Kessenich (Bonn)

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50.7126020388947.108840942382860Koordinaten: 50° 42′ 45″ N, 7° 6′ 32″ O

Kessenich
Bundesstadt Bonn
Höhe: 60 m
Einwohner: 12.705 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 1. Juni 1904
Postleitzahl: 53129
Vorwahl: 0228
Karte

Lage von Kessenich in Bonn

Kessenich ist ein Ortsteil der Stadt Bonn im Stadtbezirk Bonn mit rund 12.500 Einwohnern auf einer Fläche von etwa zwei Quadratkilometern.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Kessenich liegt im Bonner Süden auf einer von Niederterrassen gebildeten Sohle der Kölner Bucht, die durch den Godesberger Rheintaltrichter den Übergang vom rheinischen Schiefergebirge zur niederrheinischen Tieflandsbucht bildet. Ein eiszeitlicher Rheinarm, die Gumme, hat sich während der Vertiefung des Rheintales im Mittelquartär in die Niederterrasse eingegraben.

Die Grenze des heutigen Stadtteils Kessenich verläuft an der oberen Hangkante zum Venusberg, dem gleichnamigen Stadtteil in westlicher Richtung. Zur Rheinseite grenzt der Stadtteil Gronau an. Nördlich schließen sich die Stadtteile Südstadt und Poppelsdorf an, südlich der Stadtteil Dottendorf.

Die Gemarkung Kessenich in den Grenzen der ehemaligen Gemeinde besteht bis heute, sie reicht vom Venusbergplateau angrenzend an die Gemarkung Röttgen bis zur Mitte des Rheins und umfasst teilweise den Stadtteil Gronau.[3]

Geologie[Bearbeiten]

Abgesehen von der Gumme, die vor der Kanalisierung der vom Hang ablaufenden Bäche in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Sumpfgebiet war, besteht der Kessenicher Talgrund größtenteils aus tiefgründigem Lößboden, ein Grund für die bereits früh nachweisbaren Siedlungsspuren.[4]

Klima[Bearbeiten]

Bedingt durch die Lage am Fuße des 40 Quadratkilometer großen Kottenforstes und die Nähe des Rheinstromes als Frischluftschneise sind die Höchsttemperaturen im Sommer geringer, und die Belastung der Atemluft ist deutlich geringer als in den innerstädtischen Stadtteilen. Die Kessellage bedingt ein schwüles Klima im Sommer. Im Winter sind Inversionswetterlagen mit den typischen Nebelbänken entlang des Rheins häufig.[5]

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt auf der Talsohle in Kessenich 11 °Celsius gegenüber 10 °C auf dem Venusberg und Spitzenwerten von 12,2 °C für Bonn in der Innenstadt. Auf dem Hardtberg werden die niedrigsten Durchschnittswerte von ca. 8 °C erreicht.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Ortsname Kessenich erscheint in Dokumenten Anfang des 9. Jahrhunderts als Keistenich[7][8], 843 als villa Castenicha, in Kopien Castenaca und Castenacha[9], später 1043 Kestenich, 1065 Chessinich, 1073 Chessenich, schließlich 1066 als Kessenich, danach auch noch als Kessinich und Kessenig. Heute wird die Namensherkunft auf das gallorömische castiniacum zurückgeführt, was auf einen Hof des Castinus oder Castinius deutet.[10] Im Namensgut der Bonner Legion kommt Anfang des 3. Jahrhunderts der Legat C. Julius Septimus Castinus vor, nicht überliefert ist jedoch, ob dieser Besitz auf Kessenicher Gebiet hatte. Eine frühere Herleitung vom keltischen Cassanus “Eiche”, die für den den namensgleichen Ort Kessenich (Belgien) verwendet wird, ist an der genannten Stelle verworfen. Der namensgleiche Ortsteil Kessenich (Euskirchen) könnte denselben Ursprung haben, im Wirkungskreis seiner Legion hat Castinus auch einen Gedenkstein bei Iversheim gesetzt.[11][12]

Steinzeit und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Kessenich ist ein alter, bereits in vorrömischer Zeit vorhandener Siedlungsplatz[13], und somit eine der ältesten Siedlungen in Bonn. Das seit 1988 als Bodendenkmal eingetragene "Michelsberger Erdwerk" (datiert auf 4080 v. Chr.) auf dem Venusbergplateau liegt zum überwiegenden Teil innerhalb der Gemarkung Kessenich.[14][15][16] In unmittelbarer Nähe entspringt der ganzjährig wasserführende Venusbergbach[17] mit den tiefgründigen Lößböden auf der Niederterrasse ein günstiger Standort für frühe Ackerbauern.

