Keltern (Baden)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Keltern
Keltern (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Keltern hervorgehoben
48.9008333333338.5758333333333195Koordinaten: 48° 54′ N, 8° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 195 m ü. NHN
Fläche: 29,83 km²
Einwohner: 9082 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 304 Einwohner je km²
Postleitzahl: 75210
Vorwahlen: 07236, 07082 (Niebelsbach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 070
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Weinbergstraße 9
75210 Keltern
Webpräsenz: www.keltern.de
Bürgermeister: Steffen Bochinger (parteilos)
Lage der Gemeinde Keltern im Enzkreis
Birkenfeld Eisingen Engelsbrand Friolzheim Heimsheim Illingen Ispringen Kieselbronn Knittlingen Knittlingen Knittlingen Knittlingen Maulbronn Mönsheim Mühlacker Neuenbürg Neuhausen Niefern-Öschelbronn Ötisheim Sternenfels Tiefenbronn Wiernsheim Wimsheim Wurmberg Wurmberg Keltern Remchingen Straubenhardt Neulingen Kämpfelbach Ölbronn-Dürrn Ölbronn-Dürrn Ölbronn-Dürrn Königsbach-SteinKarte
Über dieses Bild

Keltern ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Keltern liegt am Rande des Nordschwarzwaldes in 190 bis 270 Meter Höhe, nahe der Großstädte Pforzheim (8 km) und Karlsruhe (25 km).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Keltern besteht aus den fünf Ortsteilen Dietlingen (3940 Einwohner), Ellmendingen (2502 Einwohner), Weiler (1381 Einwohner), Niebelsbach (895 Einwohner) und Dietenhausen (356 Einwohner) (Stand: 31. Dezember 2009).[2] Die Ortsteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens, ihre offizielle Benennung erfolgt in der Form „Keltern-…“.[3]

Zu den Ortsteilen Dietenhausen, Ellmendingen, Niebelsbach und Weiler gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Ortsteil Dietlingen gehören das Dorf Dietlingen und die Häuser Gauchhälde, Im Fuchsloch und Reihelberg. Im Ortsteil Dietenhausen liegt die Wüstung Delebrunnen.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmalige urkundliche Berührungen der Ortsteile Ellmendingen sowie Dietenhausen werden auf das Jahr 919 datiert. Aus dem 11. Jahrhundert entspringt zudem eine Nennung des Ortsteil Dietlingen. Relikte einer einstigen Wehrkirche im Dietlingen-Quartier, welche zu Stunden des Jahres 1410 adäquat des gotischen Stils umgestaltet wurde, liegen aus dem Jahr 1250 vor. Ferner was das Schloss von Weiler bereits im 18. Jahrhundert in zerstörter Form existent. Die Steinsubstanz, welche zum Bau des einstigen Schlosses angewandt wurde, wurde im Jahr 1770 teils zum Kirchenbau genutzt.

Ferner erfolgte im 16. Jahrhundert der Bau des Ellmendinger Kelters, welcher bis zum Jahr 1937 als Kelterstelle fungierte. Ein Neubau, welcher 1939 eröffnet wurde, übernahm die Funktion des Vorgängerbaus. Diverse weitere Keltern, welche dem Weinbau dienten, wurden in den Ortsteilen Dietlingen, Niebelsbach und Dietenhausen errichtet.[5]

Von 1901 bis 1967 wurden die Ortsteile Kelterns durch die am Berg verlaufende, Panoramabahn genannte, 1911 zur Pforzheimer Kleinbahn gewordene Bahnstrecke der Albtalbahn verkehrlich verbunden. Die Gemeinde Keltern wurde am 30. März 1972 durch Vereinigung der Gemeinden Dietlingen, Ellmendingen, Niebelsbach und Weiler gebildet. Bereits am 1. Juli 1971 wurde die Gemeinde Dietenhausen nach Ellmendingen eingemeindet.

Ortsteile[Bearbeiten]

Dietenhausen[Bearbeiten]

Dietenhausen
Dietenhausen ist der kleinste Teilort von Keltern.

Der Ort hieß bei seiner ersten Erwähnung im Jahre 919 Theotelenhusen. Bis ins 17. Jahrhundert waren die Herrschaftsverhältnisse der Gemeinde sehr kompliziert. Die Zisterzienserabtei Herrenalb und die Junker von Enzberg hatten Rechte am Ort. Durch die Reformation des Klosters im Jahr 1536 bekam Württemberg die Ortsherrschaft. Die Markgrafschaft Baden beherrschte den Ort ab 1603. Erst gehörte Dietenhausen zum Amt Langensteinbach, dann zum Amt Stein. Ab 1803 dann zum Oberamt, danach zum Bezirksamt und 1936 bis 1972 zum Landkreis Pforzheim.

Dietlingen[Bearbeiten]

Dietlingen
Dietlingen ist wohl im 11. Jahrhundert gegründet worden. Die evangelische Kirche wurde um 1250 errichtet und um 1410 erneuert.

