KfW

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  KfW
Logo
Staat Deutschland
Sitz Frankfurt am Main
Rechtsform Anstalt des öffentlichen Rechts
Bankleitzahl 500 204 00[1]
BIC KFWI DEFF XXX[1]
Gründung 16. Dezember 1948
Website kfw.de
Geschäftsdaten 2013[2]
Bilanzsumme 464,8 Mrd. EUR (nach IFRS)
Mitarbeiter 5.374 (Gesamtkonzern)
Leitung
Verwaltungsrat Sigmar Gabriel (Vorsitzender)[3]
Vorstand Ulrich Schröder (Vorsitzender)[4]
ehemaliges Logo (2003–2012)

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), auch bekannt als KfW Bankengruppe[5], ist die größte nationale Förderbank der Welt sowie nach Bilanzsumme die drittgrößte Bank Deutschlands.[6] Die Gründung der KfW erfolgte auf der Grundlage des „KfW-Gesetzes“ als eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR).[7] Die Rechtsaufsicht hat das Bundesministerium der Finanzen.[8] Vorstandsvorsitzender der KfW ist Ulrich Schröder.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Hermann Josef Abs in der KfW 1949

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau wurde nach dem Zweiten Weltkrieg am 16. Dezember 1948 mit dem Ziel gegründet, den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft zu finanzieren. Das Startkapital stammte vor allem aus Mitteln des Europäischen Wiederaufbauprogrammes (engl. European Recovery Program oder ERP, umgangssprachlich meist nur kurz „Marshallplan“ genannt). Der erste Vorsitzende des KfW-Verwaltungsrates war Otto Schniewind, sein Stellvertreter war Hermann Josef Abs.

Ehemaliges Stiftsgebäude in der Lindenstraße

In den 1950er Jahren hatte die KfW ihren Sitz in der Lindenstraße 27 in Frankfurt am Main (Stadtteil Westend-Süd). Seit dieser Zeit fördert die KfW auch mittelständische Unternehmen.

Im Jahr 1961 hat die KfW die Durchführung der finanziellen Zusammenarbeit (FZ) der Bundesrepublik Deutschland mit Entwicklungsländern übertragen bekommen. Bereits 1986 bewerten Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der KfW mit der höchsten Bonitätsnote. Die KfW ließ sich als erstes deutsches Unternehmen bei der United States Securities and Exchange Commission (SEC) registrieren und hält seitdem die Erlaubnis, sich am US-Kapitalmarkt zu refinanzieren.[9]

Die Bilanzsumme der KfW betrug im Jahr 1980 etwa 28 Milliarden Euro.

Seit der deutschen Wiedervereinigung ist die KfW aufgrund der ihr dabei zugewachsenen Aufgaben beim Wiederaufbau der ostdeutschen Wirtschaft wieder stärker in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Zudem übernahm die KfW im Jahr 1994 die ehemalige Staatsbank der DDR in Berlin.[10]

Ende 2000 hat die KfW Kreditverbriefungsprogramme (PROMISE und PROVIDE) aufgelegt, über die Kreditinstitute Risiken aus Mittelstandskreditportfolien (PROMISE) oder aus privaten Wohnungsbaudarlehen (PROVIDE) in den Kapitalmarkt transferieren und hierdurch ihre Bilanzen entlasten können.

Seit dem Jahr 2003 verwendet die KfW auch den Markennamen KfW Bankengruppe, welcher aufgrund der Fusion mit der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) eingeführt wurde.[11]

Mit Inkrafttreten des vom Bundestag am 29. März 2007 beschlossenen Gesetzes zur Neuordnung der ERP-Wirtschaftsförderung wurde das aus den Mitteln des Marshallplans gebildete ERP-Sondervermögen in Höhe von 4,65 Milliarden EUR Eigenkapital und Nachrangkapital in Höhe von 3,25 Milliarden EUR in die KfW eingebracht. Die mit dem neu eingebrachten Eigenkapital erzielten Erträge stehen zweckgebunden der ERP-Wirtschaftsförderung zur Verfügung und decken – zusammen mit Förderzuschüssen des ERP-Sondervermögens – die Förderlasten der von der KfW durchgeführten ERP-Wirtschaftsförderung ab. Die Erträge aus den bisherigen Anteilen des ERP-Sondervermögens am Eigenkapital der KfW dienen weiterhin dem Substanzerhalt des ERP-Sondervermögens.

