Ketteler (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer von Ketteler

Ketteler später auch Kettler ist der Name eines alten westfälischen Adelsgeschlechtes. Sie gehörten zum Ministerialadel. Ihr Stammsitz Hüsten ist heute ein Ortsteil von Arnsberg im Hochsauerlandkreis. Die Familie erscheint erstmals 1210 urkundlich mit dem Burgmann Lambertus de Hustene. Sein Nachfahre Conrad von Hüsten tritt seit 1318 mit dem Beinamen dictus Keteler oder de Keteler auf, der mit Kesselmacher zu übersetzen ist. Bis 1368 waren die Kettelers Vasallen der damals mächtigen Grafen von Arnsberg. Von 1561 bis 1711 stellte die Familie die Herzöge von Kurland und Semgallen.

Geschichte[Bearbeiten]

Stammlinie[Bearbeiten]

1233 wurde Conrad von Hüsten als Burgmann auf Haus Hüsten erwähnt.

Conrad II. von Hüsten (* um 1220, † vor 1295), sein Sohn, war ebenfalls Burgmann von Hüsten und mit Heilwig verheiratet.

Rotger I. von Hüsten (* ca 1245, † nach 1300), Burgmann, war mit Kunigunde verheiratet und lebte auf der Burg Hachen.

Conrad III. von Hüsten genannt Ketteler (* 1285, † 1364) war Ritter und Burgmann in Rüthen. Er war zweimal verheiratet und starb in Bruchhausen bei Arnsberg.

Rotger II. Ketteler (* um 1312, † vor 1378) stammte aus der ersten Ehe Conrads III. Er lebte auf Hachen und war mit Elisabeth Vollenspit verheiratet. Ihre Söhne hießen Conrad Munking und Rotger.

Conrad Munking Ketteler (* um 1342, † vor 1420), sein Sohn, war Herr in Borghausen bei Welver an der Ahse und Drost auf Burg Hovestadt. Mit seiner Frau Sophie hatte er zwei Söhne.

Conrad Munking Ketteler (* um 1370) erbte Borghausen, wo er nach 1423 starb. Sein jüngerer Bruder Friedrich (* um 1380, † vor 1462) übernahm nach Erbstreitigkeiten 1411 die zwischen Hüsten und Herdringen erbaute Kettelburg von seinem Onkel Dietrich Ketteler, einem Kousin seines Vaters. Um 1419 heiratete er Hilleke von Melschede.

Cord Ketteler (* 1418, † 1499), ihr Sohn, erbte die Kettelburg. Er heiratete Adelheid von Cobbenrode, mit der er eine Tochter bekam.

Elisabeth Ketteler (* 1480, † nach 1510) heiratete 1496 in erster Ehe Volpert von Fürstenberg und um 1502 in zweiter Ehe Johann von Hanxleden. Dadurch endete die Stammlinie der Kettelers zu Hüsten und die Kettelburg ging in Besitz der Familie von Hanxleden. Elisabeth starb im Hanxledenschen Schloss Körtlinghausen.

Wappen der von Ketteler zu Neu-Assen

Kettler zu Neu-Assen und Hovestadt[Bearbeiten]

Rotger Ketteler III. (* 1346, † 1418), der zweite Sohn aus Rotgers II. Ehe mit Elisabeth Vollenspit, heiratete 1378 Friderana (Friderun) von Altena und erwarb 1382 Burg und Amte Hovestadt und 1384 die Freigrafschaft Haus Assen in Lippborg, Lippetal.

Cordt Ketteler zu Assen (* 1372, † 1446), ihr Sohn, heiratete Elisabeth von Gemen, genannt Pröbsting und hatte mit ihr 5 Kinder.

Goswin Ketteler zu Assen (um 1400, † um 1471) teilte 1440 die väterlichen Güter mit seinem jüngeren Bruder Röttger, baute auf seinem Anteil von Assen ein neues Haus und änderte das Familienwappen für sich und seine Nachfahren dahingehend, dass der silberne Grund durch einen goldenen ausgetauscht wurde. Zudem änderte er die Schreibweise des Namens in "Kettler zu Neu-Assen". Er war verheiratet mit Elisabeth von Hatzfeld zu Wildenburg.