Zwischen 1771 und 1801 war Dietlingen neben Bahlingen und Teningen eines der Musterdörfer in der Markgrafschaft Baden, in dem das ökonomische System des Physiokratismus eingeführt wurde. Es war der weltweit einzig bekannte Versuch der Einführung dieser Wirtschaftstheorie, zu dessen Anhängern in Deutschland der Nationalökonom Johann August Schlettwein gehörte, der den Markgraf Karl Friedrich von diesem System überzeugt haben soll.

Die zentrale These des Physiokratismus, der in Frankreich entworfen wurde, lautet, dass die Landwirtschaft die einzige Quelle des Reichtums sei und die Wertschöpfung nur in diesem Wirtschaftssektor erfolge.

In Dietlingen begann der Versuch 1770 und wurde nach einer Modifikation (1795) im Jahre 1801 definitiv abgebrochen. In Bahlingen und Teningen (am Kaiserstuhl) begann der Versuch, bei dem unter anderem die sogenannte „Einsteuer“ (impôt unique) eingeführt wurde, 1771 und wurde bereits 1776 wieder beendet.[6]

  • Dietlingen ist Kelterns größter Ortsteil mit 3870 Einwohnern.
  • Dietlingen besitzt eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule.

Ellmendingen[Bearbeiten]

Ellmendingen
Ellmendingen wurde erstmals 919 urkundlich erwähnt. Der Grundstein für die Kirche wurde am Fronleichnamstag 1404 gelegt.
  • Ellmendingen ist Kelterns zweitgrößter Ortsteil.
  • Ellmendingen besitzt eine Grundschule.
  • Ellmendingen ist der Verwaltungssitz der Gemeinde

Niebelsbach[Bearbeiten]

Niebelsbach
Niebelsbach entstand 1927 durch den Zusammenschluss der Orte Oberniebelsbach und Unterniebelsbach.
  • Niebelsbach ist der einzige Ortsteil, der zu Württemberg gehörte.
  • Erste Erwähnung fand Nibelzpach um 1300.

Weiler[Bearbeiten]

Weiler
Weiler wurde erstmals 1219 urkundlich erwähnt.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1972–2004: Wolfgang Gehring
  • 2004–2013: Ulrich Pfeifer
  • seit 2013: Steffen Bochinger

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 13. Juni 2004 ergab folgende Sitzverteilung:

SPD 33,8 % -1,0 7 Sitze +1
CDU 29,0 % -2,6 5 Sitze -1
FWG 23,8 % +2,9 4 Sitze ±0
Die Grünen 13,3 % +2,5 2 Sitze ±0
Andere 0,0 % -2,8 0 Sitze ±0

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab folgende Sitzverteilung:

SPD 27,27 % -6,53 5 Sitze -2
CDU 28,37 % -0,63 5 Sitze ±0
FWG 27,80 % +4,0 5 Sitze +1
B90/Die Grünen 14,37 % +1,07 3 Sitze +1
Wir in Keltern 2,19 % +2,19 0 Sitze ±0

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wird in der Genehmigung des Innenministeriums vom 11. Juli 1973 wie folgt beschrieben:

„In im Göbelschnitt geteiltem Schild, im 1. Feld in Silber eine blaue Traube, im 2. Feld in blau ein silberner Pokal, im 3. Feld über goldenem Schildfuß ein goldenes Keltergebäude mit den Dachseiten an der Schnittlinie, darin in Schwarz eine goldene Traubenpresse.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

In Ellmendingen und Dietlingen sind Kirchen im gotischen Stil aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Die Barbarakirche in Ellmendingen hat besondere Fenster mit „biblischen Verkehrszeichen“. Im Ort steht auch eine Kelter aus dem 16. Jahrhundert. Erwähnenswert ist auch noch die herrlich gelegene Pankratiuskapelle in Niebelsbach, die ebenfalls im 15. Jahrhundert erbaut noch heute über ihr altes, handgeschnitztes Gestühl verfügt.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Umgebung von Keltern

Tannen- und Mischwälder bilden mit zusammen 940 Hektar die Hälfte der Gemarkungen. Aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit, des typischen Streuobstbestandes und seltener Pflanzen sind weite Flächen als Landschafts- und Naturschutzgebiete ausgewiesen. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass in Keltern von mehreren Winzern auf rund 35 ha Wein erzeugt und zum größten Teil auch vor Ort vermarktet wird. Typisch sind Spätburgunder (pinot noir), Schwarzriesling (pinot meunier) als Rotweine, sowie Rivaner und Weiße Burgunder-Sorten als Weißweine. Die beiden größten Winzer im Ort wirtschaften im übrigen nach den Richtlinien des ökologischen Weinbaus und bieten ihre Weine mit dem Ecovin Logo an.

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Keltern (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. „Keltern – Daten von Keltern“
  3. Hauptsatzung der Gemeinde Keltern vom 7. Dezember 1993, zuletzt geändert am 14. März 2006 (PDF); abgerufen am 20. August 2008.
  4. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 540–542.
  5. Geschichte von Keltern „keltern.de“-Internetauftritt, abgerufen am 16. Juli 2013.
  6. Hans Werner Holub: Eine Einführung in die Geschichte des ökonomischen Denkens, Band 3. Lit Verlag, Wien 2006, ISBN 3-8258-9230-1, S. 92 ff. (Google Books).