Kermesbeeren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kermesbeeren
Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) mit hängenden Fruchtständen.

Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) mit hängenden Fruchtständen.

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae)
Unterfamilie: Phytolaccoideae
Gattung: Kermesbeeren
Wissenschaftlicher Name
Phytolacca
L.

Die Kermesbeeren (Phytolacca) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae). Der deutsche Trivialname Kermesbeeren stammt vom persischen Wort kermes für rot.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration der Amerikanischen Kermesbeere (Phytolacca americana)
Phytolacca icosandra mit Blüten- und Fruchtständen
Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) mit hängenden Fruchtständen
Habitus, gestielte einfache Laubblätter und Blütenstände von Phytolacca rugosa.
Habitus, gestielte einfache Laubblätter und Blütenstand von Phytolacca sandwicensis.
Stamm von Phytolacca weberbaueri
Habitus und Blütenstände der Essbaren Kermesbeere (Phytolacca acinosa); sie ist in Mitteleuropa eine invasive Pflanze.
Die aufrecht stehenden Fruchtstände der Essbaren Kermesbeere (Phytolacca acinosa) mit den abgeflachten Beeren.

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten]

Bei Phytolacca-Arten handelt es sich meist um ausdauernde krautige Pflanzen, selten Sträucher oder Bäume, die Wuchshöhen von etwa 1 bis 2 Metern erreichen. Der meist aufrechte, selten kletternde, bleistiftförmige, gefurchte oder kantige Stängel ist manchmal rötlich. Neben jungen Stängeln sind manchmal die Blütenstände behaart, sonst sind die Pflanzenteile unbehaart. Die Wurzeln sind meist dick und fleischig. Die meist gestielten Laubblätter haben eine einfache Blattspreite.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Fünf bis hundert gestielte oder ungestielte Blüten stehen in endständigen oder den Blättern gegenüberstehenden, traubigen, ährigen oder zymösen Blütenständen zusammen.

Die meist zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig. Es sind nur fünf bis manchmal acht Blütenhüllblätter vorhanden; sie sind während der Blütezeit meist grünlich-weiß und vergrößern sich und werden rot während der Fruchtentwicklung. In ein oder zwei Kreisen stehen meist zehn (6 bis 33) Staubblätter; sie sind frei oder an ihrer Basis verwachsen und können aus der Blütenhülle herausragen oder nicht. Es sind 5 bis 16, selten bis zu 30 Fruchtblätter vorhanden; sie sind frei oder verwachsen. Wenn die Fruchtblätter verwachsen sind dann ist der Fruchtknoten fast kugelig. Es sind gleich viele freie, pfriemförmige Griffel wie Fruchtblätter vorhanden.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Als Früchte werden meist fleischige, abgeflachte Beeren, mit meist sechs bis zwölf (selten bis zu 30) Samen, gebildet, die bis zu gleich viele Lappen besitzen wie Fruchtblätter daran beteiligt sind; oder es werden einsamige, achänenähnliche Früchte gebildet. Die schwarzen, glänzenden Samen sind nierenförmig bis zusammengedrückt mit einer harten, zerbrechlichen, unbehaarten Testa.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Verbreitung der Gattung Phytolacca ist fast kosmopolitisch, allerdings sind die meisten Arten ursprünglich in Südamerika heimisch, insgesamt gibt es in der Neuen Welt mehr Arten als in der Alten Welt; nur wenige Arten haben ihre natürliche Heimat in Afrika oder Eurasien. Einige Arten sind weltweit Invasive Pflanzen. Kermesbeeren-Arten (Phytolacca) kommen überwiegend im tropischen bis subtropischen Raum und in Weinbaugebieten vor. Verwilderte Arten sind auf der ganzen Welt zu finden.

Der botanische Gattungsname Phytolacca kommt zum Teil vom griechischen Wort φυτών (phyton) für "Pflanze" und zum anderen vom lateinischen lacca für "Lack" und bezieht sich auf das Aussehen der Beeren. Ein Synonym für Phytolacca L. ist Pircunia Bertero ex Ruschenb..[1]

Die Bestimmung der Arten ist schwierig, dies führte zu vielen Synonymen. Es sind etwa 25 bis 35 Phytolacca-Arten bekannt, hier eine Auswahl:[1]

Invasive Art[Bearbeiten]

Keine der Arten ist in Mitteleuropa heimisch, sondern sie zählen in Mitteleuropa zu den Neophyten. Ob eine schädliche Wirkung auf die einheimische Flora vorliegt, war 2002 noch nicht bekannt [2]. Die Landauer Geoökologin Constanze Buhk warnt, „nach neueren Studien hätten selbst Buchen Schwierigkeiten, auf dem Boden, der von Phytolacca spec. belastet ist, überhaupt keimen zu können. Das mache sie dann entsprechend so konkurrenzstark und damit gefährlich, weil sie dann wirklich alles platt machen könne“.[3] „In vielen Gärten Süddeutschlands findet man sie inzwischen als "Dauer-Gast".“

Nutzung[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Für Säugetiere sind sie aufgrund der Triterpensaponine (Phytolaccagenin) und Lectine gering giftig bis giftig. Die Konzentration der giftigen Inhaltsstoffe nimmt wie folgt ab: Wurzel, Blatt, Stamm, Frucht unreif, Frucht reif. In der Homöopathie werden Extrakte aus der Wurzel bei Grippe, Angina und (Gelenk-)Rheumatismus, sowie bei Milchstau oder Mastitis eingesetzt.

Wegen der Giftstoffe müssen nahrungsmitteltaugliche Produkte der Kermesbeeren behandelt oder entsprechend zubereitet werden. Die Beeren enthalten dunkelroten bis schwarzen Farbstoff, der als Nahrungsmittelfarbe verwendet werden kann. Nach verschiedenen Quellen wurde in Frankreich zur Zeit Ludwig XIV. das Nachfärben von Rotwein mit dem Saft von Kermesbeeren mit der Todesstrafe bedroht.

Die nordamerikanischen Indianer verwendeten den Saft zum Einfärben von Korbwaren. Um Wolle fuchsinrot zu färben, wird die mit Alaun oder Weinstein vorgebeizte Wolle in einen mit Essig gesäuerten Extrakt des Farbstoffes getaucht.

Die Blätter haben eine elliptische Form. In Amerika werden junge Blätter der Kermesbeeren (engl. pokeweed) ähnlich wie Spinat zubereitet. Pokeweed wird in den USA auch als polk salad bezeichnet und spielte in der Küche Louisianas früher eine wichtige Rolle. Tony Joe White schrieb darüber den Song Polk Salad Annie, der auch von Elvis Presley gecovert wurde.

Die Sprossen haben spargelähnlichen Geschmack.

Im Jahr 1989 erhielten Aklilu Lemma und Legesse Wolde-Yohannes für ihre profunde Erforschung der Eigenschaften der Endod-Pflanze (Phytolacca dodecandra) als preiswertes Vorbeugungsmittel gegen Bilharziose sowie für ihren Kampf zur Überwindung der Voreingenommenheit der westlichen Medizin gegenüber der Forschung der Dritten Welt den Right Livelihood Award.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Phytolacca im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. I. Kowarik & U. Starfinger (Hrsg.): Biologische Invasionen. Herausforderung zum Handeln? In: NEOBIOTA, 1, 2002, S. 5-24
  3. Volker Mrasek: Nächste Invasion rollt, Amerikanische Kermesbeere breitet sich massiv in südwestdeutschen Wäldern aus. Deutschlandfunk - Beitrag vom 11. Oktober 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kermesbeeren (Phytolacca) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien