Kernkraftwerk Browns Ferry

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Kernkraftwerk Browns Ferry
Blick auf das Kernkraftwerk
Blick auf das Kernkraftwerk
Lage
Kernkraftwerk Browns Ferry (Alabama)
Kernkraftwerk Browns Ferry
Koordinaten 34° 42′ 25,2″ N, 87° 7′ 14″ W34.707012-87.120552Koordinaten: 34° 42′ 25,2″ N, 87° 7′ 14″ W
Land: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Daten
Eigentümer: Tennessee Valley Authority
Betreiber: Tennessee Valley Authority
Projektbeginn: 1966
Kommerzieller Betrieb: 1. Aug. 1974

Aktive Reaktoren (Brutto):

3  (3.497 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2010: 24.772,92 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 481.335,35 GWh
Stand: 5. Juni 2011
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Browns Ferry ist ein US-amerikanisches Kernkraftwerk und befindet sich am Tennessee River in der Nähe von Athen und Decatur, Alabama, auf der Nordseite (rechtes Ufer) des Wheeler Lake. Die Anlage ist nach einer Fähre benannt, die auf dem Gelände bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts betrieben wurde. Die Anlage verfügt über drei General Electric-Siedewasserreaktoren. Der Eigentümer und Betreiber ist die Tennessee Valley Authority. Das Kraftwerk besitzt einreihige Zellenkühler.[1]

Block 1 während der Bauzeit
Das Kernkraftwerk zur Zeit der Inbetriebnahme 1974
Polyurethan-Schaum wie dieser geriet in Brand

Block 1[Bearbeiten]

Block 1 ist ein Siedewasserreaktor von General Electric mit einer elektrischen Nettoleistung von 1065 MWe und einer Bruttoleistung von 1152 MWe. Der Baubeginn war am 1. Mai 1967, er wurde am 15. Oktober 1973 erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert und ging am 1. August 1974 in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

Brand 1975[Bearbeiten]

Am 22. März 1975 ging ein Techniker beim Kontrollgang auf der Suche nach einem Luftleck mit einer Kerze im Kraftwerk umher. Der Schaumstoff, mit dem die Verkabelungen geschützt waren, fing Feuer, was einen Kabelbrand verursachte. Das Feuer auf der anderen Seite der Mauer (aus Sicht der Zündung gesehen) wurde nicht erkannt, bis erhebliche Schäden an Kabeln im Zusammenhang mit der Kontrolle der Blöcke 1 und 2 aufgetreten waren. Im Block 2 funktionierte zum Herunterfahren nur noch ein einziges Notkühlsystem, im Block 1 gar keines mehr: Bei allen diesen Systemen war die Stromversorgung der Pumpen durch den Brand lahmgelegt worden. Im Notfall konnte man im Block 1 zwei sogenannte Kondensatpumpen (ein normales Betriebssystem, das für Notfälle eigentlich nicht qualifiziert ist), deren Stromversorgung wegen ihrer Lage ziemlich hinten im Maschinenhaus vom Brand nicht tangiert war, wieder in Gang setzen und – nach Abschaltung des Reaktors – die Nachzerfallswärme damit abführen. Rund fünf Stunden danach ergab sich im Block 1 ein weiteres Problem: Die Druckentlastungs-Ventile des Reaktorsystems versagten den Dienst. Dass sich hier nicht relativ schnell ein Unfall einstellte, war dem Umstand zu verdanken, dass die Nachzerfallswärme zuvor bereits fünf Stunden lang abgeführt worden war, der Kern also bereits halbwegs abgekühlt war. Man hatte so genug Zeit, den Defekt in der Elektronik zu beheben.[2]

Dieser Brand führte später in der amerikanischen Aufsichtsbehörde Nuclear Regulatory Commission (NRC) zu großen Diskussionen und zu erheblichen Verbesserungen des Brandschutzes in allen US-amerikanischen Kernkraftwerken wie auch weltweit. Der Polyurethan-Schaum zur Kabelummantelung wurde in allen Kraftwerken durch Silikon-Schaum ersetzt. Zudem wurden die Kabelstränge der einzelnen Sicherheitssysteme viel konsequenter voneinander separiert, damit nicht mehr alle Redundanzen gleichzeitig vom Feuer betroffen sein konnten. Es waren in diesem Fall sogar zwei Blöcke auf einmal unfallgefährdet.

