Keratoconjunctivitis epidemica

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Klassifikation nach ICD-10
B30.0+ Keratokonjunktivitis durch Adenoviren
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Keratoconjunctivitis epidemica


Die Keratoconjunctivitis epidemica (medizinischer Kurzjargon: Epidemica oder KCE) ist eine Viruserkrankung der Binde- und Hornhaut des Auges. Aufgrund der starken Kontagiosität (Übertragbarkeit) und der geringen Therapiemöglichkeiten wird die Erkrankung volkstümlich auch oft Augen-Grippe genannt.

Erreger[Bearbeiten]

Erreger sind in der Regel Adenoviren vom Typ 8 und 19 (nur der Subtyp 19a, 19p verursacht hämorrhagische Cystitis) und Typ 37 aus der humanen Adenovirus Spezies D, die sich durch besondere Widerstandsfähigkeit und langanhaltende Infektiosität außerhalb des Wirtskörpers auszeichnen.

Infektionsweg[Bearbeiten]

Es handelt sich um eine hochinfektöse Schmierinfektion, die auch über Handtücher, Türgriffe (vor allem in Schwimmbädern) usw. übertragen werden kann. Daher stehen Maßnahmen zur Prävention oder Verhinderung der Infektionsausbreitung im Vordergrund. Hygienemaßnahmen (etwa Händedesinfektion) sind wichtig. Da bis zum 14. Tag nach Krankheitsbeginn am zweiten Auge Infektiosität besteht, ist eine Isolierung Betroffener durch zusätzliche Krankschreibung für etwa 14 Tage sinnvoll.

Krankheitsverlauf[Bearbeiten]

Die Inkubationszeit der Erkrankung beträgt acht bis neun Tage. Typisch ist ein plötzlicher einseitiger Krankheitsbeginn mit massivem Tränenlaufen, Rötung der Bindehaut, Brennen, Fremdkörpergefühl, Schwellung des Oberlides und der Nickhaut (Plica semilunaris), sowie teilweise schmerzhafter Schwellung eines Lymphknotens (Lymphadenopathie) direkt vor dem Ohr oder am Unterkiefer. In der Regel kommt es nach wenigen Tagen zu einer (milderen) Beteiligung des zweiten Auges.

Als Spätfolgen treten bei 25 % der Menschen charakteristische Hornhauttrübungen, sogenannte Nummuli, auf, die das Sehen langfristig beeinträchtigen können.

Diagnose[Bearbeiten]

Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel durch den Augenarzt aufgrund des klinischen Krankheitsbildes. Der Nachweis erfolgt bei epidemischen Ausbrüchen durch Amplifikation und Sequenzierung der Proben. Es werden vor allem die Hexon- und die Fiber-Komponente sequenziert. In manchen Fällen macht es auch Sinn das ganze Genom zu sequenzieren.

Therapie[Bearbeiten]

Der natürliche Verlauf der Erkrankung ist selbstbegrenzend. Es gibt keine ursächliche Therapie. Antivirale Medikamente zeigen wenig Erfolg, symptomatisch können Tränenersatzmittel als Augentropfen in der Akutphase der Erkrankung sinnvoll sein.

Da die später auftretenden Hornhauttrübungen als Folge der Immunantwort gesehen werden, wird nach überstandener Akuterkrankung eine immunsuppressive Therapie (etwa Steroide oder Cyclosporin) diskutiert. Ansonsten kann auch eine operative Abtragung der Trübungen durch einen Excimerlaser (phototherapeutische Keratektomie, PTK) helfen.

Meldepflicht[Bearbeiten]

Die Keratoconjunctivitis epidemica gehört zu den meldepflichtigen Krankheiten. Meldepflicht besteht nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes allerdings nur beim direkten Nachweis von Adenoviren im Augenabstrich oder gehäuftem Auftreten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Birthe Meyer-Rüsenberg et al.: Keratokonjunktivitis epidemica. Infektionslage und aktuelle Hinweise zu Prophylaxe und Therapie. In: Deutsches Ärzteblatt. 108, Nr. 27, 2011, S. 475–480. (online; PDF; 426 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

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