Kevin Russell

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Kevin Russell (2007)

Kevin Richard Russell (* 12. Januar 1964 in Hamburg) ist ein deutscher Sänger. Bekannt wurde er als Leadsänger der Rockband Böhse Onkelz, der er von 1980 bis 2005 angehörte und nach Reunion der Band seit 2014 wieder angehört. Ebenso ist er Leadsänger und Songschreiber der 2012 gegründeten Band Veritas Maximus.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Kevin Richard Russell wuchs als jüngstes von drei Kindern (eine Schwester und ein Bruder) auf. Sein britischer Vater arbeitete zu dieser Zeit als Pilot bei der Lufthansa, seine Mutter kam aus Hamburg. Laut Russell war sie alkoholsüchtig, was sich negativ auf die Familienverhältnisse ausgewirkt habe. Russell besuchte zeitweise die Realschule, verließ diese ohne Abschluss und versuchte schließlich über ein Berufsgrundschuljahr in einer Elektrofachschule den Hauptschulabschluss zu erlangen.

1977 wechselten er und seine Familie den Wohnsitz von Hamburg nach Hösbach. Dort lernte er Peter Schorowsky und Stephan Weidner kennen, mit denen er später die Rockband Böhse Onkelz gründete. 1983 begann er dann eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker, die er nicht abschloss. Ab 1986 arbeitete er als Tätowierer, er hat einen 1999 geborenen Sohn.[1]

Drogenprobleme[Bearbeiten]

Russell litt viele Jahre an Drogen- und Alkoholproblemen. Diese Problematik wurde auch in einigen Liedern wie z. B. Hast du Sehnsucht nach der Nadel, H oder Leiden und auch in der offiziellen Biographie thematisiert. Im Januar 2006 wurde Russell in der Mainzer Uniklinik stationär behandelt; seitens der Band wurde als Grund dafür ein schwerer Drogenrückfall angegeben. Es kam zu einem bakteriellen Infekt, weshalb er sich einer Gehirnoperation unterziehen musste.

Schwerer Verkehrsunfall[Bearbeiten]

Am Silvesterabend 2009 verursachte Kevin Russell unter Drogeneinfluss mit 232 km/h[2] in einem Audi R8 auf der A 66 bei Frankfurt am Main einen Verkehrsunfall mit zwei männlichen Schwerverletzten und beging anschließend zu Fuß Fahrerflucht.

Am 1. Juli 2010 wurde Anklage gegen Russell erhoben.[3] Am 4. Oktober 2010 wurde er vom Landgericht Frankfurt am Main wegen fahrlässiger Körperverletzung, Gefährdung des Straßenverkehrs sowie Unfallflucht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.[4] Die Fahrerlaubnis wurde ihm für vier Jahre entzogen.[5]

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Nebenklagevertreter haben beim Bundesgerichtshof (BGH) Revision gegen das Urteil eingelegt, die Staatsanwaltschaft zog ihren Revisionsantrag zwischenzeitlich zurück. Mit Beschluss vom 7. März 2011 verwarf der BGH Russells Revisionsantrag, womit er die Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten antreten musste.[6] Ein dementsprechender Befehl zum Haftantritt im Mai 2011 wurde ihm zugestellt, jedoch trat er diese nicht an. Russells Anwalt setzte am 24. Juni 2011 Rechtsmittel ein, um ihn aufgrund seiner Gesundheitssituation als haftunfähig einzustufen.[7] Der 3. Strafsenat lehnte am 11. Juli 2011 den Antrag auf Haftaufschub ab. Die Richter argumentierten, dass Russell sogar eine verbesserte Behandlung erhielte, da aufgrund der permanenten Überwachung in Haft sogar schneller als in Freiheit medizinisch reagiert werden könne.[8]

Die beiden Insassen des bei dem Unfall zerstörten und in Brand geratenen Opels schwebten danach zeitweise in Lebensgefahr und erlitten beide schwere, bleibende Schäden und Traumatisierungen: Der 20-jährige Fahrer trug unter anderem Verbrennungen, eine Leberblutung, eine Milzruptur, eine Nierenverletzung sowie ein Schädel-Hirn-Trauma mit anhaltenden Gedächtnisstörungen davon. Der 22-jährige Beifahrer erlitt unter anderem Verbrennungen, die sein Gesicht teilweise entstellt haben, außerdem mussten ihm drei Finger amputiert werden.[9][10][11][12] Es wurde berichtet, dass Russell während der Gerichtsverhandlungen gelacht und Grimassen geschnitten haben soll, die als Verhöhnung der Opfer interpretiert wurden.[13] Im November 2012 wurde ein handschriftlicher Brief Russells veröffentlicht, in dem er unter anderem den Unfallopfern sein Bedauern ausdrückt.[14]

Im August 2011 trat Russell seine Haftstrafe an und wurde aufgrund seines Gesundheitszustandes umgehend ins Gefängniskrankenhaus verlegt.[15] Im Dezember 2011 verließ Russell das Gefängnis und ging in eine Therapieeinrichtung, welche die Justiz regelmäßig über den Verlauf der Therapie informiert.[16]

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach eigenen Angaben besitzt Russell die britische Staatsangehörigkeit.[17]

Musikalische Karriere[Bearbeiten]

Böhse Onkelz[Bearbeiten]

1980 gründete er zusammen mit Stephan Weidner und Peter Schorowsky die Rockband Böhse Onkelz. Er war von Gründung bis zur Auflösung 2005 der Leadsänger der Band.

