Keldağ

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Keldağ
Musa Dagh 2008.jpg
Höhe 1736 m
Lage Provinz Hatay an der Grenze zu Syrien
Koordinaten 35° 57′ 9″ N, 35° 58′ 10″ O35.952535.9693055555561736Koordinaten: 35° 57′ 9″ N, 35° 58′ 10″ O
Keldağ (Türkei)
Keldağ

Der Keldağʿ, auch Kılıç Dağı oder Çebeliakra (arabisch ‏جبل الأقرع‎, DMG Ǧabal al-Aqraʿ ‚Kahler Berg‘, auch Jabal al-Aqra, Jebel al-Akra, Dschabal al-Aqra; altgriechisch Κάσιον ὂρος; lateinisch Casius Mons) ist ein Berg an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei, nahe der Mündung des Orontes ins Mittelmeer und etwa 40 Kilometer nördlich der bronzezeitlichen Stadt Ugarit und 65 km südwestlich des modernen Antakya. Der 1736 Meter[1] hohe Berg liegt nahe an der Küste und dient der Seefahrt als Orientierungspunkt. Administrativ gesehen liegt der Berg im Landkreis Yayladağı der Provinz Hatay.

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Jabal al-Aqraʾ war ein heiliger Berg, der in mehreren Religionen ein Rolle spielte.

Ḫazzi[Bearbeiten]

Bei den Hethitern hieß der Berg Ḫazzi, der mit dem nicht lokalisierbaren Berg Namni ein Berggötterpaar bildet, die auch als Schwurgottheiten fungierten. Im Felsrelief von Yazilikaya wird der Wettergott Tarhunna abgebildet, wie er auf zwei gebeugten Berggöttern steht. Im hurritischen Mythos um den Felsendämon Ullikummi stieg der Wettergott Teššup mit seinen Geschwistern Tašmišu und Šauška auf den Berg Ḫazzi, um den aus dem Meer wachsenden Ullikummi zu betrachten.

Ṣapanu[Bearbeiten]

Im ugaritischen Mythos war der Berg Ṣapanu der Wohnsitz des Wettergottes Baʾalu, dem der Demiurg Koṯaru hier einen Palast aus Zedernholz, Gold, Silber und Edelsteinen erbaute. Als Baʾalu im Kampf gegen den Totengott Motu umkam, wurde er von seiner Schwester ʾAnatu auf dem Ṣapanu bestattet, bevor sie ihn durch Bezwingung Motus wieder zum Leben erweckte. In ugaritischen Opferlisten ist Ṣapanu Empfänger von Opfertieren.

Ṣāpôn[Bearbeiten]

Im Alten Testament wird Ṣāpôn (auch Zaphon geschrieben) als Berg im Norden genannt, z.B. bei Jes. 14,13f. Das hebräische Wort ṣāpôn "Norden" ist vom Bergnamen abgeleitet, da der Berg nördlich von Palästina liegt. Auch hier ist er der Berg des Gottes Baʾal Ṣāpôn (בעל צפון; Exodus 14:2-4). Im Psalm 48,2f wird er mit dem Berg Zion verglichen.

Kasion[Bearbeiten]

Die Hellenisierung formte den hethitischen Namen Ḫazzi zu griechischem Kasion (griechisch Κάσιον), während Baal Sapon als Zeus Kasios (Ζεύς Κάσιος) bis ins 4. Jahrhundert auf dem Berg verehrt wurde. Nach Plinius ist der Berg so hoch, dass man um 3 Uhr nachts von seinem Gipfel aus gleichzeitig die aufgehende Sonne im Osten und die fortdauernde Nacht im Westen sehen könne. Aelius Spartianus, ein möglicherweise fiktiver Autor der wenig zuverlässigen Historia Augusta, berichtet, der Kaiser Hadrian habe eine Nacht auf dem Berg verbracht, um dieses Phänomen zu erleben, ein aufziehender Sturm habe das aber verhindert. Auch Julian soll die Kultstätte des Zeus besucht haben. Da der Berg gut vom Meer aus sichtbar war, wurde Zeus Kasios auch als Schutzgottheit der Seefahrer verehrt und fand so Verbreitung nach Ägypten und Griechenland. Nach einer Version der Typhonsage bekämpfte Zeus den Typhon auf dem Kasion. Es wird sogar vermutet, dass der Name Typhon von dem Namen Ṣāpôn stammt.

Der südliche Kasion[Bearbeiten]

Plinius nennt auch einen Berg Kasion, der an der Grenze Ägyptens am Sirbonischen See liegt, auf dem Baal Sapon verehrt wurde. Der Kampf zwischen Zeus und Typhon wird alternativ ebenfalls hier lokalisiert. Da der Kult des Baal Sapon sich auch nach Ägypten ausgebreitet hatte, dürfte auch der Bergname gewandert sein.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Edward Boucher James: Casius Mons. In: William Smith: Dictionary of Greek and Roman Geography. London 1854.
  • Carsten Colpe: Kasion. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 3, Stuttgart 1969, Sp. 141.
  • Einar von Schuler: Kleinasien. Die Mythologie der Hethiter und Hurriter, in Götter und Mythen im Vorderen Orient. Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1965.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Türkeikarte der Geographischen Fakultät der Universität Ankara