Kempen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die deutsche Stadt Kempen, zu weiteren Bedeutungen von Kempen siehe Kempen (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kempen
Kempen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kempen hervorgehoben
51.3644444444446.418611111111135Koordinaten: 51° 22′ N, 6° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Kreis: Viersen
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 68,81 km²
Einwohner: 34.618 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 503 Einwohner je km²
Postleitzahl: 47906
Vorwahlen: 02152, (02845/02151 im Stadtteil Tönisberg)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: VIE
Gemeindeschlüssel: 05 1 66 012
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Buttermarkt 1
47906 Kempen
Webpräsenz: www.kempen.de
Bürgermeister: Volker Rübo (CDU)
Lage der Stadt Kempen im Kreis Viersen
Kreis Viersen Nordrhein-Westfalen Kreis Kleve Kreis Wesel Duisburg Krefeld Rhein-Kreis Neuss Mönchengladbach Kreis Heinsberg Niederlande Nettetal Tönisvorst Grefrath Niederkrüchten Brüggen Viersen Willich Kempen SchwalmtalKarte
Über dieses Bild

Die Stadt Kempen liegt am Niederrhein im Westen Nordrhein-Westfalens und ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Viersen im Regierungsbezirk Düsseldorf. Kempen ist im Landesentwicklungsplan NRW als Mittelzentrum ausgewiesen.

Geographie[Bearbeiten]

Naturraum[Bearbeiten]

Kempen liegt auf einer flachen Mittelterrasse, der so genannten Kempener Platte, mitten in der Niederrheinebene. Die Terrasse ist mit einer dicken Lössschicht bedeckt, die die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens begünstigt. Die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist mit 68 m ü. NN der Wartsberg auf dem Niederrheinischen Höhenzug, eine eiszeitliche Moräne nahe dem hügeligen Stadtteil Tönisberg; tiefster Punkt im Stadtgebiet ist mit 30 m ü. NN das Gebiet des Baches Schwarze Rahm in der Niederung der Niers.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu der Stadt Kempen gehören die Stadtteile

  • Kempen (24.293 Einwohner; Stand: 30. Dezember 2010);
  • Schmalbroich (1896 Einw.), dieser Stadtteil fasst die verschiedenen Bauernschaften rund um Kempen zusammen;
  • St. Hubert (8884 Einwohner; Stand: 2005), etwa 2 km nordöstlich von Kempen entfernt.
  • Tönisberg (3376 Einw.), leicht erhöht im äußersten Nordosten des Stadtgebiets gelegen.

Bevölkerungsstruktur[Bearbeiten]

Bevölkerungsstruktur am 31. Dezember 2011 nach Altersgruppen (IT.NRW)[2]
Altersgruppe Stadt Kempen Alle Gemeinden des
Kreises Reg.-Bez. Landes gleichen Typs²
Anzahl Anteil in %
Bevölkerung insgesamt
davon im Alter von ... Jahren
35.694 100 100 100 100 100
unter 6 1.645 4,6 4,7 4,9 5,0 4,9
6 bis unter 18 4.347 12,2 12,6 11,3 11,8 12,7
18 bis unter 25 2.880 8,1 8,0 8,0 8,4 8,2
25 bis unter 30 1.708 4,8 4,8 5,8 5,9 5,2
30 bis unter 40 3.384 9,5 10,3 11,6 11,6 10,9
40 bis unter 50 6.222 17,4 17,8 16,5 16,5 16,9
50 bis unter 60 5.736 16,1 15,4 14,6 14,5 14,9
60 bis unter 65 2.231 6,3 6,1 6,0 5,8 5,9
65 und mehr 7.541 21,1 20,5 21,2 20,3 20,4
18 bis unter 65 22.161 62,1 62,3 62,6 62,8 62,0
Weiblich 18.360 51,4 51,3 51,5 51,1 51,0
Nichtdeutsche¹ 2.303 6,5 7,5 12,5 10,7 8,2
¹ Die Gliederung „deutsch/nichtdeutsch“ ist durch die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts vom Juli 1999 ab dem Berichtsjahr 2000 beeinflusst.
² Kleine Mittelstadt: Ober- oder Mittelzentrum mit unter 50 000 Einwohnern.