Ende Juli 2007 fielen die Preise für US-Immobilien. Dies führte besonders auf dem „Sub-Prime“-Hypothekenmarkt zu einer Krise. Vor allem die sich kurzfristig refinanzierenden Conduits gerieten hierdurch unter Druck. Am 30. Juli 2007 übernahm die KfW, die an der IKB Deutsche Industriebank zu 38 % beteiligt und damit größter Einzelaktionär war, die Bereitstellungsverpflichtung der Liquiditätslinien für das Conduit Rhineland Funding der IKB und ähnliche Investmentvehikel. Die Bereitstellung der Liquiditätslinie ist aber keinesfalls gleichzusetzen mit einer direkten Verlustübernahme in gleicher Höhe. Das Investmentvolumen von „Rhineland Funding“ betrug nach Angaben der IKB per 31. März 2007 ca. 12,7 Milliarden Euro. Außerdem übernahm die KfW mögliche Verluste aus risikobehafteten Positionen der IKB-Bilanz im Umfang von bis zu einer Milliarde Euro und stabilisierte durch diese Risikoentlastung der IKB den deutschen Bankenmarkt.

Im Zuge dieser Ereignisse wuchs die Kritik an der Geschäftsführung durch Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier. Als Konsequenz legte sie im April 2008 ihr Amt nieder und kündigte ihren vorgezogenen Ruhestand an. Übergangsweise agierte danach Wolfgang Kroh als Sprecher des Vorstandes, bis er am 1. September 2008 von Ulrich Schröder abgelöst wurde, der nun den geforderten Posten eines Vorstandsvorsitzenden der KfW erhielt und zusätzlich eine Gehaltsverdoppelung durchsetzen konnte. Im Oktober 2008 hat die KfW ihre Kapitalanteile an der IKB an den amerikanischen Finanzinvestor Lone Star verkauft und nach unbestätigten Presseberichten hierfür 137 Millionen Euro erhalten.[12]

Nach zwei Jahren, in denen das Institut wegen seiner Beteiligung an der IKB hohe Verluste erlitt, wurde für das Jahr 2009 ein Konzerngewinn von 1,1 Milliarden Euro und für das Jahr 2010 ein Konzerngewinn von 2,6 Milliarden Euro ausgewiesen.[13][14] Die Bilanzsumme betrug am 31. Dezember 2010 rund 442 Milliarden Euro (für den Gesamtkonzern, nach IFRS).

Im April 2012 wurde ein neuer Markenauftritt eingeführt, bei dem unter anderem das alte blau-orangefarbene Logo ersetzt wurde. Ziel sei es, die KfW bekannter zu machen und näher an die Bedürfnisse der Kunden heranzuführen. Entwickelt wurde das neue Corporate Design und Logo von der Designagentur Metadesign.[15] Seit August 2012 wird die KfW von der Agentur fischerAppelt betreut, die das neue Logo und das Produktangebot der KfW bewerben soll.[16]

Die Bilanzsumme der KfW betrug am 31. Dezember 2012 rund 512 Milliarden Euro (für den Gesamtkonzern, nach IFRS).[17] Damit ist die KfW mit Stand 2012 die drittgrößte deutsche Bank.

Im März 2013 hat das Bundeskabinett beschlossen, das KfW-Gesetz zu ändern. Demnach wird die KfW in Zukunft ausgewählten Normen des Kreditwesengesetzes unterliegen, deren Einhaltung von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geprüft wird. Dennoch behält die KfW ihren Sonderstatus als „Förderbank“.[18]

Anteilseigner und Organe der KfW[Bearbeiten]

Das Kapital der KfW wird zu vier Fünfteln von der Bundesrepublik Deutschland und zu einem Fünftel von den Bundesländern gehalten. Die Bundesrepublik haftet für alle Verbindlichkeiten und Kredite der KfW. Diese Garantie des Bundes ist in § 1a des KfW-Gesetzes verankert.[19] Ferner besteht für die KfW die sogenannte Anstaltslast der Bundesrepublik Deutschland. Von internationalen Ratingagenturen hat die KfW die bestmögliche Bonitätsbewertung (Triple A-Rating/AAA) erhalten.