Gotthardt I. Kettler zu Neu-Assen (*1450, † 1518), ihr Sohn, heiratete Margaretha von Bronckhorst und Batenburg und hatte mit ihr 2 Söhne, u.a. Franz von Ketteler den späteren Abt von Corvey

Gotthardt II. Kettler zu Neu-Assen (* 1480, † 1556), der ältere Sohn, heiratete Sybilla Sophie von Nesselrode und hatte mit ihr vier Kinder, darunter Wilhelm Ketteler, später Fürstbischof von Münster und Gotthard Kettler, dem Begründer der Kettler-Dynastie in Kurland und Semgallen.

Gotthard Kettler (* 1517, † 1587), ab 1559 letzter Landmeister des Deutschen Ordens in Livland und ab 1561 erster Herzog von Kurland und Semgallen

Kettler in Kurland[Bearbeiten]

Gotthard Kettler (* 1517, † 1587) trat in den Deutschen Orden ein, wurde 1554 Komtur von Dünaburg und 1569 Landmeister von Livland. Nach der Abtretung Livlands an Polen wurde er 1561 mit Semgallen und Kurland als erbliches Herzogtum belehnt mit der Maßgabe, dass nach Aussterben seines Stammes das Land an Polen fallen solle.

Friedrich Kettler (1569, † 1642) und Wilhelm Kettler (* 1574, † 1640), Gotthards Söhne, regierten das Herzogtum gemeinsam bis 1615, nach Wilhelms Absetzung regierte Friedrich alleine bis 1642.

Jakob Kettler (1610, † 1682), ältester Sohn Wilhelms, regierte bis 1682.

Friedrich Kasimir Kettler (* 1650, † 1698), Sohn Jakobs, regierte bis 1698.

Friedrich Wilhelm Kettler (* 1692, † 1711) Sohn Friedrich Kasimirs, regierte bis 1711. Seine Frau Anna Iwanowna übernahm nach seinem Tode die Regentschaft Kurlands.

Ferdinand Kettler (1655, † 1737), der jüngste Sohn Jakobs und Onkel Friedrich Wilhelms, war daher nur noch formal Herzog von Kurland und residierte in Danzig. Da er kinderlos starb, erlosch mit ihm die kurländische Kettler-Dynastie.

Ketteler zu Alt-Assen[Bearbeiten]

Rotger Ketteler, der jüngere Sohn Cordt Kettelers zu Assen (s.o.) heiratete in erster Ehe Pernette von Meschede und wohnte weiter auf der Burg Alt-Assen.

Gerd Ketteler († um 1502), ihr Sohn, erbte Alt-Assen und heiratete von 1477 Leneke Korff genannt Schmising. Ihre Söhne hießen Hermann, Rotger und Diederich.

Hermann Ketteler († 1512) wurde nach einer 1507 durchgeführten Erbteilung mit seinen Brüdern Besitzer der Burg Alt-Assen. Er heiratete Leneke von Hatzfeld. Nach seinem Tod erhielt seine Witwe Alt-Assen.

Hermann II. Ketteler zu Alt-Assen wurde 1553 vom Kölner Erzbischof Salenthin mit drei Burglehen in Hovestadt belehnt.

Hermann III. Ketteler zu Alt-Assen und Sythen war Domherr in Münster und heiratete 1577 Adelheid von Diepenbrock. 1589 bat er um Zulassung zur Emanzipation.

Konrad Ketteler († 1625) wurde 1590 zum Domherrn in Münster ernannt. Er heiratete 1598 Odilia von Ketteler zu Neu-Assen. Die Ehe blieb offenbar kinderlos, denn um 1630 fielen die Burg Assen und die Assen'sehen Güter an die Ketteler zu Hovestadt.

Ottilie von Ketteler erbte schließlich die Assen'schen Güter zu Hovestadt und brachte sie 1653/68 ihrem Gatten Gottfried von der Heyden, Linie zu Haus Bruch mit in die Ehe. Ihr Sohn war der preußische General Johann Siegismund von der Heyden.