Nachbarstädte[Bearbeiten]

Kempen grenzt im Norden an die Gemeinden Wachtendonk, Kerken und Rheurdt im Kreis Kleve sowie an die Stadt Neukirchen-Vluyn im Kreis Wesel. Im Osten liegt die kreisfreie Stadt Krefeld. Im Süden und Westen der Stadt liegen die ebenfalls zum Kreis Viersen gehörende Stadt Tönisvorst und die Gemeinde Grefrath.

Geschichte[Bearbeiten]

Kempen, Alte Schulstraße

Das Gebiet der Stadt Kempen wurde bereits um 890 in den Heberegistern der Benediktinerabtei Werden als „Campunni“ erwähnt. Ab der Jahrtausendwende entstand rund um einen Herrenhof des Kölner Erzbischofs eine bäuerliche Siedlung. 1186 wurde der Ort zum ersten Mal in Urkunden erwähnt. Im Jahr 1294 wurde Kempen erstmals als „Stadt“ bezeichnet und im Jahr 1372 das wirtschaftlich bedeutende Marktrecht verliehen. Kurze Zeit darauf wurde in nur vier Jahren (1396–1400) die kurkölnische Burg errichtet. Die Stadt erlebte im Spätmittelalter eine wirtschaftliche Blütezeit, etwa 2000 Einwohner lebten in der Stadt. In dieser Zeit lebte auch der berühmteste Sohn der Stadt, der Mystiker Thomas von Kempen (ca. 1380–1471).

Mit dem 16. Jahrhundert begann der allmähliche Niedergang der Stadt. 1579 erreichte die Pest die Stadt und raffte knapp die Hälfte der Einwohner dahin. Im Dreißigjährigen Krieg, nach der Schlacht auf der Kempener Heide, wurde Kempen 1642 durch hessische Truppen belagert, eingenommen und besetzt. 1794 wurde das Linke Rheinufer, damit auch Kempen, durch Französische Revolutionstruppen annektiert, Kempen wurde 1798 Hauptort (chef-lieu) des gleichnamigen Kantons im Département de la Roer.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Beschlüsse wurden wesentliche Teile des Rheinlands dem Königreich Preußen zugesprochen. Unter der preußischen Verwaltung war die Stadt von 1816 bis 1929 Kreissitz des Kreises Kempen. Die Stadt gelangte wieder zu wirtschaftlicher Bedeutung, unter anderem durch die Anbindung an die Bahnlinie Krefeld-Kleve. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt von den Belgiern besetzt. 1929 wurde der Kreis Kempen in den Kreis Kempen-Krefeld umstrukturiert, Kempen blieb Kreissitz. Das traurige Kapitel des Nationalsozialismus machte auch vor Kempen nicht Halt, in der Reichspogromnacht brannte die Synagoge in der Umstraße nieder. Am 10. Dezember 1941 wurden 124 Juden aus dem Kreisgebiet in Kempen in Güterwaggons verbracht und nach Riga deportiert.[3]

In den letzten Kriegsjahren erlitt Kempen mehrere Bombenangriffe, z.B. am 21./22. Juni 1943 und am 8. November 1944. Am 2. März 1945 rückten amerikanische Truppen in Kempen ein; zuvor warfen Flugzeuge einige Bomben ins Zentrum.[4]

Von 1966 an wurde die historische Altstadt umfassend saniert. Durch die Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen kamen am 1. Januar 1970 die bis dahin selbständigen Gemeinden Schmalbroich, St. Hubert und Tönisberg zu Kempen. Von 1970 bis 1974 gehörte auch der heutige Krefelder Stadtteil Hüls zu Kempen.[5] Dessen Umgliederung nach Krefeld wurde vom Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Mit der Kreisreform verlor Kempen am 1. Januar 1975 nach mehr als 150 Jahren den Kreissitz an Viersen. Im Jahr 1994 feierte Kempen sein 700-jähriges Stadtjubiläum.

Das Stadtarchiv Kempen (plus Kreisarchiv Viersen) ist in der Kempener Burg und öffentlich zugänglich.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Kuhtor, einziges noch erhaltenes Stadttor
Kempen, Propsteikirche
Bockwindmühle in Tönisberg

Die von 1396 bis 1400 auf Betreiben des Kölner Erzbischofs Friedrich III. von Saarwerden errichtete kurkölnische Landesburg (Umwandlung zum Schloss durch Einbau großer Fenster 1634) stellt mit ihren drei Türmen in einem Park mit hohen, alten Edelkastanienbäumen eines der Wahrzeichen der Stadt dar. Aktuell beherbergt die Burg unter anderem das Kreis- und Stadtarchiv und ist innen nicht touristisch begehbar.

