Kernkraftwerk R. E. Ginna

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Kernkraftwerk R. E. Ginna

BW

Lage
Kernkraftwerk R. E. Ginna (New York)
Kernkraftwerk R. E. Ginna
Koordinaten 43° 16′ 39,5″ N, 77° 18′ 31,7″ W43.277642643458-77.308794379251Koordinaten: 43° 16′ 39,5″ N, 77° 18′ 31,7″ W
Land: Vereinigte Staaten
Daten
Eigentümer: Exelon
Betreiber: Exelon
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Robert Emmett Ginna, weitläufig bekannt als Ginna (Betonung: gun-NAY), ist ein am Südufer des Ontariosees gelegenes Kernkraftwerk. Es ist bei Ontario, New York im Wayne County, etwa 20 Meilen östlich von Rochester gelegen. Ginna ist eines der ältesten Kernkraftwerke in den USA, die immer noch am Netz sind. Es ging am 2. Dezember 1969 ans Netz und besteht aus einem einzelnen Druckwasserreaktor von Westinghouse, der denen in Point Beach, Kewaunee, und Prairie Island ähnelt.

Der Reaktor[Bearbeiten]

Es gibt eine Besonderheit bezüglich des Reaktordesigns: Zu den Seiten hin ist die Reaktorkuppel mit Wänden zugebaut, das Dach hingegen ist offen. Betrachtet man das Reaktorgebäude daher von den Seiten, wirkt es wie eine große, fensterlose Fabrikhalle, ähnlich wie die zahlreichen General Electric-Siedewasserreaktoren. Erst aus der Luft ist durch das offene Dach die Kuppel des Druckwasserreaktors erkennbar. Zugebaute Druckwasserreaktoren mit rechteckigen Reaktorgebäuden sind allgemein eine Ausnahmeerscheinung, eine Kuppel- oder Zylinderform ist die Regel. In den USA besitzen lediglich noch der Block 2 im Kernkraftwerk Millstone sowie die beiden Reaktorblöcke im Kernkraftwerk Point Beach dieses Design.

Das Kraftwerk wurde nach Robert Emmett Ginna, einem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Energieversorgers Rochester Gas & Electric benannt, welcher einer der ersten Förderer von Atomkraft als Stromerzeugungsressource in den USA war.

Eigentümer und Betreiber von Ginna ist CENG, nachdem das Unternehmen das Kraftwerk 2004 von Rochester Gas and Electric erworben hat. Nachdem Constellation Energy im März 2012 aufgekauft wurde, ist dessen neues Mutterunternehmen, Exelon, neuer Eigentümer des Kraftwerks.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Ginna wurde am 25. Januar 1982 Schauplatz eines nuklearen Störfalls, nachdem die Röhre eines Dampfgenerators gebrochen war und eine geringe Menge von radioaktivem Dampf freigesetzt wurde. Das Leck bestand 93 Minuten lang und führte zu einer Notfallmeldung. Der Bruch wurde durch einen bratpfannengroßen Gegenstand verursacht, der während Wartungsarbeiten im Dampferzeugerraum zurückgelassen wurde. Das war nicht das erste Mal, dass es in einem amerikanischen Kernreaktor zu einem Röhrenbruch gekommen war, jedoch hat die zeitliche Nähe zum Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island beträchtliche Aufmerksamkeit auf den Vorfall im Kernkraftwerk Ginna gelenkt. Insgesamt wurden 485,3 Curie Edelgas und 1,15 Millicurie Iod-131 freigesetzt, außerdem verlor der Reaktor 64 Hektoliter kontaminiertes Wasser.

Im Jahre 1996 wurden die beiden ursprünglichen Westinghouse-Dampfdruckerzeuger durch zwei neue von Babcock & Wilcox ersetzt, dabei wurde auch der Dampfgenerator ersetzt, der 1982 beschädigt und anschließend repariert wurde. Dieses Projekt ermöglichte einige Jahre später eine Leistungserhöhung des Reaktors und war ein Hauptfaktor bei der Genehmigung einer 20-jährigen Laufzeitverlängerung (ursprünglich bis 2009).

Zukunft des Kraftwerks[Bearbeiten]

Durch den Ausbau erneuerbarer Energien und vermehrtes Fracking sind die Strompreise in der Region Upstate New York von 55 Dollar pro Megawattstunde auf 32 Dollar gesunken. Ähnliche Entwicklungen in anderen Regionen haben zuvor im Jahre 2013 zu Beschlüssen über die Stilllegung von Kernkraftwerken wie Kewaunee oder Vermont Yankee geführt. Da der Block in Ginna vergleichsweise wenig Leistung hat, alt und alleinstehend ist sowie Verluste einfährt, sieht ihn Mark Cooper in seinem Bericht unter den 12 amerikanischen Kernkraftwerken, die in den kommenden Jahren am ehesten stillgelegt werden.

Umliegende Bevölkerung[Bearbeiten]

Die US-Atomaufsichtsbehörde sieht zwei Notfallzonen um Kernkraftwerke fest: Innerhalb eines 10-Meilen-Radius ist eine Sperrzone einzurichten, um den Kontakt der Bevölkerung mit der radioaktiven Wolke zu vermeiden. Innerhalb eines Radius von 50 Meilen sollen Beschränkungen in Bezug auf radioaktiv kontaminierte Lebensmittel und Wasser erlassen werden.

Im Jahr 2010 wohnten 66.847 Menschen in einem 10-Meilen-Radius um das Atomkraftwerk, 12,7 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor. Innerhalb eines 50-Meilen-Radius wohnten im gleichen Jahr 1.269.589 Menschen und damit 2,1 Prozent mehr als 2000. In einem 50-Meilen-Radius um das Kraftwerk befinden sich Städte wie Rochester (17 Meilen zum Stadtzentrum). Die kanadische Bevölkerung ist in diesen Zahlen nicht mit eingerechnet.

Erdbebenrisiko[Bearbeiten]

Die US-Atomaufsichtsbehörde schätzt das jährliche Risiko eines schweren Erdbebens, das eine Beschädigung des Reaktorkerns zur Folge haben könnte, entsprechend einer Studie vom August 2010 auf 1 zu 76.923 ein.

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Ginna hat einen Block:

Reaktorblock Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Ginna Druckwasserreaktor 560 MW 608 MW 25.04.1966 02.12.1969 01.07.1970 (18.09.2029)

Weblinks[Bearbeiten]