmeier und dem Synchronsprecher Edgar Ott liegen auch der Verleger Peter Suhrkamp sowie der Expressionist Ernst Mollenhauer dort begraben.

Sonstiges[Bearbeiten]

Am nordwestlichen Ortsrand von Keitum hat das Weingut Balthasar Ress aus Hattenheim im Rheingau im Juni 2009 auf einer Fläche von einem Hektar den nördlichsten Weinberg Deutschlands angelegt. Auf drei Seiten durch Bewuchs windgeschützt und begünstigt durch die hohe Anzahl an Sonnenscheinstunden auf Sylt (1714 Stunden im Vergleich zu 1587 Stunden im Rheingau) kann von den frühreifenden Sorten Solaris und Rivaner eine ausreichende Erntequalität erwartet werden.[1]

Südöstlich von Keitum erstreckt sich an der Küste des Wattenmeers das Grüne Kliff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Keitum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beschreibung der Rebanlage auf der Homepage des Weinguts Balthasar Ress.

54.8933333333338.3708333333333Koordinaten: 54° 53′ 36″ N, 8° 22′ 15″ O