Vorstand, Verwaltungsrat und ein Beratungsgremium für die Mittelstandsförderung (Mittelstandsrat) sind Organe der KfW. Neben dem Vorsitzenden Ulrich Schröder gehören Günther Bräunig, Norbert Kloppenburg, Bernd Loewen, Ingrid Hengster und Edeltraud Leibrock (bis 30. September 2015[20]) dem Vorstand der KfW an.[21]

Der Verwaltungsrat überwacht und berät den Vorstand bei der Leitung der KfW. Er besteht nach dem KfW-Gesetz aus 37 Vertretern von Politik, Wirtschaft und Verbänden. Dabei sind sieben Bundesminister kraft Gesetzes Mitglieder. Der Vorsitz wird im jährlichen Wechsel vom Bundesminister der Finanzen und vom Bundesminister für Wirtschaft und Technologie wahrgenommen. Im Jahr 2014 hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel den Vorsitz inne.[22] Der Verwaltungsrat hat zudem vier Ausschüsse gebildet. Der Präsidial- und Nominierungsausschuss behandelt Rechts- und Verwaltungsangelegenheiten, der Kreditausschuss ist zuständig für die Behandlung von Kreditangelegenheiten, der Vergütungskontrollausschuss wacht über die angemessene Ausgestaltung der Vergütungssysteme und der Prüfungsausschuss bereitet Fragen der Rechnungslegung und des Risikomanagements vor.[22]

Im gesamten KfW-Konzern arbeiten mit Stand Dezember 2013 insgesamt 5.374 Mitarbeiter.[23] Hauptstandort der KfW ist Frankfurt am Main. Außerdem bestehen Niederlassungen in Berlin (entstanden durch die Übernahme von Teilen der ehemaligen Staatsbank der DDR), Bonn (entstanden durch die Fusion mit der Deutschen Ausgleichsbank, DtA) und Köln (Sitz der DEG).

Inländische Förderung[Bearbeiten]

Die Aufgabe der KfW besteht in der Realisierung von öffentlichen Aufträgen wie der Förderung von Mittelstand und Existenzgründern, der Gewährung von Investitionskrediten an kleine und mittlere Unternehmen sowie der Finanzierung von Infrastrukturvorhaben und Wohnungsbau, der Finanzierung von Energiespartechniken und der kommunalen Infrastruktur. Weitere Betätigungsfelder sind Bildungskredite sowie die Filmfinanzierung.

Über alle Betätigungsfelder hinweg fördert die KfW Umwelt- und Klimaschutzprojekte. Im Jahr 2012 stellte die KfW hierfür insgesamt 29 Mrd. EUR zur Verfügung, was 40 % des gesamten Fördervolumens der KfW entspricht.[24]

Die KfW gilt gemäß dem Kreditwesengesetz unabhängig von den Geschäften, die sie betreibt, nicht als Kreditinstitut bzw. Finanzdienstleistungsinstitut im Sinne des Kreditwesengesetzes. Grund dafür ist, dass die KfW als nationale öffentlich-rechtliche Förderbank ein besonderes Geschäftsmodell und einen gesetzlichen staatlichen Auftrag verfolgt und daher grundsätzlich nicht mit anderen Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten des privatrechtlichen, genossenschaftlichen oder öffentlich-rechtlichen Sektors zu vergleichen ist.

Finanzierung von Mittelstand und Existenzgründern[Bearbeiten]

Die KfW fördert den deutschen Mittelstand sowie Existenzgründer mit klassischen Förderkrediten und sonstigen innovativen Finanzierungen (Beteiligungen, Nachrangkapital). Entstanden ist der Geschäftsbereich KfW Mittelstandsbank im Zuge der Fusion der DtA (Deutsche Ausgleichsbank) mit der KfW im Juli 2003. Bis Mitte 2005 kumulierten sich die an die mittelständische Wirtschaft vergebenen zinsgünstigen Kredite auf insgesamt etwa 115 Milliarden Euro. Im Jahr 2012 hat die KfW Mittelständler mit mehr als 17 Mrd. EUR gefördert.[25]

