Khan Academy

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Salman Khan

Die Khan Academy ist eine nicht-kommerzielle Website mit Lehrmaterial. Sie enthält über 4.000 Lehrfilme aus den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte und Wirtschaft und verfügt über einen umfangreichen Kanal auf Youtube. Die Website wurde von Salman Khan, einem US-Amerikaner mit Eltern aus Indien und Bangladesch, gegründet. Die Videos sind unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 lizenziert.[1] Zahlreiche Medien in den USA haben über die Khan Academy berichtet. Auch Bill Gates äußerte sich positiv über die Khan Academy. Die Khan Academy erhielt den Preis des "10100-Projektes" von Google, der mit zwei Millionen US-Dollar dotiert ist.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Salman Khan, der Gründer der Organisation, wurde in New Orleans, Louisiana, USA geboren. Er hat drei Abschlüsse vom Massachusetts Institute of Technology (einen Bachelorabschluss in Mathematik sowie einen Bachelor- und einen Masterabschluss in Elektrotechnik und Informatik) sowie einen MBA von der Harvard Business School.[3]

Ende 2004 begann Khan, seiner Cousine Nadia mithilfe des Doodle Notepads von Yahoo! Nachhilfe in Mathematik zu geben. Als andere Verwandte und Freunde ihn um eine ähnliche Nachhilfe baten, beschloss er, die Tutorials auf YouTube einzustellen.[4] Aufgrund der Popularität seiner Videos und der Zeugnisse von Schülern, die mit seinen Videos lernten, kündigte er im Jahr 2009 seinen Job als Hedge Fonds Analyst bei Connective Capital Management und konzentrierte sich voll auf die Tutorials, die seit damals unter dem Namen "Khan Academy" veröffentlicht werden.

Das Projekt wird durch Spenden finanziert. Die Khan Academy ist eine 501(c) organization / Non-Profit-Organisation, welche stark von der Bill & Melinda Gates Foundation und Google unterstützt wird. Mehrere Leute haben 10.000 US-Dollar gespendet; Ann und John Doerr haben 100.000 US-Dollar gespendet; der Gesamtumsatz an Spenden beträgt ca. 150.000 US-Dollar. Im Jahr 2010 kündigte Google an, die Khan Academy mit zwei Millionen Dollar als Teil ihres Projekts 10100 zu unterstützen.[5] Dieses Geld soll für die Schaffung von weiteren Kursen und die Übersetzung der Kerntutorials in die weltweit meistgesprochenen Sprachen verwendet werden.

Technisches Format[Bearbeiten]

Bereits für seine ersten Video-Tutorials auf YouTube [6] nutzte Khan ein Wacom-Tablet in Zusammenhang mit dem kostenlosen Zeichenprogramm SmoothDraw 3, um Zeichnungen zu erstellen. Die Aufnahme erfolgt mit der Bildschirmerfassungssoftware von Camtasia Studio.

Alle Videos, die auf dem Khan Academy YouTube-Kanal zur Verfügung stehen, sind auch auf der eigenen Website der Khan Academy zu finden. Diese Website stellt eine Vielzahl von Werkzeugen für Lehrer an öffentlichen Schulen bereit, praktische Übungen sowie die Möglichkeit den Lernfortschritt zu kontrollieren. Um die eigenen Lernfortschritte zu speichern kann ein eigenes Benutzerkonto angelegt werden oder alternativ mit einem Google- oder ein Facebook-Konto verbunden werden.

Khan vermied ein Format, bei dem eine Person an einer Tafel steht. "Ich denke, es ist ermutigender und zielführender, wenn Sie jemandem bei der Lösung eines Problems zusehen, während er laut nachdenkt".[7] Offline-Versionen seiner Videos sind durch Non-Profit-Organisationen in ländlichen Gebieten von Asien, Lateinamerika und Afrika verteilt worden.

Die Website der Khan Academy bietet auch ein Übungssystem an, welches für Schüler abhängig von dem Wissensstand und den bisherigen Leistungen Aufgaben generiert. Khan glaubt, dass seine Akademie die Gelegenheit ist, den traditionellen Unterricht abzulösen. Seine Tutorials werden auf Grund von verschiedenen Faktoren als hilfreich angesehen. Ein Vorteil ist z. B., dass Schüler das Video, nicht aber den Unterricht im Klassenzimmer anhalten können. Teil seines Erfolgs ist, dass Khans Gesicht nie erscheint und die Zuschauer nur sehen, wie er mit seinem schmucklosen Stift Schritt-für-Schritt Zeichnungen auf einer elektronischen Tafel macht.