Den Kern der erst in den letzten Jahrzehnten erheblich erweiterten Stadt bildet die konzentrische historische Altstadt, die früher von einem noch größtenteils erhaltenen Wall und Graben umschlossen wurde. Heutige Straßenbezeichnungen mit den Endungen „-wall“ bzw. „-graben“ deuten auf diese Vergangenheit hin. Nach einer grundlegenden Neuorientierung in den 1970er Jahren gilt Kempen als gelungenes Beispiel einer Altstadtsanierung. Seitdem sind die Gassen mit ihren zum Teil sehr schönen alten Bürger- und Fachwerkhäusern weitgehend als Fußgängerzone ausgewiesen und laden zum stimmungsvollen Bummeln ein. Insbesondere der Buttermarkt, der alte Marktplatz der Stadt, reizt zum Verweilen in den Straßencafés. Die Skulptur „Kappesbauern“ gilt als Meisterwerk.

Kirchen[Bearbeiten]

Den weithin sichtbaren Mittelpunkt der Stadt bildet die Propsteikirche St. Marien. Sie beherbergt bedeutende historische Schnitzarbeiten, drei Antwerpener Retabel und Gemälde.

Das ehemalige Franziskanerkloster Kempen, ursprünglich 1627 bis 1630 errichtet, in seiner heutigen äußeren Form 1746 bis 1748, diente nach der Vertreibung der Minderbrüder 1802 als Lazarett, Lehrerseminar, Gymnasium, Finanzamt und Kreisverwaltung. Heute beherbergt es das städtische Kramer-Museum, die Stadtbibliothek und das Thomas-Archiv. Es ist verbunden mit der angrenzenden Paterskirche (fertiggestellt 1640), der größten Saalkirche am Niederrhein. Seit 1979 – obwohl als Kirche nicht grundsätzlich aufgegeben – wird sie als Museum für niederrheinische Sakralkunst und vor allem als Konzertstätte genutzt.

Die an den Buttermarkt angrenzende Heilig-Geist-Kapelle, erbaut 1421 als Kapelle des Hospitales, erlebte in ihren Nutzungen ein wechselvolles Schicksal und wurde 2005 zu einer religiösen Buchhandlung umgewidmet.

Weiteres[Bearbeiten]

Die Turmmühle (erbaut 1481) ist Teil der Stadtmauer und wurde bei ihrer Restaurierung wieder mit Windmühlenflügeln versehen. Das Kuhtor, erbaut um 1350, bildet den Zugang zur Altstadt von Norden her. Von der südlichen Stadtbefestigung ist der Peterturm (errichtet Ende des 15. Jahrh.), ein Teil des früheren stark gesicherten Petertores, erhalten.

Sehenswert in den anderen Stadtteilen sind vor allem der Berfes, ein bäuerlicher Fachwerk-Wehrturm in St. Hubert, die Bockwindmühle in Tönisberg und die Rittersitze Haus Velde und Haus Steinfunder in Schmalbroich. Unmittelbar südlich der Stadt befindet sich die romanische Kapelle St. Peter.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Kempen

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

St. Martinszug[Bearbeiten]

Der Kempener St. Martinszug ist einer der größten Deutschlands und findet seit nunmehr 125 Jahren jedes Jahr am 10. November statt. Tausende von Kempener Schülern nehmen mit selbstgebastelten Fackeln (Laternen) an diesem Umzug teil, darunter vor allem die Kempener Schüler der Klassen 1 bis 7, aber auch ältere Schüler sowie Kempener Kinder umliegender Schulen wie der Liebfrauenschule Mülhausen. Der Martinszug wird angeführt durch den Heiligen Martin auf dem Pferd, begleitet von zwei ebenfalls berittenen Herolden. Begleitet von vielen Musikkapellen vom ganzen Niederrhein, tragen die Kinder ihre Fackeln durch die Straßen der historischen Altstadt und singen die überlieferten Martinslieder. Nach einem großen Feuerwerk, das von den Türmen der Kurkölnischen Burg gezündet wird, erhält jedes Kind eine Martinstüte im Rathaus, gefüllt mit verschiedensten Leckereien (die sog. „Blo-es“). Auf dem Buttermarkt gibt es dazu ein großes Feuer, an dem die Szene der Mantelteilung nachgestellt wird. Nach dem Zug singen die Kinder noch an den Haustüren für Leckereien. Seit einigen Jahren findet am Vorabend des „großen“ Martinszuges der sehr schöne Kindergarten- und Kleinkinderzug statt, der ebenfalls großen Anklang bei der Bevölkerung findet.