Finanzierung für das Bauen, Wohnen und Energiesparen[Bearbeiten]

Die KfW bietet im Bereich Bauen, Wohnen, Energiesparen ein breites Spektrum an Programmen, die zur Finanzierung von Investitionen in Wohnimmobilien dienen. Förderzwecke sind die Schaffung von Wohneigentum, die energetische Gebäudesanierung, das Modernisieren von Wohnraum, die Errichtung von sparsamen Neubauten, die Umstellung der Heizungsanlage auf erneuerbare Energien sowie Photovoltaikanlagen.[26]

Einige Förderprogramme der KfW sind:

Bestimmte Kredite, wie das Förderprogramm 167 zur energieeffizienten Sanierung von Heizungsanlagen, können auch als Ergänzung zu Zuschüssen des BAFA in Anspruch genommen werden.

Die von der KfW sowie der Deutschen Energie-Agentur definierten Kreditvergabekriterien KfW-Effizienzhaus in den Ausführungen KfW-Effizienzhaus 40, KfW-Effizienzhaus 55, KfW-Effizienzhaus 70, KfW-Effizienzhaus 85, KfW-Effizienzhaus 100 sowie KfW-Effizienzhaus 115 sind anerkannte Energiestandards für Gebäude.

Seit 2006 stellt die Bundesregierung im Rahmen der Förderinitiative „Wohnen, Umwelt, Wachstum“ jährlich eine Milliarde Euro zur Verfügung, um die Programme zur CO2-Reduzierung attraktiv zu gestalten und die nationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz aus dem Kyoto-Protokoll zu erreichen. Das jährliche Fördervolumen soll 17 Milliarden Euro betragen.

Die von der KfW geförderten energetischen Sanierungen und energieeffizienten Neubauten haben laut eigenen Angaben im Jahr 2011 zu einer Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes um rund 540.000 Tonnen geführt.[27] Zudem vergibt die KfW seit 2002 jährlich den sogenannten KfW-Award "Bauen und Wohnen", eine mit Preisgeld dotierte Auszeichnung für Privatpersonen und Architekten, die vorbildliche (Um-)Bauten oder Modernisierungen realisiert haben.

Finanzierung kommunaler Infrastruktur[Bearbeiten]

Die KfW unterstützt Kommunen sowie kommunale Unternehmen und Einrichtungen bei der Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen, zum Beispiel den Bau von Sporthallen, die Sanierung von Abwasserleitungen oder die Weiterentwicklung des Personennahverkehrs. Im Jahr 2012 hat die KfW hierfür mehr als 1600 Kredite vergeben.[28] Auch die KfW IPEX-Bank GmbH finanziert Infrastrukturprojekte im Inland, z. B. die Anschaffung von Straßen- oder U-Bahnen.[29]

Finanzierung von Aus- und Weiterbildung[Bearbeiten]

Die KfW finanziert in diesem Bereich die Aus- und Weiterbildung von Schülern, Studierenden und Fachkräften. Unter anderem bietet sie Studienkredite sowie Zuschüsse zur Meisterausbildung an. Im Jahr 2012 hat die KfW hierfür rund 1,6 Mrd. EUR bereitgestellt.[30]

Globaldarlehen[Bearbeiten]

Insbesondere an nationale Landesförderinstitute gibt die KfW Globaldarlehen zur Finanzierung von Infrastrukturvorhaben, Wohnungsbau sowie energieeffizienter Umbauten.[31]

Internationale Förderung[Bearbeiten]

Export- und Projektfinanzierung[Bearbeiten]

Die KfW-Tochter KfW IPEX-Bank GmbH finanziert die Besteller insbesondere deutscher Exporteure. Darüber hinaus werden Investitionsvorhaben weltweit finanziert, die von deutschem und europäischem Interesse sind. Weil die KfW IPEX-Bank ihre Geschäfte in direktem Wettbewerb zu anderen Geschäftsbanken anbietet, wurde dieses Geschäftsfeld am 1. Januar 2008 aus der KfW-Bankengruppe herausgelöst und gemäß der Verständigung mit der EU-Kommission auf ein rechtlich selbständiges Institut verlagert. Im Gegensatz zur KfW selbst unterliegt die IPEX-Bank der Bankenaufsicht sowie der Steuerpflicht und refinanziert sich zu marktgerechten Konditionen.

