Ken Tyrrell

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Ken Tyrrell
1971 in Monaco

Ken Tyrrell (eigentlich Robert Kenneth Tyrrell) (* 3. Mai 1924 in East Horsley, Surrey; † 25. August 2001)[1] war ein britischer Automobilrennfahrer und -rennstallbesitzer. Sein Team Tyrrell Racing Organisation war in der Formel 1-Weltmeisterschaft erfolgreich.

Jugend[Bearbeiten]

Ken Tyrrell verließ die Schule mit 14 Jahren. Anfänglich arbeitete er als Bote für den Apotheker seines Heimatortes, später war er als Fließbandarbeiter in einer Feuerzeugfabrik beschäftigt. Während des Zweiten Weltkriegs diente Tyrrell in der Royal Air Force, zunächst als Flugzeugmechaniker und später, nachdem er sich in Abendkursen zum Ingenieur weitergebildet hatte, in einer Konstruktionsabteilung. Nach Kriegsende gründete Ken Tyrrell mit seinem Bruder Bert einen kleinen Gartenbaubetrieb, der sich in erster Linie mit Baumfällarbeiten beschäftigte. Daraus entwickelte sich zu Beginn der 1950er-Jahre ein Holzhandelsunternehmen, mit dem Ken Tyrrell zu Wohlstand kam.[2] Das auf diese Weise verdiente Vermögen ermöglichte es Tyrrell, sich in der Freizeit im Rennsport zu engagieren.[1]

Tyrrells Zeit bei Cooper[Bearbeiten]

1951 fuhr Ken Tyrrell in der 500-cm³-Klasse der Formel-3-Autos ein Fahrzeug mit einem Cooper-Chassis. Ende der 1950er-Jahre begann er, Autos für andere Fahrer vorzubereiten. Im Auftrag von Henry Taylor betreute er einen Cooper in der Formel 2. Die Beziehungen zwischen Cooper und Ken Tyrrell wurden enger; 1960 wurde die Tyrrell Racing Organisation gegründet, um das Cooper-BMC-Team in der Formel Junior zu leiten. 1961 startete das Unternehmen auch in der britischen Mini-Rennwagenserie.[1]

Nachdem 1964 in der Formel 3 neue Regeln festgelegt worden waren, konnte Tyrrell Jackie Stewart und Warwick Banks für sein Team gewinnen. Stewart gewann den britischen Formel-3-Titel, Banks die ersten europäischen Tourenwagen-Meisterschaften in einem Mini Cooper S. Nach einem schweren Verkehrsunfall John Coopers übernahm Tyrrell für einige Monate die Leitung des Cooper-Formel-1-Teams, bevor Cooper es im April 1965 an eine Investorengruppe um den ehemaligen Rennfahrer Roy Salvadori verkaufte. 1965 ging Tyrrell mit zwei Cooper-B.R.M.-Fahrzeugen in der Formel 2 an den Start. Seine Fahrer waren Stewart und Jacky Ickx.[1]

Formel 1 mit Matra[Bearbeiten]

Nachdem Cooper sein Unternehmen an die Chipstead Motor Group verkauft hatte, knüpfte Tyrrell Kontakte zum Rennstall der französischen Firma Matra. Ab 1965 leitete er dort das Formel-2-Team mit den Fahrern Stewart und Ickx. Im Jahr 1968 stieg Tyrrell in die Formel 1 ein.[3] Das Fahrzeug basierte auf einem Matra-Chassis und wurde von einem herkömmlichen Cosworth-DFV-Motor angetrieben. Jackie Stewart konnte damit die Rennen in den Niederlanden und in Deutschland gewinnen. Nach diesen Erfolgen vergrößerte Tyrrell das Team und verpflichtete als zweiten Fahrer den Franzosen Johnny Servoz-Gavin. Stewart konnte in diesem Jahr noch den Sieg beim Großen Preis der USA einfahren. Am Ende der Saison war er Vizeweltmeister.[1] 1969 gewann Stewart die Fahrerweltmeisterschaft und Matra den Konstrukteurstitel. 1970 versuchte Matra Tyrrell darauf zu verpflichten, Motoren und Chassis von Matra zu benutzen.[3]

Eigene Konstruktionen in der Formel 1[Bearbeiten]

