Kessel von Falaise

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Kessel von Falaise
Karte: Kessel von Falaise
Karte: Kessel von Falaise
Datum 12. August bis 21. August 1944
Ort Normandie, Frankreich
Ausgang Sieg der Alliierten
Konfliktparteien
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Kanada 1921Kanada Kanada
PolenPolen Polnische Streitkräfte im Westen
Freies FrankreichFreies Frankreich Freies Frankreich
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Befehlshaber
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Omar Bradley
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Bernard Montgomery
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten George Patton
Polnische Streitkräfte im WestenPolnische Streitkräfte im Westen Stanisław Maczek
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Günther von Kluge
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Walter Model
Truppenstärke
350.000 150.000
Verluste
~ 6.000 gefallen ~ 12.000 gefallen
40.000–50.000 gefangen

Als Kessel von Falaise wird eine Schlacht im Zweiten Weltkrieg zwischen den Alliierten Streitkräften und der deutschen Wehrmacht bezeichnet.

Nach dem erfolgreichen Verlauf des D-Day und dem Durchbrechen der deutschen Linien im Zuge der Operation Cobra kam es Anfang August 1944 südlich von Caen zur Kesselschlacht bei Falaise.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die alliierte Landung in der Normandie hatte zwar eine zweite Front in Westeuropa geschaffen, jedoch standen einem weiteren alliierten Vormarsch die westlichen Verbände der deutschen Wehrmacht entgegen, die es in der Folgezeit zu zerschlagen galt. Mit dem Erfolg der Operation Cobra verfügten die Alliierten unter Patton in der Bretagne, Bradley und Montgomery über eine gute Ausgangslage gegenüber der 7. Armee der Wehrmacht in der Bocage-Landschaft um Mortain.

Ausgangslage[Bearbeiten]

Kanadische Soldaten am 17. August 1944 an der Stadtzufahrt von Falaise

Aufgrund des Führerbefehls, um keinen Preis zurückzuweichen, wurden die deutschen Truppen von Pattons Einheiten beinahe ungehindert in ihrer offenen Südflanke umgangen. Mit der Operation Totalize startete Montgomery einen weiteren Angriff gegen die deutschen Verbände bei Caen. Dieser brachte zwei britische Panzerdivisionen weit genug nach vorne, um dem hinteren Teil der deutschen Linien zu bedrohen. Durch dieses Vorgehen gerieten 28 Infanteriedivisionen und elf Panzerdivisionen der Deutschen in Gefahr, von den Alliierten in die Zange genommen zu werden.

Nach dem Abbruch der Operation Lüttich erhielt die 5. deutsche Panzerarmee den Befehl, in südwestlicher Richtung anzugreifen, obgleich sie sich damit dem Risiko aussetzte, zwischen Falaise und Argentan von den alliierten Streitkräften eingeschlossen zu werden.

Aus dem Kriegstagebuch des Feldmarschalls von Kluge heißt es dazu:

„Unglaublichkeit einer großen militärischen Streitkraft […], die in Seelenruhe einen Angriff plant, während der Feind weit hinter ihr eifrig eine Schlinge bildet, um sie zu strangulieren.“

Der Kessel[Bearbeiten]

Am 8. August erreichte Pattons 5. Panzerdivision Le Mans und schloss sich dort mit der französischen 2. Panzerdivision unter Leclerc zusammen. Bradley und Montgomery kamen am selben Tag überein, die deutsche Armee westlich der Seine einzuschließen. Pattons beide Panzerdivisionen sollten sich daher zu einem Zusammenschluss mit Montgomerys Divisionen, die parallel von Caen aus in südwestliche Richtung abdrehen sollten, von Le Mans aus nach Norden wenden. Pattons XV. Korps schwenkte daraufhin im rechten Winkel in Richtung Argentan, während seine übrigen Divisionen zur Seine vorstießen. Dadurch konnte Bradley einen kurzen sowie auch einen langen Haken schaffen. Der lange Haken ermöglichte ein Abfangen der aus Falaise entkommenden deutschen Truppen.

Am 16. August erhielten die deutschen Truppen Hitlers Befehl zum Rückzug in drei Phasen:

  1. Zuerst sollten alle Truppen westlich der Orne sich zurückziehen,
  2. anschließend die Dives mit allen Truppen überqueren, und
  3. schließlich die Seine mit allen Truppen überqueren.
Amerikanische Panzer fahren durch Ballon

Das II. SS-Panzerkorps sollte das Gebiet östlich von Falaise halten, um ein Entkommen aus dem Kessel möglichst lange zu gewährleisten. Dieser Befehl kam aber zu spät: Die Überquerung dreier Flüsse unter Beschuss hatte kaum Aussicht auf Erfolg. Aufgrund alliierter Luftüberlegenheit erschien ein Vorwärtskommen bei Tage unmöglich.

Bradley befahl Pattons XV. Korps, nördlich von Argentan zu halten. Somit ergab sich eine 25 Kilometer breite Lücke, durch die die deutschen Truppen zu entkommen versuchten. Insbesondere Teile der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ und der 1. Kanadischen Armee lieferten sich über mehrere Tage erbitterte Kämpfe. Unterdessen schlossen die 1. polnische Panzerdivision und die 90. US-Infanteriedivision am 19. August den Kessel bei Chambois, um die Flucht der deutschen Truppen zu verhindern. Die 1. polnische Panzerdivision wehrte am Mont Ormel die Angriffe der 2. und der 9. SS-Panzer-Division bis zum 21. August ab. Zwischen dem 18. und 21. August schrumpfte der Kessel zu einem acht Kilometer breiten Streifen zusammen, der zusätzlich zu den zahlreichen Luftangriffen täglich mit bis zu 80.000 Granaten beschossen wurde. Am 1. September endete der Kampf mit den letzten zurückweichenden Soldaten.

Verluste[Bearbeiten]

Reste einer von der 1. polnischen Panzerdivision überraschten deutschen Kolonne
Wehrmachtssoldaten ergeben sich kanadischen Einheiten in St. Lambert, 19. August 1944

Die deutsche Wehrmacht verlor zwischen dem 7. und 21. August im Westen insgesamt 50.000 Soldaten (Tote, Verwundete und Vermisste); weitere 200.000 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt beliefen sich die Verluste der Deutschen in der Normandie auf mehr als 240.000 Tote oder Verwundete und 250.000 Gefangene. An Material büßte die Wehrmacht dabei 1.500 Panzer, 3.500 Geschütze und 20.000 sonstige Fahrzeuge ein. Die Alliierten bezifferten ihre Verluste während der Operation Overlord auf 209.672, darunter 36.976 Gefallene.

Durch ihren Sieg bei Falaise waren die alliierten Streitkräfte anschließend in der Lage, in Richtung Seine und schließlich nach Paris vorzurücken.

Folgen und Bewertung[Bearbeiten]

Die Wehrmacht erholte sich von den im Kessel von Falaise erlittenen Materialverlusten nicht wieder. Nach offiziellen Angaben entkamen zwar zwischen 20.000 und 30.000 Soldaten aus dem Kessel, die jedoch nur noch über 25 Panzer und 50 Selbstfahrlafetten verfügten; außerdem verloren Zehntausende Soldaten ihre Ausrüstung. Der Kessel von Falaise wird somit auch als ein deutsches Dünkirchen bezeichnet. Die Alliierten erreichten am 25. August Paris und befreiten noch vor Jahresende ganz Frankreich bis auf einige Atlantikhäfen, die von den Deutschen teils bis Kriegsende gehalten wurden. Die neuere Forschung erkannte allerdings auch, dass die Alliierten gravierende Fehler begingen und es versäumten, den Kessel ganz zu schließen. Antony Beevor schreibt dem Kommandeur der 4. kanadischen Panzerdivision, Major General George Kitching, „Lethargie und Inkompetenz“ zu; dass die vollständige Vernichtung der deutschen Armeen letztlich nicht gelang, sei vor allem Montgomerys Schuld gewesen, der hierfür schon damals von den anderen Befehlshabern kritisiert worden sei.[1]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Ken Ford: Falaise 1944 : Death of an army (Campaign), Opsrey Publishing, 2005, ISBN 1841766267.
  • Denis Whitaker, Shelagh Whitaker, Terry Copp: Falaise: The Allied Victory in Normandy, HarperCollins Publishers, 2000, ISBN 0002000172.
  • Martin Blumenson: The Battle of the Generals: The Untold Story of the Falaise Pocket – The Campaign That Should Have Won World War II, William Morrow & Co., 1993, ISBN 0688118372.
  • William B. Breuer: Death of a Nazi Army: The Falaise Pocket, Stein & Day Pub., 1985, ISBN 0812830245.
  • Ose, Dieter: Entscheidung im Westen, Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart, 1982, ISBN 3-421-01998-3.
  • Beevor, Antony: D-Day. Die Schlacht um die Normandie, München 2010, ISBN 978-3-570-10007-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kessel von Falaise – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Antony Beevor: D-Day. Die Schlacht um die Normandie. München 2010, S.496 u. 507f.