Entwicklungszusammenarbeit[Bearbeiten]

Die KfW Entwicklungsbank unterstützt Entwicklungs- und Reformländer zum Beispiel im Rahmen der Initiative für Klima und Umweltschutz. Die KfW Entwicklungsbank ist für die Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) mit den staatlichen Institutionen zuständig, während die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) den Aufbau privatwirtschaftlicher Strukturen im Fokus hat. Die KfW Entwicklungsbank ist dem Volumen nach das bedeutendste deutsche Instrument der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit. Im Jahr 2013 wurden 5,3 Mrd. Euro von der KfW für die Finanzielle Zusammenarbeit neu zugesagt. Den größten Teil davon, nämlich 3,0 Mrd. Euro, brachte die KfW als Eigenmittel auf dem Kapitalmarkt auf.[32]

Sonderaufgaben[Bearbeiten]

Die KfW handelt grundsätzlich im öffentlichen Auftrag. Neben den Förderprogrammen unterstützt die KfW zudem den Bund bei der Privatisierung von Bundesunternehmen (Beratung sowie Abwicklung) und übernimmt unter anderem das Vertragsmanagement für die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) sowie für die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW).

Aus den Teilprivatisierungen der Deutsche Telekom AG und der Deutsche Post AG hält die KfW weiterhin Aktien, die sie im Auftrag des Bundes verwaltet. Im September 2012 hat die KfW 60 Millionen Aktien der Deutschen Post AG an der Börse platziert.[33] Mit Stand April 2013 hält die KfW weniger als 25% der Aktien der Deutschen Post AG.[34]

Refinanzierung[Bearbeiten]

Die KfW verfügt über keine Kundeneinlagen (d. h. sie bietet keine Girokonten o. ä. an), sie refinanziert sich vielmehr am Kapitalmarkt. Hierbei profitiert sie maßgeblich von der Garantie durch die Bundesrepublik Deutschland (KfW-Gesetz). Aufgrund dieser Bundesgarantie verfügt die KfW über eine hohe Bonität und erreicht bei allen Ratingagenturen das höchstmögliche AAA-Rating.

Rolle in den Gesamtrechnungen[Bearbeiten]

Die KfW ist nicht Teil des Staatssektors. Bei der KfW handelt es sich um eine Bank, die von der Europäischen Zentralbank auf der MFI-Liste geführt wird. Einheiten, die auf dieser Liste stehen, sind per Sonderregelung des ESVG 1995 dem Sektor „Finanzielle Kapitalgesellschaften“ zuzuordnen. Aktiva und Passiva der KfW werden nicht beim Staat nachgewiesen.

Kontroversen[Bearbeiten]

Überweisung an Lehman Brothers[Bearbeiten]

Kritik am Management[35] und an internen Kontrollmechanismen der KfW kam im September 2008 auf, weil die KfW noch am 15. September einen Betrag von etwa 320 Millionen Euro an die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers überwiesen hatte, obwohl deren bevorstehende Insolvenz absehbar war.

Nachdem die Bank Anwälte eingeschaltet hatte und diese erste Ergebnisse vorgelegt hatten, beschloss der Verwaltungsrat Ende September, die beiden zuständigen Vorstandsmitglieder Peter Fleischer und Detlef Leinberger mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern abzuberufen und ihre Dienstverträge zu kündigen.[36]

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat nach dem Eingang zahlreicher Anzeigen Betroffener Anfang Oktober 2008 eine Prüfung angekündigt, ob der Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt und ob Ermittlungen gegen Vorstände eingeleitet werden müssten. Die Ermittler baten die KfW, Revisions- und Wirtschaftsprüfberichte zu der Millionen-Überweisung zu übersenden. Am 22. Oktober 2008 durchsuchte die Staatsanwaltschaft gemeinsam mit Fahndern des Bundeskriminalamts die KfW-Zentrale. Ermittlungsverfahren wurden gegen drei aktive Vorstände (unter ihnen der amtierende KfW-Chef Ulrich Schröder), gegen die beiden bereits entlassenen Vorstände sowie gegen den damaligen Leiter der Risikomanagementabteilung eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft sucht nach Hinweisen, ob die Beschuldigten ihre Pflichten verletzt haben, indem sie „trotz Kenntnis der sich abzeichnenden Liquiditätsprobleme bei Lehman, die Überweisung vom 15. September 2008 nicht verhindert haben“ (Vermögensbetreuungspflichten).[37][38][39]