Rosenmontagszug[Bearbeiten]

Alle drei Jahre findet in Kempen der Rosenmontagszug statt, der vom Kempener Karnevalsverein 1914 e. V. organisiert wird.

Radsportrennen "Rund um die Burg"[Bearbeiten]

Der internationale Radsportklassiker „Rund um die Burg“ findet seit über 50 Jahren traditionell immer am 1.Sonntag im Oktober statt. Aufgrund der Dopingvorwürfe im Radsport wurde dieser im Jahre 2007 erstmals abgesagt.

Weitere Veranstaltungen[Bearbeiten]

Als weitere Veranstaltungen sind zu nennen der Kempener Weihnachtsmarkt, der Handwerkermarkt und das Altstadtfest, das mit den seit 2003 stattfindenden Internationalen Highland-Games auf der Kempener Burgwiese gekoppelt ist. Musikalische Veranstaltungen sind die regelmäßigen klassischen Klosterkonzerte und das alle zwei Jahre stattfindende Kempen Musik Festival, beide vom Verein Kempen Klassik e. V. organisiert. Eine weitere Tradition ist der Kempener Weihnachtsrock, der jedes Jahr von der Kempener Band Die Fälscher organisiert und durchgeführt wird.

Bildung[Bearbeiten]

Die Stadt Kempen hat eine lange Tradition als Schulstandort. Die weiterführenden Schulen gruppieren sich in einem Wohngebiet nordwestlich der Altstadt. Die älteste Schule (gegründet 1659) ist die Europaschule Gymnasium Thomaeum. Das Berufskolleg Kempen (jetzt „Rhein-Maas-Berufskolleg“) ist mit weiteren Standorten in Nettetal und Willich eine der größten Schulen im Kreis; sie wird von etwa 3800 Schülerinnen und Schülern besucht. Kempen ist außerdem Standort eines DEULA-Bildungszentrums.

Kempen hat folgende Schulen und Schulformen:

  • 2 Gymnasien mit etwa 2.000 Schülern
  • 1 Realschule mit etwa 1000 Schülern
  • 1 Hauptschule mit etwa 620 Schülern
  • 7 Grundschulen mit etwa 1.880 Schülern
  • 1 Sonderschule mit etwa 140 Schülern
  • Rhein-Maas Berufskolleg Kempen des Kreises Viersen mit Abendgymnasium, Berufsbildenden Schulen (einschließlich Berufsgrundschule und Vorklasse zum Berufsgrundschuljahr), Fachoberschule in Teilzeit- und Vollzeitform, Berufsfachschule (gewerbliche, technische, hauswirtschaftliche und kaufmännische Richtung) und Fachschule für Sozialpädagogik
  • Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik (DEULA)
  • Musikschule des Kreises Viersen

Sportstätten[Bearbeiten]

  • Hallen- und Freibad „aqua-sol“
  • 14 Sport- und Gymnastikhallen
  • 6 Sportplätze
  • 5 Tennisanlagen (3 Außenanlagen, 2 Tennishallen)
  • 2 Reitanlagen
  • 7 Schießsportanlagen
  • 2 Skateranlagen
  • 3 Fitness-Center
  • Tanzschulen

Vereine[Bearbeiten]

Statistisch ist jeder dritte Kempener Mitglied in einem Sportverein. Größter Verein der Stadt ist mit über 2500 Mitgliedern die 'Vereinigte Turnerschaft 1859 e. V.',[7] überregional vor allem durch die erfolgreiche Frauen-Handballabteilung bekannt. Der DJK VfL Tönisberg spielt (Stand xxxx) mit seiner Fußballmannschaft in der Landesliga. Es gibt einen Schwimmverein namens "Aegir 21"[8], der Kempen mit seinen Mitgliedern aller Alterklassen regional und international bei Schwimmwettkämpfen vertritt.

