Kernkraftwerk Emsland

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Kernkraftwerk Emsland
Kernkraftwerk Emsland
Kernkraftwerk Emsland
Lage
Kernkraftwerk Emsland (Niedersachsen)
Kernkraftwerk Emsland
Koordinaten 52° 28′ 27,2″ N, 7° 19′ 4,3″ O52.4742305555567.3178583333333Koordinaten: 52° 28′ 27,2″ N, 7° 19′ 4,3″ O
Land: Deutschland
Daten
Eigentümer: 87,5 % RWE
12,5 % E.ON
Betreiber: KKW Lippe-Ems
Projektbeginn: 1982
Kommerzieller Betrieb: 20. Juni 1988

Aktive Reaktoren (Brutto):

1  (1.406 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2014: 10.954,900 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 286.311,96 GWh
Website: Seite bei RWE
Stand: 31. Dezember 2014
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.
Modell des Reaktorgebäudes mit Maschinenhaus im Besucherinformationszentrum des KKE

Das Kernkraftwerk Emsland (KKE) befindet sich nahe Lingen im Landkreis Emsland, Niedersachsen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Kraftwerk wurde als Ersatz für das 1977 stillgelegte Kernkraftwerk Lingen geplant und Anfang der 1980er Jahre gebaut. Der Reaktor wurde am 14. April 1988 zum ersten Mal kritisch und nahm am 20. Juni 1988 den kommerziellen Betrieb auf. Das Kraftwerk besitzt einen Druckwasserreaktor vom Typ Konvoi, der 4. und modernsten Druckwasserreaktor-Generation in Deutschland. Nachfolger dieses Baumusters ist der EPR (European Pressurized Water Reactor) des Herstellers AREVA; vormals Framatome ANP, einem Konsortium aus Siemens/KWU und der französischen Framatome. Im Reaktor befinden sich 193 Brennelemente mit einem Schwermetallgewicht von insgesamt 103 Tonnen. Das Kernkraftwerk Emsland hat eine elektrische Leistung von 1.406 MW (brutto). Abzüglich des Eigenbedarfes von 71 MW werden bis zu 1.335 MW in das Verbundnetz eingespeist. Der Netzanschluss erfolgt über die Schaltanlage Hanekenfähr auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.[1] Außerdem steht der Anlage ein 152 Meter hoher Naturzug-Nasskühlturm zur Verfügung, welcher als Rückkühlanlage und im Ablaufbetrieb einsetzbar ist.

Die endgültige Abschaltung des Kernkraftwerks Emsland muss spätestens Ende 2022 erfolgen.[2] Nördlich des Kraftwerks befinden sich das stillgelegte Kernkraftwerk Lingen und das Erdgaskraftwerk Emsland.

Im Dezember 2002 wurde auf dem Gelände des Kernkraftwerks das 'Standortzwischenlager Lingen' (SZL) in Betrieb genommen. Dort werden die verbrauchten Brennelemente in Castor-Behältern zwischengelagert, bis diese in ein Endlager, das die Bundesregierung bis spätestens 2030 bereitstellen muss, gebracht werden können.[3] In diesem Zwischenlager befinden sich 130 Lagerplätze für Behälter mit einem Schwermetallgewicht von 1.250 Tonnen.[4] Das SZL hat zum Schutz vor äußerlichen Einwirkungen, wie Erdbeben, Explosionen oder Flugzeugabstürzen, ein 1,30 Meter dickes Betondach und 1,20 Meter dicke Betonwände.