200 der 320 Millionen Euro sollen an die KfW zurücküberwiesen worden sein. Ob von den übrigen 120 Millionen Euro noch etwas zurückfließt, hängt davon ab, was am Ende des Insolvenzverfahrens für die Gläubiger von Lehman übrig bleibt.[40]

Am 2. Mai 2010 meldete die Süddeutsche Zeitung, dass das Verfahren zum Thema „teure Überweisung“ wohl eingestellt wird.[41]

Millionenverluste in Island[Bearbeiten]

Ein Sprecher der KfW teilte am 6. November 2008 mit, dass die Bank im Rahmen von Fördertätigkeit und Anlagen in Island 288 Millionen Euro angelegt und einen Teil davon verloren habe. Außerdem müsse ein an die isländische Glitnir-Bank gezahltes Globaldarlehen in Höhe von 150 Millionen Euro zunächst abgeschrieben werden. Darüber hinaus legte die KfW 138 Millionen Euro in Anleihen bei den drei isländischen Banken Glitnir, Landsbanki und Kaupthing Bank an. Laut Bundesfinanzministerium hält die KfW außer den oben genannten Papieren noch Wertpapiere der Republik Island in Höhe von 52 Millionen Euro. Ob diese ebenfalls ausfallen, ist noch ungeklärt. Darüber hinaus hat die KfW über eine dänische Tochter einer isländischen Bank Darlehen in Höhe von 300 Millionen Euro gegeben. Diese unterliegen allerdings einer Garantie des dänischen Staates.[42][43][44]

Kohleausstieg[Bearbeiten]

Zwischen 2006 und 2011 förderte die KfW den Export von Technologie zur Kohleförderung und Kohleverstromung ins Ausland mit insgesamt 2,8 Milliarden Euro. Unter anderem ist die Tochterfirma KfW IPEX-Bank mit 110 Millionen Euro am Ausbau eines Kohlehafens im Great Barrier Reef beteiligt. Derzeit fordern Umweltschützer und die Bundesumweltministerin einen Ausstieg aus der Finanzierung von Kohleprojekten durch die KfW.[45]

KfW-Archiv in Berlin[Bearbeiten]

KfW-Filiale in der Charlottenstraße in Berlin-Mitte

Das Archiv wurde in einem von Alfred Messel errichteten und später durch Heinrich Schweitzer erweiterten Gebäude für die ehemalige Berliner Handelsgesellschaft eingerichtet. In den Jahren 1997 bis 2000 wurde das Haus denkmalgerecht saniert und dient als eine Berliner Filiale der KfW. Der Schwerpunkt des hier untergebrachten historischen Archivs ist die Erforschung der Bedeutung der Anstalt für den Wiederaufbau Deutschlands nach 1945 (KfW, Historisches Archiv, Charlottenstr. 33, 10117 Berlin).

Gebäude[Bearbeiten]

Westarkade (links) und Nordarkade (rechts) am Hauptsitz der KfW in Frankfurt am Main

Auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bibliothek am Südende des Palmengartens wurde 2010 das Gebäude „Westarkade“, ein 57 Meter hohes Gebäude für 700 Mitarbeiter direkt neben dem KfW-Hauptgebäude, eingeweiht. In diesem ist die KfW IPEX-Bank untergebracht. Mit einem Energieverbrauch von unter 100 kWh/m²a gehört die Westarkade zu den energieeffizientesten Bürohäusern der Welt.[46][47] Im November 2011 erhielt die Westarkade das Prädikat „Bestes Hochhaus der Welt“, das von dem „Council on Tall Buildings and Urban Habitat“ („Rat für Hochhäuser und städtischen Lebensraum“) der Technischen Universität in Chicago verliehen wird.[48]

