Kellé

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Landgemeinde Kellé
Landgemeinde Kellé (Niger)
Landgemeinde Kellé
Landgemeinde Kellé
Koordinaten 14° 17′ N, 10° 7′ O14.28194444444410.115Koordinaten: 14° 17′ N, 10° 7′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Zinder
Departement Gouré
Einwohner 60.038 (2010)

Kellé ist eine Landgemeinde im Departement Gouré in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Kellé liegt in der Sahelzone. Die Nachbargemeinden sind Alakoss im Nordwesten, Tesker im Nordosten, Goudoumaria im Südosten, Gouré im Süden und Gamou im Westen. Das Gemeindegebiet ist in 71 administrative Dörfer, 34 traditionelle Dörfer, 115 Weiler, sieben Lager und zwei Wasserstellen gegliedert.[1] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Kellé.[2]

Im Gemeindegebiet von Kellé befindet sich das schroffe Koutous-Massiv, das in der Regenzeit von Wasser führenden Wadis durchzogen ist.[3] Die Forêt classée de Kellé mit 1670 Hektar, die Forêt classée de Gadabour mit 210 Hektar und die Forêt classée de Guirbo mit 2560 Hektar sind drei unter Naturschutz stehende Waldgebiete im Gemeindegebiet von Kellé. Die Unterschutzstellung der beiden erstgenannten Gebiete erfolgte 1942, die des drittgenannten bereits 1939.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Kellé wurde vermutlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Atari Goumsoumi gegründet, einem Prinzen aus Bornu, der den Ort im abgelegenen Bergland von Koutous zu seinem Herrschaftssitz machte. Einer seiner Nachfolger, der ebenfalls Goumsoumi hieß und von 1835 bis 1843 regierte, hatte einen Neffen namens Kosso, der von Gouré aus die Provinz Mounio südlich von Kellé beherrschte. Goumsoumi war gezwungen, Kellé unter die Oberherrschaft Kossos zu stellen. Die Nachfolger Goumsoumis waren der von 1843 bis 1850 regierende May Abdou, der von 1850 bis 1858 regierende May Dokey und der von 1858 bis 1868 regierende May Moustafa.

Im Jahr 1861 ließ Ténimoun, der Sultan von Zinder, Kellé angreifen und May Moustafa gefangennehmen. Kellé wurde nun Zinder tributpflichtig. Als May Moustafa 1868 von einer Abordnung aus Bornu getötet wurde, annektierte Sultan Ténimoun Kellé als Teil seines Reichs. Er setzte bald Statthalter im Ort ein, die Angehörige einer neuen Dynastie waren: von 1874 bis 1877 Koura, dem dessen Söhne im Amt nachfolgten, von 1877 bis 1881 May Madi und von 1881 bis 1884 May Melé. Sultan Sélimane, ein Nachfolger Sultan Ténimouns, überlegte die alte Dynastie wieder einzusetzen und schlug 1885 Ténimou, einem Sohn des getöteten May Moustafa, vor nach Kellé zurückzukehren. Der zog es jedoch vor im Exil in Bornu zu bleiben. So wurde ein Bruder May Melés, May Koutousma, der Koutousma Arati genannt wurde, bis 1890 Statthalter des Sultans in Kellé. In den darauffolgenden zehn Jahren wurde der Ort direkt von Zinder aus verwaltet. Erst im Jahr 1900 wurde ein Angehöriger der alten Dynastie Statthalter in Kellé: Mahamadou, ein Sohn May Dokeys.[5]

Der Ort fiel Anfang der 20. Jahrhunderts an Frankreich. Der Markt von Kellé war einer der kleinen Märkte in der Region, die damals von der französischen Verwaltung zugelassen wurden.[6]

Die Landgemeinde Kellé ging als Verwaltungseinheit 2002 bei einer landesweiten Verwaltungsreform aus dem Kanton Kellé/Koutous hervor.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Kellé 44.225 Einwohner. Für das Jahr 2010 wurden 60.038 Einwohner berechnet.[7] In Kellé leben Angehörige der vor allem Agropastoralismus betreibenden Kanuri-Untergruppe Dagra sowie der auf Fernweidewirtschaft spezialisierten Fulbe-Untergruppen Dabanko’en, Oudah’en, Tountoumankej und Wodaabe und Tuareg-Untergruppe Kanimatane.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Beim Weiler Maïnari im Gemeindegebiet von Kellé befindet sich auf einem Gebiet von 150 Hektar eine Zuchtfarm für Afrikanische Strauße. In der kühlereren Jahreszeit dient das Koutous-Massiv als Weideland für die Viehherden der transhumant lebenden Fulbe und Tuareg.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 22. Januar 2011.
  2. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF; 108 kB).
  3. a b Jean-Paul Labourdette, Dominique Auzias: Niger 2009. Nouvelle édition de l'Université, Paris 2009, ISBN 2-7469-1640-1, S. 152.
  4. Données disponibles pour chaque forêt classée. Website der Direction de l’Environnement, Ministère de l’Hydraulique, de l’Environnement et de la Lutte Contre la Désertification, abgerufen am 25. Februar 2012.
  5. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 126–127.
  6.  Hassane Gandah Nabi: Commerçants et entrepreneurs du Niger (1922–2006). L’Harmattan, Paris 2013, ISBN 978-2-336-29136-9, S. 38.
  7. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 57.
  8. Ministère de l’élevage et des industries animales / République du Niger (Hrsg.): La mobilité pastorale dans la Région de Zinder. Stratégies et dynamisme des sociétés pastorales. Niamey 2009 (Online-Version; PDF; 11,3 MB), S. 31–33.