Radioaktivität[Bearbeiten]

Betriebsbedingt geben Kernkraftwerke geringe Mengen radioaktiver Stoffe in Abluft und Abwasser ab (Emission). Das Atomgesetz verpflichtet die Aufsichtsbehörden unter anderem dazu, den Betrieb hinsichtlich der zugelassenen Grenzwerte zu überwachen. Eine entsprechende Übersicht auch für das KKE findet sich auf den Seiten des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz.[5]

Betriebsstörungen[Bearbeiten]

Am 24. Juli 2009 wurde durch eine Störung der Kategorie N (Normal) im Stufenschalter eines Maschinentransformators das Kraftwerk vom Netz getrennt und in der Folge eine Reaktorschnellabschaltung noch in der Nacht veranlasst.[6] Im Quartalsbericht 3/2009 des Bundesamtes für Strahlenschutz ist dieses Ereignis aufgelistet als „24.07.2009, KKE, Ausfall der Blockeinspeisung mit nachfolgender Reaktorschnellabschaltung über niedrigen Dampferzeugerfüllstand, 09/072, N, 0.“[7] In der Systematik der internationalen Bewertungsskala (INES) hat der Zwischenfall unter der Betrachtung des dritten Aspekts, der Beeinträchtigung der Sicherheitsvorkehrungen, keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung (INES 0).

Am 3. April 2015 wurde das Kernkraftwerk wegen einer Leckage kurzfristig vom Netz genommen.[8]

Sonstiges[Bearbeiten]

Wie auch andere Kernkraftwerke ist das Kraftwerk grundsätzlich für den Lastfolgebetrieb geeignet. Der Betreiber gibt an, dass das Kraftwerk bei Bedarf auch im Lastfolgebetrieb gefahren wird. Hierzu wird bei niedriger Stromnachfrage und hoher Windenergieeinspeisung die Leistung gedrosselt. Das KKW könne in rund 60 Minuten die Leistung um bis zu 850 Megawatt reduzieren.[9]

Die seit Jahren beantragte Leistungserhöhung um 100 Megawatt auf eine thermische Reaktorleistung von 3.950 Megawatt, mit einhergehender Erhöhung der elektrischen Leistung auf 1.442 Megawatt (brutto) und 1.370 MW (netto), liegt trotz der Vergleichbarkeit mit der bereits durchgeführten Leistungserhöhung der nahezu baugleichen Konvoi-Anlage Isar 2 auf Eis.

Daten des Reaktorblocks[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Emsland hat einen Kraftwerksblock:

Reaktorblock[10] Reaktortyp Reaktorgeneration elektrische
Nettoleistung
elektrische
Bruttoleistung
thermische
Reaktorleistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschaltung
Emsland (KKE) Druckwasserreaktor 4. Generation / Konvoi 1.335 MW 1.406 MW 3.850 MW 10.08.1982 19.04.1988 20.06.1988 spätestens 2022 [11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 02.07.2012. Abgerufen am 21. Juli 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).
  2. Dreizehntes Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes vom 31. Juli 2011 (BGBl. I S. 1704).
  3. Bundesamt für Strahlenschutz: Dezentrale Zwischenlager, gesehen am 24. April 2010.
  4. Deutsches Atomforum e. V.: Kernenergie - Aktuell 2007, Kapitel Zwischenlager/Transporte. Berlin, September 2007.
  5. Überwachung kerntechnischer Anlagen
  6. Kernkraftwerk Emsland vom Netz. RWE Power. 24. Juli 2009. Abgerufen am 24. Juli 2009.
  7. Quartalsbericht 3/2009 zu Meldepflichtigen Ereignissen in Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen in der Bundesrepublik Deutschland:  Bundesamt für Strahlenschutz, Bundesamt für Strahlenschutz (Hrsg.): Quartalsbericht 3/2009 zu Meldepflichtigen Ereignissen in Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen in der Bundesrepublik Deutschland. Quartalsbericht 3/2009, 24. Juli 2009 (Originaltitel: Quartalsbericht 3/2009 zu Meldepflichtigen Ereignissen in Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen in der Bundesrepublik Deutschland) (http://www.bfs.de/de/kerntechnik/ereignisse/berichte/qb_kf_2009_3.html).
  8. Leck am AKW Emsland, DPA-Meldung, in: Süddeutsche Zeitung, 4. April 2015, S. 6
  9. /pressemitteilungen/pressemitteilungen/?pmid=4011688 RWE RWE-Pressemeldung vom 15. August 2014
  10. Power Reactor Information System der IAEO: „Germany, Federal Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  11. tagesschau.de: Regierung beschließt Atomausstieg