Kemberg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kemberg
Kemberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kemberg hervorgehoben
51.77416666666712.637576Koordinaten: 51° 46′ N, 12° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Wittenberg
Höhe: 76 m ü. NHN
Fläche: 235,11 km²
Einwohner: 10.333 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 44 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06901
Vorwahlen: 034921, 03491 (Dabrun), 034904 (Schleesen), 034927 (Ateritz, Dorna, Globig-Bleddin, Rackith, Wartenburg), 034928 (Selbitz), 034953 (Radis)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: WB, GHC, JE
Gemeindeschlüssel: 15 0 91 160
Adresse der
Stadtverwaltung:
Burgstr. 5
06901 Kemberg
Webpräsenz: [1]
Bürgermeister: Torsten Seelig (CDU)
Lage der Stadt Kemberg im Landkreis Wittenberg
Brandenburg Sachsen Dessau Landkreis Anhalt-Bitterfeld Annaburg Bad Schmiedeberg Coswig (Anhalt) Gräfenhainichen Jessen (Elster) Kemberg Oranienbaum-Wörlitz Lutherstadt Wittenberg Zahna-Elster Zahna-ElsterKarte
Über dieses Bild

Kemberg ist eine Kleinstadt im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Nordrand des Naturparks Dübener Heide.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Kemberg war bis 2009 Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kemberg.

Kemberg hat 28 Ortsteile:[2]:

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag liegt bei 552 mm und ist damit vergleichsweise niedrig, da er in das untere Viertel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 11 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im August. Im August fallen 1,9 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren kaum und sind sehr gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 7 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits um 1000 v. Chr. soll eine bedeutende Burg die „Region kontrolliert“ haben.[3]

Die Existenz Kembergs ist bereits seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts belegt. Es gehörte zur Grafschaft Brehna bzw. Wettin-Brehna, fiel aber 1290 an das askanische Sachsen-Wittenberg. Aus dem Jahr 1346 stammt die älteste urkundliche Erwähnung als Stadt. Der Rat der Stadt erwarb 1482 die Niedergerichte, im Jahr 1703 die Obergerichte. Noch im 14. Jahrhundert wurde die teilweise erhaltene Stadtmauer errichtet. Um 1429 wurde Kemberg im Zuge der Hussitenkriege gebrandschatzt. Im Jahr 1488 wurde ihr Magdeburger Stadtrecht bestätigt. [4] 1522 schloss sich Kemberg der Reformation an. Kemberg war 1543–1595 von Hexenverfolgung betroffen. Zwei Männer gerieten in einen Hexenprozess.[5]

Im 16. und 17. Jahrhundert brach insgesamt sieben Mal die Pest aus. Zusammen mit den im Dreißigjährigen Krieg erlittenen schweren Verheerungen, mehreren Elbhochwassern und Stadtbränden führte dies dazu, dass die Bevölkerung von über 1.000 auf kaum mehr als 100 um das Jahr 1638 sank. Mitte des 18. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl wieder auf über 1.000 gestiegen.

1815 kam Kemberg vom Königreich Sachsen zu Preußen. 1908 begannen bei Bergwitz die Erschließungsarbeiten zur Braunkohleförderung, die Braunkohleförderung selbst wurde 1912 aufgenommen. 1916 kam dabei der erste Schaufelradbagger Deutschlands zum Einsatz. 1955 wurde die Braunkohleförderung eingestellt und der Tagebau geflutet. Es entstand der Bergwitzsee. Insgesamt wurden aus dem Tagebau ca. 50 Mio t Braunkohle gefördert.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1513 etwa 950
1555 etwa 1.250
1638 139
1697 974
Jahr Einwohner
1755 1.262
1806 1.780
1818 1.922
1849 3.085
Jahr Einwohner
1862 3.177
1880 2.727
1890 2.528
1900 2.233
Jahr Einwohner
1910 2.372
1933 2.583
1993 3.058
2008 5.372

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Jahr 1950 wurde Gaditz eingemeindet.[7] Drei Gemeinden kamen in den Jahren 2005 (Bergwitz)[8], 2006 (Ateritz)[9] und 2007 (Dorna)[10] hinzu. Globig-Bleddin folgte Anfang 2009.[11] Schließlich wurden neun weitere Gemeinden Anfang 2010 eingegliedert.[12]

Mit den Eingemeindungen zum 1. Januar 2010 gibt es nur noch eine Postleitzahl, ferner wurden in den Ortsteilen zum Teil neue Straßennamen und neue Hausnummern vergeben.

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Ateritz 1. Januar 2006
Bergwitz 1. Juli 2005
Bietegast 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Rackith
Bleddin 11. Oktober 1965 Zusammenschluss mit Globig zu Globig-Bleddin
Dabrun 1. Januar 2010
Dorna 1. Januar 2007
Eutzsch 1. Januar 2010
Gaditz 1. Juli 1950
Globig 11. Oktober 1965 Zusammenschluss mit Bleddin zu Globig-Bleddin
Globig-Bleddin 1. Januar 2009
Gniest 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Rotta
Klitzschena 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Bergwitz
Lammsdorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Rackith
Naderkau 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Schleesen
Pannigkau 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Eutzsch
Rackith 1. Januar 2010
Radis 1. Januar 2010
Reuden 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Rotta
Rotta 1. Januar 2010
Schleesen 1. Januar 2010
Selbitz 1. Januar 2010
Uthausen 1. Januar 2010
Wartenburg 1. Januar 2010

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Schulenburg-Gedenktafel
Rathaus

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister und Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat setzt sich wie folgt zusammen (Ergebnis der Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009)[13]:

2011 entsandten die Ortschaftsräte der am 1. Januar 2010 eingemeindeten neun Orte je einen Vertreter mit Stimmrecht in den Stadtrat (Radis wegen seiner Einwohnerzahl zwei) [14]. Seit Jahresbeginn 2011 hat der Stadtrat deshalb 30 Mitglieder.

Bürgermeister ist Torsten Seelig (CDU) (Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 13. Dezember 2009)[15].

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Gespalten, vorn in Silber ein rotes Seeblatt; hinten neunmal von Schwarz und Gold geteilt, schräg rechts belegt mit einem grünen Rautenkranz.“

Das abgebildete Wappen wurde lange Zeit verwendet, entspricht aber nicht dem vom Land genehmigten Wappen der der Stadt. Dieses beruht auf einem schnörkellosen Schild.

Die Stadtfarben zeigen Rot und Silber (Weiß).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Kemberg

Der Kirchturm vom Markt aus gesehen

Bauwerke[Bearbeiten]

Kemberg ist eine ehemalige Ackerbürgerstadt. Sie ist auf Grund der Geschlossenheit des erhaltenen Stadtbildes von städtebaulicher Bedeutung. Der regionaltypische Grundriss eines Straßenangerdorfes, welches im Mittelalter erweitert und befestigt wurde, wird im Wesentlichen durch die monumental wirkende spätgotische Stadtkirche „St. Marien“ dominiert.

Die Kirche wurde von 1290 bis 1340 erbaut. Sie war der Nachfolgebau eines spätromanischen Vorgängers, der seit 1330/31 von den Kemberger Pröpsten verwaltet wurde. Die Sakristei und die Vorhalle (Südosten) wurden 75 Jahre nach der Fertigstellung von Matthias Löser angebaut. Nachdem um 1500 der Bau erweitert wurde, erbaute man nach Entwürfen von Friedrich August Ritter 1856-59 den monumentalen neugotischen Westturm.

Während der Reformationszeit kam Kemberg und der Kemberger Kirche eine wichtige Rolle zu. Es ist nachgewiesen, dass Luther 14 Mal in Kemberg war und mehrere Male in der Kirche predigte. Nach dem Tod Luthers wurde sein Sarg in der Nacht vom 21. zum 22. Februar 1546 in der Kirche aufgebahrt. [16] In der Kirche befand sich ein 1565 von Lucas Cranach d. J. geschaffener Altar, der 1994 Opfer eines Brandes wurde und dessen Reste in der Sakristei besichtigt werden können. Noch heute besitzt die Kirche interessante Präsentationsstücke wie Reste spätmittelalterlicher Wandmalereien, ein Sakramentshaus aus Sandstein und einen Schnitzaltar (beide aus dem 15. Jahrhundert), einen sehr schönen Taufstein und eine Innenausmalung von Michael Adolf Siebenhaar. Ebenfalls bemerkenswert ist die Empore (Südseite) mit 35 Bildern, die Szenen aus dem 1. Buch Mose zeigen und die zugehörigen Stifternamen. Der Emporenzyklus stammt aus dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts. [17]

Sehenswert ist auch das spätgotische Rathaus mit seinen Renaissanceanbauten, die rekonstruierte kursächsische Distanzsäule von 1725 und die zum Teil noch gut erhaltene Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Neben dem historischen Natursteinpflaster von 1882 sind auch einzelne Bauten der Renaissance (z. B. Bürgerhaus, Schulstraße 2), des Barocks (z. B. Altes Brauhaus, Wittenberger Straße 24) und des Klassizismus erwähnenswert.


Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Durch das Gebiet der Stadt verlaufen die Bundesstraße 2 von Wittenberg nach Bad Düben, die Bundesstraße 100 von Wittenberg nach Bitterfeld und die Bundesstraße 182, die im Stadtgebiet von der Bundesstraße 2 abzweigt und nach Torgau führt.

Die Anschlussstelle Vockerode der Bundesautobahn 9 (MünchenBerlin) ist ca. 22 km vom Ortsteil Kemberg entfernt.

Schiene[Bearbeiten]

Bahnhof in Rackith

Der Bahnhof Bergwitz der Deutschen Bahn liegt an der Bahnstrecke Berlin–Halle und wird von Regionalbahnen der DB Regio fahrplanmäßig angefahren.

An der Bahnstrecke Pratau–Torgau befinden sich die Haltepunkte Eutzsch und Rackith.

Von 1903 bis 1951 verband eine Eisenbahnlinie Bergwitz und Kemberg. Der ehemalige Bahnhof ist abgerissen. Dort steht jetzt ein Einkaufsmarkt (siehe auch Bahnstrecke Bergwitz-Kemberg).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kemberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kemberg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Kemberg (PDF; 171 kB)
  3. „Am Rand der Stadt Kemberg im Landkreis Wittenberg haben Archäologen Reste einer der bedeutendsten vorgeschichtlichen Burgen Mitteldeutschlands entdeckt... Die Archäologen vermuten, dass die Burg ein Zentrum an einem wichtigen Verkehrsweg war, von wo aus die Region kontrolliert und verteidigt wurde.“ @mdr.de, abgerufen am 26. September 2014
  4. Lexikon Städte und Wappen der DDR. Leipzig 1979, S. 219
  5. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 636-638.
  6. kohle-dampf-licht
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  11. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 1. Liste
  12. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  13. Gemeinderatswahl 2009
  14. Naumburger Tageblatt vom 16. August 2010
  15. Bürgermeisterstichwahl 2009
  16. Informationsblatt der Kirchengemeinde St. Marien
  17. Informationsblatt der Kirchengemeinde St. Marien