Nach den Böhsen Onkelz[Bearbeiten]

In dem am 15. Mai 2006 von der Band Nordend Antistars veröffentlichten Stück Unser Stadion – unsere Regeln ist Russell erstmals seit seinem Koma als Backgroundsänger zu hören.

Eigentlich sollte Russell auch einen Song der Band Eschenbach, produziert von Stephan Weidner, einspielen. Jedoch entschied sich die Band kurz nach der Ankündigung wieder dagegen, da sie nicht wollte, dass die Platte nur deswegen gekauft wird. Letztendlich wurde der Song von Stephan Weidner eingespielt.

Zuletzt stand Russell am 15. August 2009 bei Outer Limits, einem Festival in Hofheim in Unterfranken, zusammen mit der Coverband KOMA für einige Songs auf der Bühne. Das war das zweite Mal seit der Auflösung der Böhsen Onkelz, nach seinem Auftritt beim Festival Onkelz Non Stop in Geiselwind im Juni 2009, dass Russell Lieder seiner eigenen Band auf einer Bühne vortrug.

Solo-Karriere[Bearbeiten]

Am 21. Dezember 2012 gab Russell auf seiner Website bekannt, dass er wieder auf die Bühne wolle.[18] Sein erstes Solo-Konzert fand am 9. März 2013 in Geiselwind statt.[19]

Veritas Maximus[Bearbeiten]

Seit 2012 ist Russell Sänger der Band Veritas Maximus. Das erste Soloalbum von Veritas Maximus namens Glaube und Wille erschien am 30. Mai 2014 und stieg auf Platz 5 der deutschen Charts ein.[20][21]

Böhse Onkelz: Comeback[Bearbeiten]

Am 20. und 21. Juni 2014 gaben die Böhsen Onkelz auf dem Hockenheimring zwei Comeback-Konzerte unter dem Titel - Nichts ist für die Ewigkeit -[22][23] Die Band gab darin an, weiterzumachen.

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Böhse Onkelz/Diskografie

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kevin Russel: Böhse-Onkelz-Sänger bricht sein Schweigen Faz.de vom 1. Oktober 2010
  2. Stern.de: Böhse-Onkelz-Sänger muss ins Gefängnis. Abgerufen am 7. März 2011
  3. Anklage gegen Böhse-Onkelz-Sänger erhoben. RP Online, 1. Juli 2010.
  4. Böses Erwachen für Böhse-Onkelz-Sänger. In: Focus online, 4. Oktober 2010. Abgerufen am 29. Oktober 2013.
  5. Böhse-Onkelz-Sänger muss über zwei Jahre ins Gefängnis. In: Der Tagesspiegel, 4. Oktober 2010. Abgerufen am 4. Oktober 2010.
  6. Hessischer Rundfunk: Meldung auf hr-online.de. Abgerufen am 7. März 2011.
  7. Kevin Russell wehrt sich gegen Haftantritt. n24.de. Abgerufen am 29. Oktober 2013.
  8. Hessischer Rundfunk: Beschwerde abgelehnt - Onkelz-Sänger muss Haft antreten
  9. Die Welt: Aussagen der Opfer schocken "Böhse Onkelz"-Fans, 24. September 2010, abgerufen am 29. September 2012
  10. Focus: Fahrerflucht: Böhse-Onkelz-Sänger vor Gericht, 24. September 2010, abgerufen am 29. September 2012
  11. n-tv: "Du hast mich zum Krüppel gemacht": "Böhser Onkel" vor Gericht, 24. September 2010, abgerufen am 29. September 2012
  12. Spiegel: Kevin Russell muss Haftstrafe antreten, 11. Juli 2011, abgerufen am 29. September 2012
  13. Stern: Kevin Russell muss hinter Gitter, 4. Oktober 2010, abgerufen am 29. September 2012
  14. Fanseite der Band Böhse Onkelz: [1], 2. November 2012, abgerufen am 9. November 2012
  15. Focus: Böhse-Onkelz-Sänger: Kevin Russell landet im Gefängniskrankenhaus, 8. August 2010, abgerufen am 29. September 2012
  16. Spiegel: Entlassung aus dem Gefängnis: Böhse-Onkelz-Sänger in Drogentherapie, 10. April 2012, abgerufen am 29. September 2012
  17. Hessischer Rundfunk: Meldung auf hr-online.de, abgerufen am 19. April 2011
  18. Kevin Russell:
  19. Manuel Liebler: Kevin Russell live in Geiselwind. Comeback nach der Tragödie. In: Metal Hammer, 2. Mai 2013. Abgerufen am 8. September 2013.
  20. Die Band. vm-sc.de. Abgerufen am 8. September 2013.
  21. Veritas Maximus in den deutschen Charts
  22. Böhse Onkelz – Teaser 3 – 2014. onkelz.de, 30. Januar 2014. Abgerufen am 30. Januar 2014.
  23. Wieder E.I.N.S. – Böhse Onkelz: Comeback-Konzert am Hockenheimring. Metal Hammer. Abgerufen am 31. Januar 2014.