Außerdem besitzt und nutzt die KfW in direkter Nachbarschaft der Westarkade noch weitere Bauten, darunter das sogenannte Hauptgebäude östlich der Westarkade, die Nord- und Südarkade beiderseits der Bockenheimer Landstraße und einen Neubau an der Senckenberganlage.[49]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Balsen: Kleine Firmen erhalten Kredite ohne Schmiergeld, in: Frankfurter Rundschau, 18. Mai 1999, Nr. 113, S. 13.
  • Heinrich Harries von Knapp: Financing the Future, KfW – the German Bank with a Public Mission. Frankfurt 1998.
  • Gunter Kayser: Mittelstandsfinanzierung in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Bankkredit und öffentlichen Finanzierungshilfen – Eine aktuelle Bestandsaufnahme im Spiegel der Periode 1960 bis 1990. In: Bankhistorisches Archiv 2/2003, Zeitschrift für Bankengeschichte, herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat des Institutes für bankhistorische Forschung, Frankfurt am Main.
  • Jan Klasen: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau und ihre Rolle in der westdeutschen Wohnungsbaufinanzierung 1949–1967. Hamburg 1999, ISBN 3-86064-866-7
  • KFW (Hrsg.): Die KfW – 1948 bis heute. Frankfurt 1997.
  • KfW Bankengruppe (Hrsg.): Was erfolgreiche Unternehmen ausmacht. Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis. Reihe: KfW-Publikationen zu Gründung und Mittelstand. Springer Verlag 2004, ISBN 3-7908-0147-X
  • Manfred Pohl: Wiederaufbau, Kunst und Technik der Finanzierung 1947–1953 – Die ersten Jahre der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Frankfurt a.M. 1973.
  • Armin Grunbacher: Reconstruction and Cold War in Germany: The Kreditanstalt Fur Wiederaufbau (1948-1961). Ashgate Publishing 2004, ISBN 978-0754638063[50]
  • Holger Appel: 8.55 Uhr – Die Investmentbank Lehman taumelt wochenlang, am 15. September 2008 fällt sie um. (die KfW verschläft das - um 8.55 Uhr überweist sie knapp 320 Millionen Euro an die Amerikaner). in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 18. September 2010, Seite 13 (FAZ-Archiv)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: KfW – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. Tabellarischer Überblick der KfW Bankengruppe, abgerufen am 19. April 2014
  3. http://kfw.de/kfw/de/KfW-Konzern/Unternehmen/Management/Verwaltungsrat46720/index.jsp
  4. a b KfW: Vorstand, abgerufen am 25. März 2013
  5. KfW: Das Unternehmen KfW Bankengruppe, abgerufen am 14. Oktober 2014
  6. Bundesverband deutscher Banken: Die 100 größten deutschen Kreditinstitute, abgerufen am 25. März 2013
  7. Gesetz über die KfW (KredAnstWiAG), abgerufen am 8. Juni 2014
  8. Bundesministerium der Finanzen: Antwort auf kleine Anfrage der FDP, BT-nrs. 16/7777 vom 16. Januar 20118, abgerufen am 25. März 2013
  9. http://www.wiwo.de/politik/deutschland/hohe-risiken-fuer-steuerzahler-kfw-wird-zur-krake-in-der-krise/7162326.html
  10. http://www.kfw.de/kfw/de/KfW-Konzern/Unternehmen/Identitaet/Unsere_Geschichte/Konzernarchiv_der_KfW.jsp
  11. http://www.wiwo.de/politik/deutschland/hohe-risiken-fuer-steuerzahler-kfw-wird-zur-krake-in-der-krise/7162326.html
  12. http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:%DCbernahme_perfekt_Lone_Star_erh%E4lt_Zuschlag_f%FCr_IKB/403179.html (Version vom 5. September 2012 im Webarchiv Archive.today)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  13. Anna Seegers: Kfw fährt Rekordgewinn ein. Frankfurter Rundschau, 27. März 2010.