Römerzeit[Bearbeiten]

Zu einem großen Teil innerhalb der Grenzen der Gemarkung Kessenich befand sich der Vicus bonnensis, eine zivile römische Siedlung mit bis zu zehntausend Menschen südlich des Bonner Römerlagers. Es wird vermutet, dass bereits seit der Römerzeit in Kessenich Wein angebaut wurde.[18] Eine große Anzahl der ersten Funde des vicus bonnensis sind im Untergeschoss des Hauses der Geschichte ausgestellt. Weitere Funde wurden bei den Bauarbeiten zum WCCB gemacht.

Mittelalter[Bearbeiten]

Die alte Pfarrkirche St. Nikolaus

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Propstei Kessenich, zu der auch das Krongut Dottendorf gehörte, im Jahre 843.[19] Kaiser Lothar I., ein Enkel Karls des Großen, schenkte das Lehen, welches damals aus acht Mansen bestand, an den hessischen Gaugrafen Esiko, der es seinerseits an die Benediktinerabtei Corvey weitergab. Im Jahre 1449 war Kessenich das größte Dorf des Amtes Bonn im Kurfürstentum Köln.[20]

1670 umfasste Kessenich 118 Häuser.[21]

Die alte St.-Nikolaus-Kirche, die auf einen Saalbau um 1050 zurückgeht, liegt oberhalb der neuen Pfarrkirche im alten Kessenicher Friedhof und ist das älteste erhaltene Bauwerk in Kessenich. Hier wurde auch die älteste bekannte Inschrift des Ortes auf einem Taufbecken mit Datierung „Anno 1573“ gefunden.[22]

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

In den Jahren 1888–1890 wurde die neue Pfarrkirche St. Nikolaus nach den Plänen Johannes Richters erbaut.

1904 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Kessenich mit einer Fläche von 578 ha[21] in die Stadt Bonn eingegliedert.

Im Jahre 1920 gründete Hans Riegel in Kessenich die Firma Haribo, die sich zu einem der wichtigsten Wirtschaftsunternehmen der Stadt entwickelte und den Stadtteil mit mehreren Fabrikgebäuden, einer Sporthalle und dem markanten Lakritz-Geruch prägt.

Die evangelische Friedenskirche wurde 1955 erbaut, nach dem Bonn Regierungssitz geworden war und dem damit verbundenen Zuzug von Regierungsbeamten; 1970 wurde die Friedenskirchengemeinde begründet.[23]

Im Freilichtmuseum Kommern befindet sich seit 1958 ein aus Kessenich stammendes Fachwerkhaus, das im 16. Jahrhundert erbaut wurde, sowie seit 2011 das * LInterieur der im Jahre 1967 gegründeten Eisdiele Dall'Asta, die von der Betreiberfamilie aus Altersgründen aufgegeben wurde.[24]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Initiative Kessenich ist Kult unterstützt seit 2004 neben der Gründung einer Gewerbegemeinschaft auch kulturelle und sportliche Aktivitäten und nicht zuletzt ein „Kessenich-Gefühl“ durch verschiedene Aktionen.[25]

Die katholische öffentliche Bücherei St. Nikolaus in Kessenich wurde im Jahre 2007 zur ersten Solarbücherei Deutschlands.[26]

Nachkriegssiedlungen im ehemaligen „Wasserland“[Bearbeiten]