Abseits der traditionell stark frequentierten Sportarten Schwimmen, Fußball, Handball, Volleyball sowie Turnen und Gymnastik gibt es auch eine Reihe von Randsportarten, die in Kempen eine größere Beachtung erleben. Der Kempener Turnverein 1960 hat mit über 460 Mitgliedern die größte Trampolin-Abteilung Deutschlands. Der Segel-Surf-Club hat mit dem Königshütte-See sein eigenes Wassersportrevier.[9] Zum Stadtbild zählen ebenfalls die Flachland-Bouler Kempen, die an der Mühle oder der Burg ihre Sport praktizieren. Zudem gibt es acht Schützenvereine und vier Musikzüge in Kempen.

Mundart[Bearbeiten]

In Kempen „kallt“ man „Kemp`sch Platt“ (im Ortsteil St. Hubert heißt es „Hüppersch Plott“ und in Tönisberg „Berger Platt“). Die Stadt Kempen liegt mit ihren Ortsteilen im Niederfränkischen Mundartraum nördlich der sogenannten Benrather Linie ( mit der maache-maake-Unterscheidung), die das südliche Mittelfränkische (auch Ripuarisch genannt) vom nördlichen Niederfränkischen abgrenzt. Des Weiteren liegt Kempen nördlich einer weiteren, der Uerdinger Mundartlinie, die sich vom Rhein über Traar, an Hüls vorbei nach Kempen und Venlo zieht. Diese Uerdinger Linie (auch ek-ech-Grenze genannt) grenzt das Südniederfränkische (das z.B. in Uerdingen und Krefeld gesprochen wird) vom Nordniederfränkischen ab, das z.B. in Hüls (siehe Hölsch Plott) und Kempen sowie den nördlich davon liegenden Orten des Niederrheins gesprochen wird.

Einer der Hauptunterschiede ist die Aussprache des Personalpronomenes "ich", das im Südniederfränkischen als "ech" oder "isch" gesprochen wird, im Nordniederfränkischen aber als "ek" oder "eck". Auch das Wörtchen "auch" wird unterschiedlich ausgesprochen, nämlich als "ook" im Norden und als "ooch" weiter südlich. Auch das Verb "haben" wird unterschiedlich gesprochen: in Kempen sagt man z.B. "we häbbe". Weiter südlich heißt es "wir hant".

Auch wenn die Mundart auf dem Rückzug ist, so wird Kempener Platt zu Karneval, auf Mundartabenden und in Vereinen (VLN) gepflegt. Auch gibt es eine reichhaltige Mundart-Literatur (u.a. „Min Kempe“ von Wilhelm Grobben; sowie diverse Veröffentlichungen und Bücher des aus St. Hubert stammenden Autors Jupp Pasch). Eine interessante Mundart-Quelle ist auch eine privat betriebene Webseite "min-kempe".

Politik[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Rat der Stadt Kempen nach der Kommunalwahl 2009

Kommunalwahl 2009[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl 2009 gab es eine Wahlbeteiligung von 55,96 % (-2,63 %). Auf die CDU entfielen 47,1 % (-2,33 %), auf die SPD 22,9 % (-5,3 %) der Wählerstimmen. Die Grünen erreichten 12,7 % (+0,87 %) und die FDP 10,8 % (+0,21 %). Die erstmals angetretenen Freien Wähler Kempen (FWK) konnten 6,5 % der Stimmen holen. Volker Rübo (CDU) wurde mit 62,1 % der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Auf die Bürgermeisterkandidaten, Andreas Gareißen (SPD) und Achim Straeten (B 90/Die Grünen), entfielen 24,7 % bzw. 13,3 % der Stimmen.

Stadtdirektoren[Bearbeiten]

Aufgeführt sind die Stadtdirektoren bis zur Einführung der eingleisigen Verwaltungsspitze.

  • 1945–1947 August Färvers
  • 1948–1951 Wilhelm Dericum
  • 1951–1959 Peter Schrievers
  • 1960–1990 Klaus Hülshoff (CDU), Ehrenbürger der Stadt Kempen
  • 1990–1999 Karl Hensel (CDU)

Bürgermeister[Bearbeiten]

In Kempen war von 1945 bis 1999 die Verwaltungsspitze nach der Norddeutschen Ratsverfassung zweigeteilt, der Bürgermeister ehrenamtlich tätig. Seitdem gibt es die eingleisige Verwaltungsspitze, der bisherige Stadtdirektor Karl Hensel wurde nun hauptamtlicher Bürgermeister.

  • 11/1869 – 1878 Theodor Mooren
  • 02/1879 − 02/1903 Christian Plum
  • 03/1903 − 11/1917 Karl Lück
  • 02/1918 − 03/1930 Josef Kloos
  • 03/1930 − 03/1933 Wilhelm Monar
  • 03/1933 − 07/1933 Josef Wolff
  • 09/1933 − 06/1934 Gustav van Beek
  • 07/1934 – 06/1945 Gustav Mertens
  • 06/1945 – 12/1945 August Färvers
  • 12/1945 – 11/1948 Peter Kother
  • 11/1948 – 11/1956 Matthias Hoogen (Zentrum, ab 1949 CDU)
  • 11/1956 – 11/1968 Heinrich Tebartz (CDU)
  • 11/1968 – 11/1989 Heinz Aan den Boom (CDU)
  • 11/1989 – 10/1999 Karl-Heinz Hermans (CDU)
  • 10/1999 – 10/2009 Karl Hensel (CDU)
  • seit 21. Oktober 2009 Volker Rübo (CDU)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kempen unterhält mit vier Städten Städtepartnerschaften:

Darüber hinaus bestehen freundschaftliche Verbindungen zur Gemeinde Minheim an der Mosel.

Wappen und Banner[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geviert von Silber, Blau, Rot und Silber durch ein durchgehendes schwarzes Balkenkreuz, in 1 ein Paar sich seitlich an den kreuzartigen Griffen berührende blaue Schlüssel mit nach außen gewandten Bärten, in 2 ein ungesichteter zunehmender goldener Halbmond, links begleitet von einem sechsstrahligen goldenen Stern.“

Das älteste Stadtsiegel von 1305 zeigt bereits die Mondsichel mit Stern sowie zwei gegeneinander gekehrte Schlüssel. Das Stadtwappen erscheint erstmals 1486 auf der Rückseite des Zelebrantenstuhles in der Pfarrkirche. Das schwarze Kreuz symbolisiert die Landesherrschaft des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten, die Schlüssel gehören dem heiligen Petrus, bei Mond und Sichel handelt es sich um Symbole der heiligen Maria (Schutzpatronin der Pfarrkirche). Die Farben schwarz und weiß bzw. silber stammen aus dem Wappen des früheren Landesherrn, rot und blau sind die Marienfarben.[10]

Das Banner zeigt die Farben blau-rot im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift mit dem Wappen im Schild etwas oberhalb der Mitte. Für den allgemeinen Gebrauch darf auch eine Flagge ohne Wappenschild geführt werden.[11]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Empfangsgebäude des Bahnhofs

Kempen liegt südlich der Bundesautobahn 40 (AntwerpenVenloRuhrgebiet). Die Bundesstraße 509 (Krefeld–Nettetal) führt von Westen nach Osten durch das Stadtgebiet. Die Bundesstraße 9 (Kranenburg–Köln–Mainz–Lauterbourg) führt südlich von Tönisberg kurz durch das Stadtgebiet. Daneben ist Kempen durch zahlreiche Landesstraßen und Kreisstraßen mit den Nachbargemeinden verbunden. Kempen ist mit Ausnahme des Westens fast vollständig von einer Umgehungsstraße umgeben. Die Altstadt ist im Zuge der Sanierung bis auf zwei Straßen zur Fußgängerzone umgebaut worden, verfügt aber über ein Parkleitsystem mit zahlreichen Parkplätzen entlang der Stadtmauer.

Der Bahnhof Kempen liegt an der linksniederrheinischen Strecke. Er wird im Stundentakt, montags bis freitags tagsüber alle 30 Minuten, vom RE 10 „Niers-Express“ Kleve–Düsseldorf über Krefeld bedient. Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der NordWestBahn (NWB), welche Dieseltriebwagen vom Typ LINT 41 in Einzel- bis Dreifachtraktion einsetzt.