  14. KFW im Überblick (Version vom 25. November 2011 im Internet Archive)
  15. Osman, Yasmin: „Das Problem mit dem neuen Image der KfW“, Handelsblatt, abgerufen am 20. März 2013
  16. http://www.wuv.de/agenturen/fischer_appelt_wird_lead_agentur_der_kfw
  17. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/kfw196.html
  18. Bundesministerium der Finanzen: Neue Regeln für größte Förderbank, abgerufen am 25. März 2013
  19. § 1a KredAnstWiAG
  20. Handelsblatt: „Staatsbank KfW straft Vorstandsfrau ab”, abgerufen am 11. Oktober 2014
  21. KfW: Der Vorstand, abgerufen am 11. Oktober 2014
  22. a b KfW: Verwaltungsrat und seine Ausschüsse, abgerufen am 11. Oktober 2014
  23. KfW: Zahlen und Fakten: KfW auf einen Blick, abgerufen am 11. Oktober 2014
  24. http://www.welt.de/finanzen/article113249448/KfW-wird-dank-Energiewende-zur-Klimabank.html
  25. http://www.kfw.de/kfw/de/KfW-Konzern/Medien/Aktuelles/Pressearchiv/2012/20121108_59114.jsp
  26. Übersicht aller aktuellen Förderprogramme der KfW im Bereich Bauen, Wohnen und Energiesparen - mit Fördermittelfinder, bereitgestellt von der gemeinnützigen co2online GmbH, abgerufen am 22. Juli 2014.
  27. KfW-Förderung bringt Klimaschutz voran. kfw.de, 31. August 2012, abgerufen am 29. März 2013.
  28. KfW Geschäfts- und Förderzahlen September 2012. kfw.de, 8. November 2012, abgerufen am 28. März 2013.
  29. KfW IPEX-Bank finanziert 18 Straßenbahnen. kfw.de, 9. Juli 2010, abgerufen am 28. März 2013.
  30. KfW Geschäfts- und Förderzahlen September 2012. kfw.de, 8. November 2012, abgerufen am 28. März 2013.
  31. KfW Bankengruppe und L-Bank unterzeichnen Globaldarlehen über 600 Mio. Euro. kfw.de, 2. April 2012, abgerufen am 29. März 2013.
  32. KfW: Geschäftsbericht 2013, abgerufen am 27. September 2014.
  33. Erfolgreiche Platzierung von 5,0 % Aktien der Deutsche Post AG durch KfW. kfw.de, 7. September 2012, abgerufen am 29. März 2013.
  34. German Government's KfW Further Reduces Deutsche Post Stake. foxbusiness.de, 10. April 2013, abgerufen am 12. April 2013.
  35. KfW-Parade: Die 37 Kontrolleure der Pannenbank
  36. Süddeutsche Zeitung 29. September 2008: KfW feuert zwei Vorstände
  37. Süddeutsche Zeitung 22. Oktober 2008: Finanzkrise – Busse muss sein (Razzia bei der KfW)
  38. Süddeutsche Zeitung 22. Oktober 2008: Verdacht auf Untreue. Razzia in KfW-Zentrale
  39. Spiegel-Online 22. Oktober 2008: Razzia bei der Krisenbank. BKA ermittelt auch gegen KfW-Chef Schröder
  40. sueddeutsche.de 2. Mai 2010
  41. Klaus Ott: Millionenpanne bleibt ungesühnt. In: sueddeutsche.de vom 2. Mai 2010
  42. Spiegel-Online 6. November 2008: Deutschlands Pannenbank. KfW droht Millionenverlust in Island
  43. Handelsblatt Online 6. November 2008: KfW verliert Millionen in Island
  44. Spiegel-Online 6. November 2008: Warum die KfW den norwegischen Mittelstand unterstützt
  45. Handelsblatt, Zerstörung des Great Barrier Reef - „Gabriel macht Deutschland zur Lachnummer“, 25. Juli 2014
  46. Autodesk-Magazin 14; Juli 2008 S.12 (PDF; 3,0 MB)
  47. KfW Westarkaden im KulturPortal Frankfurt am Main
  48. Bestes Hochhaus der Welt in Frankfurt. In: Saarbrücker zeitung vom 7. November 2011, S. B4
  49. https://www.kfw.de/Download-Center/Anfahrtspl%C3%A4ne/Zugang-und-Zufahrt-KfW-Frankfurt.pdf
  50. Eingeschränkte Vorschau auf Google Books