Service und Vision[Bearbeiten]

Die Hauptbestandteile der Khan Academy sind:

  • eine Sammlung von Videos zu verschiedenen Themengebieten (Aktuell gibt es mehr als 3.300 Videos) [8]
  • eine Software mit zu den Videos passenden Übungsaufgaben. Die Aufgaben werden automatisch generiert. Beantwortet ein Schüler nacheinander 10 Aufgaben korrekt, so gelangt er zum nächsten Schwierigkeitsgrad. Bei der Bearbeitung der Übungen werden Daten erhoben, welche es z. B. einem Lehrer ermöglichen zu sehen, welche Schüler bei welcher Art von Aufgaben Probleme haben. (Aktuell gibt es 314 Übungen) [8]
  • ein "Peer-to-Peer Tutoring" genannter Betreuungsprozess, bei dem schwächere Schüler individuelle Unterstützung erhalten.

Not-for-Profit-Organisationen, die Partner der Khan Academy sind, machen die Inhalte außerhalb von YouTube bekannt. World Possible erstellt z. B. Snapshots der Inhalte, um diese in ländlichen, sich entwickelnden Regionen mit begrenztem oder keinem Internetzugang zu verteilen.[9]

Im März 2012 veröffentlichte die Khan Academy eine iPad-App, mit Hilfe derer mehr als 2.700 kostenlose Lehr-Videos genutzt werden können.[10]

Kritik[Bearbeiten]

Manche Kritiker bemängeln, die Position des Lehrers werde beeinträchtigt, wenn die Lernenden ihr Wissen per Lernvideo bezögen und der Lehrer nur noch ergänzend tätig werde. Außerdem verleite das System aus Lernvideos die Schüler zu einer passiven Haltung. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass die von der Khan Academy verbreiteten Inhalte der alleinigen Kontrolle Salman Khans unterliegen, was weniger bei mathematischen oder naturwissenschaftlichen Themen problematisch sei, dafür umso mehr beispielsweise bei potenziell kontroversen Interpretationen von Geschichte.[11]

Eine weitere Kritik beruft sich auf Untersuchungsergebnisse, nachdem naturwissenschaftlich korrekte Lehrvideos bestehende Fehlannahmen häufig sogar noch verfestigen, da sie von den Lernenden oft mit geringerer Aufmerksamkeit wahrgenommen werden als solche, die widersprüchliche oder irritierende Informationen liefern und den Betrachter dadurch zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Präsentierten und den eigenen Fehlannahmen anregen.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Khan Academy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Salman Khan: Die Khan-Academy: Die Revolution für die Schule von morgen. Riemann Verlag, München 2013. ISBN 978-3570501443. Originaltitel der englischen Ausgabe: The One World Schoolhouse. Hodder and Stoughton Ltd., London 2012, ISBN 978-1444755770.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Khan Academy. Khan Academy. Abgerufen am 1. Juni 2012.
  2. http://www.project10tothe100.com/
  3. The team. Khan Academy. 2010. Abgerufen am 12. März 2012.
  4. James Temple: Salman Khan, math master of the Internet, sfgate.com. 14. Dezember 2009. Abgerufen am 12. März 2012. 
  5. $10 million for Project 10^100 winners. The Official Google Blog. 24. September 2010. Abgerufen am 12. März 2012.
  6. Salman Khan: Khan Academy FAQ; How Did You Get Started?. Abgerufen am 12. März 2012.
  7. Need a tutor? YouTube videos await, USA Today. 12. Dezember 2008. Abgerufen am 12. März 2012. 
  8. a b http://www.khanacademy.org/
  9. Partners. Worldpossible.org. Abgerufen am 12. März 2012.
  10. Kostenlose Lehr-Videos: iPad-App der Khan Academy erschienen, t3n, abgerufen am 12. März 2012.
  11. Christoph Gurk: Daumen hoch für Khan in: Die Zeit vom 1. September 2011, abgerufen am 30. März 2012
  12. Khan Academy and the Effectiveness of Science Videos YouTube-Video des naturwissenschaftlichen Blogs Veritasium vom 17. März 2011, abgerufen am 1. April 2012 (englisch)