Tyrrell P34, Ausstellung
Stefan Bellof im Tyrrell 014 beim Training zum GP von Deutschland 1985 auf dem Nürburgring

Ken Tyrrell setzte in den folgenden Jahren eigene Konstruktionen ein. Das Chassis stammte von March, eingebaut wurden die zuverlässigen Ford-Cosworth-Motoren. Nachdem die Schwächen dieses Chassis offenbar geworden waren, beauftragte Tyrrell Derek Gardner mit der Konstruktion eines Chassis für das Tyrrell-Team. Stewart gewann zunächst noch ein Rennen mit der March-Konstruktion und fuhr ab dem Spätsommer mit dem neuen Tyrrell-DFV 001 weiter.[1] Mit diesem konnte er ein Rennen gewinnen, das nicht zur Weltmeisterschaft zählte. Im Rennen um den Großen Preis von Kanada führte er, bis eine Materialermüdung einen Achsenbruch verursachte. Im Winter wurde das Auto überarbeitet. Stewart konnte 1971 sechs Rennen gewinnen, sein Teamkollege François Cevert gewann den Großen Preis der USA. Stewart wurde zum zweiten Mal Weltmeister, Tyrrell fuhr den Konstrukteurstitel ein.[1]

In den folgenden beiden Jahren kämpften Lotus und Tyrrell um die Vorherrschaft in der Formel 1. 1972 stellte Lotus den Sieger, 1973 wurde Jackie Stewart erneut Weltmeister.[3] Nachdem Cevert bei der Qualifikation zum Großen Preis der USA tödlich verunglückte, musste das Team den Konstrukteurstitel für 1973 abschreiben. Der Tod seines Freundes veranlasste Jackie Stewart einige Wochen später, die Formel 1 zu verlassen.[1]

Für die Saison 1974 unterschrieben Jody Scheckter und Patrick Depailler bei Tyrrell. Der sechsrädrige P34 konnte die in ihn gesetzten Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Scheckter entschied sich im Jahre 1977, zu Wolf zu wechseln. So kamen Ronnie Peterson für 1977 und Didier Pironi für 1978. Da 1979 die Vormachtstellung an die Teams Renault und Ligier überging, konzentrierte sich der Hauptsponsor Elf Aquitaine auf diese beiden und kündigte den Vertrag mit Tyrrell. Daraufhin wurde es für Ken Tyrrell schwer, das nötige Geld zu beschaffen, und er musste unbekannte Fahrer anheuern. So war Tyrrell ein Sprungbrett für Michele Alboreto, Stefan Bellof, Martin Brundle und Jean Alesi.[3] Das Team war zunächst immer noch stark genug, um einige Rennen zu gewinnen, verlor jedoch schließlich endgültig den Anschluss an die Spitze, da Tyrrell sich lange weigerte, die in den 1980er Jahren überlegenen Turbomotoren einzusetzen. Das Team verlor die erfolgversprechenden Fahrer und die großen Sponsoren.

Ende[Bearbeiten]

1989 feierte Ken Tyrrell seinen 65. Geburtstag. An diesem Tag musste er seinen Team-Lastwagen selber nach Monaco fahren, weil nicht mehr genug Personal vorhanden war. Nach mehreren erfolglosen Jahren verkaufte er sein Team im Februar 1998 an British American Tobacco[1] für 30 Millionen Dollar.

1999 wurde Ken Tyrrell zum Präsidenten des British Racing Drivers’ Clubs gewählt, obwohl feststand, dass er krebskrank war. Am 25. August 2001 erlag er seinem Leiden.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartmut Lehbrink: Ken oder die Eiche. Portrait Ken Tyrrell. Oldtimer Markt, Heft 6/2003, S. 184 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j 500race – Internetseite: Ken Tyrrell. Auf: www.500race.org, abgerufen am 6. Januar 2013.
  2. Hartmut Lehbrink: Ken oder die Eiche. Portrait Ken Tyrrell. Oldtimer Markt, Heft 6/2003, S. 184 ff.
  3. a b c d Guardian – Internetseite: Ken Tyrrell – Driving force behind a world champion. Auf: www.guardian.co.uk, 27. August 2001, abgerufen am 6. Januar 2013.