Ketteler zu Middelburg[Bearbeiten]

Rotger Ketteler, († 1523), der jüngere Sohn Gerd Kettelers zu Alt.-Assen, erhielt 1507 zunächst ein Nutz- und Wohnrecht in Alt-Assen sowie die Zusicherung, standesgemäß ausgerüstet zu werden. Nach dem Tode seines Bruders Hermann 1512 erhielt er Güter zwischen Assen und Hovestadt. Er war in erster Ehe mit Margarethe von Wischel, in zweiter mit Anna von Böckenförde genannt Schüngel und in dritter Ehe mit Margarete von Galen, Erbin zu Bockhövel verheiratet.

Jasper (Casper) Ketteler, sein Sohn, erbaute die Middelburg. 1541 wurde er mit seinen Brüdern mit drei Burglehen zu Hovestadt belehnt. 1556 war er Droste zu Stromberg.

Conrad Ketteler zu Middelburg und Bockenhövel heiratete 1554 die protestantische Berta von Raesfeld zu Romberg. Er erneuerte die Middelburg.

Rötger Ketteler zu Middelburg und Bockhövel heiratete Ursula von Meschede zu Alme. 1594 wurde er vom Kölner Bischof mit den drei Burglehen in Hovestadt belehnt.

Goswin Ketteler zu Middelburg und Bockhövel heiratete 1632 Anna Elisabeth von Neuhoff genannt Ley.

Moritz Philipp Ketteler zu Middelburg heiratete Margareta von und zu Niehausen. 1684 wurde das Haus Bockhövel an Johann Ernst von Krane in Soest verkauft.

Heinrich Dietrich von Ketteler zu Middelburg lebte in erster Ehe mit Anna Francisca von Hörde zu Schwarzenraben und in zweiter Ehe mit Maria von Droste zu Erwitte. 1724 belehnte Kurfürst Clemens August den Heinrich Diederich von Ketteler mit den drei Lehen in Hovestadt.

Wilhelm Theodor von Ketteler zu Middelburg heiratete 1762 Sophie von Boeselager, starb jedoch ohne Hinterlassung von Kindern. Seine Witwe vermachte das Gut am 1. Februar 1770 ihrem Bruder Friedrich Joseph von Boeselager zu Höllinghofen in Heessen bei Hamm. 1798 wurde die Middelburg abgebrochen.

Ketteler zu Harkotten[Bearbeiten]

Ketteler'sches Schloss in Harkotten
Wappenepitaph des Wormser Domherren und Wimpfener Stiftsdekans Christoph Jodokus von Ketteler zu Harkotten († 1735), im Wormser Dom

Goswin von Ketteler zu Middelburg heiratete Christina von Korff-Schmising, deren Familienzweig 1615 im Mannesstamm erloschen war. Das Paar bezog ihren Anteil des 1334 geteilten Besitzes Harkotten, so dass nun zwei Familien, die von Korff und die von Ketteler zu Harkotten dort lebten.

Caspar Heidenreich von Ketteler zu Harkotten, ihr Sohn, heiratete Anna von Schade zu Salwey.

Goswin Caspar von Ketteler zu Harkotten, ihr Sohn, heiratete Anna Dorothea von Korff zu Harkotten. Er ließ 1755 den Flügel seines Burgteils abreißen und durch einen neuen Barockbau ersetzen.

Alexander Diedrich Anton von Ketteler (* 1689), ihr Sohn, heiratete Maria Sophie Elisabeth von der Tinnen.

Goswin Lubbert Anton von Ketteler (* 1719), ihr Sohn, heiratete 1719 Bernhardine von Korff zu Harkotten.

Clemens August von Ketteler (* 1715), ihr Sohn, heiratete Maria Freiin von Galen.

Maximilian Freiherr von Ketteler (*1779, † 1832) heiratete am 10. März 1801 in Münster Clementine von der Wenge. Ihre Kinder waren August Joseph, der spätere Politiker Wilderich und der spätere Bischof von Mainz Wilhelm Emmanuel.

Friedrich Clemens von Ketteler heiratete 1863 Marie Kunigunde von der Decken, die Erbin der Hörde’schen Güter Schwarzenraben und Eringerfeld.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt einen rechtsgezahnten roten Kesselhaken auf silbernem Grund. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silbernes Schildchen mit dem Kesselhaken zwischen einer silbernen und roten Feder. Die Linie Neu-Assen ersetzte den silbernen Grund durch einen goldenen.

Namensträger[Bearbeiten]

Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811–1877), Bischof von Mainz

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ketteler (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien