Kesselschlacht bei Kalatsch

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Die Kesselschlacht bei Kalatsch von Ende Juli bis Anfang August 1942 war ein Teil der Kämpfe im Donbogen während der deutschen Sommeroffensive 1942 im Süden der Ostfront. Sie führte zu einem kleineren Erfolg der deutschen 6. Armee auf ihrem Vormarsch nach Stalingrad.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Winteroffensive 1941/42 der Roten Armee wurde von der Wehrmacht unter enormen Verlusten aufgehalten und die Ostfront stabilisiert. Im Rahmen einer deutschen Gegenoffensive während der Schlacht bei Charkow wurden im Mai 1942 240.000 Rotarmisten gefangengenommen. Im Vorfeld der geplanten deutschen Sommeroffensive im Süden der Ostfront wurde u.a. auch die Halbinsel Krim inklusive der belagerten Festung Sewastopol vollständig eingenommen. Mit dem Ziel, den Weg nach Stalingrad und den Kaukasus frei zu machen, sollte nun der Donbogen erobert werden.

Die am 28. Juni begonnene Sommeroffensive der Heeresgruppe Süd unter dem Decknamen „Fall Blau“ zielte auf die Sicherung der Erdölvorkommen im Kaukasusvorland und die Eroberung Stalingrads an der Wolga ab. Um diese beiden Ziele gleichzeitig verfolgen zu können, wurde die Heeresgruppe Anfang Juli in die Heeresgruppen A und B aufgeteilt. Die der Heeresgruppe B unterstellte 6. Armee unter General der Panzertruppe Friedrich Paulus erhielt den Befehl, den Vormarschweg im Donezk-Gebiet freizukämpfen, während andere Teile der Heeresgruppe den wichtigen Knotenpunkt Woronesch einnahmen.

Da Hitler angesichts der Weite des geplanten Operationsgebietes Nachschubprobleme befürchtete, ordnete er an, dass, anstelle der weiträumigen Umfassungsoperationen des Jahres 1941 mit großen Kesselbildungen, diesmal mittels kleiner Kessel operiert werden sollte. Infolge des raschen und geordneten Rückzugs der Roten Armee waren die Gebiete der zwei kleinen Kessel beinahe leer. Hinzu kam, dass die deutschen Verbände für eine Eroberung des stark verteidigten Woronesch letztlich unzureichend waren. Daher blieb der Vormarsch trotz Anfangserfolgen am Tim (Fluss durch Woronesch) stecken und der Verkehrsknotenpunkt weiterhin unter russischer Kontrolle. Die späteren Truppenverschiebungen der sowjetischen Streitkräfte, welche schließlich die von rumänischen und italienischen Verbänden gedeckte Nordflanke der deutschen Front zerschlugen, wurden dadurch ermöglicht.

Die Kesselschlacht[Bearbeiten]

SPW (Lt. Detmar Philippi) des Schützen Battalions 64 beim Vormarsch

Die 6. Armee näherte sich Ende Juli 1942 dem Scheitelpunkt der Donschleife bei Kalatsch am Don, etwa 85 km westlich von Stalingrad. Das sowjetische Oberkommando entschied sich, die Donübergänge in diesem Gebiet zu verteidigen und konzentrierte seine Truppen, hauptsächlich die neu aufgestellte sowjetische 1. Panzerarmee und einen Großteil der 62. Armee der Stalingrader Front, im hügeligen Gelände westlich von Kalatsch. Das von Paulus angewandte Vorgehen einer Umfassung war erfolgreich. Anfang August war ein Kessel um mehrere sowjetische Divisionen errichtet, am 11. August kapitulierten nach deutschen Angaben 57.000 Rotarmisten. Die 6. Armee bildete einen Brückenkopf über den Don, das letzte Hindernis vor Stalingrad war mit zwei Wochen Verspätung überwunden. So wurde Stalingrad durch die letzte erfolgreiche Kesselschlacht der Wehrmacht erst am 22. August erreicht. In der Folgezeit waren Siege in Kesselschlachten nur noch den Alliierten vorbehalten.

Folgen[Bearbeiten]

Die Kesselschlacht von Kalatsch bot die Voraussetzung für den anschließenden deutschen Angriff auf Stalingrad. Paulus erfolgreiches Vorgehen steigerte seinen Ruhm, und letztmals gab man sich auf deutscher Seite Hoffnungen auf einen baldigen sowjetischen Zusammenbruch hin, obwohl die Zahl der in Gefangenschaft geratener Rotarmisten relativ gering war, da die Rote Armee den Vorstoß der 6. Armee nicht aufhalten, sondern nur kurzzeitig stören sollte. Diese Taktik ermöglichte somit den Ausbau der sowjetischen Verteidigung in Stalingrad.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David M. Glantz: To the gates of Stalingrad: Soviet-German combat operations, April–August 1942. University Press of Kansas, Lawrence 2009, ISBN 978-0-70061-630-5.