Bis in die 1950er Jahre war Kessenich vom östlich angrenzenden ehemaligen Regierungsviertel deutlich abgegrenzt durch ein fast unbebautes Gebiet, das man das Wasserland nannte. Der Name erinnerte an die Zeit, in welcher der Rhein noch unzählige Nebenarme hatte und demzufolge weite Gebiete[27] an seinen Ufern versumpft waren. Dort stand noch bis in die 1970er Jahre ein Bauernhof, ein Schäfer trieb seine Herde von der Löschkestraße aus in Richtung Bad Godesberg und wieder zurück, und das Gelände war weitgehend untauglich für eine weitere Bebauung. Infolge der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Gebiet notdürftig entwässert und die Siedlungsgesellschaften GAGFAH und AWOG begannen dort ab 1953[28], großflächig Bundeswohnungen und kleine Reihenhäuser zu errichten. Eine Müllkippe samt kleinem „Grundwassersee“ wurde zugeschüttet, und inzwischen befinden sich an dieser Stelle großzügig angelegte Fußball-, Tennis- und Hockeyplätze (Sportpark Wasserland [29]). Die ursprüngliche Namensgebung dieses Wohngebiets lässt sich heute noch an den Straßen ablesen: diese tragen meist die Namen benachbarter Rheinzuflüsse (Naheweg, Saarweg, Siegweg, Erftweg etc.). In östlicher Richtung schloss sich das Wasserland über das Johanniter-Viertel (heute Gronau) an die Rheinauen an und ging dann über in eine riesige Grünfläche, die sich bis nach Plittersdorf im Süden erstreckte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Partzsch: Kennen Sie Kessenich? Verlag Divossen, Bonn 1999, ISBN 3-931543-58-7.
  • Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Edition Lempertz, Königswinter 2013, darin: ausführlicher Artikel zum Kessenicher Kriegerdenkmal.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kessenich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Gemarkung Kessenich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bezieht sich auf den Statistischen Bezirk Kessenich; Quelle: Bevölkerungsstatistik – Bevölkerung in Bonn – Stichtag: 31.12.2013, Bundesstadt Bonn, Statistikstelle, Februar 2014
  2. Statistiken zu Kessenich
  3. Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen: Verzeichnis der Gemarkungen (Stand 2005; PDF; 243 kB)
  4. [1] Meldung General Anzeiger Bonn 3. Juni 2013
  5. [2] Wetterfotografie geohabel
  6. Karsten Brandt: Rheinische Luft. Bonn 2010 162 ff.
  7. Max Perlbach, Neues Archiv
  8. http://www.digizeitschriften.de/
  9. Heinrich Tiefenbach: Zur Philologie der frühen Corveyer Ortsnamenüberlieferung, archive.org,
  10. Bursch: Siedlungsnamen der Stadt Bonn. 1987
  11. www.rheinische-geschichte.lvr.de - Jahr 208n.Chr.
  12. Bonn: Beiträge zu seiner Geschichte und seinen Denkmälern - 1868
  13. D. Partzsch · Wanderung durch Bonn-Kessenich · Einführung (1997)
  14. [Denkmalakte Bodendenkmal Nr. 15 · Bonn · Kennziffer 314000]
  15. http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/venusberg/Raetselhaftes-Erbe-aus-der-Jungsteinzeit-article1053302.html
  16. [3] (PDF; 1,7 MB) s.41
  17. [4] Link zum Bachentwicklungsplan der Stadt Bonn
  18. D. Partzsch, S. 8 ff. (Geschichtlicher Überblick)
  19. [5]Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen 777–1313. . . , Band 1, Franz Friedrich Roger Wilmans, Friedrich Philippi - 1. Januar 1867, Regensberg-Verlag
  20. LVR-Freilichtmuseum Kommern, Museumsführer(2009), S. 146.
  21. a b Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 58.
  22. [6] Nachweis auf www.inschriften.net
  23. http://www.friedenskirche-bonn.de/gemeinde/geschichte.php
  24. [7] Website des LVR-Freilichtmuseum Kommern.
  25. http://www.kessenich-ist-kult.de
  26. Solarbücherei
  27. Ein toter Rheinarm reichte sogar bis zum heutigen Weidengarten hinter der Hausdorffstraße und die Straße trug daher ursprünglich die Bezeichnung In der Gumme (D. Partzsch, S. 76).
  28. D. Partzsch, S. 80–91
  29. Lageplan des Wasserlandes abgerufen am 27. November 2009