Der Reaktor war vom 22. März 1975 bis zum 24. Mai 2007 außer Betrieb. Vor der Wiederinbetriebnahme wurde der Reaktor für 1,8 Milliarden Dollar generalüberholt. Dass die alte Anlage überhaupt noch einmal in Betrieb genommen wurde, lag nach Aussage eines Anwaltes darin, dass das Genehmigungsverfahren dadurch wesentlich einfacher wurde. Die endgültige Stilllegung von Block 1 ist für 2033 vorgesehen.

Block 2[Bearbeiten]

Block 2 ist ebenfalls ein General Electric-Siedewasserreaktor, allerdings mit einer Leistung von 1118 MWe netto und 1155 MWe brutto. Der Baubeginn war am 1. Mai 1967, die erste Netzsynchronisation erfolgte am 28. August 1974, er nahm am 1. März 1975 den kommerziellen Leistungsbetrieb auf. Seit 2005 wird der Block 2 mit niedrig angereichertem Uran beladen.

Aufgrund der, durch eine Dürreperiode verursachten, rasch ansteigenden Wassertemperatur des Tennessee River, und somit auch einer erhöhten Temperatur des Kühlmittels, wurde der Reaktor im August 2007 für einen Tag abgeschaltet.

Die Abschaltung ist für 2034 vorgesehen.

Block 3[Bearbeiten]

Auch Block 3 ist ein General Electric-Siedewasserreaktor und hat eine Nettoleistung von 1114 MWe und eine Bruttoleistung von 1190 MWe. Der Baubeginn war am 1. Juli 1968, er wurde am 12. September 1976 erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert und ging am 1. März 1977 in den kommerziellen Leistungsbetrieb. Die Abschaltung ist für 2036 vorgesehen.

Störungen[Bearbeiten]

Am 27. April 2011 wurden alle drei Blöcke automatisch abgeschaltet, nachdem starke Stürme Teile des Verbundnetzes in der Region beschädigt hatten. Die Sicherheitssysteme der drei Blöcke funktionierten auslegungsgemäß. Die Stromversorgung wurde von den Notstromdieseln übernommen.[3][4]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Browns Ferry hat drei Blöcke:

Reaktorblock[5] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Browns Ferry-1[6] Siedewasserreaktor 1065 MW 1152 MW 01.05.1967 15.10.1973 01.08.1974 (2033 geplant)
Browns Ferry-2 Siedewasserreaktor 1118 MW 1155 MW 01.05.1967 28.08.1974 01.03.1975 (2034 geplant)
Browns Ferry-3 Siedewasserreaktor 1114 MW 1190 MW 01.07.1968 12.09.1976 01.03.1977 (2036 geplant)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kernkraftwerk Browns Ferry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. zu sehen auf dem Bild
  2. The Fire at the Brown's Ferry Nuclear Power Station (englisch)
  3. Sueddeutsche Zeitung vom 29. April 2011. Abgerufen am 30. April 2011
  4. Blackout NRC Monitors Events at Browns Ferry Nuclear Power Plant After Loss of Offsite Power and Unusual Event Declaration (englisch; PDF-Datei; 197 kB)
  5. Power Reactor Information System der IAEA: „United States of America: Nuclear Power Reactors - Alphabetic“ (englisch)
  6. Dieser Block war vom 22. März 1975 bis zum 24. Mai 2007 abgeschaltet und wurde generalüberholt.