Zudem fahren mehrere Buslinien vorwiegend im Stundentakt in die Stadtteile und die umliegenden Gemeinden. Im öffentlichen Personennahverkehr gilt der regionale Tarif des VRR (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr) und somit der NRW-Tarif.

Öffentliche und kulturelle Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Stadt Kempen ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Finanzamts. Die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist verwaltet neben dem gleichnamigen Krankenhaus auch zwei Altenheime. Am westlichen Stadtrand liegt das Freizeitbad aqua-sol.

Am Marktplatz liegt ein gut besuchtes Kino (Kempener Lichtspiele) mit 4 Kinosälen. In den Räumen des Franziskanerklosters liegt die Stadtbibliothek. Die nebenstehende Paterskirche wird als Konzertraum genutzt.

Altstadtsanierung[Bearbeiten]

Restaurierte Fachwerkhäuser in der Alten Schulstraße

Bei einem Bummel durch die Kempener Altstadt fallen dem Besucher immer wieder schmucke alte Häuserzeilen oder mittelalterliche Befestigungsanlagen auf. Diese Zeugnisse vergangener Zeiten zu erhalten und zur Geltung zu bringen, dabei jedoch gleichzeitig die Entwicklung Kempens zu einer jungen, lebendigen Stadt zu ermöglichen, war Ziel der Stadtsanierung der Jahre 1969 bis 1994. Über 220 Mio. DM wurden von Stadt, Land und Bund sowie privaten Investoren in dieses Projekt gesteckt, bei dem innerhalb der alten Stadtmauern Bausünden bereinigt, Fachwerk- und Patrizierhäuser restauriert und der Kraftfahrzeugverkehr weitgehend ausgelagert wurden – so sind nun fast 80 % des gut 190.000 m² großen sanierten Rundlings Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.

Schließlich wurde vor den Toren der Altstadt der Gürtel der einstigen Wall- und Grabenanlagen wieder freigelegt und in eine zum Spazieren und Entspannen einladende Grünanlage verwandelt. Hierdurch erhielt der mittelalterliche Stadtkern sein geschlossenes Erscheinungsbild zurück.

1989 wurde Kempen in die Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne in Nordrhein-Westfalen aufgenommen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nach der Abwanderung der Kreisverwaltung nach Viersen und des damit verbundenen Verlustes von Arbeitsplätzen versuchte die Stadt Kempen durch eine verstärkte Ansiedlungspolitik neue Arbeitsplätze in der Stadt zu schaffen. Inzwischen ist fast das gesamte Gebiet zwischen Bahnstrecke und Umgehungsstraße ein riesiges Gewerbegebiet. Hier liegt auch das Technologie- und Gründerzentrum Niederrhein, das mit dem Ziel gegründet wurde, Jungunternehmen zu fördern.

Die Kempener Wirtschaft verfügt über einen Mix aus zahlreichen klein- und mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen. Schwerpunkte sind die Branchen Elektrotechnik (Clatronic, Woodward Kempen GmbH), Druckerei und Handel (te Neues) sowie Nahrungs- und Genussmittel (Griesson – de Beukelaer, Sauels AG, Absatzzentrale Niederrhein). SEW ist Hersteller von Wärmetauscher für Industrie und Klimaanlagen. Die Firma dimension-polyant in St. Hubert ist Weltmarktführer in der Fertigung von Segeltuch, das Unternehmen NAUE mit seinem Produktionsstandort für Geokunststoffe in Tönisberg, Vorreiter im Gewässerschutz

Die Kempener Altstadt verfügt über eine große Fußgängerzone mit zahlreichen kleinen Fachgeschäften. Zum Schutz der Altstadt hat die Stadtverwaltung ein Zentrenkonzept entwickelt, das die Ansiedlung von Geschäften mit zentrenrelevantem Sortiment auf der „Grünen Wiese“ verhindern soll. Einige großflächige Fachmärkte liegen im Norden der Stadt. Die Stadtteile St. Hubert und Tönisberg verfügen über kleinere Ortsteilzentren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Hugo Herfeldt (1847–1929), Regierungsbaumeister und Kommunalpolitiker
  • Peter Kother (1878-1962), u.a. Bürgermeister[12]
  • Klaus Hülshoff, Stadtdirektor 1960-1990
  • Karl-Heinz Hermans, Bürgermeister 1989–1999

