Kernkraftwerk Doel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

f1

Kernkraftwerk Doel
Luftbild des Kernkraftwerks
Luftbild des Kernkraftwerks
Lage
Kernkraftwerk Doel (Belgien)
Kernkraftwerk Doel
Koordinaten 51° 19′ 29″ N, 4° 15′ 31,5″ O51.3247222222224.2587472222222Koordinaten: 51° 19′ 29″ N, 4° 15′ 31,5″ O
Land: Belgien
Daten
Eigentümer: Indivision Doel (EBES , INTERCOM , UNERG)
Betreiber: Electrabel M. V. Nucleaire Produktie
Projektbeginn: 1969
Kommerzieller Betrieb: 15. Februar 1975

Aktive Reaktoren (Brutto):

4  (2963 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2010: 22.025,38 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 601.809,07 GWh
Stand: 16. Mai 2011
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Doel ist ein belgisches Kernkraftwerk. Es liegt auf der Gemarkung von Doel (Gemeinde Beveren) an der Schelde, ca. 25 km nördlich von Antwerpen.

Es ist neben dem Kernkraftwerk Tihange eines von zwei in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken Belgiens. Es besteht aus vier Blöcken mit Druckwasserreaktoren. Block 1 hat eine Leistung von 412 MW, Block 2 hat eine Leistung von 454 MW, Block 3 hat eine Leistung von 1.056 MW, Block 4 hat eine Leistung von 1.041 MW. Die Blöcke 1 und 2 wurden von Westinghouse geliefert, Blöcke 3 und 4 von Framatome. Betreiber ist der belgische Electrabel-Konzern.

Der Betreiber erklärte im November 2011, dass er die Blöcke 1 und 2 ab 2015 vom Netz nehmen wird, da sich weitere Investitionen nicht mehr lohnen.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Sicherheit

Die Blöcke 3 und 4 besitzen je drei Stränge zu 100 % Kapazität für die Notspeisung sowie die Notkühlung, mit individuell zugeordneten Notstrom-Dieselgeneratoren. Dazu gibt es für beide Blöcke noch Kapazitäten in je einem gegen externe Einwirkungen gebunkerten Gebäude.

Die Blöcke 1 und 2 besitzen gemeinsam vier Notspeise- beziehungsweise Notkühlstränge (je 100 %) mit zugeordneten Notstromdieseln als Grundausstattung. Ebenfalls blockgemeinsam ist die zusätzliche gebunkerte Notkühlung mit zugehörigen Dieseln.

Alle Blöcke verfügen über ein Doppelcontainment.[2]

[Bearbeiten] Risse im Druckbehälter von Reaktor 3

Block 3 wurde im August 2012 bis auf weiteres stillgelegt, da Risse im Reaktordruckbehälter entdeckt worden waren. Die sicherheitstechnische Relevanz der Schäden ist noch unklar. Allerdings gebe es "zahlreiche Hinweise" auf Fehler im Stahl des Reaktorbehälters; auch empfahl die belgische Atomaufsichtsbehörde AFCN, alle 21 weiteren Reaktorbehälter des gleichen Herstellers (Rotterdamsche Droogdok Maatschappij) (sie sind unter anderem im KKW Ringhals 2 (Schweden), im KKW Borssele (Niederlande) sowie im KKW Leibstadt und im KKW Mühleberg (Schweiz) im Einsatz) zu prüfen.

Ein Artikel in der französischen Tageszeitung Le Monde am 8. August 2012 machte dies bekannt.[3] [4] Die belgische Atomaufsichtsbehörde AFCN veröffentlichte ein sechsseitiges Informationspapier.[5]

Nicht betroffen sind in Betrieb befindliche deutsche Kernkraftwerke (erste Meldungen hatten anderes gemutmaßt). Eine Ultraschallüberprüfung der belgischen Atomaufsichtsbehörde ergab 8000 Risse an der Reaktorhülle.[6] Über eine eventuelle Wiederinbetriebnahme soll Ende Oktober entschieden werden.[7]

[Bearbeiten] Störfälle

Am 18. März 2011 wurde ein Schaden an der Wasserpumpe der Einheit 4 entdeckt und als Störfall der Stufe 2 auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse eingestuft.[8][9]

Am 4. August 1982 trat nach Ausfall des 380-kV-Netzes und starken Spannungs-Schwankungen im Reservenetz in den beiden ältesten Doel-Blöcken der Notstrom-Fall ein. Vier Dieselgeneratoren starteten, konnten aber wegen Fehlern die zum Kaltfahren nötige Versorgung nicht gewährleisten. Als letzte Reserve trat in beiden Reaktorblöcken ein strom-unabhängiges, vom Dampf der Nachzerfalls-Wärme angetriebenes Kühlsystem in Aktion, bis nach ungefähr einer Stunde die Stromversorgung wieder hergestellt war.[10]

[Bearbeiten] Sonstiges

Eine der abgehenden Stromleitungen kreuzt die Schelde an der Schelde-Freileitungskreuzung Doel unter Verwendung von 170 Meter hohen Masten, von denen einer auf einem Caisson in der Schelde steht.

[Bearbeiten] Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Doel hat insgesamt vier Blöcke:

Reaktorblock[11] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Doel-1 Druckwasserreaktor 392 MW 412 MW 01.07.1969 28.08.1974 15.02.1975 (2015)
Doel-2 Druckwasserreaktor 433 MW 454 MW 01.09.1971 21.08.1975 01.12.1975 (2015)
Doel-3 Druckwasserreaktor 1006 MW 1056 MW 01.01.1975 23.06.1982 01.10.1982 (2022) /s. Aug 2012 abgeschaltet
Doel-4 Druckwasserreaktor 1008 MW 1041 MW 01.12.1978 08.04.1985 01.07.1985 (2025)

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Kernkraftwerk Doel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.az-web.de/artikel/1863513
  2. Electrabel: Zone de production nucléaire Doel, 2000
  3. Belgique : la fiabilité de deux réacteurs nucléaires remise en cause
  4. Belgien schaltet AKW ab. In: N-tv.de, 9. August 2012. Abgerufen am 10. August 2012.
  5. "Flaw indications in the reactor pressure vessel of Doel 3 (Stand 3. September 2012; PDF; 182 kB)
  6. Risse an Reaktorbehältern heise.de, 21. August 2012, abgerufen am 22. August 2012
  7. Belgische Atomaufsicht findet 8000 Risse im Reaktor Doel Abgerufen am 18. August 2012.
  8. http://brf.be/nachrichten/national/193451/
  9. http://www.electrabel.com/standalone/corporate/nuclear/afwijking_doel4_18_03_21.pdf
  10. Strålsäkerhetsmyndigheten SKI-Report IRS Event code 022100: PDF
  11. Power Reactor Information System der IAEA: „Belgium, Kingdom of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)