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Wilmius: Chronicon rerum Kempensium. Ins Deutsche übertragen von Felix Rütten. Bearbeitet und hrsg. von Jakob Hermes. Lambertz-Tölkes, Krefeld 1985. (Chronik von 1632.)
  • Gerhard Terwelp: Die Stadt Kempen im Rheinlande. 1. Teil Festschrift zur 600jährigen Jubelfeier. Kempen (Rhein) 1894.
  • Karl Baedeker: Die Rheinlande ... - Handbuch für Reisende. Verlag Karl Baedeker, Leipzig, 31. Aufl. 1909.[13]
  • Hans Josef Birker: Kempen. Droste Verlag GmbH, Düsseldorf 1981, ISBN 3-7700-0603-8.
  • Jakob Hermes: Das alte Kempen. Eine Stadt im Spiegel der Jahrhunderte. Krefeld 1982.
  • Josef Reuter: Frommes Kempen. Heiligenhäuschen, Wegkreuze und andere sakrale Kleinkunstwerke im Gebiet der Stadt Kempen. Pfarrgemeinde St. Marien, Kempen 1987.
  • Ulrich Stevens, Friedhelm Weinforth, Carsten Sternberg: Stadt Kempen am Niederrhein. Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Rheinische Kunststätten, Heft 44, Neuss 1989, ISBN 3-88094-645-0.
  • Friedhelm Weinforth: Campunni – Kempen. Geschichte einer niederrheinischen Stadt. Schriftenreihe des Kreises Viersen, Band 39,1. Viersen 1993.
  • Friedhelm Weinforth: Campunni - Kempen. Geschichte einer niederrheinischen Stadt - Aufsätze -. Schriftenreihe des Kreises Viersen, Band 39,2. Viersen 1993, ISBN 3-928441-16-7.
  • Josef Reuter: Thomas von Kempen in Kempen. Verehrung und Erinnerung. Pfarrgemeinde St. Marien, Kempen 1996.
  • Hanns Peter Neuheuser: Die Handschriften des Propsteiarchivs Kempen. Köln 1999, ISBN 3-412-14097-X.
  • Axel Küppers: Menschen in Kempen. Brühl 2002, ISBN 3-936285-03-9.
  • Lilia Wick: Geschichte der Frauen in Kempen. Arbeit, Bildung und Öffentlichkeit im 19. und 20. Jahrhundert. Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-475-3.
  • Christoph Dautermann, Ulrich Schäfer: „...sehr prächtig und mit großem Aufwand erbaut...“. Baugeschichte und Inventar der Propsteikirche St. Mariae Geburt in Kempen. Schriftenreihe des Kreises Viersen, Band 46, Viersen 2005, ISBN 3-931242-16-1.
  • Soli Deo gloria. Museum für Niederrheinische Sakralkunst in der Paterskirche Kempen. Herausgegeben von Elisabeth Friese, Kulturforum Franziskanerkloster Kempen, Kempen 2005, ISBN 3-89355-945-0.
  • Hans-Jürgen van der Gieth, Hardy Mosel: Kempen, Ansichten. Kempen 2006, ISBN 3-938458-93-3.
  • Ina Germes-Dohmen: Gott segne das ehrbare Handwerk. Geschichte des Katholischen Gesellenvereins und der Kolpingsfamilie in Kempen 1856–2006. Kempen 2006, ISBN 3-933969-64-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kempen (Niederrhein) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. Kommunalprofil der Stadt Kempen www.it.nrw.de Abgerufen am 31. Mai 2013
  3. Rheinische Post/Grenzland-Kurier vom 10. Dezember 2011 Seite C7: Vom Bahnhof aus in den Tod
  4. Hanns Peter Neuheuser: Quellen und Beiträge aus dem Propsteiarchiv Kempen, Band 2, Böhlau Verlag Köln Weimar, 1998, S. 131 (Google Books)
  5.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 114.
  6. www.kreis-viersen.de
  7. kempen.de
  8. http://www.aegir-kempen.de
  9. Rheinische Post
  10. Friedhelm Weinforth: Campunni - Kempen, Band 1, 1993, S. 30-33.
  11. Hauptsatzung der Stadt Kempen (PDF; 821 kB)
  12. Jakob Hermes: Das alte Kempen. Krefeld 1982, S. 207.
  13. Rheinische Post 12. November 2011: "Kempen vor 100 Jahren"